Meßmer Mcheiger
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Amtlicher Hheil.
Bekanntmachung.
Diejenigen Einwohner von Gießen, welche Tauben halten, werden hiermit anfgefordert, dieselben ohne Ausnahme vom 1. October bis 1. November l. I. bei Metdung der in Art. 79 des Feldstrafgesetze« voibestimmten Strafe in den Schlägen eingesperrt zu halten.
Gießen, den 27. September 1880. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.
Deutschland.
Darmstadt. Die Pfennigsparkassen in Darmstadt, ein neues Institut thätiger Menschenliebe, werden überall mit Interesse beachtet und besprochen, namentlich kommen auch von vielen anderen Städten Anfragen wegen der Einrichtung des Betriebs. Hat man doch auch in so vielen Städten die hiesige Vereinigung der Privat- wohlthätigkeit nachgeahmt, mit dem guten Erfolge, daß die erschreckende Gleichgültigkeit, mit welcher Almosen an den Thüren gereicht und damit die Handwerksburschen zu Vagabunden und die Kinder zu Bettlern herangezogen wurden, der verständigen Prüfung und Abhilfe der wirklichen Noth Platz machte.
Mit Recht schenkt man nun mindestens ebenso große Beachtung dem Versuch, die Sparsamkeit, und damit die Grundlage unabhängigen sorgenfreien Lebens, in Kreise der Einwohnerschaft zu bringen, wo sie leider wenig mehr zu finden ist. Wir meinen namentlich damit die junge männliche Bevölkerung, welche aus der Zeit ihrer vollen Kraft, aus ihren Gesellen-, Gebülfcn- und Wanderjahren, wo sie nur für die eigene Person zu sorgen hatten, so selten Ersparnisse Heimbringen, mit welchen doch das eigene Geschäft, der eigene Hausstand gegründet werden sollte. Freilich ist gerade für die jungen Männer auch die Versuchung zum Geldausgeben am größten, aber wir hegen doch das Vertrauen, daß bei den Meisten die Willenskraft, der männliche Stolz nur geweckt, daß nur die Gelegenheit geboten werden muß, um sie auf den rechten Weg zu führen. _
Diese Gelegenheit bieten nun die Pfennigsparkafien. Sie treten uns am Sonnabend überall auf dem Heimwege von den Arbeitsfte^n entgegen und bitten freundlich: „Vertraut doch einen kleinen Theil eures Wochenlohnes und eures Extra-Verdienstes unseren sicheren Händen an." „Seht," so sprechen sie, „wenn ihr das Geld verjubelt, ist die Freude gar bald vorüber und die Reue folgt nach. Versucht es einmal euch einen Genuß zu versagen und wir versprechen dafür euch in mancher Roth zu schützen, auf die Wege zum Wohlstand zu führen und dereinst einen blühenden Hausstand, ein glückliches Familienleben zu bereiten. Das Alles aber werdet ihr nur der eigenen Kraft, dem eigenen Muthe zu verdanken haben."
Aber auch den bereits bestehenden Familien treten die Pfennigsparkassen mit freundlichen Anerbietungen entgegen und sagen zu ihnen: „Reben den täglichen Ausgaben des Lebens und den Bedürfnissen für Wohnung und Kleidung halt es euch schwer, für die rrukunft der lieben Kinder zu sorgen. Da werden denn frohe Ereignisse wie z. B. die Confirmation oder die Verheiratung )u schweren Sorgen. Wir wollen euch diese Sorgen abnehmen; legt wöchentlich für sedes eurer Kinder wenige Mennige bei uns an, und bis zur Confirmation und Hochzeit geben wir das Geld zur Ausstattung (in den neuen Sparbüchlein ist die zuverlässige Berechnung darüber zu lesen) voll in eure Hände." . ,.
Alle diese schonen Ziele hoffen unsere Pfennigsparkassen zu ..erreichen und ste werden sie erreichen, denn einem so wichtigen nützlichen und zeitgemäßen Unternehmen kann ja in Darmstadt die allgemeine Theilnahme und Förderung nicht fehlen.
Berlin, 26. Septbr. Bezüglich de« Ausschubs der Flottendemonstration schreibt die „Norddeutsche": „Es heißt, daß Montenegeo „diplomatische Verhandlungen" veranlaßt habe. Ueber die Natur und den Zwcck dieser diplomatischen Action erfährt die Welt, einstweilen wenigstens, nichts Näheres; auf Fragen von kapitaler Wichtigkeit dürste ße sich schwerlich erstrecken; dage- gen spricht schon die Kürze des der Flottendemonstratton zugedachten Ausschubes. Man erkennt aber daraus, wie ungemein subtil von den Nächstbetheiligten zu Werke gegangen wird und wie groß die Rolle ist, welche den unvorhergesehenen Zwischenfällen Vorbehalten bleibk." Die „Kreuz-Ztg." meint, daß es keinem Zweifel unterliege, daß die von der Pforte gestellten Bedingungen, nach welchen sich die Mächte verpflichten sollen, auch in der griechischen Frage keine Flotten- Action zu unternehmen, als undiscuttrbar zurückgcwiesen worden. Durch das Eingehen auf eine solche Bedingung wäre der Rahmen der Frage, um welche es sich jetzt handelt, überschritten und ein Zusammenhang zwischen der monte- nrgrtntschen und der griechischen Frage geschaffen worden, welchen man gerade bisher zu vermeiden suchte. Uebcrdies wäre eine solche Garantie-Uebernahme schon deshalb unmöglich, weil die Einigung der Mächte über ihre Entschließungen in der griechischen Frage noch gar nicht so weit fortgeschrittten ist, bah Verpflichtungen für die Zukunft hätten übernommen werden können.
Berlin, 27. Septbr. In einem von der „Nordd. Allg. Ztg." veröffentlichten Erlaffe des Reichskanzlers an das Präsidium der Handels- und Kewerbekammer zu Plauen tritt der Reichskanzler der Ansicht bet, daß bet der Vorberettung volkswirthschastltcher Gesetzentwürfe dte Kritik derselben vom Standpunkte derjenigen, die später davon durch die Ausführung betroffen wer- den neben der Berathung durch dte amtlichen Factoren der Gesetzgebung erbö'bte Bürgschaften für eine zweckmäßige Gestaltung der Gesetze biete. Sein Streben sei btn Entwürfen vor ihrer Einbringung in die gesetzgebenden Kör- perschasten eine vorgängige größere Publtcttät und specielle sachkundig- Beur- tbe lung aus den Kreisen der Hauptbethetltgten zu sichern und zu dem Ende einen permanenten Volkswirthschaftsrath aus Vertretern des Handels der Industrie, der Landwirthschast und der übrigen Gewerbe zu bilden. Die Ver- Handlungen des preußischen Staatsministeriums hierüber (wodurch der ent- sprechenden Einrichtung für das Reich vorgearbetlet werde) seien in Vor-
Berlin, 27. Septbr. Das „D- MtgSbl." schreibt: In exclusiven
Kreisen wird erzählt, daß der herzliche Empfang, welchen Kronprinz Rudolf hier gefunden, eine höchst bemcrkenswertbe Monarchen-Zusammenkunft zur Folge haben dürfte, Es soll nämlich Kaiser Frarz Josef im nächsten Jahre in Begleitung der Kaiserin Elisabeth unserem Katserpaar einen Besuch abstatten. Sollte sich diese Nachricht bestätigen, so wäre es seit langer Zett das erste Mal, daß die Kaiserin freiwillig eine mit fürstlicher Repräsentation verbundene Fahrt unternähme, das erste Mal überhaupt, daß sie ihren hohen Gemahl auf einer so bedeutsamen Reise begleiten würde. Wir wollen nicht entscheiden, ob dieses Gerücht aus eine Absicht des Wiener Hofes oder auf einen Wunsch des unsc- rigen zmückzusühren sei.
Köln, 26. Sepibr. Dte Centrumspartet gibt sich alle erdenkliche Muhe, das Dombaufest zu beeinträchtigen, weil es ihr fehlschlug, den Erzbischof Melchers mit Erfolg zurück zu reclamiren, und doch werden die Führer der Opposition in den Tagen des Festes gewahren, daß sie eine Sisyphusarbeit vollbracht; denn Köln wird in einem so reichen und geschmackvollen Festgewand prangen, wie vielleicht nie zuvor und dte Zahl der Fremden wird am 15. und 16. October Legion sein. Ob dte Handvoll Führer der klerikalen Partei sich der Einsicht verschließen, daß sie der Sache, welche sie vertreten, wahrscheinlich schaden, und dte Verständigung auf vielleicht lange Zeit vereiteln? Der Kron- Prinz wird am zweiten Tage des Festes in Köln zu erscheinen verhindert sem; die Minister dagegen werden Hierselbst verweilen, ja man hofft, der Kaiser werde schließlich noch der Einladung der Stadt am 16. October Folge geben. Der historische Festzug ist gesichert und verspricht ein höchst prachtvoller zu werden. Die Hauptparttecn, selbst ganze Gruppen sind besetzt; gestern noch meldete das Personal sür dte Darstellung der Hansa sich vollständig an, ferner genugsam für die Ritter nebst Reisigen, und 12 Personen ließen sich zurUeber- nahme von Pairtcierrollen einzeichnen.
Von der Ostseeküste, 26. Septbr. Es wird jetzt sehr wahrschein- lich beschlossen werden, daß statt des untergegangenen Panzerschiffes „Der große Kursürst" keine neue Panzer-Fregatte wieder gebaut werden soll. Die deutsche Kriegsflotte würde danach an großen Panzerschiffen haben: die 7 Fr«, gatten „König Wilhelm«, „Kaiser«, „Friedrich der Große«, .Preußen", „Deutschland", „Kronprinz« uud „Friedrich Karl« und die 4 großen Ausfall- Corvetteu „Bayern«, „Sachsen", „Württemberg" und „Baden", nebst mehreren schweren g-panzerten Kanonenbooten. Statt der ganz großen Panzer- freqatten beabsichtigt man eine Zahl kleinerer Panzerfahrzeuge von der allergrößten Geschwindigkeit bis zu 20 Seemeilen pro Stunde und mit 2 Geschützen armirt, dte 1500-Pfündcr sein sollen, zu erbauen. Die Geschütze dieser neuen Art von Fahrzeugen sollen in einen drehbaren schwer gepanzerten Thurm auf bim Verbeck gestellt werden und bas Fahrzeug so niebrrgen Bord haben, daß es nicht sehr hoch über das Waffer ragt und> bei seiner großen Schnelligkeit und Lenksamkeit nur schwer zu treffen sein wird. Dabei sind die Kosten der Erbauung ungleich geringer, und man berechnet, daß statt einer einzigen großen Panzcrsregatte, wie der „Große Kurfürst war, an 8 solcher neuen schnellen kleinen Fahrzeuge hergestellt werden können.
Hesterreich.
Wie», 27. Septbr. Die „Frkstr. Ztg." läßt sich aus Wien telegra- vhiren • Auf Grund autoritativer Informationen kann ich Ihnen den Stand der Dulcignofrage wie folgt, präcisiren: Nachdem die Mächte die vom Sultan gestellten Bedingungen abgelehnt, erklärte die Pforte, st- werde Riza Pascha keine Vollmacht zur Uebergabe Dulcignos erthetlen. Riza PasLa hat in Folge dessen Montenegro erklärt, daß er jeden Versuch, türkisches Gebiet zu occupi- ren, mit Waffengewalt zurückweisen werde. Hierauf bat Nikita dte Mächte möchten die Fiottendemonstration um einige Tage verzögern, bis er was in drei Tagen der Fall sein werde, genügende Macht auch zur Bekämpfung tut- ktscher Truppen aufgeboten habe. Die Mächte sind hierauf eingegangen. D>- Abfahrt der Flotte ist bis Donnerstag vertagt; hat der Sultan bis! nicht seinen Sinn geändert, so beginnen dte Montenegriner, unterstützt von^der europäischen Flotte, ihre Operationen gegen Dulcigno, gleichviel, ob Riza Pascha dasselbe geräumt hat oder nicht.
Telegraphische Depeschen.
Wagner's trlegr. Correspondenz-Bureau.
Strafibura, 28. Septbr. Wie die „Elsaß-Lothr. Ztg.« meldet, tritt der Statthalter Fetvmarschall Freiherr v. Manteuffel morgen früh die Rückreise von Gastein an und trifft am Freitag Nachmittag hier ein.
London, 28. Septbr. In Folg- von Mitth-ilung-n, die auch m die | Oeffentltchkeit gelangt sind, ist Befehl ergangen, oaß der Zutritt zu der Werft,


