Ar 1<K>. Erstes Blatt. Sonntag den 1. Mai 18SI.
chichcner Miyeiger
Aykige- uni Amtsdlntt für im fircis GikKen.
' ‘ <^reiv vlenel,Lhrlich 2 Mark 20 Pf. mit Vrinqerlohn.
^tircoti: Schnkstraffe N. 18. Erschcin, fäflliti mit «nfinabme bei ^oniags. Durch bie Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Gefunden: 1 Manschette mit fftiopf, 1 Schürze, 1 M.ffer, «in weiße« Taschentuch, mehrere Schlüssel.
Selrgraphischr Vepescheu.
Wolff*- telegr. F»rrespo«be«z-V»rrau.
Karlsruhe, 29. April. Ihre Majestät die Kaiserin traf m tiklft S; trazugs gegen 12 Uhr hier ein, wurde auf dem Bahnhofe von den Mitgliedern der Großh- Familie begrüßt und reiste nach kurzem Aufenthalte nach Baden- Baden weiter.
Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.
F r e s e n t u ___________
Zugelaufen: 1 Dachshund. Gießen, den 30. April 1881.
Deutschland.
Berlin, 27. April. Ter „M. Zig." entnehmen wir: Man erinnert sich, daß der Abg. Garet- bei den Verhandlungen im Reichstage über daS Lonfulat zu Apia die Bemerkung in die Debatte einflocht, eS befinde fich im Strafgesetzbuch in sofern -ine Lücke, alS der Sklavenhandel darin nicht bedroht sei. Solcher werde in den polynesischen Gewässern auch von Deutschen schwung» haft betrieben. Der Reichskanzler, der in der Sitzm g zugegen war, griff diese Bemerkung auf und regte den genannten Abgeordneten an, fich in dieser Sache an da- auswärtige Amt um Abhülfe zu wenden. Derselbe hat diesen Wink besolgt und eine Eingabe gemacht, worin er die Derhältniffe au-einan versetzt und für daS erwähnte Verbrechen eine Strafe bis zu 15 Jahren Zuchthaus, sowie eventuell Eonfiecation deS Schiffe- und der Ladung vor- tchlägt- Er hat hierauf jetzt eine überraschende Antwort vom auswärtigen Amte erhalten, welche kurz bisagt, eS könne jetzt, nachdem der Reichstag in bn vorigen Session die Samoa-Vorlage abgelehnt habe, daS auswärtige Amt keine Veranlaffung finden, in dieser, den Südsee - Archipel hauptsächlich betr. Frage auf dem Wege der Gesetzgebung vorzugehen. Man werde versuchen, auf dem Verwaltungswege im Einzelnen Remedur zu schaffen. — Heute Dor- mittag lieb der Kaiser sich eingebe'den Belicht über daS schreckliche Unglück auf Sr. Mal. ArtMerieickriff .Mars" abstatten. In Folge deffen wird der Ehes der Admiralität, General v. Stosch, oder ein höherer Admiralität-- Olficter unverzüglich nach W'.lbelmshafen abreisen, um an Ort und Stelle den Thatbrstand der Katastrophe seftzustellen. Ununterbrochen laufen auS der obigen Veranlaffung bei der hiefigen kaiserl chen Admiralität Telegramme auS WilhelmShafen ein; de-glrichen von den Angehörigen der an Bord befindlichen Besatzung.
Berlin, 28. April. Die Eommisfion für das Arbeiter-Unsallverfiche- rungsqeietz hielt heute ihre erste Sitzung ab. Eine allgemeine Debatte wurde abgelehnt und sofort in jene über § 1 eingetreten. Staatssekretär v. Bötticher trat lebhaft für die Vorlage ein und wies namentlich alle Bedenken gegen die ReichsversicherungSanstalt zurück, die von verschiedenen Seiten erhoben wurden. Auch die Ausdehnung deS Gesetz!- auf die ländlichen Arbeiter wurde in Anregung gebracht. Leiten- der Fortschritttpartei legte der Abg. Freund den mehrfach erwähnten Antrag auf E:Weiterung de- Hastpflichtgesetzes vor. Die Debatte über § 1 wurde nicht zu Ende geführt.
Arankreich.
Paris, 28. April. Eine Meldung der „Agence Havas" auS Ragusa von gestern bestätigt, daß Pnzrend von türkischen Truppen besetzt worden ist. Die Insurgenten lagern drei Stunden von Prizrend entfernt, find gut bewaff« net, haben aber außer Brod keine Leben-mittel. Die bei Prizrend, Ipek und Giacova stehenden Truppen der albanefisten Liga find gegen 20,000 Mann stark. Die Vervirdurg zwischen Skutari und Prizrend ist zerstört. Pristina ist von den Insurgenten besetzt. Derwisch Pascha ist mit 25,000 Mann tn F'zorevich eingetroffen und marschirt nach USkup, welcher Ort fich den türkischen Truppen ergeben hat. Tie Führer der aufständischen Bewegung find verhaftet und nach Konstantinopel geschickt worden.
Auhland.
Petersburg, 28. April. Ter Zustand der Kaiserin soll, wie man aus guter Quelle vernimmt, in Folge der beständigen An^st, die ihr die Tro- Hungen dir Nihilisten verursachen, fich verschlimmert haben. Die nervöse Uebrrrrizung, an der fie leidet, habe, so verlautet, in den letzten Tagen einen beängstigenden Charakter angenommen- Der Kaiser we.lt nur chretwegen tn Gatschma und kam auch deshalb zu den Osterfeierlichkeiten nicht nach Peter-, bürg, was sehr bemerkt wurde, da zum ersten Male ein russischer Czar dabei fehlte. In Gatschina ist der Kaiser von einer Kosakengarde umgeben. Im Kesan'schen Stadrtheil wurden in der Osternacht auf drei Stellm svciansttsche Proclamationen angeschlagen; die Polizei entfernte sie, konnte aber trotz aller Aufmerksamkeit die Tbäter nickt entdecken.
Gerlin, 29. Avril. Reichstag Zweite Berathung der Vorlage, betreffend die Besteuerung der Dienstwohnungen von Reichsbeamten. v. Putlkamer empstchlt den Antrag der Commission, den Procentsatz der Miethssteucr von 10 auf 15 Procent zu erhöhen Richter Hagen, bekämpft die Vorlage und bemerkt, e« liege fern (Mrunb vor, neue Vergünstigungen für bie Reichsbeamten zu schaffen. D«e Motive ^utdielten unrichtige Angaden Über die Berliner Verhältnisse. Der Vorwurf des Reich-, kanzlers bei der ersten Lesung der Vorlage, datz die Berliner StadtverwaUuna bei Veranlagung der Mietbssteuer parteiisch zu Werke gebe, sei unbegründet, dieser,Vorwurf habe tn Berlin eine wahre Verleumdunasära angeregt BundeScommissar MOller weist dem Abg. Richter gegenüber das Zutreffende in den sachlichen Ausführungen der Motive nach. Freiherr v. Mirbach tritt für die Regierungsvorlage an. Fürst Bismarck welcher während der Rede des Abg. Richter in das Haus getreten, bemerkt, Berlin müsse doch auch Werth darauf legen, daß so viele Beamte hier wohnten, man dürfe sie daber nicht zu hart mit dieser Steuer behandeln. Berlin würde schweren Schaden erlaben, wenn man d'e höchsten Behörden nach einer andern Residenz oers lege: ba der Vortage bandle es sich um eine Frage der Gerechtigkeit denn der Zwang, eine Dienstwohnung benutzen zu müssen, lege für die Ausstattung derselben grotze L pfer auf. Cs sei ungerecht, bie Dienstwohnungen gerade so zu besteuern, wie seldstgewühlte, er erhebe einen Anspruch darauf, von der administrativen Willkür der Stadtreg^erung unabhängig zu werden, er macke auch für die Uebelftände nickt den Oberbürgermeister verantwortlich, der dem Ringe gegenüber selbst machtlos fei. Die Führung hätten Leute, welche nut ibrer Ctoquenz die Herrschaft an sich rissen und die Parteien dienten. Unsere Zeit erfordere Rem-dur gegen daS Uebel der Beredtfamkelt und auch gegen deren Schaustellung in den Parlamenten Er habe e,n für das' ^kMttn- wobl arbeitsreiches Leben hinter sich und wolle nicht mst dem bitteren Gefühle weiter arbeiten, von den politischen Gegnern auch nur um einige Pfennige ungerecht beur- tbeili >u werden. Benda erklärt sich gegen die Vorlage, da zu derselben kein Bedürfnitz oorNege. Fortsetzung morgen. - ..
Berlin, 29. April. Die Stempelsteuer.Commission hat mit 1J gegen 6 Stimmen die Steuer auf Sheks und Gira-Anireifungeu und mit Slimmrn- aleichbeit die Sr-uer auf Lombard.Darleben abgelehnt.
Wiesbaden, 29. April. Se- Majestät der Kaiser ist heute Vormit- tag 10 Ubr 20 Mtn. im b.sten Wohlbefinden bei prachivvüem Wetter hier eingettoffen und auf dem B'hnhofe von den Spitzen der BehSrden empfangen worben. Se. Maj.stät begab fich in einem offenen Wagen nach dem Schlöffe, von der auf den feAtch beflaggten Straßen zahlreich »eisamm.Iten BevLlke- rung tn‘t enlhufiastischen Hochrufen begrüßt.
Kiel, 29. April. Der König und die Königin von Schweden find heute früh auf dem Postdampfer „®t nut" vor. «orför wohlbehalten hier ein- getroffen und haben um 7 Uhr Morgen« ihre Reife nach England über Ham- hura und Köl' fortgesetzt.
Baden-Baden, 29. April. Jbre Majestät die Kaiserin Augusta ist heute Nacdnartag !</« Uhr hier eingettoffen und hat Im Meßmerffchen Hause Wohnuna flerommen. . . .
2tuttaert, 29. April. Ter König und die Königin werden am 3 Mai ro» Eanves abreifen und über Ouchy, wo ein 14tLgigtr Aufenthalt ge> omrnen werden soll, nach Stuttaort ,urückkehren. Der König wird alsdann am 19 Mai d'e diesige Eenerbeautstellung eröffnen.
Petersburg, 29 Apr>l. Dl- .Agence Ruffe" bestitigt, daß die Pforte Protest irooben habe gezrn den Emmarsch ftanzöfischer Truppen in Tunis w.lcheS als ein Thiil des ot,omanischen Reiches anzusehen sei, und daß der B-? von Tunis in einer D.pesed« die Intervention der Möchte ans Grund des Perttoges von Berlin angerusen habe. Tie ,Agence" bemerkt hierzu, der Vertrag von Berlin habe mit dieser Frage nichts zu thun und was Ruß. land angehe, so babe eS kein Jntereffe, in dem Eonflict zwischen Frankrerch und TuniS zu interoentren.
Athen, 29 April. Der Si:iepsMinister hat die provisorisch vom SrieqS lenst B freiten zum sofortigen Dienste bei der Fahne einberusen.
Madrid, 29. April. Die ältere Schwester deS Königs ist mit dem Pferde g stürzt und hak fich dabei mehrere, jedoch leichte Verletzungen, !b;" Pari», 29. April. Der in Sef commandirende ftanzöfische Oberst hat die Unteict funfl der Scheiks und Kadis entgegengenommen, die Verbindungen iut Beschaffung von Proviant find g-fichert. Im Süden der Provinz Oran har keinerlet Gefecht stattg-funden. Die aus 380 Mann bestehende Garnison von Geryville ist wegen eines etwaigen Angr ffs ohne Sorge, da die benachbarten Stämme fast sömmtlich Irm geblieben find. Nur du drei Ltömrne der Trafis, der Ouledzia und der Onledhaddou haben fich erhoben. Zwischen dem Aga der Trafis und dem Aga der Saiida, welcher den Franzosen treu geblieben ist, hak ein Zusamm-nstoß stattg-funden, bei welchem dtt letztere 30 Mann verlor; die Verluste der Trafis find größer.
_ Nach hier eing,qangenen Nachrichten bat die Truppenabtheilunz deS Generals Log-rot ihren Marsch nach dem Thale von Medjerda fortgesetzr, j ohne auf Widerstand zu stoßen und wird am Sonntag oder Montag in B-za


