Ausgabe 
28.11.1880
 
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Lokales.

Gießen, 27. Novbr. [3um Stromerthum.s Zwei Handwerksburschen taumelten gestern Abend Arm in Arm beduselt au- der Herberge in der Wolkengasse und belästigten die Passanten deS SeiterSwrgS durch Anrempeln rc. Am Laden deS Uhrmacher Böger angelangt, drangen sie in denselben und wollten daselbst Musik gemacht haben- Der Ladeninhaber schwang nun seinen Taktstock in Gestalt eines eisernen Stängelchens und trieb die Burschen zum Laden hinaus. Hier empfing sie c«n Schutzmann, der dem Treiben mit zugesehen hatte. Leider ent­wischte einer der Stromer. Man sieht auch hier wiederum, wie die erbettelten Pfennige vcr- subelt und verludert werden.

__ Eine etwas gemischte Gesellschaft wurde gestern Abend in einer Scheune an Wenzel's Garten ausgehoben. Zwei der Personen, ein Männlein und cm Fräulein, wurden auf die Polizeiwache verbracht, während 3 andere im Dunkel der Nacht verschwanden.

sBazar des Frauenvereins.j Der am 24. und 25. d. M. im Gasthauszum Ein­horn" etablirte Bazar des Frauenvereins ist überaus schön gelungen. Indem wir uns vor« behalten, eingehender darüber zu berichten, theilen wir einstwetlen nur mit, daß der Ertrag incl. Verloosung sich auf ca. 2400 «X beläuft.

__ Warrn die beiden ersten Abonnements Concerte in Wenzel's Palmen Saal übei5 füllt, so spottete der Besuch gestern Abend jedem dagewesenen. Kopf an Kopf saßen die Zu­hörer und Viele mußten den Genuß wegen Platzmangel aufgeben. Ein Uebelstand tritt bet den Concerten grell zu Tage. (88 ist dies das sog. Belegen der Tische vorher. Man kann über die Berechtigung hierzu unter Umständen streiten, aber einen peinlichen Eindruck macht es jedesmal, wenn Damen nach irgend einem Plätzchen umherspähen und vor ihnen stehen mehrere unbesetzte oder höchstens mit einer Person besetzte Tische, an welche sie nicht herantreten dürfen. Wie diesem Uebelstande abgeholfen werden dürfte, wollen wir dem Wirthe überlasten. Ueber die Leistungen der Kapelle herrscht biS jetzt nur eine Stimme der Anerkennung und werden wir uns erlauben, demnächst näher hierauf einzugehen.

Telegraphische Depeschen.

Wngner'ö telegr. Correspondenz-Bureau.

Konstantinopel, 26. November. Derwisch Pascha erließ eine Pro- clamation an die Bewohner Dulcizno«, worin eS heißt: Die Abtretung Dulcianos ist eine vertragemäßige Verpflichtung. Euere Jateressm, Euer Wohl ratben »ur ichleunigen Unterwerfung, Wenn Ihr Euch widerseßt, werdet Ihr vor Gott und den Nachkommen der Propheten wegen Uigehorsams gegen die Befehle de« Sultan« verantwortlich sein. Ich fordere Euch somit auf. sich bei endgültig»!, Entscheidung der Pforte zu fügen, widrigenfalls ich gemäß der mir durch den Belagerungszustand und da« Gesetz etngeräumten Gewalten sosort strenge einschreiten werde. Ich werde die Auswanderung erleichtern und Transportmittel und Wohnungen aus türkischem G-biete anwetsen, sowie Geld- Unterstützungen gewähren.

Madrid, 26. Novbr. Da« JournalCorreo" erfährt: Der Mnü- sterrath unter Vorsitz des Königs berieih über eine Beschwerde der französischen Regierung wegen schlechter Behandlung von au» Frankreich aurgewtesenen Kapuzinern, welche sich in Barcelona ausschifften.

Wien, 26. November. Meldung derPolit- Corresp." aus Cettinje. Der Fürst von Montenegro ordnete militärische Maßnahmen an zur conven. tionögemäßen Uebernahme von Dulcigno «m Laufe de« heutigen Tage«. Der designtrte Gouverneur Popovich ist bereits abgereits. Derwisch Pascha zeigte an er werde persönlich die Uebergabe bewerkstelligen. Montenegro lud die De'legtrten der Mächte ein, mit den montenegrinischen Truppen gleichzeitig in Dulciano einzuziehen.

DiePolit. Corresp." erfährt, der Act der Übergabe und Ueber­nahme Dulciqnos habe heute seinen factischen Anfang genommen.

Berlin, 26. Novbr. Der deutsche Botschafter in Parts, Fürst Hohen­lohe befindet sich augenblicklich in Friedrichsruhe bei dem Reichskanzler. Der französische Botschafter, Graf St. Ballier, ist heute ebendorthin abgeretst.

Loudon, 26. November. Der gestrige Cabinetsrath b.schloß, in der December-Session des Parlaments keine Zwangsmaßregeln für Irland vorzu- schlagen, da hierfür eine Nothwendtgkeit nicht vorltege. Sobald das Parla­ment zusammengetreten ist, beabsichtigt die Regierung eine irische Bodenreform- Bill einzubringen. DieTimes" bezeichnet die Mtntsterkrtsts als beseitigt.

Paris, 26. November, Abends. Der Senat begann die General- discussion des Budgets und vertagte nach einer langen Rede Gavardte's, welcher die Regierung angrtff, die wettere Berathung auf morgen,

Bor dem Zuchtpolizeigertcht wurde der Pcoceß Cissey's gegen Laisant und Rochefort fortgesetzt. Der Avookat Ctssey's widerlegt Punkt für Punkt die gegen Ctssey erhobenen Beschuldigungen und erinnerte an seine glorreichen Dienste. Nach den Platdoyers der Advokaten Laisant's und Rocheforts wurde die weitere Verhandlung aus morgen vertagt.

Dublin, 26. November, Abends. Das Gericht hat den Beginn des StaatSprocesseS gegen Parnell und Genossen auf den 28. December an- beraumt.

Galatz, 26. Novbr. Die Delegtrten Serbiens und Bulgariens werden am 29. Novbr. zur Theilnahme an den Berathungen der Donau-Commission zugelafien. Die Commission soll die Ausarbeitung eine- neuen Entwurfs behufs Regelung der Donauschtfffahrt beschlichen. Das österreichische Avant- Project würde nicht erster Gegenstand der Berathung sein.

Vermischtes.

Darmstadt, 25. Novbr. In der heutigen Stadtverordneien-Versammlung erklärte vor Eintritt in die Tagesordnung Herr Oberbürgermeister Ohly, daß er die ebenso über­raschende, wie merkwürdige Mittheilung zu machen habe, daß ihm gestern in seiner amtlichen Eigenschaft alS Bürgermeister ein Schreiben des Centralcomiies der Antisemttenbewegung nebst gedruckter Eingabe an den Reichskanzler mit der Aufforderung zugegangen sei, seine ganze Kraft und Einfluß dahin aufzuwenden, daß das Schriftstück mit möglichst zahlreichen Unter­schriften bedeckt werden möge. Er beantrage, daß man hier, wo der verfassungsmäßige Grundsatz der Gleichberechtigung aller Eonfesstonen stets hochgehalten worden, dieses ungeheuerliche An­sinnen dadurch gebührend zurückweise, daß man dieses Aktenstück mit entschiedenem Protest zurück sende, welcher Vorschlag mit lebhafter Acclamation angenommen wurde, worauf Stadtverordneter Blumenthal für diesen Ausdruck seine Anerkennung und Dank aussprach.

Handel und Verkehr.

Gießen, 27. November. Auf dem heutigen Wochenmarkte koffere: Butter per Pfd, 1,15 biS «Ä 1,20, Hühnereier 1 Stück 70H, 3 Sr. 00 Gänseeier 1 St. 1112H. Käse per Stück 59 H, Käsematte per Stück 30 H, Erbsen 1 Liter 22 Linsen 1 Liter 26 Tauben das Paar 6000 H, Hühner p. St. X 0.801.00, Hahnen p. St. JL 0.701.00, Gänse pr. Pfd. 4055 Enten per Stück A 1.401.70, Ochsenfleisch 6600 H per Pfd., Kub- und Rindfleisch 45 50 -3>, Kalbfleisch 5000 H, Hammelfleisch 50-66 Schweinefleisch 6468 L, Kartoffeln per 100 Kilo .M 3.50 -4.00 Zwiebeln p. Etr. 100, Milch per Liter 16 und 18 H, Weißkraut 100 Stück 3.004.00,

SfiT- Das Museum des historischen Vereins (tm Rathhaus) ist jeden Montag von 1112 Uhr den Mitgliedern des Vereins geöffnet.

Eine neue Entdeckung.

Auf eine neue Entdeckung, wie sie der Urheber derselben, ein in wissenschaftlichen Kreisen geschätzter Gelehrter selbst bezeichnet und über welche seither nur in wissen­schaftlichen Fachorzanen berichtet wurde, verdient sicher im allgemeinen Interesse auf­merksam gemacht zu werden. Es handelt sich um wissenschaftliche Versuche und Erfahrungen über das Wesen und der ohne jede nachthelligcn Nebenwirkungen binnen wenigen Stunden erreichten Beseitigung der wohl Jedermann bekannten katarrhalischen Zustände, als Schnupfen, Husten, Heiserkeit, überhaupt was der Volksmund in dem Ällgemein-Ausdruckeinen Katarrh" zusammensaßt. Wer jemals die oft an's Uner­trägliche streifenden Qualen eines wochenlangen Schnupfens mit all' seinen Neben- und Folgezuständen erdulden mußte, und wer vermag sich zu rühmen, von diesen Plagen verschont geblieben zu sein, wird den Ausführungen jenes Gelehrten, denen wir nach­stehende Notizen entnehmen, mit Interesse folgen. Dürfte doch diese Entdeckung, be­sonders für Diejenigen, deren Bernfsthätigkeit eine erhöhte Anstrengung der Stimm­organe erfordert, wie z. B- Lehrer, Geistliche, Officiere, Sänger, überhaupt Bühnenkünstler u s. tu., welche überdies dadurch mehr wie Andere zu Indispositionen und katarrhalischen Affectionen der Luftwege hinncigcn von unschätzbarem Werth- werdenWir entnehmen diesen wissenschaftlichen Abhandlungen folgende Stellen:

Es ist gewiß ein nicht geringes Wagniß, die Existenz eines universalen Husten­mittels zu behaupten. Wenn ich mir dieses Wagniß erlaube, so leiten mich nicht nur theoretische Gründe, sondern auch die verschiedenen Experimente, welche ich auf Grund meiner Ansicht von der Ursache des Hustens anstellte und welche mich zum Theile leiteten, als ich das Kurverfahren, den Lungen- und Rachenkatarrh in einigen Stunden zu beseitigen, mit allem Erfolge »ersuchte. Den Husten, abgesehen von demjenigen, welcher Folge örtlicher Reize, z. B. durch Sindlingen fremder Körper in die Luftwege ist, halte ich im Allgemeinen als eine Folge entzündlichen Zustandes der Schleimhäute der Luftwege, welcher Zustand sich auf einzelne Theile, als auch auf die ganze Schleim­haut der Luftwege erstrecken kann. Der dadurch hervorgerusene Reiz auf den Nervus vagus überträgt sich reflektorisch auf die Muskel« des Aihmungsapparates und äußert sich durch Husten- Wird der entzündliche Zustand gehoben, so beseitigt man die Ursache des Hustens und dieser hört so lange auf, bis wieder eine entzündliche Reizung cintritt- Meine Ansicht weicht also nur insofern von der bis dahin geltenden Ansicht der Aerzte ab, als ich die Ursache des krankhaften Huste»- allein in einem entzündlichen Zustande irgend eines kleinen oder größeren Theils der Luftwege zu finden glaube. Selbst in den Fällen, in welchen sich ein Reiz auf die Acste des Nervus vag uv durch Krankheits­zustände in anderen Theilen des Körpers geltend macht, ist gewöhnlich ein entzündlicher Zustand auch die Ursache dieses Reizes und somit auch des Hustens. Daß den Husten hysterischer Frauen em entzündlicher Zustand veranlaßt, hat man wohl nie geglaubt und dennoch ist dieses der Fall, weil antipyretische «siebervertreibende) Mittel ihn sofort befestigen Bon verschiedenen Seiten wurden mir Zuschriften über die Erfolge der von mir empfohlenen Hustenkur zugesandt. In einem Falle hatte ein mir befreun­deter Arzt Gelegenheit, meine Pillen an feiner eigenen Person zu versuchen und gelang es ihm, einen 2 Tage alten schweren Bronchialkatarrh (Lungenkatarrh) im Verlause von 2 Stunden vollständig zu beseitigen u. s. w."

Diese Dr. Voß'schen Katarrhpillen, welche bereits in den Handel gebracht sind und wie alle Arznei nur in den Apotheken gesucht werden müssen, werden für den billigen Preis pro Schachtel 75 H in Blechdose« unter gesetzlichem Schutz und mit dem Facsimile des Verfertigers von dem Apotheker Dr. Ew- Voß in Frankfurt a. M- hergestellt. In Gießen find dieselben bei Apotheker l>r. Hempel vorräthig. Ein Versuch dürste wohl zu empfehlen sein. Die Pillen, deren Zusammensetzung jedem Fachmann bekannt ist, enthalten keine schädlich wirkenden Stoffe und verlange man um jede Verwechslung zu vermeiden stets Dr. E. Voß's Katarrhpillen. (7730

Auszug aus den Standessmtsregistern des Standesamts Gießen

Vom 21. bis 27. November 1880.

Aufgebote.

23. Arbeiter Johannes Nicolaus Magel von Odenhausen mit Katharine Diehl, Tochter deS Weißbinders Conrad Diehl von Climbach. 23. Ziegler Conrad Klare von Hakedahl mit Louise Amalie Karoline Dreier, Tochter des Einliegers TönS Heinrich Wilhelm Dreier von Loßbruch. 24. Müller Johann Heinrich Jäckel von Sebbeterode mit Barbara Zöll, Tochter deS verst. Müllers Heinrich Zöll von Schlitz. 25. Fabrikarbeiter Adam Bickel, Wittwer von Lauten-Weschnitz mit Marie Eva Eckhardt, geb. Ester, Wittwe deS Schmieds Georg Anton Eckhardt von Mundenheim.

Eheschließungen«

25. Hilfsweichensteller Wilhelm Belloff von Beuern mit Elisabeth Willstrumpf von Gießen.

Geborene,

17. Dem Metzger Emil Harms ein Sohn, Karl. 19. Dem Oberstlieutenant August Senkel ein Sohn. 17. Dem Photographen Franz Gerbode eine Tochter. 20. Dem Hilss- sührer bei der Main-Weser-Bahn Friedrich Noll em Sohn, Julius Ernst. 17. Dem Kauf­mann Philipp Nau ein Sohn, August Juliuö Heinrich. 19. Dem Ober-Post Secretär Karl Hermann Nückricm eine Tochter. 20. Eine Tochter von auswärts. Regine. 21 Ein Sohn von auswärts, Emil. 21. Ein Sohn von auswärts. 21. Dem Schuhmacher Johannes Siek ein Sohn, Otto.

Gestorbene.

21. Elisabeth Hörster, geb. Bill, 78 Jahre alt, Wittwe des Weißbinders Balthasar Hörster. 21. Anna Elisabeth Schäfer, geb. Fischer, 62 Jahre alt, Wittwe des Weltmeisters Philipp Schäfer. 23. Bäckermeister Daniel Rühl, 46 Jahre alt. 23. Kaufmann Ferdinand Julius Louis Emil Stohr, 22 Jahre alt. 22. Küfer Georg Hopperditzel, 29 Jahre alt, von Regnitzlosau. 25. Susanne, 1 Jahr alt, Tochter des Porzellanmalers Johann Simon 26. Wilhelm, 1 Jahr alt, Sohn des Lackflcders Johannes Möbus. 25. Graveur Johanne« Julius Karl Menzel, 23 Jahre alt, von Berlin. 26. Fabrikarbeiterin Christine Jost, 15 Jahre alt, von Wetzlar. 26. Bergmann Jacob Klein, 24 Jahre alt, von Hütseifen, Kreis Altenkirchen. 26. Laglöhner Georg Schwab, 4* Jahre alt.

Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.

Evangelische Gemeinde.

Getraute.

Den 25. November. Wilhelm Belloff, Hilfsweichensteller, des verst. Ackermanns Jost Belloff in Beuern ehel. Sohn und Elisabeth Willstrumpf von hier.

Getaufte

Den 21. November. Dem Heilgehilfen Ferdinand Schmidt eine Tochter, Anna Katharine, geb. den 17. September.

Denselben. Dem Eifenbahnarbeiter Heinrich Habermehl eine Tochter, Louise, geb. den 8. September.

Denselben. Dem Schreiner Johannes Kinkel ein Sohn, Otto Ferdinand Ludwig, geb. den 1. Oktober.

Denselben. Dem Maurer Karl Busch eine Tochter, Eleonore Susanne, geb. den 14. October.

Den 25. November. Dem Heizer Christian Hörster eine Tochter, Anna Marie Katharine, geb. den 26. October.

Denselben. Ein unehcl. Sohn von auswärts, Karl, geb. den 8. October.

Beerdigte.

Den 20. November. Heinrich Möhl, Metzger, lediger Sohn deS verst. Metzgers Friedrich Joseph Möhl, alt 52 I 4 M. 21 T., gest. den 18. November.

Den 21. November. Dr. Louis Menget, Chemiker in Frankfurt a. M., lebiger Sohn des verst. Schreinermeisters Ludwig Menget, alt 42 I. 3 M. 13 T., gtst. den 1®- November.

Den 23. November. Elisabeth Hörster, geb. Will, Wittwe des verst. Weißbinders Bal­thasar Hörster, alt 78 I. 5 M. 21 T., gest. den 21. November. n m ,

Den 24. November. Anna Elisabeth Schäfer, geb. Fischer, Wittwe des verst. Werk­meisters Philipp Schäfer, alt 62 I. 11 M. 7 St., gest. den 21. November.

Den 25. November. Daniel Rühl, Bäckermeister, alt 46 I. 5 M. 13 T., gest. den 23. November.