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Nr. 202. - Dienstag den 31. August 1880.
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Deutschland.
Darmstadt, 28. Aug. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Ällergnädigst geruht:
Am 18. August den Reallehrer Dr. August Dieckmann zu Offenbach zum Lehrer am Gymnasium und der Realschule zu Worms mit Wirkung vom 1. October d. Js. an zu ernennen.
Berlin, 27. August. Ueber eine Audienz, welche der Tabaksfabrikant Adolf Ritzhaupt vom Weffaner Hof bet dem Großherzog von Baden gehabt hat, erfährt die „D. Tab.-Zlg." : Herr Ritzhaupt habe aus der Audienz die Ueberzeugung mit sortgenommen, daß der Großherzog von Baden sowohl als auch seine Regierung das Vorgehen der Straßburger Manufaktur keineswegs billigen, und daß voraussichtlich Seitens der Regierungen von Baden, Bayern und Hessen demnächst gemeinsame Schritte geschehen werden, um der Gründung weiterer Filialfabriken in den genannten Staaten Einhalt zu thun. Wesentlich bestimmend für daS beabsichtigte gemeinsame Vorgehen scheinen weniger die Nachtheile, welche die Tabaksindustrie durch die mit Staatsmitteln ausgerüstete Concurrenz erwachsen, gewesen zu fein, als vielmehr die empfindliche Wirkung dieser Concurrenz auf dem Arbeitsgebiete. Es beeilen sich nämlich die Arbeiter, in den neu errichteten Filialen Stellung zu nehmen, weniger weil sie dort bester bezahlt werden, als vielmehr aus Furcht vor dem Mangel, indem sie sehr wohl wissen, daß, falls das Monopol etngeführt wird, ein großer Theil von ihnen brodlos werden muß, und sie suchen sich daher jetzt schon durch Annahme von Arbeit in den Straßburger Filialen gegen spätere Erwerbslosigkeit sicher zu pellen. Mit dieser Einführung des Monopols dürfte es aber noch gute Wege haben, denn aus den Aeußerungen des Großherzogs von Baden schien hervorzugeben, daß sich einer solchen Maßregel u. a. auch ganz bedeutende technische Schwierigkeiten in den Weg stellen, so daß man es nicht nur nicht für geboten erachtet hat, die Frage des Tabaksmonopols auf die Tages- ordnung der Coburger Conferenz zu setzen, sondern daß aud), als dort, wie dies wohl kaum anders möglich war, gesprächsweise die Rede auf das Monopol kam, dies nur in negativer Weise geschehen ist.
— Seitens der Regierung sind Erhebungen über den Stand des Turn- Unterrichts an den Gymnasien und Realschulen angeordnet worden. Ein Beamter des Kultusministeriums bereist die Provinzen, um unter Beihülfe von Beamten der Provinzial-Regierungen die Turnplätze, Turnhallen und Geräth- schaften in Augenschein zu nehmen. Ob die Erhebungen auch auf die Volksschulen ausgedehnt werden sollen, ist nicht bekannt. Seitdem auf das Turnen bei der militärischen Ausbildung so großes Gewicht gelegt wird, hat sich vielfach der Wunsch nach umfangreicherer und wirksamerer Vorbildung durch den Turn-Unterricht auf den Schulen geltend gemacht. Möglich, daß man zunächst eine Grundlage für erweiterte Leistungen nach dieser Richtung aus den gedachten Erhebungen gewinnen möchte.
Berlin, 27. August. Ein interessantes Actenstück bildet der Aufruf der früher in Berlin ausgewiesenen socialdemokrattschen Führer Körner und Finn: „An die Arbeiter Berlins." Bekanntlich ist den beiden Herren von Setten des Berliner PolizeiPräsidiums der Aufenthalt in der Hauptstadt wieder gestattet worden. Der Ausruf lautet:
Das königliche Polizei-Präsidium hat uns die Rückkehr noch Berlin gestattet. Vor uns sind bereits die üblichen Verdächtigungen hier eingetroffen, die uns veranlassen, die unsere Rückkehr begleitenden Umstände offen darzulegen. Zunächst weisen wir die Insinuation zurück, dem Socialismus den Rücken gekehrt zu haben. Unsere Rückkehr rach Berlin und der Bruch mit der domi- nirenden Strömung in der socialistischen Partei galt vielmehr der Ueberzeugung, daß diese Partei, soweit überhaupt von einer solchen noch die Rede sein kann, sich gegenwärtig auf Bahnen befindet, auf welchen sie einestheils zu einer nur nörgelnden „Partei der Unversöhnlichen" auszuarten und zum anderen Theile aufzugehen droht in der Partei der Berliner Hauswtrthe. Nicht also dem Socialismus, sondern jener Richtung, die in prtncipienwtdrigster Weise mit dem denkbar größten Gegensatz des Socialismus, mit dem ManchesteUhum der Fortschrittspartei, cocettirt, jener nur verhetzenden Agitarionsweise, die keinen Respekt selbst vor den sittlichsten Institutionen unseres modernen Gesell- schaftslebens kennt und, unter dem Vorwande der Arbeiterfreundltchkeit, nur selbstsüchtigen Zwecken fröhnend, jeden wirklichen Fortschritt von sich werfend, den Arbeiterstand mit revolutionären Phrasen abzusüttern sucht, — jener bedauernswerthen, in sich überlebten socialistischen Clique haben wir den Rücken gekehrt. Arbeiter Berlins! Uns, die wir durch die uns seinerzeit betroffene Ausweisung die traurige Gelegenheit bekamen, das am Partetkörper parasitenartig herumlungernde sog. Führerthum des Näheren kennen zu lernen, hat sich die Ueberzeugung aufgedrängt, daß es die große Mehrzahl dieser Leute nicht ehrlich mit dem Arbeiterstunde meinen kann, uud daß die in der Regel höchst zweifelhafte Moral dieser Leute nur der unmittelbare Ausfluß der jahrelang getriebenen, oft genug höchst unsittlichen Agitationsweise ist, unter der der Arbeiterstand nicht vorwärts gebracht, sondern dem Verderben ent- gegengesührt wird. Vorkommnisse, wie das gewiß nicht rühmliche Verschwinden des bekannten Abgeordneten, sind nur in einer Gesellschaft erklärlich, der jeder innere sittliche Halt abgeht, der länger anzugehören wir mit unserer persönlichen Ehre nicht glaubten vereinbaren zu können. Namentlich ist es aber das Bewußtsein, daß jene Strömung in prtncipieller Beziehung schwerere, sehr
schwere Sünden begangen und noch tagtäglich begeht, das uns von derselben trennt. Durch die bekannten Angriffe gegen die Wirtschaftspolitik der Reichs- und Staatsregierung der letzten Jahre, die wohl vom Standpunkte des Manchester- thums, nicht aber vom socialistischen sich rechtfertigen lassen, hat die Partei bewiesen, daß es ihr mit dem wirklichen Volkswohle nicht ernst, oder daß sie der Situation nicht gewachsen ist. Diese wohldurchdachte Wirtschaftspolitik hat zur geistigen Expropriation der Partei geführt; sie hat diese zum prtnci- Ptellen Bankerott getrieben und uns zu dem Entschlüsse, so schnell wie möglich uns loszuretßen von diesem kranken Körper und eine Reorganisation des Arbei- terstandes zu ermöglichen zu suchen. Das waren die Uebelstände, die uns vor Kurzem veranlaßten, in Hamburg ein Blatt in diesem Sinne herauszugeben , das wir auch hier fortzusetzen beabsichtigen, sobald uns das finanziell möglich ist. Die in diesem Blatte angenommene, vernünftige, jedenfalls aber soctalistische Haltung hat das königliche Polizei-Präsidium veranlaßt, uns die Rückkehr nach Berlin zu gestatten, was wir um so lieber acceptiren, als wir darin auch einen Beweis erkennen dafür, daß diese Behörde für den Arbeiterstand wirklich nützliche Bestrebungen «her zu fördern als zu unterdrücken gesonnen ist. Arbeiter Berlins! Nehmt für beute mit dieser Erklärung und mit der Versicherung vorlieb, daß wir in kurzer Zeit Gelegenheit suchen werden, unseren Standpunkt in ausführlicherer Weise darzulegen, und überlegt eS Euch bis dahin, ob auch nicht Ihr die heiligste Pflicht habt, Euch fernzuhalten von einer Partei, die gegenwärtig nichts weniger denn eine Partei der Arbeiter ist. Wilhelm Körner, Bernauerstraße 40—41 IV. Karl Finn, daselbst."
Berlin, 27. August. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt über die Sedanseier: „Die Sucht des Deutschen, des Wesens Kern mit heißem Bemühen zu ergründen, sich über Alles und Jedes In die tiefsinnigsten Betrachtungen zu versenken, treibt oft die seltsamsten Blüthcn. Da taucht in einem großen Theil der deutschen Presse wiederum die Frage auf, ob es angezeigt sei, auch in diesem Jahre den 2. September, den Tag von Sedan, als nationalen Festtag zu begehen, und die Ansichten gehen gar wunderlich auseinander. Wohl in feinem anderen Lande wäre in ähnlicher Angelegenheit eine derartige Verschiedenheit der Ansichten denkbar. Man darf diese Verschieden' heit vielleicht als Ueberbleibsel der traurigen Zerrissenheit stigmatisircn, in welcher Deutschland seit lange Jahrhunderte hindurch schmachtete, und wohl am Platze mag es sein, aus das benachbarte Belgien hinzuweisen, wo alle Parteien, so heftig kämpfend sie sich auch sonst gegenüberstehen, in schöner Etn- müthigkeit sich hinzudrängen, um in würdigster Weise das Fest der fünfzigjährigen Unabhängigkeit Belgiens zu feiern. Wir haben an dieser Stelle ost genug unsere Ansichten über den Werth und die Bedeutung der Sedanfeter ausgesprochen, oft genug betont, wie sich ein Volk nur selbst ehrt, wenn es der Tage gedenkt, welche einen ruhmvollen Wendepunkt in seiner Geschichte bedeuten. Unsere Ansichten sind auch heute noch die gleichen. Wir feiern am 2. September kein Fest hochmütiger Ueberhebung oder prahlerischen Selbstgefallens, vielmehr ein Fest des innigsten Dankes für die nach langen, schweren Kriegen endlich zu Stande gebrachte Einigkeit des Vaterlandes, für die glorreiche Wiel Verrichtung des deutschen Kaiserreichs; wir feiern am 2. September ein Fest wehmütiger Erinnerung an die Tausende von Vätern, Brüdern und Söhnen, welche mit unvergleichlichem Heldenmuthe ihr Leben aus dem Felde der Ehre opferten, damit das hehre Ziel erreicht werde. Kein Hohn, keine Provocation liegt tu dcr Feier des 2. September; die Tendenz, daß wir unsere Gegner von damals beleidigen oder reizen wollten, ist absolut ausgeschlossen. Wir Deutschen sind ein friedliebendes Volk im eminentesten Sinne deS Wortes; die Sedanfeier, wie wir sie wünschen und verstehen, tst nicht ein kriegerisches Bachanale, vielmehr ein friedliches Fest, welches die deutsche Völkerfamilie am eigenen Heerde begeht, ein Fist, das jeder Spitze nach außen hin entbehrt. Wenn wir in diesem Jahre, da das erste Decennium verflossen, mit erhöhtem Ernste, mit innigem Dankgefühl der Tage gedenken, an welchem so Großes verrichtet wurde, so tst das — wir möchten fast sagen — ein arithmetischer Usus, welcher der gesammten civilisirteu Welt eigen tst. Unumwunden und ohne Rücksicht sprechen wir es aus: Es ist des deutschen Volkes würdig, daß wir die erste Decennialfeier des Tages von Sedan mit erhöhtem Dankgefühle, mit erhöhter Freudigkeit, doch auch mit ziemlicher Bescheidenheit begehen; es tst des deutschen Volkes würdig, daß wir den 2. September feiern als einen Gelöbnißtag der unverbrüchlichsten, einmüthigsten Treue gegen Kaiser und Reich, als einen Tag neu belebter Anerkennung für jene Staatsmänner und Feldherrn, welche in erster Linie an der Vollendung des großen Werkes mitwirkten."
Stralsund, 27. August. Die hiesige Handelskammer erläßt nachstehende Bekanntmachung wegen Einführung kürzerer Zahlungsfristen:
„Von den Calamitäten, unter denen der geschäftliche Verkehr leidet, ist nicht die geringste der überaus lange Credit, welcher in Folge der sehr langsamen Zahlungtiweise gewährt werden muß. Die Angelegenheit wurde auf dem letzten deutschen Handelstage zur Sprache gebracht. Dort kam man zu der Ansicht, daß eine Besserung nur zu erreichen sei, wenn die Cousumenten durch prompte vierteljährige Bezahlungen ihrer Rechnungen die Handwerker und Kleinhändler in den Stand setzen, den Fabrikanten und Grossisten früher als bisher Zahlung leisten zu können. Letztere werden, wenn sie statt nach zwölf Monaten, wie es jetzt häufig geschieht, schon nach drei Monaten regelmäßig ihr Geld erhalten, dem Handwerker und Kleinhändler gern eiren ent-


