Ausgabe 
29.8.1880 Zweites Blatt
 
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Politische Ueberstcht.

Die Berliner Polizei hat zwei ausgewiesene Socialdemokraten, Körner und Finn, die Rückkehr nach Berlin gestattet, welche in der Reichs- Hauptstadt die Herausgabe eines socialistischen Blattes planen. Diese behörd­liche Toleranz erscheint in einem etgenthümltchen Lichte, da die beiden Arbeits­führer schon in Hamburg in einem bald wieder entschlafenen Blatte sür den Staatssocialismus, besonders auch für das Tabaksmonopol Propaganda -gemacht haben. Hoffentlich haben wir es hier nicht mit einer neuen Art Reptile, etwa mit irgend einer Aufwärmung der staatlichen Unterstützung Lassalle'scher Ideen, umdie liberale Bourgeosie" zu erschrecken, zu thun. Ein solches Experiment ist nicht so unschuldig, wie man glaubt, denn mit den Communisten soll man sich überhaupt nicht einlaflen, nicht einmal mit den Renegaten"; es bleibt ein gefährliches Spiel mit dem Feuer.

Die Feier des 700jährtgen Bestehens des Hauses Wittelsbach ist in Bayern glänzend verlaufen. Die Wtttelsbacher pflegten in Süddeutschland nicht allein die Wehrkraft des stämmigen bayerischen Volkes, sondern auch die Kunst und die Wiffenschaft. Sie setzten damit den hierarchischen Gelüsten der Curie einen festen Wall, und es ist schwerlich Zufall, daß der erste und bedeu­tendste Protest wider die päpstliche Unfehlbarkeit von München, von dem alten Döllinger ausging. Der süddeutsche Idealismus, der aus der Pflege helleni­scher Weisheit hervorgtng, war in Bayern nicht unpraktisch, denn er verstand es, sich die Verfassung und die Schwurgerichte eher zu erringen, als der frei­sinnige aufgeklärte Norden. Endlich aber feiert man bet dem Gedenkfest mit Recht den jüngsten Sproß der regierenden Wtttelsbacher, König Ludwig I., denn unvergessen wird im ganzen deutschen Volke seine nationale That bleiben, dem greisen Hohenzollern in Versailles die deutsche Kaiserkrone im Namen der deutschen Fürsten überreicht zu haben.

In der Schweiz soll ein socialtstischer Weltkongreß abge­halten werden, zu welchem die Schweizer Parteigenossen bereits Vorbereitungen treffen.

Die Meldung auS Paris, die Regierung beabsichtige das Gesetz gegen die nicht autortsirten Congregattonen vorläufig nicht in Anwendung zu bringen, macht in Frankreich böses Blut. Niemand zwingt das Ministerium, die Decrete weiter auszusühren, aber trotzdem wird die Frage, warum das Ministerium plötzlich zögere, eine Lebensfrage sür das Ministerium Freycinet werden, wenn die Kammern wieder zusammentreten.

Die englischen Militärbehörden treten als Werber auf, denn sie brauchen Rekruten füe Indien. Man sollte überall vor diesem neuen Men­schenschacher warnen, zumal Deutsche, welche gedient haben, In London mit Vorliebe aufgegabelt werden. Es bedarf kaum der Erwähnung, daß das indische Klima vernichtet, was etwa den Afghanen und den wilden Thieren entgeht.

Der Türkei ist nun abermals von den Botschaftern der Mächte erklärt worden, daß die Abtretung Dulcignos unverzüglich zu erfolgen habe. Unverzüglich, d. h. mit Ausnahme des Verzuges, den eine neue unverzügliche Antwort der Pforte beantragt

Der Sultan sitzt in guter Ruh', Und raucht 'ne Pfeif' Tabak dazu l

Lokales.

, Gießen, 27. »uguft. Spruch!,st- für das Schwurgericht der Provinz Oberheffen Uu 111. X-lUQTtQl 1 ooU 2

1. Landwirth Johannes Fritzel aus Schwalheim.

2. Müller Konrad Oehl aus (Srünbcrg.

3. Landwirth Peter Cuntz aus Ober-Roßbach.

4. Agent Johann Baptist Spiegel aus Gießen.

5. Ellenwaarenhändler August Mendelssohn aus Gießen.

6. Rechtsanwalt Dr. An ton Rosenberg aus Gießen,

7. Gastwirth Johannes Dietz aus Gießen.

8. Freiherr Adolph v. Harnter aus Echzell.

9. Landwirth Konrad Musch aus Ermenrod.

1°. Kaufmann Georg Wilhelm Wenzel, Lauterbach.

11. Wilhelm Trtebert aus Elpenrod.

12. Landwirth Peter Schäfer aus Windhausen.

13. Bürgermeister Dietz aus Heisters.

14. Gemeinderechner Johannes Mobs IV. aus Rieder-Mörlen.

15. Landwirth Heinrich Ernst Eifer aus Ulfa.

16. Metzger Nicolaus Engel aus Friedberg.

17. Johannes Specht aus Leusel.

18. Landwirth Reinhard Mtckel, Ober-Mockstadt.

19. Löb Döhl aus Gedern.

20. Bierbrauer Friedrich Uhl aus Nidda.

21. Früherer Bürgermeister Konrad Ronthaler II. aus Langd.

~~ Backer Hermann Jockel I. aus Grünberg.

23. Gastwirth Heinrich Belten III. aus Groß-Linden.

24. Bürgermeister Schaaf aus Eichelhain.

25. Kreisamtsgehülfe Hermann Döring aus Gießen.

26. Schlosser Justus Kratltng aus Gießen.

27. Landwirth Johann Georg Sehrt aus Ober-Bessingen.

28. Bürgermeister Konrad Wolf aus Appenrod.

29. Landwirth Valentin Wilhelm Fritzel aus Maffenheim.

30. Rentner Ludwig Bersch aus Gießen.

Vermischte».

Lich. Wie groß der durch den Frost an den Obstbäumen entstandene Schaden auch in unserer Gemarkung ist, beweist folgende Ueberstcht:

Aepfelbäume

Gesammtbestand

4863

Erfroren sind:

1821

Gesund geblieben:

3042

Birnbäume

2215

466

17 40

Ktrschbäume

584

65

519

Nußbäume

241

66

175

Zwetschenbäume

14959

8810

6129

Pflaumenbäume

387

170

217

Eßkastanien

1

1

Pfirsiche

4

4

Summa

23253

11422

11932

.. . ~ ®k der Manöv-rbri-f- lassen, wie uns von unterrichteter Seit- mit-

gecheil w rd, ungeachtet aller Anmahnungen der Posibehorde, in Bezug auf Deutlichkeit und Genauigkeit noch vielfach zu wünschen übrig. Fehlleitungen und Verspätungen in der Hebet- fünft »enn nicht gänzliche llnbestellbarkett, sind die unausbleiblichen Folgen? Ang-sicht« der bevorstehenden H-rbstubungen der Truppen erscheint es zweckmäßig, auf den Gegenstand hin- .» °n Betheiligten in deren eigenem Interest- dringend zu empfehlen, dle für 25 ' u"b, b 8U den H-rbstübung-n ausgerückten H-er-sthell- brstimmte

Briefe re. nadj Art der Feldpostsendungen deutlich mit Name, Charge und Truppentheil sReai- ment bezw. Bataillon, Compagnie, Escadron, Batterie ober Kolonne ?c.) zu bezeichnen und zwar am Besten unter Hinzufugung des betreffenden ständigen Garnisonsortes, nicht des häusta wechselnden Kantonnementsquartiers. Die schleunige Nachsendung derartiger richtig bezeichneten Briefe rc. nach den einzelnen Abholungsortcn ist durch besondere Verabredung zwischen Post und Truppenthetlen sicher gestellt. u ö * 1

Montag den 30. August l.I.,

Nachmittags 2 Uhr, werden auf dem Bureau Groß­herzoglichen Ortsgerichts dahier die zur Debitmasse der Gebrüder Köhler gehörigen im Gartfeld gelegenen Immobilien, bestehend aus einem dreistöckigen Wohnhaus mit Hof und Gartenraum und einer im Betrieb befindlichen Dampf-Schneidemühle mit allen Maschinen, Sägen und sonstigen Geschäftsutensilien, nebst einem großen theilweise bedeckten Holz­platz öffentlich versteigert, wobei bemerkt wird, daß bei annehm - baren Gebot der Zuschlag sofort durch den Gläubigerausschuß er- theilt werden kann. (5545 Gießen, den 23. August 1880. M. Pilger, Massecurator.

Grummetgras -Versteigerung. Dienstag, den 31. August, wird das GraS von den Wiesen der Herren

I. H. Busch Erben, vg. <1khr Spruck Erben, Medicinalrath Dr. Kehrer, Dr. Melchior in Butzbach, Karl Löber Wtttwe, Fritz Schwan in Wetzlar, Ehr. Fughard,

Löber

und von den Wiesen des Unterzeich- neten versteigert.

Anfang Morgens 8V2 Uhr in der Schwarzlach, von da am Gänsacker, Wall- brunnen u. s. w.

Nachmittags 2 Uhr Anfang auf der Stefansmark.

Gießen, den 25. August 1880. 5580) Müller.

Allgemeiner Anzeiger.

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4525) Für den großen Bedarf an Obstbäumen zur nächsten Verpflanz­zeit habe mir eine große Anzahl Stämmchen gesichert und erlaube mir ver- ehrliche Gartenliebhaber und Gemeindevorsteher zu ersuchen, jetzt schon Ihren etwaigen Bedarf anzugeben, um allen Anforderungen im Herbst genügen zu

Carl Deines,

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