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gemeinschaftliche Aufgabe aller Liberalen anfefycn.1
Schwerz.
Genf, 26. Octbr. Nach Berichten aus Genf fand dort eine Versamm- ’ lung der Hauptführer der Nihilisten statt, in der eine neue Organisation der russischen revolutionären Partei ausgearbeitet und beschloffen wurde, in Paris : unter dem Titel: Comtt6 Littöraire einen Ausschuß für die Propaganda und ; die Veröffentlichungen und in Genf ein Acttons Comit6 zu errichten, welches die Leitung der Partei übernehmen soll.
England.
London, 26. October Dem eben veröffentlichten amtlichen Verzeich- ntß der Schiffsunfäüe für das Jahr 1878/79 zufolge fanden im genannten Jahre an den Küsten der britischen Insel 3002 Unfälle statt, wobei 3716 Schiffe betheiligt waren und 490 Menschen ihr Leben einbüßten. Im Ver« gleich mit den vorhergebenden Jahren rückwärts bis 1874/75 ist dies eine Abnahme, allein vor 1874 war die Zahl der Unfälle bis zum Beginn der jährlichen Verzetchniffe (im Jahre 1854) stets erheblich niedriger. In den 25 Jahren haben sich 49,322 SchtffSunfälle zugetragen und dabei haben 18,319 Personen ihr Leben eingebüßt. Abgesehen von Zusammenstößen betrafen 2013 Unfälle englische und 288 fremde Schiffe. Weitaus die meisten Un« glücksfälle ereigneten sich an der englischen und schottischen Ostküste. Wie in
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anderen Jahren haben auch diesmal die Rettungsboote wieder vortreffliche Dienste geleistet. — Der Gemeinderath des Londoner Bezirks Paddington gehr damit um, zur Vernichtung des in London sich so maffenhaft aufhäufenden und schwer zu beseitigenden Unraths eigene Oefen zu errichten. In Leeds hat sich diese Art der Beseitigung des Uaraths recht gut bewährt. (Sm derartiger Ofen kostet nahe an 5600 L. Die aas dem Verbrennungsprocrß entstehenden Producte, Asche und sehr feine Holzkohle, werden von den Pächtern in der Umgegend sehr gern zu Düngungszwecken gekauft.
Spanien.
Madrid, 26. Octbr. Auch die spanische Regierung fängt jetzt an, energisch gegen das Treiben des Klerus in den baskischen Provinzen oorzu- gehen, welcher von der Kanzel herab das Volk für politische Z recke bearbeitet. Einer dieser Prediger, welcher in dem biscayischen Orte L^queitro die Gläubigen zur Mißachtung der Regierungs-Anordnungen aufreizte, wurde auf Befehl des Ministeriums des Landes verwiesen. Alle Bemühungen des päpstlichen Nuntius, diesen Verbannungsbefehl rückgängig zu machen, waren vergebens. Im Gegentheil, man beschloß in einem Mmisterrath. daß jeder baskische Prediger, welcher auf der Kanzel Politik treibe, von demselben Schicksal ereilt werden solle.
mitbetheiligten Regierungen von Baden und Preußen haben den Kaufvertrag mit । Herrn Rückert genehmigt, die Bestreitung des Kaufpreises aus den Betriebseinnahmen aber abgelehnt, weil es sich um eine Grundstockanlage der Bahn handelt deren Kosten zu Lasten des hessischen Baukapitals aufzubringen sind.
Berlin, 26. October. Dem General-Felomarschall Grafen Moltke ist von Sr. Maj. dem Kaiser von Oesterreich zu seinem gestrigen Geburtstage folgendes Telegramm zugegangen:
Der Kaiser von Oesterreich dem General-Feldmarschall Grafen Moltke! Empfangen Ew. Excellenz an dem heutigen Festtage als Zeichen Meiner freundschaftlichen Gesinnungen und der hochachtungsooüsten Zuneigung auch Meinen herzlichen Glückwunsch. Mögen Ihnen noch viele Jahre ungetrübter G sund- heit und erfolgreichen Wirkens von der Vorsehung beschieden bleiben.
Franz Joseph.
Telegramme allerhöchster und höchster Herrschaften, welche nur einen herzlichen Glückwunsch als kurzen Inhalt bergen, sind dem Feldmarschall v. Moltke noch zugegangen von dem Kronprinzen und der Kronprinzessin, sowie dem Prinzen Wilhelm aus Wiesbaden, den Königen von Sachsen und Bayern, dem Großherzog Franz von Mecklenburg-Schwerin, dem Großherzog von Sachsen-Weimar, dem Großherzog und der Großherzogin von Baden, auch dem General-Feldmarschall Frhrn. v. Manteuffel, dem Prinzen Heinrich XXII. Reuß ältere Linie und dem Fürsten Bismarck. Se. König!. Hoheit Prinz Karl war selbst bet dem Grafen Moltke vorgefahren und hatte feine Karte abgegeben. Unter den zahlreichen Telegrammen befindet sich auch ein solches aus New-Aork.
— Bet dem Bundesrathe soll gestern ein Antrag auf Verhängung des sog. kleinen Belagerungszustandes über Hamburg eingegangen sein.
— Der Congreß des Ceutralveretns für Handels-Geographte und Förderung deutscher Jntereffen im Auslande nahm m seiner um 12 Uhr Naasts beendigten ersten Sitzung einen Antrag des Misstons-Directors Fabri (Bremen) an, die Auswanderung nach Südamerika, zunächst nach Südbrastlieu, zu fördern und zu stärken, mit dem Zufatzantrage des Colonial-Directors Sellin, die deutsche Reichsregierung zu ersuchen, geeignete Fachmänner nach Süobra- silten behufs genauer Untersuchung der dortigen V-rhältniffe zu senden.
Gotha, 25. Octbr. Am gestrigen Tage fand in Erfurt ei.i Parteitag der Fortschrittspartei für Thüringen statt, auf welchem die Wahlkreise Mühlhausen, Langensalza, Nordhausen, Gotha, Weimar, Apolda, Gera, Weißenfels und Naumburg durch ca. 150 Delegtrte vertreten waren. Der Reichstags- Abgeordnete Rechtsanwalt E. A. Müller aus Gotha erläuterte die unten folgenden , einstimmig angenommenen Resolutionen. Als Koryphäen der Fortschrittspartei waren u. A. anwesend: Eugen Richter, Rechtsanwalt Träger, Obkrlandesgertchtsrath Ausfeld aus Jena. Schon während der Verhandlungen der Delegirten war der Andrang des Erfurter Publikums ein sehr starker. Nach Beendigung dieser Verhandlungen wurde der Saal geräumt, um tu demselben eine bis spät Abends andauernde Volksversammlung abzuhalten. Das Publikum drang so zahlreich ein, daß binnen einer Viertelstunde der große Saal des „Gasthofs zur Lilie" so gefüllt war, daß, wie man zu sagen pflegt, kein Apfel zur Erde fallen konnte. In dieser Versammlung sprach Herr Reichstags-Abgeordneter Eugen Richter über die neuen Steuerprojecte. Seinen Ausführungen wurde lebhafter Beifall au Th eil. Die durch die Delegirten angenommenen Resolutionen haben folgenden Wortlaut: „1) Der Parteitag der deutschen Fortschrittspartei für Thüringen erachtet es für die wichtigste Aufgabe der nächsten Reichstagswahlrn, der rückschrittlichen Bewegung entschiedenen Widerstand entgegenjustellen, der Mehrbelastung des Volkes, insbesondere auch der weiteren Belastung der Tabaks-Industrie und des Brauerei- Gewerbes Einhalt zu thun, auf Erleichterung der Rechtspflege durch Ermäßigung der Proceßkoften hinzuwirken und dafür etnzutreten, daß der gesammten Geschäftswelt wieder Ruhe und Sicherheit gegen die unablässig auflauchenden Projecte von Monopolen, Steuern und wtrthschaftlichen Umgestaltungen zurückgegeben werde. 2) Die Fortschrtttpartei tritt allen jenen Bestrebungen entschieden entgegen, durch welche die Steuerlast mittelst neuer Verbrauchs-Abgaben und Zölle unter Vertheuerung der Lebensmittel vorwiegend zum Nachtheile der ärmeren Klaffe verschoben und dem Arbeiter, Handwerker und kleineren Land- wirthe durch Zwangs-Einrichtungen aller Art, durch Wiederherstellung zünft- lerischer Beschränkung, Einschränkung der Wechselfähigkeit rc. das gleiche Recht mit dem Groß-Betriebe verkümmert und die wirtschaftliche und politische Freiheit beeinträchtigt wird. 3) Der Parteitag empfiehlt dringend die Bildung von Vereinen der Fortschrittspartei, fordert alle Parteigenoffen zum Abonne-
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Paris, anläßlich seiner Aufreizung zum
Paris, Aagusa: Monte Bedri Bey ist i baunten jvst.
Berlin, prästdenten erst: tot; es stebe
Summe von 14 Millionen Mark zu einem Steuer-Erlaß zu verwenden
Mit der Vorbereitung einer organischen Reform der directen Staatssteuern ist die Staatsregierung beschäftigt.
Schon jetzt wird Ihnen der Entwurf eines Gesetzes zugehen, nach welchem die aus dem Ertrage neuer oder erhöhter Reichssteuern an Preußen zu überwencnden Geldsummen ausschließlich und unverkürzt zur Erleichterung der directen Besteuerung, insbesondere durch Ueberweisung der Hälfte des Ertrages der Grund- und Gebäudesteuer zur Erleichterung der Eommunallasten verwendet werden sollen.
Durch den stattgehabtcn Uebergang wichtiger Privat-Eisenbahn-Unternehmungen in den Besitz und die Verwaltung des Staates ist die Durchsührung des Staats- Eisenbahn-Systems, wie die einheitliche Regelung der Verwaltung und des Betriebes auf den vom Staate verwalteten Eisenbahnen erheblich getördeit worden. Obwohl erst kurze Zeit in Wirksamkeit und noch in der Entwickelung begriffen, verheißt die unternommene bedeutungsvolle Reform schon vermöge ihrer seitherigen Ergebnisse fruchtbringende Erfolge für die Interessen des Verkehrs und zugleich für die Slaats- finanzen. Eine Ihnen zugehende Denkschrift wird dies näher darlegen. Dank jener Reform ist die Bereitstellung derjenigen Geldmitttel erleichtert worden, welch/ die Staatsregierung für die Herstellung neuer Schienenwege in verschiedenen The,len des Landes in Anspruch nehmen wird, um für weite Kreise neue Quellen des Wohlstandes zu erschließen.
In Erfüllung der in der vorigen Session ertheilten Zusage werden Ihnen Gesetzentwürfe zugehen, welche eine erhöhte Gewähr für eine auch dem wirthschaftlichen Interesse des Landes entsprechende Verkehrs-Leitung auf den für Rechnung des St, ates verwalteten Eisenbahnen zu bieten und die Verwendung der Jahresüberschüsse der Eisenbahnverwaltung zu regeln bestimmt sind.
Der Verbesserung der Wasserstraßen widmet die Staatsregierung unausgesetzt die angelegentlichne Fürsorge.
Im Anschlüsse an die in der letzten Session vorgelegte Denkschrift über die Re- gulirung der fünf Hauptströme werden Ihnen in einer gleichen Denkschrift di. Ziele oargelegr werden, welche die Staatsregierung bei der Regulirung verschiedener kleinerer schiffbarer Flüsse verfolgt und welche Mittel dafür erforderlich werden.
Die Verwaltungsreform ist durch die in der vorigen Session zu Stande gekommenen, inzwischen verkündeten Gesetze über die Organisation der allgemeinen Landcs- verwaltung und über die Verfassung und das Verfahren der Verwaltungsgerichte um einen bedeutsamen Schritt gefördert worden.
Um mit diesen die bisher ergangenen Reformgesetze in Uebereinstimmung zu bringen, werden Ihnen von Neuem die in der letzten Session unerledig! gebliebenen Vorlagen über die Zuständigkeit der Verwaltungsbehörden und der Verwaltungsgerichte und über die Abänderung und Ergänzung der Kreisordnung, sowie eine Novelle zur Provinzialordnung zugehen. Zur Ausdehnung der Verwaltungsreform auf em weiteres Gebiet werden Ihnen Gesetzentwürfe vorgelegt werden, durch welche die neue Kreis- und Provinzial-Verfafsung in den Provinzen Hannover, Schleswig-Hostiern und Posen mit denjenigen Abänderungen eingeiührt werden soll, welche durch die besonderen Verhältnisse dieser Provinzen und die für dieselben geltenden Gesetze bedingt find.
Um die Lage der Wittwen und Waisen der Elementarlehrer zu verbeffern, hofft die Regierung zu einer Erhöhung der Pension derselben unter Bürgschaft der StaatScaffe Ihre Zustimmung zu erhalten. ,. „ . . _ ,
lieber den Betrieb des Pfandleihgewerbes, über die Abänderung ^ Gesetzes betreffend die Einrichtung öffentlicher *Lchlachthäuser, sowie zur Ausführung des Reichsgesetzes betreffend die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen werden Ihnen Vorlagen zugehen.
Meine Herren! Neben dem Ausbau der Verwaltungseinrichtungen werden sie hiernach an Ihrem Theile mitzuwirken haben an der Durchführung der wirthichaft- lichen Reform, welche für das ganze Reich in Angriff genommen ist. Es hnndelt sich dabei um die Wohlfahrt und das Gedeihen der Bevölkerung tn allen Schichten; um
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Telegraphische Depeschen.
Wagner'S tclegr. Correspondenz-Bureau.
Berlin, 28. October. Der Landtag wurde gleich nach 12 Uhr durch den Grafen «Stolberg, Viceprästdenten des Staatsministeriums, eröffnet. Anwesend waren einige 80 Lrndtagsmitglieder, meist Mitglieder des Herrenhauses. Die Stelle d?r Thronrede, betr. die thetlweise Ueberlastung der Grund« und Gebäudesteuer an die Communaloerbände, fand lebhaften Beifall. Der Präst» deut des Herrenhauses brachte ein dreifaches enthusiastisch aufgenommenes Hoch auf denKriser aus. Dem der Eröffnungsfeier vorausgegangenen Gottesdienste im Dome wohnte der Kaiser bei.
Berlin, 28. October. Die Thronrede, m:t welcher der Landtag heute Mittag !12 Uhr eröffnet worden ist, lautet:
Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Häusern des Landtags!
Seine Majestät der Kaiser und König haben mich beauftragt, den Landtag der Monarchie in Allerhöchst Ihrem Namen zu eröffnen. Zugleich haben Seine Majestät mir zu befehlen geruht, auch von dieser Stelle dem Allerhöchsten Dank für die mannig
I fachen Beweise treuer Anhänglichkeit, welche Allerböchstihnen neuerdings wieder zil Theil geworden sind, Ausdruck zu geben; besonders für den herzlichen Empfang, welcher den Majestäten jüngst bei dem erhebenden Feste in Köln gewidmet worden ist Es
i bat unserem König zu hoher Genugthuung gereicht, das Werk, welches einst sein in t Gott ruhender königlicher Bruder nach längerem Stillstände, begeisterten Sinnes wieder ! ausgenommen hat, zur Vollendung und letzten Weihe zu führen.
Die Finanzlage des Staates zeigt eine erfreuliche Wendung zum Bessern. Die Einnahmen des letzten Regierungsjahres sind zwar noch, wenn auch in geringem Maße, hinter den Ausgaben, welche zum Theil unerwartet waren, zurückgeblieben. D'e im Steigen begriffenen Erträge aus den Reichssteuern und die sich günstiger gestallenden Verhältnisse der Betriebsverwaltungen des Staates, insbesondere der Eisenbahnen, lassen jedoch die Hoffnung auf dauernde Wiederherstellung des völligen Gleichgewichts im Staatshaushalts-Etat als eine wohlbegründete erkennen
Der auf vorsichtige Annahmen gestützte Voranschlag der Einnahmen und Ausgaben für das kommende Jahr gewährt das im Vergleich zu den Vorjahren erfreuliche Ergebniß, daß die ordentlichen Ausgaben in den Einnahmen nicht nur ihre Deckung finden, sondern daß noch ein Ueberschuß in Aussicht steht, vermöge dessen nut der | Verminderung der directen Steuern der Anfang gemacht werden kann. Es wird demgemäß in dem Entwürfe des Staatshaushalts-Etats Ihrer Zustimmung der Vorschlag | unterbreitet werden, aus dem Preußen zustehenden Antheile an den Reichssteuern die
ment auf das Organ der Partei, die „Parlamentarische Correspondenz", auf und bittet die Parteigenoffen, sich die Verbreitung der von der Partei heraus« i gegebenen Broschüren, sowie die Unterstützung der im Sinne der Partei redi« . flirten Zeitungen angelegen sein zu lasten. 4) Die Fortschrittspartei erkennt j in dem Austritte angesehener Männer aus der uattonalliberalen Partei einen \ Fortschritt im liberalen Sinne und rechnet in den thüringischen Wahlkreisen i auf die Unterstützung c.ün derjenigen bisherigen Nationalliberalen, welche tn ! Uebereinstimmung mit der Austritteerklärung festen Widerstand gegen die rück- - fchrittliche Bewegung und Festhalten an den politischen Freiheiten als die !


