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reicht werde, in den letzten 20 Jahren nur siebenmal und jedesmal nur auf wenige Tage unter Wasser gewesen sei. (Schluß folgt.)

Darmstadt, 27. Novbr. Die zweite Kammer bewilligte einstimmig 243,000 ^L. zur Eibauung einer stehenden Brücke bei Offenbach.

Berlin, 26. November. Seitens der Oberpräsidenten der preußischen Provinzen ist bereits das betr. Rescript an die Handelskammern ergangen, welches dieselben auffordert, die nach den betr. Errichtungen eines VolkSwirth- schastsraths bestimmten Präsentattonswahlen von Delegirten zu jenem Rathe vorzunehmen, und zwar bereits im Anfang des künftigen Monats. Gleich- zeitig wird schon das sehr umfangreiche Material gesammelt zur Vorbereitung derjenigen Gesetzentwürfe, welche dem Dolkswtrthschaftsrathe sofort nach seinem Zusammentritt zur Begutachtung vorgelegt werden sollen. In dieser Hinsicht hat sich die Regierung auch an auswärtige Staaten gewendet. So namentlich an die belgische Regierung. In Belgien hat die Fürsorge für die arbeitenden Klaffen eine sehr ausgedehnte Gesetzgebung bereits heroorgerusen. Hier sind HülsSkaffenwesen, Arbetterversicherungen, Arbeiterschutz und ähnliche sociale Probleme mehr bereits seit längerer Zeit in Angriff genommen und gefördert worben, so daß es hier möglich ist, von bereits gemachten Erfahrungen zu lernen. Ein Theil deS Versicherungswesens steht daselbst unter unmittelbarer staatlicher Verwaltung. Es mag übrigens hierbei bemerkt werden, daß in der bezüglichen Verordnung über die Art und Weise, in der die 30 von den Mini­stern dem Kö,nige vorzuschlagenden Mitglieder ausfindig gemacht werden sollen, keine nähere Bestimmung enthalten ist. Von den 30 Mitgliedern müssen be­kanntlich mindestens 15 dem Handwerker- und Arbetterstande angehören. Wie es heißt, beabsichtigt die Regierung, die bestehenden Innungen und Arbeiter­verbände aufzufordern, Vorschläge bezüglich der zu berufenden Mitglieder zu machen. Für diese Mitglieder des VolkSwirthschaftSraths schließt die Verord­nung die Zahlung von Reisegeldern und Diäten nicht aus. Jndeffen werden sich die Ausgaben, welche durch den Volkswirthschaftsrath entstehen, in so be­scheidenen Grenzen halten, daß dieselben sehr wohl aus den Dispositionsfonds gedeckt werden können. Eine ausdrückliche Bewilligung der finanziellen Mittel im Wege des Etat herbetzuführen, wird nicht beabsichtigt. Die ganze Ange- legenhe.t wird übrigens heute (Freitag) anläßlich der Debatte über den Etat des Landwirthschafts-Ministeriums im Hause der Abgeordneten zur Sprache gebracht werden. Die Linke des Hauses, d. h. die Fortschrittspartei und die Secessionisten, wird voraussichtlich der eben nicht zustimmenden Kritik Ausdruck geben, welche hier vielfach in der öffentlichen Meinung hervorgetreten ist. Die Stellung des Centrums kennt man noch nicht; die Fractionen der Rechten scheinen für die Einrichtung eintreten zu wollen.

Nach mehrfachen Mittheilungen rechnet man im Bundesrathe darauf, daß alle wichtigen Spectaleiats für 1881/82 bis Anfang- Januar k. Js. zur Vorlegung kommen werden, so daß bis zu der Eröffnung der Reichstagssession, die gegen Mitte Februar zu erwarten sein dürfte, Zeit genug übrig bliebe, den Reichshaushaltsetat fertig zu stellen. Am meisten ist der Militäretat noch im Rückstände, was sich hierdurch erklärt, daß bei der Menge der Bedürfniffe, denen im Militäretat entsprochen werden muß, in vielen Punkten zunächst nur ungefähre, einer Revision vorzubehaltende Forderungen aufgestellt werden können, und es zu dieser Revision wiederum eingehender Verhandlungen mit den betr. Bundesstaaten bedarf, wodurch der Abschluß der Arbeiten verzögert wird. Sichere Angaben über den Militäretat laffen sich bis fttzt noch nicht machen, doch steht fest, daß der Verpflegungsfond in Folge der hohen Lebensmtttelpretse eine Erhöhung erfahren wird. Früher wurde hierbei der Berechnung eine ein­jährige Durchschnittsperiode unter Weglaffung des theuersten und vortheilhaf- testen Jahres zu Grunde gelegt, weil die Feststellung des Etat fast ein Jahr vor Beginn des Etatjahres erfolgte, jetzt dagegen wird, da in Folge der Ver- legung des Etatjahres die Feststellung und Berathung in dem Quartal erfol­gen kann, welches dem Anfänge des Etatjahres unmittelbar vorangeht, die Hälfte des Quantums nach dem Durchschnitt der zehnjährigen Marktpreise, die andere Hälfte nach den gerade herrschenden Preisen berechnet.

Berlin, 27. November. Der bekannte Abg. v. Ludwig hat soeben zum Etat des Ministeriums des Innern folgenden Antrag etngebracht, welcher dec Curtosität halber mitgetheilt zu werden verdient:Das Haus wolle be- schließen: 1) den Ausgabeposten Capitel 84 Titel 1, statistisches Bureau, Besoldungen, um 6000 zu erhöhen; 2) die königl. Staatsregierung zu er­suchen, das statistische Bureau zu beauftragen, unter Zuziehung geeigneter Kräfte bis zum Zusammentritt des nächsten Abgeordnetenhauses eine Statistik der Betheiligung an den seit Emanation des Actienqesetzes vorgekommenen Gründungen ausarbeiten zu laffen. Jeder Theilnehmer an den Gründungen, soweit er mehr als bloßer Acttonär war, ist nach seinem religiösen Bekenntntß und seiner politischen Stellung zu bezeichnen, auch anzugeben, welchen Erfolg die Gründung gehabt hat."

Se. Majestät der Kaiser hat die Nacht gut geschlafen. Das Allge­meinbefinden ist befriedigend, die Heiserkeit fast geschwunden. Am Nachmittag empfing der Kaiser den Obersten v. Häseler, welcher das neueste Heft des Generalstabswerkes überreichte.

Stuttgart, 27. November. DieWürttemb. LandeSztg." constatirt zahlreiche Zuft,mmungserklärungen aus ganz Württemberg an dem Programm- Entwurf der Deutschen Partei. Die Tübinger Kundgebung steht (derWürt­temberger Landesztg." zufolge) durchaus tsolirt

Hesterreich.

Wien, 27. November. Meldung derPolit. Corresp." aus Cettinje. Die Militär-Convention, betreffend Dulctgno, ist vorgestern Nacht unterzeichnet. Die Occupation Dulctgnos Seitens der Montenegriner begann gestern Mittag;; um 6 Uhr Abends war die Besetzung der Stadt und umgebenden Postttonen vollzogen.

Nagusa, 26. November. Nachdem Bedri Bey gestern in Kunja die Convention über die regelrechte friedliche Uebergabe Dulctgnos, die heute Mittag stattfinden sollte, unterzeichnet hatte, ist Bozo Petrovtch mit 4060 Mann montenegrinischen Truppen und 12 Geschützen ausgebrochen, um die Stadt und die umliegenden wichtigen Positionen zu besetzen.

Irankreich.

Paris, 27. November. Das Zuchtpolizeiqertcht verurtheilte in der Affaire Ciffey unter Annahme mildernder Umstände wegen Beleidigung und Verleumdung den Abg. Luisant und den Nedacteur und Geranten des Jour­nalsLe Petit Paristen", Chauvin, Ersteren zu 4000, Letzteren zu 200 Frcs. Geldbuße, beide solidarisch zu 8000 Frcs. Entschädigung und zur Veröffent­

lichung des Urlyeüö in 10 Journalen. Eine gleiche V.wuriheilung wurde gegen Rochefort und Delpiecre, Redacteur und Gerant desJutransigeant" ausgesprochen.

England.

London, 27. Noobr. Meldung derDaily News" aus Dulcigno: Die Moalenr'grtner haben alle Haupiposilionen besetzt.

London, 27. Novbr., Abends. Der unter dem Vorsitz der Königin zu Windsor abgehaltene Geheime Rath beschloß die Einberufung des Parla­ments auf deii 6. Jrnuar. Botschafter Dufferin ist vom Besuche bei der Königin in Windsor hierher zurückgckehrt und begibt sich in nächster Woche wieder nach Petersburg. Meldung desReuter'schen BureauS" vom 27. ds. Nachrichten aus Herat vom 7. Noobr. zufolge befindet sich Avub Kyan in sehr schwieriger Situation, ist vonHülfsmitteln entblößt und besitzt nur wenig Anhänger, erhielt auch keine Unterstützung Seitens Persiens.

Italien.

Rom, 26. Novbr. Die Aufmerksamkeit Roms theilt sich in diesem Augenblicke zwischen drei großen Gegenständen. Der erste ist die bevorstehende Krisis, der zweite der Zwangscours, der dritte heißtLe Kellerine* und ist auf der Piazza Colonna zu sehen. Dort hat nämlich ein neuer Bierwirty werbliche Bedienung eingeführt und seine Heben, vielleicht weil ihm das Wort im Italienischen fehlte, mit dem deutschen Namen Kellnerinnen bezeichnet. Bedienung durch Kellnerinnen nach Art derDusal)chen Bouillons" sagten die Anzeigen; die Römer italtenisirten das Wort schleunigst und machten Kellerine daraus. Die Sache scheint ihnen recht neu zu sein; denn Jung und Alt, gut und schlecht gekleidete Herren und Damen drängen sich an Thür und Fenster deö Wohnhauses, um das unerhörte Institut der Schenkmädchen in Augenschein zu nehmen. Es ist eine der aufregendsten Revolutionen, die Rom noch erlebt hat, dies Dutzend schwarz gekleideter Kellnerinnen mit weißen Schürzen, und um der Sache die Krone aufzusetzen, meldet dieCapitale" heute, der Vatikan habe, im Zorn über die Einführung des neuen Scandals auf dem römischen Boden, Wirth und Kellnerinnen excommunicirt. (K. Ztg.)

Telegraphische Depeschen.

Wagner'- telegr. Correspondenz-Burean.

Petersburg, 28. Novbr. Bezüglich der Perser und Kurden schreibt dieAgence Ruffe": Rußland würde, falls die Perser der Karden nicht Herr werden könnten, bei der Nähe der Grenzen zveifrlsohae genötigt sein, den Persern betzustehen.

London, 28. November. In einer zu Hanley gehaltenen Rede wies Staatssecretär Granville auf die beschämende Lage Irlands hin, wo Eigenthum und Lchen aller Garantien der Sicherheit ermangeln. Es sei unmöglich, diese Zustände fortdauern zu laffen; die Regierung erde dem Parlamente Maß- regeln Vorschlägen müffen, welche dem gegenwärtigen Bedürfnisse genügten und die Zukunft des Landes sicherstellten. Gcanoille gab sodann einen geschicht­lichen Ueberbltck über die orientalische Frage. Bezüglich Griechenlands sei kein neuer Vorschlag gemacht; es sei aber unmöglich, die griechische Frage ungelöst zu laffen. Redner gedachte des englischen Vorschlages, Smyrna zu besetzen, und theilte sodann mit, daß Rußland und Frankreich denselben ange­nommen hatten; auch Oesterreich versprach Anfangs, dem Vocschlige betzutreten, lehnte aber später ab, in Folge dessen auch Fcankretch und Deutschland die Theilnahme verweigerten. Die Pforte aber beschloß, sobald sie Kenntntß von den Pourparlers der Mächte erhielt, Dulcigno zu übergeben. Granville trat nun für das europäische Coacert ein, welches thatsächlich be­stehe und hoffentlich noch lange fortdauern werde, und hob die loyale Mit- Wirkung Oesterreichs, Deutschlanvs und Italiens hervor. Die Beziehungen zwischen England und Rußland seien durchaus freundschaftlich. Der Minister schloß mit der Versicherung, daß die Regierung an ihrer auswärtigen Politik ftsthalte, indem sie bemüht sei, das europäisch- Concert aufrechtzuerhalten und zugleich die volle Freiheit ihres Urtheils und ihrer Action zu wchren.

Lokales.

Gießen, 29. November. Einem Wtrthe in der Marktstraße wurden in der Samstag, Nacht zwei fette Gänse gestohlen.

Wie uns von glaubwürdiger Sette mitgetheilt worden, ist in der vergangenen Woche ein Bursche von Lang Göns, ein Israelit im Alter von 17 Jahren, als oer Branvstiftung ver­dächtig verhaftet und in Untersuchungshaft verbracht worden.

Gestern Abend fand in der Wirthschaftzum Frühstückskeller" eine klein? Keilerei statt, wobei ein Arbeiter mittelst eines Stuhles eine Wunde am Kopf davontrug. D s,lnchen lieferten sich diverse Herren m der Löwengasse und :m Tiefenweg ein Gefecht, wobei es blutige Köpfe absetzte.

Heute Vormittag brach an einer Draisine, worauf sich ein Bau Jnspector der Main-Weser^Bahn, sowie 4 Arbeiter befanden, in der'Nähe des V'.aducts der Cöln Ä!?ßener Bahn eine Axe und sämmtliche Personen wurden auf den Bahnkörper geschleudert. Ein Rad der Maschine stürzte den Bahndamm hinab.^ Wäre der Unfall gerade am Viaduet paisirt, so hätte großes Unglück entstehen können. *e>o sind die Leute mit oem bloßen Shreck.n und einigen Hautabschürfungen davongekommen.

Gingesandt.

Gießen, 29. November. Bezugnehmend auf die Notiz in letzter Nummer, das Stromerthum" betr., wird uns von Herrn Böger die Mittheilung, daß fragliche Notiz ganz entstellt und mindestens von Stromerthum keine Rede sein kann. Fragliche Handwerksburschen, welche in einem Nachbarhause Musik hörten, glaubten, daß solches ein Wirthshaus sei und sahen die Ladenthüre des Herrn Böger als Thüre zur Wirthschaft an. Auf die Frage des Herrn Böger, was sie wünschten, wurde in durchaus anständigem Tone die Antwort, daß sie in daS Wirthschaftsloeal wollten und entschuldigten sich sodann, daß sie sich geirrt hätten. Wie man nun aus Vorstehendem eine Notiz wie die in letzter Nummer veröffentlichte fabriciren kann, begreife wer mag. Dem Berichterstatter dürfte zu rathen sein, für die Folge sich erst zu überlegen, was er spricht, damit nicht solche unwahre Neuigkeiten in das Publikum geschleudert und Personen unnöthigerweise bloßgrstellt werden.

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 27. November, lMarktbericht.j Der heutige Heu- und Strohmarkt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität der Etr. JL 2.604.30, Strvb JL 2.00 3 00 Butter das Pfd im Großen 1. Qual. 1.1000, 2. Qual. JL 1.0000, Im Detail bas Pft. JL 1.3000, 2. Qual. JL 1.2000. Eier das Hundert 67. Ochsenfletfch per Pfund 6070 H, Kuh-, Rind und Farrenfleisch 5060 H, Kalbfleisch 5070 Hammelfleisch 3565 H, Schweinefleisch 65 80 ein Hahn JC. 1.001.50, ein Huhn 90-1.50, eine Ente JL 3.50 -4.00, eine Taube 5000 H, Gans JL 5.008.00, Hasen das Stück Jl. 3.004.00, Feldhuhn JL 1.001.50, Rehbock daS Pfd. 7580 H, Kapaunen 00.00, Wälscher Halm JC. 56. Kartoffeln 100 Ko. 4.005.50, Kohlrabi 7 -9 H, Blumenkohl 1 St. 15 50 Wirsing 1520 Gelberüben 1 Bund 00 Zwiebeln

1 Bund 0 Sellerie das Stück 000 Meerrettig 1 Stück 0000, Spargel das Pfund 0000 Romain-Salat 00 -00 Endivien 100 Rothkraut 1520 Weiß­

kraut 1520 H, Artischoken 50 H, Erbsen das Pfd. 00^.