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Ziußland.
Petersburg, 26. August. Der König und die Königin von Griechenland sind ht-r eingetroffen.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Correfpondenz-Bureau.
Berlin, 27. August. Der „Reichs-Anz." publictrt einen Erlaß des Kaisers an den Retchskamlrr, wonach der Staatssekretär des Innern, Hof- mann, einstweilen in den Ruhestand versetzt wird; ferner einen Erlaß deS Königs an den Ministerpräsidenten, wonach Hofmann von der Stellung eines Staats- und Handelsministers unter Belastung des Titels und Ranges als Staatsminister in Gnaden entbunden und die Leitung deS Handelsministeriums vorläufig dem Fürsten Bismarck übertragen wird.
Stuttgart, 27. August. Die hiesige Handelskammer hat sich, wie die „Württemb. LanbcSztg." meldet, mit allen gegen Eine Stimme gegen die Beschränkung der Wechselfähigkeck ausgesprochen und den Beschluß gefaßt, dem Detatlverkauf Seitens der Straßburger Tabakmanufaktur in Württemberg entgegenzutreten.
Bochum, 27. August. Verflossene Nacht fand auf Zeche „Julie" bet Herne eine Explosion schlagender Wetter statt. Drei Bergleute blieben lobt, <0 wurden schwer verletzt. Von letzteren wurden 3 bet ihren Familien, 7 in den hiesigen beiden Krankenhäusern untergebracht. Mehrere Verunglückte sollen uoch nicht an's Tageslicht gebracht worden fern.
Würzburg, 27. August. Der deutsche Kronprinz ist Nachmittags 1 Uhr 20 Mtn. hier angekommen; am Bahnhose fand officteller Empfang patt. Die Stadt ist festlich beflaggt. Um 5 Uhr findet die Besichtigung der hiesigen Truppen statt; morgen ist Truppcnbesichtigung in Hammelburg. Uebermorgen 9>/, Uhr erfolgt die Abreise des Kronprinzen nach Rothenburg.
New-Uork, 27. August. Laut Nachrichten aus Kingston (Jamaica) vom 19. August hatte dort in der letzten Nacht ein verheerender Orkan ge> wüthct. Tausende von Menschen sind dadurch des Obdachs beraubt, die Saaten größtentheils vernichtet. Die Kaserne in Kingston ist zerstört, drei Werften fortgeriffen, 8 große und 32 kleine Schiffe irrt Hafen gescheitert. Man hält eine Hungersnoth für bevorstehend und Unterstützung für erforderltch um Tausende vor dem Hungertode zu retten.
London, 27. August. Die gestern begonnene Unterhaussttzung dauerte Lis heute Nachmittag 1 Uhr. Irische Mitglieder widersetzten sich der Erledi- gung des irischen Ausgaben-Budgets, besonders der Position für Eonstabler, weil diese keine Eivilmacht, sondern eine Militärmacht feien. Schließlich willigte die Regierung in ein Kompromiß, indem die Irländer sich bereit erklärten, heute Abend sämmtliche Positionen zu erledigen, außer der Position für Eonstabler, letztere aber am Montag Abend. Die Sitzung hatte durchweg lebhaften Verlauf. Die Regierung verweigerte betreffs Irlands jede fernere Zusage außer den bereits früher gemachten.
— Meldungen des „Standard." Aus Bombay vom 26. ds.: General Stewart erhielt Befehl, wegen der kritischen Lag- zu Kabul mit seinen Truppen bei Jellalabad Halt zu machen. Unter Abdurrahman's Truppen soll Ab- trünnigkeit um sich greifen und die Partei Jakub Khans eine große Kundgebung »u Gunsten Jakubs ober Eyubs gemacht haben. — Aus Chama» vom 26. ds.: Die Truppen des Khans von Kelat meuterten. Eine Abtheilung britischer Truppen setzte sich in Marsch, dem Khan Hülfe zu leisten. Die Meuterer sollen mehrere Tausend Mann stark fein; man befürchtet, daß sich ihnen Beludschen-Stämme anschließen.
London, 27. August, Abends. Unterhaus. Staatssecretär Hantng- ton wiederholt auf Anregung Tyler's seine Erklärung vom 6. Juni, bete, die im Vertrag von Gandamak festgesetzte Grenze und fügt hinzu: Der Vicekönig von Indien und sein Rath erwägen jetzt diese Frage; er (Hartington) könne daher nicht angeben. welche Grenzposten besetzt würden. Die Regierung habe noch keine Bestätigung der heute veröffentlichten alarmirenden afghanischen Nachrichten erhalten. — Unteistaatssecretär Dilk- erklärt auf Befragen Tylerte: Specielle Schritte zur Förderung von Eisenbahnen in der asiatischen Türkei seien nicht beabsichtigt. Goschen wende, soweit es mit seiner Stellung verträglich, seinen Einfluß an, um Projecte britischer Unterthanen, die einige Aussicht auf Erfolg haben, zu fördern. Dilke theilt ferner auf eine Anfrage Mac Arthur's mit, die Pforte habe in Folge der ihr gemachten Vorstellungen versprochen, daS Journal „Peik ul Islam", welches in Konstantinopel gedruckt und für die Muselmänner Indiens bestimmt, diese in der britischen Herrschaft feindliche Weise zu Beeinflußen suche, zu unterdrücken.
Die Bill, betreffend die Jagd auf Hasen und Kaninchen, wird in dritter Lesung mit 148 gegen 70 Stimmen angenommen.
Oberhaus. Staatssecretär Granville verliest folgendes Telegramm aus Quetta vom 27. ds.: Eyub mit feiner Armee verließ die Positionen in Front vor Kandahar und zog sich nach Sangiri, 8 Meilen westlich von K indahar, zurück. General Roberts kam am 24 ds. in Khelati Gilzai an.
®fe Bill, betreffend die Jagd auf Hasen und Kaninchen, wird in erster Lesung angenommen; Redesdale kündigt an, er werde bei der zweiten Lesung die Verwerfung derselben beantragen.
Bern, 27. August, Abends. Das hiesige Journal „Der Bund", bestätigt, daß Profeffor Adolf Held aus Berlin und Fräulein Voigt aus Rotterdam am 25. August anläßlich einer Kahnfahrt auf dem Thuner See ertrunken, zwei andere Personen, die mitfuhren, aber gerettet sind.
Lokales.
Gießen, 28. August. Oberhalb de« Wehre« an der Obcrmühlc wurde heute früh die Leiche eines Mannes aus der Labn gezogen Der Selbstmörder batte vorher in seinem Notizbuch seine Personalakten und Ursache des Selbstmordes genau verzeichnet so daß der Behörde leichte Arbeit wartet. Zwei volle Setten bekundeten den Entschluß, sich zu entleiben. Der Anfang desselben lautet: Der Selbstmörder heißt.....aus Garbenteich. Ich habe mich
umgebracht aus Liebe zu meiner Frau. Ich liebte sie zu sebr, j doch —--?
— Auf einer benachbarten Jagd wurden einer Frau aus Gleiberg, welche im Felde be schäftigt war, etliche Körner Hühnerschrot in b^n Arm geschossen.
- Heute Vormittag zerriß das Förderseil (Drathsetl-, womit die gefüllten Wagen auf ven Hochofen der Margaretbenhütte gefördert werden entzwei. Die Wagen stürzten mit furchtbarem Scklag herunter, ohne daß ein Menschenleben gefährdet wurde, dagegen sollen ein- zelne Werkibeile durch den Unfall beschädigt worden sein.
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Mainz, 25. August. Der „N. M. Anz." erzählt: In unserer Nachbargemeinde B. lebt schon seit fast einem Jahrzehnt ein Monn — Pole von Geburt — der einen kleinen
Handel betreibt und nebenbei das Amt eines Dorsänqers bekleidet ct-r
bi- Bekanntschaft ein,« sehr wohlhabenden Mädchens und veewbee id>müf Höchst de« Paares wurde auf dt- Mit,, diese« Monats fefloefcht
ob« - der Mens-b denkt und (Soll lenkt. Da« SEu,nf«fi u 1 be|d,lc|11"'
all-n Thetlen Deutschlands waren di- Turner h-rb^g strömt °uck O,^. m t T”,' au8 >"t-n und sogar aus einer mittelgroßen S.°dtTrver- sich einige Turner zu dem Feste cingefunden. Die Turner unter,r h" Jd ®r,nie ^otien ln nl*‘ 8-4" «nzahl auf Umfrj "0,tn,'± *“«5
traf es sich, daß mehrere von diesen mit ihren österreichischen F.sw-nossen infnmm ^end? von. diesem und jenem plauderten. Unter Anderem wurde von einem Un?
betlausig der Name jenes Vorsängers erwähnt, welcher ebenfalls öüh reicht irhrr n « ^nch Kaum hatte aber einer der österreichischen Turner dessen Namensbernom^ f<L
ba™Q$ "Endigte und schließlich erklärte, der Träger dieses Namens fei fn ftißer ©fbuj^ßabt ansässig gewesen, habe vor neun Jahren der Hetmath den Rücken gekehrt und ^itdem^ew! Frau mit zwei Kindern ohne alle Nachricht von sich gelösten. Nach der Rückkebr der wurde nun der Frau des Vorsängers dort mitgethM, daß ihr Mannin??
LrIV? dermal« zu verehelichen. Die Frau wendete sich hierauf an'ihre Behörd! u £ ^lc fai2 an den Tag. Aus der Berheirathung wurde selbstverständlich nicht«
und der Gemeinvevorfland hat den Vorsänger sofort seines Dienstes entlasten. $ *
E. SW“Se^eiIt "°" bem Renten d.« norddeutschen Lloyt,
~ u. Bremen, 27. August. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Köln Capt. Th. Jungst, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 11. August von Bremen abgegangen war, ist gestern wohlbehalten in Baltimore angekommen. 9
n . Bremen, 27 August. sPer transatlantischen Telegraph., Der Postdampfer Hohenstaufen, Capt. F. Himbeck, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher nm 14. August von Bremen abgegangen war, ist heute 5 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.
K , Wremen, 27. August. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdarnpfer Rhein Capt. G. Meyer, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 15. August von Bremen und am 17 August von Southampton abgegangen war, ist heute 3 Uhr Morgens wohlbehaUen in Newport angekommen. 1 1
Handel und Verkehr.
Gießen, 28 August. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter per Pfd 1 00 ?Hühnereier 1 Stück 5-6 H, 2 Lt. 00 Enteneier 1 Stück 6-0 L Kse p« Stück Kasematte PN Stück 3-0 Erbsen 1 Liter 18 Linsen 1 Liter 20^, Taubendas fpaat 60—70 Hühner v- St. JL 0.80—1.20, Hahnen p. St. JL 0.55—1.00 Mälscke
0.00—0 00, Enten per Stück JL 1 2«»—1.60, Ocosenfletsch 66—68 H per Pfd.' Kuh. und Rindfleisch 50-00 Kalbfleisch 46—50 Hammelfleisch 60—7«. Schweinefleisch 68-00 H, Kartoffeln per 100 Kilo JL 5.50-0 Zwrebtln p. Ctr. jt. 6-7 (0, Milch per Liter 16 und 18 H. *
Auszug aus den Stsndesamtsregistern des Stsn-essmts Gießen
Vom 21. bis 27. August <880.
Aufgebote.
August. 23. Arbeiter Konrad Wagner VIII., Wittwer, von Groß-Buseck mit Katharine Elisabeth Bender, Tochter des verstorbenen Leinwebers Johann Georg Bender von Zierenberg. 26. Schneider August Wilhelm Hutbmann von Roßwein mit Elisabeth Backes, Tochter des verstorbenen Taglöhners Ludwig Backes von Merlau.
45 e > n r r n e.
August. 19. Dem Weißbinder Heinrich Ruhl eine Tochter. 19. Dem Schneider Theodor Wilhelm Wiedmeyer ein Sohn, Wilhelm Ferdinand. 23. Dem Küfer Philipp Lenz ein Sohn. 21. Dem Architekten August Hug eine Tochter, Rosalie Ida Josephine. 20 Dem Schuhmacher Ludwig Decker eine Tochter, Elise Margarethe 22. Dem Babna,beiter Justus Walther eine Tochter, Karoline Margarethe. 15. Eine Tochter, Anna Katharine, von auswärts. 19. Dem Bierbrauereibesitzer Johann Förtsch ein Sohn, Friedrich Wilhelm Hans. 21. Dem Kutscher Heinrich Krafthofer eine Tochter, Louise. 20. Dem Kaufmann Wilhelm Heuser ein Sobn, Karl August Joachim Albert. 21. Dem Hilfsweichensteller Johannes Müller eine Tochter, Wilhelmine Konradine Marie Lina. 21. Eine Tochter, Helene, von auswärts. 24. Dem Schuhmacher Heinrich Heine eine Tochter, Johanna Bertha Dorothea.
Gestorbene.
August. 20. Marie Louise, 1 I. alt, Tochter des Werkführers Johannes Keller. 23 Eva Louise, 4 I. alt. Tochter deS Zugführers Paul Höck. 23. Der Gesellschaftsdiener Johann Martin Krämer, 68 I. alt. 23. Georg, 8 I. alt, Sohn des Kutschers Konrad Sänger. 25 Fritz, 17 T. alt, Sohn des Taglöhners Hofmann. 24 Ein Sohn, 3 M. alt, von auswärts. 25. Dem Fuhrmann Konrad Hofmann eine todtgeborene Tochter. 26. Käthchen Karoline, 2 I. alt, Tochter des Schloffers Georg Heller. 25. Georg, 14 I alt Sobn des Schneiders Peter Weichsel. ;
Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Getraute.
Den 20. August. Wilhelm Weiß, Diener im physikalischen Cabinet dahier und Elisabeth Neun, ledige Tochter des Maurermeisters Franz Neun zu Muschenheim.
Getaufte.
Den 22. August. Dem Taglöhner Heinrich Hofmann ein Sohn, Friedrich Wilhelm, geb. den 8. August.
Denselben. Dem ObertelegraphenAssistenten Ferdinand Friedrich Christian Flory eine Tochter, Margarethe Caroline, geb. den 27. Juni.
Denselben. Dem Vicefeldwebel Heinrich Seim ein Sohn, Otto Heinrich, geb. 3. Aug.
Den 24. August. Dem Gymnasiallehrer Profeffor Dr. Fritz Schulteß ein Sohn, Carl Adolf, geb. den 29. Juli.
Beerdigte.
Den 25. August. Johann Martin Krämer, Clubdiener, alt 68 I., gest. den 23. August.
Kirchliche Anzeige
der evangelischen Gemeinde zu Gießen.
Wir haben beschlossen, auch in diesem Jahre eine kirchliche Feier des Sedanfestes zu veranstalten.
Demgemäß soll am Donnerstag den 2. September, Vormittags 9y2 Uhr, Festgottesdienst in der Stadtkirche stattfinden. Am Abend zuvor, sowie am Morgen des Tages selbst wird die Feier durch das gewöbnliche Festgeläute eingeleitet, auch wird nach dem Morgengeläute ein Choral vom Thurm herab geblasen werden.
Die Collekte, die beim Ausgang aus dem Gotteshaus erhoben wird, ist zum Besten des Vereins für Unterstützung der Invaliden und der Hinterbliebenen gefallener Soldaten bestimmt.
Wir laden die Gemeinde, Insbesondere auch den hiesigen Kriegerverein, zur Theilnahme an der kirchlichen Festfeier zum zehnjährigen Gedächtniß des Sedantages hierniit geziemend ein.
Gießen, den 28. August 1880.
Der evangelische Kirchenverstand: Dr. Naumann, Pf rrer.
Für die Hage'.beschädigten zu Hungen haben wir noch erhalten von Herrn Dr. Winkler
5 J-L, nunmehr überhaupt 2l JL, welche wir heute an Herrn Kammerrath Demme in Hungen
sandten. Die Expedition des Gießener Anzeigers.


