Ausgabe 
1.3.1881
 
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Blättern, welche die Beruhigung des Landes nicht wollen, und zu meinem Bedauern bei vielen Männern des Landes wird meine Ansprache vom 1 ßrebiuar als im Wider­spruch stehend mit der vom 6. December erklärt- Welche Erfahrungen mutz das Vanb gemacht haben, rmnn es nur an die Möglichkeit glauben kann, em hoher Beamter könne in wenig Wochen seine Auffassung ändern. Nein, meine Herren, so bin ich nicht erzogen, am 6. December sprach ich aus meinem Herzen zu Ibrcn Herzen, am 1. Februar wandle ich mich in Fragen, die das Interesse des Landes berühren, rem sachlich an Ihr Uriheil und, von wem soll das Lund die Klarlegung der Verhältnisse bei einem so wichtigen Akte, als es die Reichstagswahlen sind, verlangen können, wenn nicht von seinem Statthalter? Dieser meiner Pflicht habe ich ohne Scheu und ohne Rücksichtnahme aus momentane Eindrücke genügt, und das Weitere liegt nun m dem Willen des Landes selbst. Da ist es ja möglich, datz durch den Ausfall der Wahlen die Erfüllung meines Wunsches m noch weitere Ferne hinausgeschoben ro;rb, bis tn das Eingeweide hinein würde mich das schmerzen, kann aber nie Emflutz üben auf mein Handeln; möge das Land wählen wie es will, mögen die Blatter über und gegen mich schreiben, die Leute über und gegen mich reden, was sie wollen, ich gehe unbeirrt meinen eigenen Weg und bleibe gehorsam den Befehlen meines Kaisers, ich wiederhole dies' durch gute und gerechte Verwaltung den Elsaß-Lothringern den Uebergang in die neuen Verhältnisse erleichtern, Gefühle schonen, Wunden Hellen, nicht solche schlagen", und meine Herren, hier in diesem Saale, in den ernstesten Stunden meines Lebens, als Gott mir das Schwerste aufei legte, was mir bisher auferlegt worden, habe ich es ausgesprochen, datz, wie der Doge von Venedig sich mit dem Meere vermahlte, ich werben wolle um Elsatz-Lothringen. Auch an diesem Wort halte ich unverbrüchlich fest noch nie bin ich in Widerspruch mit mir selbst getreten; aber datz ich lieber um das freie offene Meer werbe, als um einen mit Wällen eingedämmten See, das können Sie mir nicht verdenken. Helfen Sie mir, diese Wälle wegzuräumen! Und nun, meine Herren, sage ich Ihnen herzlich Lebewohl bis so Gott will auf gutes Wiedersehen im Herbst, und Gott schenke Ihnen allen Glück und Heil im Hause und im Berufe. Stotzen Sie noch einmal mit mir an auf Elsaß-Lothringen, Elsaß-Lothrmgen hoch! und hoch' und hoch! Die Rede wurde mit großer Wärme aufgenommen und an ver­schiedenen Stellen mit lauten Beifallsrufen begleitet. Der Präsident des Landesans­schusses, Schlumberger, erwiderte mit einem Lebehoch auf den kaiserlichen Statthalter, welches' allseitig den lautesten Wiederhall fand.

Arankreich.

Paris, 26. Februar. Der Senat ftnt.hmigte heute die Aufhebung aller Zölle für ölige Substanzen. Der Senat und die Deputirtenkammer haben sich bis zum nächsten Donnerstag vertagt.

England.

London, 26. Februar. Meldung desReuter'schen Bureaus" aus Newcastle vom 25. ds.: Ein Eingeborener, der sich bei den Boers als Gefan­gener befand, schätzt die Zahl der Boers, welche Langsnek besetzt halten, auf 7000, da« Geschützmaterial derselben bestehe aus zwei alten Kanonen. Die Boers von Utrecbt hätten auf die Nachricht von der großen Zahl der heran- nahenden Verstärkungen der Engländer tn die Heimath zurückkehren wollen, seien aber durch die Boers von Zoutpansberg daran verhindert worden. Nach einer weiteren Meldung drsReuter'schen Bureaus" aus Newcastle von heute früh ging das Gerücht, Wakkerstroom sei von den Boers genommen, später aber wieder von den Engländern besetzt worden, welche dabei mehrere den BoerS gehörige Wagen weggenommen hätten.__

Telegraphische Depeschen.

Wolff'» telegr. E,rresr>orrdenr-«ureau

London, 28. Februar. (Prtvat'Depesche des Gießener Anz.). Eine Depesche desReuter'schen Bureaus" aus New-Castle meldet: General Colley ging gestern gegen Mitternacht mit 6 Compagnien von Mount-Prospekt vor, besetzte die Spitzen von Langsnek, wurde von den Boers aber nach Viermali.

gern Angriff und wegen Munitionsmangel zurückgetrieben. Beide Theile erlit­ten große Verluste. Mehrere britische Osficiere, darunter einige hohen Rangs, sind getödtet oder verwundet; alle ankommenden Verwundeten sagen, daß Ge­neral Colley todt sei. Kaum 1 00 Engländer sind den Boer» entronnen.

Wien, 27. Februar. Vor der Wohnung des Abg. Lienbacher fanden gestern Abend lärmende Studenten-Demonstrationen statt. Die Polizei -er- streute die Versammelten und nahm mebrere Verhaftungen vor.

93ermtfd)tee.

Kassel, 19 Februar Eine tragickomijche Geschichte erzähltT. u. A.", die sich vor einigen Tagen in dem benachbarten C. ereignete Em Handwerksbursche trat in ein Bauern

gehöfte, um zu betteln. Da er kein menschliches Wesen weder 'm Stall, noch in der Rüctic erblickte, trat er in die Stube, ohne jedoch auch hier Jemanden anzutreffen. Wohl aber lag eine große Wurst auf dem Teller, der auf dem Tische stand. Der arme Teufel, den wohl der Hunger plagen mochte, konnte der Versuchung richt widerstehen, ergriff die Wurst und wollte eben dU'ch die Tl-üre mit derselben verschwinden, als plötzlich draußen auf dem Flure sich das Geräusch von Stimmen hören ließ welche sich der Thüre näherten. Der Dieb stand einen Augenblick wie erstarrt mit seiner Wurst, unschlüssig, was er thun sollte; zurück zum Tllch konnte er nicht mehr, denn er stand in der Nähe des Fensters und im nächsten Augenblicke mußte die Tnüre sich öffnen. Da kommt ihm plötzlich ein rettender Gedanke, dicht zu seiner N- chtcn befindet sich ein großes Himmelbett- mit einem kühnen Sprung vtrschwindet er unter demselben, gerade noch zur rechten Zeit, denn im Moment daraus öffnet sich die Thüre und die vierschrötige Gestalt des Bauern erscheint in derselben. Der Blick des Etntretenden richtet sich sofort auf den Tisch, auf dem die Wurst nicht mebr liegt . Kathrin, wo ist die Wurst?" schreit er aus der Thüre binaus.Auf dem Tische!" antwortet eine Stimme von oben h-rab.Ich sel-e nichts, komm herab!" ruft der Bauer zurück. Gleich darauf tritt eine nicht minder herkulisch gebaute Frau in das Zimmer und bleibt wie gebannt an der Thür stehen, als sie auf dem Tisch den leeren Teller sieht. ,.J, so soll dock der ver . . . le

Hund!" , Tiras!" ruft nun auch sic aus oer Thüre nach dem Hofe. Tiras erscheint mit seinem freundlichste Gesichte und wedelndem Schweife, noch ohne Ahnung deS drohenden Un« weiters, welches sich über seinem unschuldigen Haupt -usammenzieht.Wo ist die Wurst?" zetert das Weib den Hund an, indem cS mit der Hand nach dem leeren Ttller auf dem Tische deutet. Der Hund sieht forschend bald der Frau in'L zorngeröihete Gesicht, bald auf den leeren Teller, dann schüttelt rr das zottige Haupt und beginnt Itife zu knurren.Warte, du Biest!" schreit die erzürnte Hausfrau und greift nach dem Besen, um Tiras das Fell auszuklopsen Auch der Bauer, dem der Vettust der Wurst ebenfalls zu Herzen oder an den Magen gebt betheiligt sich mit einem Hosenträger an der Züchtigung deS Unschuldigen. Im nächsten Moment hagelt eine Wolke von Schlägen auf den unglücklichen Tiras herab, der sich endlich nicht anders zu helfen weiß, als heulend und winselnd unter das Beit zu kriechen. Erschöpft halten die Beiden in ihrem Schlagen inne, als auch unter bim Bette ein furchtbares Lärmen sich erhebt Tiras heult und bellt, eine menschliche Stimme schreit um Hülse und gleich darauf kollerte die verschwundene Wurst unter dem Bette heraus, dm Beiden zu Füßen. Datz Toben unter dem Beite aber währte noch fort und endlich wälzt sich eine wüste Moffe hervor. Der Kopf eines fremden Mannes, den der wüthende Tiratz om Hol -? gefaßt hielt, während beide Hirne des Mannes den Leib des Hundes umschlungen hatten Entsetzt stehen die Beiden da und kamen

erst dann wieder zu sich, als der Fremde sie mit röchckndcr Stimm: und voll Todesangst um Hülse anflcht. Jetzt wird Tiras von dem Manne sortgeriffen, deffen Hal« er aber nur mit Widerstreben fahren läßt, und der Gewürgte g steht nun reumüthig, wie der Hunger ibn der. leitet habe, die Wurst zu nehmen und unter das Bett zu flüchten, al« er die herannahenden Tritte hörte Der Bauer, der übrigens ein gutmüthigcr Geselle ist, wollte sich zuerst ausfchütten vor Lachen, bedachte aber Denn doch den Fechtbruder mit einem warmen Mittagessen uno Hey ihn unbehindert seines Weges ziehen.

Hanau, 25 Februar Soeben 12 Uhr, wird uns eine haarsträubende Geschichte mitgetheilt, die sich gestern unweit Kerzell im Kreise Fulda neignet haben soll. Ein Mädchen, welches eine Baarsckaft von 400 <X bei sich führte, bat den Kerzeller Bürgermeister um einen Begleiter, weil sie sich durch den Wald zu gehen chiete Der Bürgermeister schlug da« Er­suchen ab, bemerkend, im Walde siicn keine Spitzbuben. Ein Gendarm begegnete dem Mädchen und begleitete es eine große Strecke durch den Wa'.o Kaum hatte cr es verlaffen, so hörte er einen durchdringenden Schrei, eilte darauf zu und fand das Mädchen, dem em Messer im Hals steckte. Das Mädchen lallte noch den Namen des Mörders. Letzterer, dem das Mesier nach Aussage seiner Familie angebörcn soll, wurde alSbald verhaftet und wird die Untersuchung das Weitere ergeben. Das Mädchen soll bereits gestorben sein. (Han. Anz.)

Allgemeiner Anzeiger.

WWW Gskilbchnk».

1361) Die nachstehend aufgeführten Gegenstände sind auf den Oderdessischen Bahnlinien gefunden worden. Die unbe­kannten Eiginthürner werden aufgefordert, ihre Ansprüche innerhalb vier Wochen bei der unterzeichneten Stelle geltend zu machen, andernfalls zum Verkauf geschritten wer­den wird.

1 Brille mit Futteral, 1 Cigarrenspitze, 1 blecherner Eimer, 5 Filzhüte, 1 goldene Broche mit schwarzem Steineinsah, 1 aoldenerOhrring, 1 goldener Uhrschlüssel, 1 vergoldetes Medaillon, 4 Paar Hand­schuhe, 1 Düte Holznägel, 2 Paar Kinder­schuhe , 1 Schachtel Kinderspielzeug, 2 Körbchen, 1 Knabenröckchen, 1 Rolle Mehlproben, 8 Mühen, 4 Messers, 1 Pfeife, 6 Regenschirme, 2 Regenmäntel, 1 Sensenstiel, 2 Sonnenschirme, 3 Stöcke, 4 Strohhüte, 2 Paar Strümpfe, 4 Taschentücher, 2 Umhängtücher, 1 Zahn­stocher.

Gießen, den 25. Februar 1881.

Die Haupt-MagazinSverwaltung.

Main-Weser-Bahn.

Verkauf

alter Bahnschwellen.

Dienstag den 1. März d. I., beö Nachmittags um 4 Uhr, sollen in der Näbe der Margarethen­bütte einige Haufen alter Bahn- schwellen an die Meistbietenden ver­kauft werden.

Gießen, den 25. Februar 1881.

1318) Bahnmeisterei X«

Mittwoch, den 2. März l. I.,

Nachmittags 2 Uhr,

werden in meiner Geschäftsstube 5 Petro­leum Kochheerde gegen Baarzahlung ver- steigert. ...

Geißler,

1360) Großb. Gerichtsvollzieher.

Oeffklitliche Aufforderung.

Georg Decort von Gießen, Sohn des Krämers Georg Decorl aus dkffen erster Ehe mit Elisabetha Rinn, ge- froren am 19. Januar 1808 zu Mainz, feit langen Jahren mit unbekanntem Aufenthaltsort abwesend, wird hiermit aufgefordert sein großmütterliches, da­hier curatorisch verwaltetes, in 715,07 Mark bestehendes Eibtheil binnen drei Monaten, von heute an gerechnet, in Empfang zu nehmen, andernfalls das­selbe seinen aufgetretenen nächsten Ver­wandten, nämlich den Kindern seiner verstorbenen Tante mütterlicher Seite, Margaretha, verehelicht gewesenen Stollmer, ausgehändigt werden würde.

Gleiche Aufforderung ergeht an etwa vorhandene nähere ober gleichnahe Ver­wandte des Georg Decort.

Gießen, den 20. Februar 1881.

Hroßherzogl. Amtsgericht Gießen.

Sta mmitr, 1351) Amtsrichter.

Holzverkauf.

Freitag den 4. März d. IS., von Mor^r.s 10 U?r a;i, sollen im Hassenhäuser Jntereffenten-

ald, Schlag Breiteweg:

292 Stück Tannen von 1218 m ßärge uno 1528 em Durch­messer mit 96 fm

an Ort und Stelle meistbietend ver­kauft werden.

Hassenbausen, den 22. Febr. 1881. Der Waldverwalter:

1275) Moeller.

1340) Ein großer Haufen Mist zu verkaufen im Darmstadter HauS.

f)ofjoer|lciQPniS!ij in der

Fürst! Oberförsterei Lich.

In oen Distlicien Fuchsstrauch, Kellersberg und Höler soll nachver- zeichneies Holz versteigert werden:

Montag den 7. März

Scheich. Prüzelh. Stockh. Reich.

Raummeter. Wellen.

Buchen 13 150 41 2550

Eichen 34 97 55 2420

Nadelholz 3 4 160

Dienstag den S. März

8 -chwerc Eicheustäutwe von 53 b-s

79 cm Durchmesser und 411 m Länge, mit 14,11 cbm,

91 geringere Eichen mit 18,68 cb«,

69 Kieftrnstämme von 1541 cm Durchmesser und 519 m Länge, mit 50,04 cbm,

11 Fichtenstämme mit 3,59 cbm und

86 Fichtenstangen mit 1,95 cbm Inhalt.

Zusammenkunft jedesmal

Morgens 10 Uhr

frei dem Bah wärtechaus Nr. 11 un­weit Kolnhausen.

Lich, 28. Februar 1881.

1358) Wimmenauer, Forstrath.

Freitag drn 4. März, Vormittags 11 Uhr, soll auf dalriesigem O^tsgericht der Acker der Georg Linck^r Wwe. dahier

Flur Vm, 3830 Mtr. Acker auf den Läufertsröder Weg meiftbictend versteigert werden.

Gießen, den 12. Februar 1881.

Großh'-rzogl. Ortsgericht Gießen.

1011) Müller.

Holzversteiqerunq.

Donnerstag den 3., Freitag den und Montag den 7. Marz l I., jedesmal Morgens von 9 Uhr an, sollen in dem Beuerner Gemeindewaid in verschiedenen Districten nachveizeich- nete Holzsorttmente versteigert werden, als:

353 Rmtr. Buchen-Scheitholz,

216 -Krüppel,

12 Erchcn-Scheilholz,

6 , Aöpen-P ügel,

39 NadelPrügel,

6100 Wellen Durchforstungs-Ret-Holz,

6350 Buchen-Retsholz,

350 Aspen-Retsholz,

4500 Nadel-Reisholz,

137 Rmtr. Buchen-Stockholz,

34 Nadel-Stockholz,

4 Eichen.Swckholz,

57 Eichen-Stämme,

80 Nadelstämme erster Qualität, 703 Nadel-Derbstangen,

1 Bnchenstamm.

265 Nadel-ReiSstangen.

Bemerkt wird, daß das Bauholz Montag den 7. März L J-. zur Versteigerung kommt.

Die Zusammenkunft ist oberhalb Fünfhausen.

Beuern, den 25. Februar 1881. Großherzogl. Bürgermeisterei ©euer. 1347) Ranft.

Für Küfer.

Enca 4 Mtr. Ziehen Spalten, prima, sowie eine große Parthie auSgehauene Dauben verkauft (1290

I. HauS, Bieber.

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