Ausgabe 
1.3.1881
 
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Nr SO. Dienstag den I. März 1SS1.

chicheiler Wütiger

Aarrigk- Imtoblett fir in firrte Gieße».

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Peul/chland.

Berlin, 25. Februar. Von besonderem Interesse sind dieses Mal bk Mitthe lm gen deS Relch-comwiffar- über das AuswanderungSwesen während de- Jahre- 1880, die gestern dem Reichstage zugegangen finb. ES heißt boxt u. A.: Die Auswanderung über die drei deutschen Häfen Hamburg, Bremen und Stettin hat während deö verfloffenen Jahre- in einem so hoben Grade gegen die, der letztvrrgangenen Jahre zugenommen, daß die Zahl der beförderten Auswanderer sich säst auf da- Dreifache der im Jahre 1879 Beförderten erhöht bat, und nur durch die im Jahre 1872 besö'derlc Anzahl erreicht und übertroffen worden ist. In den ersten Tagen deS Monat- April war die Zuströwu g der Auswanderer eine so große, daß die vorhandenen Dampfschiffe zu ihrer Beförderung nicht mehr auSreichlen. Die dirsacker. einer so ungewöhnlich starken Auswanderung, besonders nach Nordamerika, dürfen zunächst in den grbefferten amerikanischen Verbältniffen und darin zn finden sein, taß namentlich dem Landmann dort die Mögl'chkeit geboten ist, bet au-dauerndem Fleiße in verhältnißmäß'ger Zeit eigenen Besitz au erwerben, zur Selbstständigkeit und zu einer gewiffen Wohlhabenheit zu gelangen. Ein Hauptbeweggrund zur Au-wanderung ist aber die bereit- stattbabende Ansässig' keit von Angehörigen und Bekannten der Au-wanderer in Ameiika, welche letztere nach sich ziehen Er mangelt den in Amerikr bereits ansässigen Deut­schen au Arbeitskräfte", und d Sbalb werden durch Urberredung und Vorspte- getung wirklicher und scheinbarer Vorthrile viele der noch bin zurückgebliebenen Angehörigen rc. veranlaße, die bisherige Heimath zu verlassen. In sehr vielen Fällen wird von den in Amerika ansässigen Deutschen sür die, wilche sie nach' zuziehen wünschen, da- Geld für die Ueberfahrt dort bezahlt und die in Amerka gekauften LchiffbilletS letzteren zugesandt. So sind im verfloffenen Jahre etwa 16 pEt. säwmtlicher Ausgewanderten auf in Amerika von dort Ansässigen gelöste FabrbilletS befördert werden. Es ist aber auch eine nicht unbedeutende Anzahl kleinerer in Deutschland ansässiger Grundbesitzer, nachdem fie ihren bisherigen Besitz veräußert, cmSgewanren, und nach Aeußerungen dieser Leute »st eine groß- Anzahl gleicher Kategorie nur dadurch noch zurück- gehalten, daß e- ihnen nicht gelungen ist, ihre kleinen Besitzungen und Gebäude einigermaßen prei-werth abzugeben. Es ist gegen bte Vorjahre überhaupt eine verbältnißmäßig sehr große Anzahl solcher Leute au-gewandert, die auch hier anscheinend in nicht ungünst gen pecuniären Verhältnissen gelebt haben. Von den über Hamburg einschließlich der Ausländer beförderten 68,887 Personen wurden direct befördert 49,100 Personen (darunter 46,739 in 67 Dampf, schiffen nach New Hm k) in 152 Dampf, und 30 Segelschiffen; iudirect über englische Zwischenhäfen wurden nach Nordamerika befördert 19 787 Personen. Don außereuropäischen Häsen nrch Demschla.d wurden im verfloffenen Jahre gegen 15 000 Personen befördert.

Berlin, 26. Februar. Der festliche Einzug der Braut des Prinzen Wilhelm begann ur ter den lebhaftesten enthusiastischen Kundgebungen einer nach Hunterttai.send.n zählenden Vo ksmenge. Da- Wetter günstig. Um halb 3 Uhr passirte der Zug unter dem Tom er der Kar onen das Branden- durger Thor, woselbst die Begrüßung durch den Oberbürgermeister r. Forcken- beck stattfand. Die Pr nzrsfin Braut antwortete mit freundlichstem Dai ke und sprach bie Hoffnung auS, von der Berliner Bevölkerung ganz zu den Ihrigen gezählt zu werden. Gleich nach 3 Uhr erreichte der Zug das Sckloß, an deffen Treppe der Kronprinz mit den sämmtlicken Prinzen die Braut erwai tete. Der Kronprinz führte dieselbe erst in den Schweizersaal, wo die Begrüßung durch die Prinzesfinnen erfolgte, sodann nach den Brandenburgischen Kammern, wo die beiden Majestäten mit den fürstlichen Gästen verweilten. Im Kurfür- stenzimmer wurden die Ehepacten vollzogen, worauf der Kaiser die Braut in ihre Gemächer geleitete.

DerReichs-Anz." publicirt amtlich die Ertheilung der Dienstent, laffung an Gras Eulenburg unter Belastung des Range- und Titel- als Staatsminister. , rr

Die ^Nordd. Allg. Ztg." bespricht die Rickert'sche Rede. Dieselbe wolle den Schluß ziehen, daß der Reichskanzler gegenwärtig die Dictatur ein- führen wolle. Nichts berechtige dazu. Jeder Tag zeige, daß die Reich-regie- rung die heutige Zeit für eine solche halte, in der liberal, sehr liberal regiert werden muffe. Dies zeigten die Bemühungen der ReiLsregierung, im Sinne und zur Befestigung der bestehenden Derfaffung liberale Vorlagen auszuarbetten, die zwar nur zum Theil angenommen, zum andern Theil verworfen oder von der liberalen Mehrheit im Hinblick auf die Wähler, wenn bte öffentlichen Aeußerungen unbequem, in den Commissionen erstickt worden seien.

Die Nachrichten von einem Scheitern der Mission des Grafen Hatz- feldt in Konstantinopel find an sich unrichtig. Graf H^tzfeldt bat keine Lv'kial- Mission, vielmehr ist er nur beauftragt, in Übereinstimmung mit den anderen Mächten aufzutreten. Von der Pforte kann noch keinerlei Erklärung vor iegen.

Die Rede, welche der Ober-Bürgermeister v. Forckrnbeck an die in Berlin einziehende Prinzessin-Braut richtete, lautet:Bei dem festlichen Ein­züge Eurer Hoheit in die Reichs- und Landes-Hauptstadt biingen Gemeinde­behörden und Bürgerschaft Berlins Höchstihnen zum Willkommen die herzlich­sten Grüße, bie innigsten Glück- und Segenswünsche ehrerbietigst dar. Ter Jubel, der im Festschmuck der Hauptstadt von Tausenden und Tausenden der

dichtgeschaarten Bevökerung Ew. Hoheit entgegenbraust, kommt auS der liefe deS Herzen-, ist entsprungen auS der unwandelbaren Treue und Anhänglich- feit, die mit unserem erhabenen Herrscherhaus unS in Freude und Leid ver- bindet. Dieser Jubel ist der wahre Ausdruck der innigen Freude der Bevöl- rung über das heilige Ehebündn-ß, welches Ew. Hoheit die Tochter auS altem, deutschem Fürstengeschlechte zu schließen im Beartffe sind, der wahre und lebendige Ausdruck der festen und freudigen Hoffnung, daß dieser Bund der Herzen dem Hetzen Brautpaare, dem geliebten Herrscherhause, dem ganzen deutschen Volke und unserer Stadt, welche stets da- wodlthätige und humane Walten ter hohen grauen deS Herrscherhauses mit tiefer Dankbarkeit empsun- den, zu dauerntem Glück und Heile gereichen werden. Gesegnet sei Ihr Ein- tritt in unsere Stadt I So rufe ich Querer Hoheit im Namen der ganzen Stadt zu". Die Prinzessin erwiderte etwa Folgendes:Ich danke von ganzem Herzen für bte Aufnahme, bte ich gefunden. Ich bin tief gerührt von den großartigen Vorbereitungen, welche die Bevölkerung für meinen Empfang ge­troffen. Ich werde deS heutigen TaqeS gedenken und bestrebt fein, bie Liebe, bte mir tu so reichem Maße entgegengrbracht w'rd, meinerseits zu erwidern, um von der Berliner Bevölkerung ganz zu den Ihrigen gezählt zu werden".

Köln, 26. Februar. Die Stadtverordneten-Versammlung hat heute den Vertrag zwischen der ReickSregierung und der Stadt Köln, betr. den An­kauf fiSkalitchen TerrainS zur Erweiterung der Stadt einstimmig angenommen.

Marburg, 25. Februar. Eine sehr zahlreiche, auS etwa 500 Per­sonen bestehende Veisammlung beschloß auf Antrag deS Prof. Dx. Westerkamp eine Petit.on an den Reichstag in der Colonialfrage, nachdem zuvor Prof. Dr. Rein in ausführlichem Vortrage die Frage: Bedarf Deutschland der Colonien? bejaht batte Die Petition hat folgenden Wortlaut:

Die gehorsamst unterzeichnet»« Wähler des Wahlkreises Marburg erlau­ben sich die Aufmerksamkeit deS Reichstages aus einen Gegenstand hinzulenken, deffcn große Wichtigkeit von natior.algefinnten Deutschen deS In- und Aus­landes mehr und mehr anerkannt wird. Deutschland bedarf ter Colonien. Die stetig zunehmende deutsche Auswanderung darf nicht länger ganz an da- Ausland abgegeben werden, mindesten- einem The,le derselben muß deutsche Sprache, Bildung und Sitte erhalten bleiben. Deutschlands Industrie und Handel muffen neue Absatzgebiete jenseits des Mieres eröffnet werden, den deutschen Schiffen sichere Asyle in Kriegs- und FriedenSzeiten Von dem Ver­kehre mit eigenen Colonien erwarten wir eine Steigerung unserer Machtstellung und eine günstige Rückwirkung aus unsere geistige und materielle Wohlfahrt. Verhinderte auch unsere frühere Zerriffenheit und staatliche Ohnmacht die Gründung eigener Colonien, jo braucht doch jetzt das im deutschen Reiche ge­einte Volk n'cht in der Colonisation hinter andern Nationen zurückzustrhev. In weiser Voraussicht der Nothwendigkeit, die deutsche Auswanderung nicht ouf immer ziellos sich selbst zu überlassen, habe, die Urheber bir Reichs?et- f ffung die Zuständigkeit des Reiche« ausdrückl'ch auf die Colonisation au-ge- dehnt.^e diese Bestimmung nicht mehr lange ein leere« Blatt bleiben I An den hohen Reichstag richten wir hiernach die gehorsamste Ditte, in geeig­neter Weise bet der RUchsregierung auf den Erwerb von Colonien hinwirken zu wollen.

Breslau, 26. Februar. Anläßl'ch der Hochzeitsfeier des Prinzen Wil­helm ist die Stadt außer gen öhnlich festlich geschmückt. Alle öffentlichen Ge- HZube und Monumente, wie überhaupt alle Straßen bis in die entferntesten Stadtthrile prangen im reichsten Flaggenschmuck. Dos Fest wurde durch da- Blasen eine« Chorals vom Rathhau--Thurme Mittag- 12 Uhr eröffnet. Abend- findet eine Beleuchtung der Denkmäler sowie Illumination der Thürme am Ri^ae und der Ltebigshöoe mit bunten Ballons statt.

München, 26. Februar. Prinz Arnulf von Bayern überbringt dem Prinzen Wildelm von Preußen anläßlich deffen VermählungSseier mit dem Glückwunschschreiben des König- von Bayern die Infignien de- St. Hubertus- Orden-.

Die Abgeordnelen-Sammer hat den Haus- und Grundsteuer-Gesetz. entevurf nich bm Amrägen bei Ausschusses mit 128 gegen 2 Stimmen an- q {n omin cn*

Straßburg, 26. Februar. Die Session de« LandesausschuffeS ist heute aus Allrr höchste Befehl im Auftrage deS Statthalters durch den Staats- fecretär jnofm-nn gesch'osirn worben.

Straßburg, 26. Februar. Am Schlüsse einer gettern Abend >u Ehren des ^andesuusschusies am Schluß der Sesnon desselben gegebenen Tafel richtete der Statt­halter Feldmarfchall v. Manteuffel, folgende Ansprache an denselben.' »ju meinem ! bedauern hat mein Unwoblsein nvd) verhindert, die geehrten girren des ^andesaus- | schusses m den letzte, bocken bei mir zu sehen und so habe ich nvr erlaubt, eie zu bitten vor dem Schluß I-rer Session noch einmal an meiner Tatei Platz zu nehmen. ^eb-* id) die geehrt-n Herren nun aber hier veisammelt. kann ich nicht anders, als ! -ihnen meine am 1. Februar ausgesprochene Bitte nochmals - nicht an's Herz zu leflcH denn der Pulsschlag meines eigenen Herzens ,agt mir zu laut, baß ben von mir vorgeschlagenen Weg nicht mit leichtem Herzen betreten können iondern meine Bitte nochmals ihrer recht object'ven Beurtheilung zu emprehlen und dabei an ^bren elsaß lothringischen Patriotismus zu appelliren, der aus Koitcn eigene Grtuyle schon so vielfach mm Wohle Jbrcs Geburtslandes r^pser gebracht hat.^ Betone id) diese Frage zu stark, so entschuldigen Sie, meine Herren, aber ich bm /2 Jahre alt, fühle, tüb es abwärts mit mir geht, und ich möchte doch jo gerne, bap Gott es mich erleben ließe, Elsaß-^othringen in vollberechtigter lelbnftanb^er Stellung zu iehen. ßierm gibt es aber wahrhaftig keinen anderen Weg, als^den von mir vorgeichlagenen. ^?och möchte ich rtnige Worte über meine persönliche Stellung dmzusugen. In den