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Donnerstag den 29. Juli
1880.
Nr. 174.
NedaettonSbureaur 1 Schulstraße B. 18.
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Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS
PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloha. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pj»
Zum deutschen Turnfest.
Frankfurt am Main hat die Turner von fern und nah würdig empfangen, und das Turnfest beweist, daß die Sache der Turnerei noch immer als eine vaterländische allgemein hochgeschätzt wird. Vertreter aller Nationen sind Zeugen eines Nationalsestes, welches das Turnen feiert, weil es die männliche Kräftigung des Volkes fördert und sein Theil dazu beigetragen hat, im harten Kampf für die edelsten Güter des Volkes die Einigkeit des Vaterlandes zu erringen, wie es dazu Beiträgen wird, seine Freiheit zu fördern. Die deutschen Turner umschließt das gemeinsame Band der gleichen Liebe zu ihrer Sache, zur Pflege der körperlichen Kraft, der gleichen Erkenntniß des alten Wortes, daß im gesunden Körper die gesunde Seele wohnt, und der gleichen Treue für alle edlen Aufgaben und erhabenen Ziele des Volkswohles.
Die Geschichte der deutschen Turneret ist auch die Geschichte unseres Jahrhunderts und unseres Vaterlandes. Bei festlichem Anlaß blickt der Turner nicht mehr zurück in die trübe Zetten, wo mit der Sache des Turnens der Einheitsdrang und das Streben nach Freiheit verketzert war, das Auge des Turners, der sich eins weiß mit seinem Volke, blickt froh nach vorwärts! Wer Gott und seiner eigenen Kraft vertraut, ist wohlberathen, und Niemand mehr weilt im Voterlande, der nicht sympathisch aus die Turnkunst blickt, welche aller Orten als ein wesentliches Moment unserer Wehrkraft sich Anerkennung und Achtung erworben hat. Sie hat sich ihr gutes Recht erkämpft und von ihrem Werthe gibt daS Wort des Anschylus: „Wo Kraft und Recht an einem Joche ziehen, welche Zwiegespann kann kräftiger sein?" — und ebenso der Spruch Göthe's:
„Allen Gewalten zum Trotz sich erhalten, Nimmer sich beugen, kräftig sich zeigen, Frisch, Fromm, Froh und Frei! Rufet die Arme der Götter herbei!"
Ja, es ist der Hauch der geistigen Frische, der die Turneret durchweht und sie adelt; es ist die Frische unvergänglicher Jugend, die aus ihren Spielen und aus ihren männlichen Hebungen spricht- Wir haben ein paar Jahrzehnte durchlebt, die in der Geschickte und in der Entwicklung unseres Volkes schwerer wiegen, als ein Jahrhundert, aber die Turneret ist sich treu geblieben. Mit gleicher Fcische und gleicher Liebe erfüllt sie ihre erziehende Aufgabe und der frische Nachwuchs legt Zeugniß ab von der ewigen Jugend der Turnerei, die dem Manne die Frische wahrt und selbst den Greis verjüngt, der in froher Turner Mitte weilt. Und wenn bie Dichter den Frauen, die auf die muntere Turnerwelt blicken, die Anmuth als ein köstliches Erbgut nachrühmen, der Turner ehrt Schillert Zuruf: „Kraft erwart' ich vom Mann, des Gesetzes Würde behaupt' er!"
Auch fromm zu sein verlangt der Turnerspruch. Und weil die Sache der Turnerei dem ernsten Turner eine heilige ist, so wird er auch die echte Frömmigkeit, welche berufen ist, die Frömmelei und Scheinheiligkeit unserer Tage zu besiegen, zu üben wisien, wenn ernste Stunden ihn zur Erhebung des Gefühls zu Gott mahnen. Schlicht und recht, treu und bieder zu fein, das lehrt das Turnerleben und in der Befolgung seiner Lehren liegt die wahre Frömmigkeit:
Wer früh umherspäht mit gesunden Sinnen,
Auf Gott vertraut und die gelenke Kraft, Der ringt sich leicht aus jeder Führ und Noth!
Ueberall versteht der frohe Sinn der Turner ein fröhliches Echo zu erwecken. Die Freude, die Himmelstochter, verschönt die Feste der deutschen Turnerei, der Frohsinn bildet ihre Weihe, und so nimmt das Frankfurter Turnfest einen frohen Verlauf und sein erfreuliches Resultat wird die frohe Erinnerung an fröhliche Tage fein.
Im ganzen deutschen Vaterlande und von überall, wo die deutsche Zunge klingt, blickt man auf das Fest mit der Hoffnung, daß es in seinem brüderlichen und nationalen Geiste, in seinem freien Walten ein Saatkorn für die Freiheit sei, welche die Turneret als em Erbgut hochhält. Der freie Mannesmuth, den sie pflegt, wie sie die Achtung vor dem Gesetz und den Geist der Ordnung in der Ausübung ihrer Kunst obenanstellt, hat bereits in Deutschland künstliche Errungenschaften gezeitigt. Mag manche Wolke noch den Horizont umdüstern, der freie Turnersinn wird nicht ermatten, bis einst die Sonne der Freiheit am klaren Horizont leuchtet. An dieses Ziel gemahnt das deutsche Turnerfest; es zeigt als Ziel die Erreichung der nationalen Wünsche unseres Volkes, und der jugendlichen Frische, dem frommen Sinne, der festlichen Fröhlichkeit und der turnerischen Freiheit erscheint das Ziel näher und näher — „Gut Heil!"__
Deutschland.
Berlin, 26. Juli. In orthodox, protestantischen Kreisen nicht nur Preußen-, sondern auch anderer norddeutscher Länder hält die Bewegung gegen das Eivilstandsgesetz an, und bei den preußischen Ultras hat sogar die die Beilegung der Vornamen betr. Verfügung des Ministers des Innern große Verstimmung erregt, weil sie die „Vornamen" zu Gunsten der „Taufnamen" bevorzugt. In den genannten Kreisen geht man aber unter Nichtachtung des bestehenden Gesetze- noch viel weiter und spricht die Ansicht aus, daß die Standesbeamten Vornamen, welche sich nicht als kircklick oder patriotisch oder
hergebracht ausweisen, einzutragen verweigern sollen, weil bei späteren Taufen doch nicht unkirchliche Namen in die Kirchenbücher kommen dürfen! Es ist wirklich hohe Zeit, daß sowohl Reichstag als Bundesrath ein entscheidendes Wort zur endlichen Beseitigung solcher Umtriebe sprechen.
Berlin, 26. Juli. Herr Hafselmann, welcher bekanntlich „Thaten thun" will, weil er glaubt, daß die Zeit der „leeren Phrase" vorüber ist, schafft seinem Thatendrange dadurch Genüge, daß er vorläufig in Denuncia- tionen macht. Von seinen früheren Genoffen aus der socialdemokratischen Partei ausgestoßen, übt er damit Entgeltung, daß er angebliche Enthüllungen aus der socialdemokratischen Partei bringt. Diese Enthüllungen laufen zumeist aus schmutzige Wäsche hinaus. Einmal bemängelte Herr Haffelmann dieKaffrn- führung bei der Berliner GenoffenschastS-Druckerei, insonderheit das Geschäfts- gebahren des Herrn Rackow. Ein zweites Mal oppellirte Herr Haffelmann an rein menschliche Gefühle, indem er den ehemaligen soctaldemokratischen Abg. Reiuders, welcher an der Schwindsucht gestorben ist, als ein Opfer des Geizes seiner socialdemokratischen Genoffen hinstellte. ReinderS sollte ungefähr Hun- gers gestorben sein, während wenige Hundert Thaler ausgereicht haben würden, sein Leben noch Jahre lang zu fristen. — Auf letzteren Vorwurf haben jetzt die Angegriffenen geantwortet, indem ste genau aufzählen, welche Bezüge Reinder's von seinen socialdemokratischen Freunden gehabt hat. Diese Bezüge sind den Verhältniffen nach recht beträchtliche gewesen und wäre damit der von Herrn Haffelmann erhobene Vorwurf absolut als ungerechtfertigt erwiesen. Wir erwähnen dieser Angelegenheit ein erstes- und zugleich ein letztesmal. Wir haben gar kein Jntereffe daran, mitzuhelfen bei dem Waschen der schmutzi- gen Wäsche der Socialdemokraten.
— Man schreibt der „Kreuz-Ztg.": „Der Leitartikel Ihres geschätzten Blattes über die Frage, ob nach dem Wuchergesetze die Geltendmachung früher entstandener wucherischer Forderungen zulässig sei, hat allgemeine Aufmerksamkeit erregt. Die Deduction findet ihre Bestätigung in dem Präjudiz des Obertribunals Nr. 1849 (vom 9. März 1847, 3. Senat):
„Die §§ 1271, 1272 (II 20 A L-R) kommen als Vrrbotsgesetze auch auf Verträge zur Anwendung, durch welche vor Einführung des A. L.-R. gültiger Weise höhere Zinsen, als das A. L.-R. Th. I, Tit. 11, §§ 803 ff. ge- stattet, stipulirt worden sind, dergestalt, daß von Zeit der Herrschaft des A. L.-R. an nur noch der danach zulässige (niedrige) Zinssatz gefordert, und was seitdem über die gesetzlichen Zinsen hinaus gegeben worden, noch binnen 6 Jahren nach völlig abgetragener Schuld zurückgefordert werden kann."
„Die Sache ist von eminenter Wichtigkeit, nicht nur für die Jahre lang bewucherten kleinen Beamten u. s. w., sondern auch für manche Grundbesitzer."
Frankreich.
Paris, 26. Juli. Die Ausgaben für das Fest der französischen Fah- nenaustheilung belaufen sich auf 550 000 Frcs. Dieselben verteilen sich wie folgt: 1) Zuschüsse für die nach Paris gekommenen Officiere und Soldaten, wclcke die Deputationen der Departements bildeten 320,000 Frcs.; 2) Bau der Tribünen auf dem Hippodrom von Lonachamps für die großen Staatskörper und die verschiedenen Delegationen 220.000 Frcs.; 3) Austheilung von Weinrationen an die Gensd'armerie und die Truppen, welche an der Parade vom 14. Juli Theil nahmen, 10 000 Frcs. Vor ihrem Auseinandergehen bewilligten die Kammern einen nachträglichen Credit, um diese Ausgabe voll- ständig zu decken. _________
«elegraphischr Depeschen.
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Berlin, 27. Juli. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt, die Australian Steam Navigation Company beabsichtige die bisherigen regelmäßigen Dampferfahrten nach den Fidschi- und Tongo-Jnseln künftig auch auf die Samoa- Inseln auszudehnen. Für den Dienst nach den Fidschi- und Tonga-Inseln beziehe die Gesellschaft eine jährliche Subvention von 6400 Pfd. Sterl. aus den öffentlichen Fonds und für die Ausdehnung der Fahrten nach den Samoa- Inseln sei eine weitere Staatsunterstützung in Aussicht genommen. Der Vorgang beweise von Neuem, wie von anderer Seite, bei geringeren merkantilen Interessen als diejenigen Deutschlands seien, dem Verkehre in ber ^ub)ee, in fortgesetzt zunehmendem Maße die Aufmerksamkeit zugewendet werde.
Paris, 27. Juli. Eine Note der „Agence HavaS sagt - ES lst gewiß, daß die Antwort der Pforte noch nicht übergeben ist und daß sie frühestens im Laufe des heutigen. Tages übergeben werden wird.
London, 27. Ju'' „Reuter's Bureau" meldet aus Konstantinopel : Die Antwort der Pforte .rl die Collecttvnote ist dem Sultan zur Genehmigung vorgelegt. Der ursprünglich von den Ministern genehmigte Text der Antwort erfuhr nochgehendS wieder Abänderungen.
London, 27 Juli, früh. Unterhaus. Lord Hartington erklärt, die Proclamirung Abdurrahmans sei mit der Zustimmung Englands erfolgt. Er hoffe, die britischen Truppen würden demselben demnächst die Regierung Ka- buls und d-s Landes übergeben. D,-selben wurden sich hierauf n gesunde, die Beobachtung d-s Fortgangs der Ereignisse und die brittenfeindliche Häupt. linge schützend- Stellungen znrückziehcn und im Lause des Herbstes nach Indien


