Sonntag den 29. Februar
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Zweites Blatt
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Erscheint ILgttch mit Ausnahme des Montag-,
Gießen, den 27. Februar 1880.
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zwischen Rußland und hervorgehoben, daß der als politischer Ver- Regierung entschließen, Entrüstung ausbrechen, Sollte man den Atten-
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aus dem Lande weisen.
In Rußland herrscht merkwürdigerweise eine unheimliche Ruhe, keine bi sondere Aufregung. Die Menge ist unbedingt thetlnahmlos. Der Patriot und ruhige Bürger würdigt die große Gefahr der fürchterlichen Feinde der Gesellschaft, aber er erhebt sich nicht zur Gegenwehr. Wodurch nun eigentlich der Russe in Aufregung zu bringen ist, wenn ihn das Geschehene noch kalt läßt, weiß man nicht; thatsächltch ist das aber bei den ungebildeten Klassen der Fall und dieser Umstand giebt jedenfalls viel zu denken.
Die Linke in der italienischen Kammer hat ihr Programm für
die Session sestgestellt und hierbei die beiden in der Thronrede angekündtgten Reformen bezüglich des Steuerwesens und der Wahlen mit dem Listenjcrutintum als Grundlagen angenommen. Vorläufig dürsie sie daS Ministerium unterstützen. Indessen kommt es in Italien noch häufiger als in anderen Ländern vor, daß sich bet gleichen Principien hinter dem Ausetnandergehen in der Durchführung dieser Principien Persvnenfragen erheben.
Der außergewöhnliche Rückgang der Staatseinkünfte erregt in England große Bedenken. Wenn auch in der letzten Zeit die Einnahmen sich gebessert haben, jo ist dcch zu eruägen, daß zu dem Deficit noch die enormen Kriegskosten für Afrika und Indien hmzuneten. Da 6y2 Millionen Psd. Sterl. ungedeckte Ausgaben vorliegen, so eröffnet sich den britischen Steuerzahlern die Aussicht auf das erkleckliche Deficit von mindestens 10 Mill. Psd. Sterl., also 200 Mill. Mark.
In Amerika vermehren sich die Aussichten für eine neue Präfident- jchaft des General Grant.
Die Nachrichten über eine Rtvolution in Abessynten bestätigen sich. Der König ist geflohen. Im Lande herrscht vollständige Anarchie und das Leben der Europäer gilt für bedroht.
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Politifche Ueberficht.
Die an die „Nordd. Allgem. Zeitung" gerichtete Zuschrift, welche die Allarmnachrtchten des hochosficiöjen Blattes über dre russischen Rüstungen und den nahe bevorstehenden Krieg Rußlands und Frankreichs gegen Deutschland in schärfster Weise dementirt, wird natürlich in allen politischen und parlamentarischen Kreisen lebhaft besprochen. Im Reichstage ist Fürst Hchenlohe privatim über dieses Spiel interpellirt worden, welches man mit dem Wohl und Wihe der Nation treibt. Im Allgemeinen macht sich die Stimmung dahin geltend, daß diese Angelegenheit öffentlich zur Sprache gebracht werden muß. Im Reichstage dürste sich bald eine Gelegenheit finden, dies zu thun. Die erste Version, daß der erste allarmirende Artikel von diplomatischer Seite abstamme und die Tags darauf erfolgte Rectification aus Inspirationen hoher militärischer Kreise zilrückzusühren sei, erscheint glaubhafter als die Annahme, daß der Allarmartikel nur mit Rücksicht aus das Militärgesetz publicirt worden sei. Jedenfalls ist eine Auskläiung über diese Affatre dringend wünschenöwerth.
Der Reichstag hat, nachdem er sich über das drohende Tabaksmonopol Aufklärung zu verschaffen gesucht hat, die Lage der Reichsbank kritißrt. Es verdient jedenfalls Aberkennung, daß von verschiedenen Setten betont wurde, die Retchsbank habe nicht allein den Zweck, eine gute Dividende zu erzielen, sondern die nationale Pflicht, den Jntereffen des Reiches zu dienen und den Geldverkehr so zu regeln, daß er den Bedürfnissen des Verkehr- entspricht.
In Paris hat man den Hauptthäter des Moskauer Eisenbahn-Attentats ergriffen. Mayer-Krutsch-Hartmann-Karakoroff — diese Namen hat der Attentäter abwechselnd gefühlt — gestand sein Verbrechen ein. Nicht nur die -radikalen Organe, sondern alle republikanischen Blätter besürworten, den Ver-
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! in Amerika und der hohe, durchaus sichere ik? an die Versicherten mimum. Dividenden- >ere Auskunft *lt: lictnftrafr 97.
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hasteten nicht auszuliefern. Abgesehen davon, daß Frankreich ein Auslieferungsvertrag nicht besteht, wird Theilnehmer am Moskauer Attentat in erster Linie Lrecher zu betrachten ist. Sollte sich trotzdem die Hartmcnn auszuliefern, so würde ein Sturm der was dem Cabinet Freycinet gefährlich werden könnte.
täter nicht etwa noch entwischen laffcu, so wird man ihn wahrscheinlich nur
den 29. Februar: icert, hitsiytu Aegm.-Mfil- 4 und Abends 8 Uhr- ie 20
B. Oswalds
Betreffend: Die Aufstellung der Jmpflisten für 1880.
Das Großherzogliche Kreis-Gesundheitsamt Gießen
an die Großherzoglichen Standesämter und Schulvorstände des Jmpfbezirks Gießen.
Die Listen für die diesjährige Impfung sind heute an Sie abgegangen und bemerken wir Ihnen bezüglich der Ausstellung derselben Folgendes:
I. In die Listen für Erst-Impfung werden unter B alle in der betreffenden Gemeinte während des Jahres 1879 geborenen mb am Ende des Jahres 1879 noch lebenden Kinder eingetragen, auch solche, welche etwa mit ihren Eltern an einen andern Ort verzogen sind. Die im Laufe des Jahres 1879 aber bereits gestorbenen Kinder werden nicht in den Listen angeführt. Nach vollendetem Eintrag sind sovann unter C die bis jetzt zugezogenen Impf- pflichtigen einzutragen, oder es ist, wenn solche nicht vorhanden, dies mit dem Vermerk anzugrbrn: C Zugezogen: Niemand. Erst dann ist die Liste mit dem Namen der aufstellenden Behörde und dem Datum der Ausstellung zu unterzeichnen.
Die Spalte 27 ist freizulaffen und sind alle etwa nöthig scheinenden Bemerkungen (also auch die Angabe der Orte, wohin einzelne Pflichtige ver- zogen sind) nur mit Bleistift einzuscbreiben. n , . .
II. In die Listen sür Wieder-Impfung sind unter B die Namen derjenigen Schüler auszunehmen, welche im Lause dieses Jahres das 12. Lebensjahr erreichen und zwar haben diese Einträge nach dem Schülerverzeichniffe, aber nicht nach dem Kirchenbuche zu geschehen. Die Gestorbenen und Weggezogenen, sowie Kinder, welche nicht in ilrer Heimatb, fordern an anderen Orten Schulen besuchen, fmt> in die Listen ihrer Heimathorte nicht emzu- tragen. In größeren Schulen empfiehlt es sich,' die Namen der Knabin und Mädchen in getrennter Reihenfolge aufzuführen. Unter C hat dann ebenfalls Eintrag der Zugezogenen zu geschlhen, oder eö ist, wenn solche nicht vorhcnden, die Btscheinigung anzusügen: C Zugezogen: Niemand.
Die Unterzeichnung dieser Listen geschaht durch den Schulvorstand unter Beifügung des Datums der Ausfertigung.
Die Spalte 28 ist freizulaffen oder es sind Bemerkungen in dieselbe nur mit Bleistift einzutragen.
Wir ersuchen Sie, die Listen bis spätestens 31. März an uns etnzusenden. Dr. Glasor._____________________________________________________________
Betreffend: Wie oben. Gießen, den 27. Februar 1880.
Das Großherzogliche Kreis-Gesundheitsamt Gießen
an die Großherzoglichen Standesämter Birklar, Dorf-Gill, Eberstadt, EttingShaufen, Grüningen, Hattenrod, Holzhenn, Lich, Münster, Muschenheim, Nieder-Besfingen, «der-Bessingen, Ober-Hörgern und RöthgeS, jowte an das Großh. Polizei-Cvrnwifsariat Arnsburg.
Unter Bezugnahme auf unser heutiges Ausschreiben, die Ausstellung der Jmpflisten betreffend, machen wir Sie darauf aufmerksam, daß Ihre Bezirke nunmehr dem Jmpsbezirk Gießen zugethcilt worden sind und die von Ihnen aufzustellenden Listen demnach an uns und nicht mehr an die früheren Jmpfärzte
abzugeben sind. Dr. Glasor.
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Lokales.
Gießen, 28. Februar. Zum lebendigen Angedenken an die unvergeßliche Höchstseltge Großherzogin Alice von Hessen :c. wurde mittelst Beiträgen aus allen TheUen des Landes eine Stiftung, die „Alicen-Stiftung", gegründet. Bet dem regen Interesse, weiches von allen Seiten dieser so segensreichen Stiftung entgegengetragen wird, glauben wir wohl keinen Fehlgriff zu thun, wenn wir die nunmehr erschienenen Statuten zur weiteren Verbreitung und zur Kenntniß unserer Leser brmgen. Dieselben lauten:
§. 1. (Zweck der Stiftung.)
Als ein lebendiges Denkmal der höchstjeltgen Großherzogin Alice von Heffen und bet Rhein und ihrer dem Wohl ihrer Mitmenschen gewidmeten Thättgkeit wird eine Stiftung unter dem Namen
Alice-Stiftung
gegründet, welche ihren Sitz in Darmstadt und die Aufgabe hat:
sammtliche von der verewigten Großherzogin in's Leben gerufenen und geleiteten ge-- meinnützlgen Anstalten nach Kräften und nach Maßgabe ihres Bedurfntffes zu Unterstützen.
Als solche Anstalten werden vorzugsweise bezeichnet:
a. der Alice'Frauen Verein für Krankenpflege mit der Hellanstall in der Mauer- ftrahe zu Darmstadt und der Abtheilung für Waisenpstege,
b. der Alice.Verein für Franen.bildung und^Grwerb mi- der Bildungsanstalt für Handarbeitlehrerinnen in Hessen und der Industrieschule für erwachsene Mädchen aus allen Ständen,
c. die Jdiotenanstalt „Alice-Stift".
K 2. (Mitglieder der Stiftung.)
Mitglied der Stiftung ist jede großjährige Person, weiche einen einmaligen Beitrag von mindestens 10 Jt. geleistet, oder einen jährlichen Beitrag von mindestens 3 JL leistet, so lange, als dieser Beitrag geleistet wird.
1 ö 1 $.3. (Rechte der Mitglieder.)
Jedes Mitglied hat das Recht, nach Maßgabe der weiter unten folgenden Bestimmungen an den Berathungen und Beschlüssen der Hauptversammlungen und an den in denselben statt-


