Einschleppung einer Weiterverbreitung der Seuche vorzubeugen. Die Einfuhr- und Vrikehrs-Bejchränkungen rönnen auch auf die Einfuhr von thierischen Rohstoffen rc. ausgedehnt werden.
— Die national-liberale Fraktion der badischen zweiten Kammer hat beschloffen, die Vorlage über das theologische Examen, in welcher dort der neu angebahnte modus vivendi mit der Cu.ie zum Ausdruck kommt, abzuwer- sen, dis die Curie ihren Protest gegen das bestehende Prüfungsgesetz und seine Rechtsgülttgkeit förmlich zurückgenommen habe.
Berlin, 24. Januar. Es ist nunmehr mit Bestimmtheit anzuneh- men, daß die tn Cannes erkrankte Katserin von Rußland trotz ihrer Krankheit die Rückreise nach L>t. Petersburg antreten werde. Es stnd alle Einrichtungen und Vorkehrungen getroffen worden, daß die hohe Kranke durch die Reffe so wenig als möglich beunruhigt und ergriffen wird. Die Fahrt wird tn einem besonderen, tn sich abgeschloffenen Exlrazug zur Ausführung gelangen, der nebenbei nur mit mäßiger Geschwindigkeit die Reise zurücklegen wird; dle betr. Eisenbahn-Verwaltungen stnd schon jetzt von diesem Zuge avertirt worden, um gleichzeitig auch die verfchiedenen Stationen und Ankunftszeiten festzustellen, damit jede Unbequemlichkeit und Colüsion mit anderen Zügen dann vermieden werde.
England.
Loudon, 22. Januar. Aus einem Vortragt, welcher vorgeficrn von ver htkstgen Statistischen Gejellschaft gehalten wurde, ergibt sich, daß in Eng. land im verstrichenen Jahrzehnt 1870—1878 nicht weniger als 2352 Ardei- terstrikes vorgekommen sind. In je neun Fällen von zehnen war der Sinke die Folge eines Ausspruches der Arbeiter aus Lohnerhöhung. In vielen Fällen haben die Arbeitseinstellungen ziemlich ein Jahr gedauert, in gar vielen aber haben sich die Leute nach Schluß des Kampfes mit einem geringeren Lohnsatz- begnügen muffen, als derjenige war, welcher ihnen zuerst nicht anstand. Die Ueberweisunz der Streitfragen an Schiedsrichter hat sich nicht bewährt, und es läßt sich kaum annehme,i, daß sie sich in der Folge bester bewäbien sollte. Dagegen wird in dem erwähnten Vortrage die Emiichtung von Schiedsgerichten nach Vorbild der französischen und belgischen conseils de prud’hommes empfohlen, und zwar die Begründung je eines solchen Rathes, zur Hälfte aus Arbeitgebern, zur Hälfte aus Arbeitern bestehend, für jede der zwölf hauptsächlich industrietreibenden Grafschaften. Aus oicfen Rächen wieder ließe sich ein höherer Rath für das gesummte Königreich bilden, an welchen Recurs- anträge gegen die Entscheidungen der Grafschasts-Räthe verwiesen werden könnten.
Außlaird.
Petersburg, 24. Januar. Der „Ruff. Invalide" erklärt dle Nach, richt englischer Blätter, daß Seitens der Teke-Turkmenen ein Ueberfall der russischen Stellung in Tschikischlar unternommen und der Rückzug der dortigen Russischen Armee erfolgt sei, für pure Erfindung. Laut der letzten ofstciellen Nachrichten vom 17. ds. herrschte bei Tschikischlar vollständige Ruhe.
Amerika.
New «Bork. (General Gran t> In den Vereinigten Staaien von Nordamerika findet tn »Ufern Jahre die Wahl eines Präsidenten aus 4 Jahre statt. Allem Anschein nach wird General Grant, der Candidat der republika- Nischen Partei, der bereits zwei Mal das höchste Amt der Union bekleidete, gewählt werden.
Es ist ein beachtensweriheö Zeichen der Zeit, daß diese Wahl bei vielen unabhängigen Gemüthern keinen Anklang findet, well sie in der dreimal »i». derholten Wahl Grant's die Gefahr erblicken, daß ein Mann einen nahezu monarchischen Einfluß erhalten könnte. Grant hat alle bedeutenden Höfe der Welt besucht und ist von den Monarchen fast als lieber Vetter begrüßt und geehrt worden; die rauhen Söhne der Freiheit, deren es allerdings nicht wehr so viele giebt, als in den Geburtszeiten ter nordamerikanischen Union, finden es nicht schön, daß Grant sich im Auslande königliche Ehren erweisen ließ, sie mißbilligen den sog. Grantkultus; vor Allem aber Haffen sie in Grant den Abgott der Armee, und wenn diese in Nordamerika nicht zu klein wäre, so läge ein Staatsstreich und eine Grant'sche Präsidentschaft auf Lebenszeit nicht außerhalb aller Möglichkeit.
Grant versteht es, seine Landsleute zu enthusiasmlren. Er ist stets der bescheidene Bürger, er wehrt die Ovationen, schweigsam wie Moltke, ab, aber dennoch gleicht seine Reise v»n San Francisco nach Philadelphia einem Triumpdjug. Die Gegner bekämpfen seine Candtdatur, weil seine Verwaltung große Mißgriffe aufzuweisen hatte, im Grunde fürchten sie noch nicht, in ihm fich elnen Imperator aufzuhalsen. Aber einzelne Stimmen warnen vor Grant als dem Mann, den es gelüsten könnte, eine Dynastie in Amerika zu gründen. 0
. D-ch dleS nicht geschieht, dafür bürgt wohl der amerikanische Unabhängig- keitsfinn, der den General Grant in fein Nichts zurückschleudern würde, wenn »I kS versuchen sollte, das Wesen deS Freistaatenbundes, die republikanische Verfaffung, anzutaften.
Panama, 25. Januar. Nachrichten aus Lima vom 14. ds. melden, die peruanische Regierung den Anträgen des deuischen Miiiiste-restdeiiten entsprochen und den Dampfer „Luxor" zur Verfügung der KosmoS-Gefellfchaft freigegeben habe.__
Telegraphische Depeschen.
Wagner'« telegr. C°rrespon»en,. Bureau.
Berlin, 26. Januar. Der Kaiser empfing heute Nachmittag 1 Uhr Herrn v. Oubiil in feierlicher Audienz zur Entgegennahme seines AbberusungS. Schreibens. Der neuernannte russische Botschafter Saburoff ist heute Morgen, von dem Personal der Botschaft empfangen, hier eingetroffen.
Berlin, 26. Januar. Fürst Bismarck ist heute Abend 6 Uhr hier eingetroffrn. v
ft »Nbldd. Allg. Zig." berichtet aus Sydtkuhnen : Zum RegierungS-
Jubiläum des Kaisers von Rußland wlrden die Grenze Yassiren: Der Prinz von Wales, der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin, der Gcoßberzog von Hessen und Prinz Alexander von Heffen; ob der König oder die Königin von Württemberg kommt, steht noch nicht fest. Sämmtltche Herrschaften reisen mit großem Gefolge. Von Berlin wird in Vertretung des Hofes Prinz Friedrich Karl erwartet; außerdem Deputationen aller Regimenter, deren Chef der russische Kaiser ist. \
i Riga, 26. Jan. Seit gestern ist die Paffage bei Domeswees durch Elsmaffen gesperrt. Zwei unlängst ausgelaufene Dampfer mußten hierher zurückkebre n.
London, 26. Januar. Die „Times" veröffentlicht einen Plan zur Regelung der Verhältnisse Afghanistans, wonach die britischen Truppen sich sofort nach Djellalabad zurückzichen und die Afghanen einen neuen Emir nicht befestigt ist, verachtet England auf sein vertragsmäßiges Recht, einen Gesandten in Kabul zu unterhalten. Die britischen Truppen occupiren Djella- labad und Kandahar unter afghanischer Verwaltung bis zur vollständtaen Pacification Afghanistans.
— Salisbury ist wegen starker Erkältung seit Freitag genöchtgt, daS Bett zu hüten.
Cannes, 26. Januar. Großfürst Nikolaus von Rußland ist hier ein- getroffen. Die Abreise der Kaiserin ist auf Samstag festgesetzt.
Parts, 26. Januar. Das Ministerium der Posten und Telegraphen macht die Eröffnung des neuen Kabels zwischen Paris und New-Nork für den internationalen Verkehr bekannt.
Berlin, 26. Januar. Die „Nordd. Allg. Zig." widerlegt die von verschiedenen Blättern gebrachten Artikel der „Deutschen wirthschaftlichen Correspondenz" über die angebliche Verschärfung der Steuereinschätzungsgrundsätze in Betreff der Steuerheranziehung von beim Vater wohnenden erwachsenen, noch unversorgten, aber erwerbsfähigen Töchtern, und fügt hinzu: nach den im Landtage abgegebenen Erklärungen liegt der Finanzverwaltung nichts ferner, als die Anspannung der Steuerschraube, die sich namentlich unter Den gegenwärtigen Verhältnissen als ein gänzlich verfehltes, undankbares Unternehmen Herausstellen würde.
Lokales.
Gießen, 27. Januar. Während der letzten Taqe war der Durchzug von Handwerks- burschkn in hiesiger Stadt wieder ein iehr lebhafter. Fast fünfzig derselben besuchten täglich die Volkskucke und nahmen auch das von dem Armenverein (nicht Frauenverein, wie es in dem Aufsatz des Herrn Prof. B rat u sch eck geheißen) gestiftete Stadtgeschenk in Anspruch. — Wenn wir hier den Armenverein berühren, so Dürfte es an der Zett sein, mit ein paar Worten desselben zu gedenken. Früher, noch vor einigen Jahren, stand der kiesige Armenverein m der schönsten Blüthe. Er zählte viele Mitglieder, welche reichlichen Beitrag zahlten. Fast jeder neu hergezogene Beamte oder besser Situirte wurde animirt, dem Verein beizutreten und es geschah Dies fast regelmäßig mit Erfolg. In neuerer Zeit ist dies anders geworden. Woran cs liegt, wollen wir nicht untersuchen. Es möge die einfache Thatsache genügen. Das Geld ist momentan im Verein knapp und wenn der Zuzug der Handwerksburschen so fortdauert, muß der geringe Kapitalbestand von ca 4400 Jt angegriffen werden. Es ließe sich dies einfach durch Mehrbetheiligung am Verein verhindern und durch noch eine Maßregel, welche berührt werden soll. Es frequrntiren namitch das Stadtgeschenk auch sog. Bezir ks- oder Kreisarme, welche monatlich eine Anzahl Karten erhalten, die zum Bezug des Stadtgeschenks berechtigen. Diese Wohltbat mag am Platz gewesen fein, als man noch nicht die Armenverbände, deren jede Gemeinde im Kreise einen solchen bilden muß, kannte. Diese Armenverbände sind verpflichtet, für ihre dürftigen Gemeinde-Einwohner zu lorgen. Es kann nicht Sache der Stadt fcinl welche ohnedies durch den sog. Unterstützungswohnsitz schwer belastet ist. auch noch für fremde Gemeinde-Angehörige zu sorgen, welche inanchmal gar nicht so sehr bedürftig sind. Kommt es doch oft vor, daß einzelne Bezirksarme ihre Karten monatelang zu sammcnkornmcn lassen, um bann eine größere Summe mit der noch zu zahlenden „Prämie" zu erhalten. Wären die Leute wirklich so bedürftig, dann würden sie wohl regelmäßiger ihr Geschenk abbolen. Hier dürfte eine Aendcrung am Platze sein.
— Die „Volksküche" haben ferner mit Geschenken bedacht: (§. Pistor </4 Ctr Nudeln, C Hensel 5 Ctr. Koblen, H. ticef 5 JL (Holzschneioen). Gemüsehändler Zörb 1 Korb Sellerie, Lauch und Rüben, Fillmann Wittwe 1 Handleuchter, A. Nauheimer Wittwe I Sack Kartoffeln N. N. 50 Pfund Erbsen, Carl Hensel 20 Pfd. Nudeln und Gerste, N. N. 131/? Pfd. Ochsen- fleisch, Rob. Heckcr (Firma W. Nagel) 20 Pfd. Hirsen und 20 Pfd. Graupen.
— Die „Volksküche" vertheilte heute 981 halbe Portionen. Verkauft wurden hiervon 98, 883 Portionen erhielten Arme, Kinder und Handwerksburschen.
Vermischtes.
— Die Genoffenschaft des „Elisabethenstists zu Darmstadt" besteht gegenwärtig aus 73 Diakonissen, 23 Novizen und 12 Probeschwrstern. Hiervon arbeiten 12 Schwestern im städtischen Hoipital, 3 im Mathilden Landkrankenhaus, 1 im Armenhaus, 3 in der Privatpflege, zusammen 19 Schwestern in Darmstadt; 11 Schwestern in Worms - 5 im Hospital, 2 tm Versorgungßhaus, 4 in der Stadt) ; 11 in Gießen (9 in der Klinik, 2 in der Stadt); 1 in Erbach; 1 in Michelstadt; 1 in Schönberg; 3 in Friedberg (Hospital); 3 in Nieder Weisel (Johanniterkrankenhaus); 4 im Sommer in Nauheim (2 im Curhospital, 2 in der Kinder- Heilanstalt) ; 2 in Lick (Hospital und Gemeindepstege); 3 in Arnsburg (Rettungshaus); 2 in Laubach (Johann-Friedrichstift); 2 in Lauterbach Krankenhaus und Gemeindepstege);' 4 in. Schlitz (Hospital, Gemeindepflege rc.); 2 in Büdingen (Mathiloenhospital); 6 in Homburg (Krankenhaus, Gemeindepstege); 1 in Groß-Karben. Neun weitere Schwestern arbeiten im deutschen Hospital m London, woselbst im letzten Jahre 1511 Kranke, zumeist Deutsche, und unter diesen ein hoher Procentsatz aus Heffen, Verpflegung fanden.
Darmstadt, 24. Januar. Erkrankungen an Rückfalltyphus sind in den letzte» Tagen auch an einigen Orten des Kreises Büdingen vorgekommen, und zwar in Nieder-Mock- stadt, Altenstadt und Ortenberg; auch diese bis jetzt vereinzelten Fälle betrafen ausschließlich vagabundirende Personen. Unter den in letzterer Zeit im Landkrankenhause in Hanau aufge- nommenen Recurrcnskranken waren einzelne aus den hessischen Orten Büdesheim und Helden bergen dahin gelangt, andere aus den der hessischen Grenze benachbarten Orten Langenselbold, Seckbach und Gronau, sowie dem Dottenfelder Hof bei Vilbel. Z.)
Mannheim, 20 Januar. Gestern Abend 10 Uhr wurde die Einwohnerschaft durch die Sturmglocke allarmirt. Einige Mansarden und ein Thetl des Dachstuhls des ehemaligen Kotzebue'>chen Hauses standen in hellen Flammen; die städtische Feuerwehr und das Militärpiquet waren rasch am Platze, allein dem Feuer war jo leicht nicht bcizukommen. Das Hau«, jetzt Eiqenthum der Frau Wittwe Goldschmidt, wurde erst vor zwei Jahren baulich verändert und mit geraden französischen Mansarden versehey; die Feuerwehr konnte weder von innen noch von außen auf dem Dache Fuß faffen und nach einer halben stunde war der ganze Dachstuhl nur ein Feucrmecr. Die große Kälte erschwerte zudem die Wafferzufuhr und ein großes Glück war s, daß der Wind die vielen Funken nicht gegen das unmittelbar gegenüberliegende Theater- gedäude trieb Nach Mitternacht gelang es den Anstrengungen der städtischen Feuerwehr, wenig- stens die Flammen zu bewältigen, und erst heute früh 6 Uhr verlies die wackere Schaar die endlich verlöschte Brandstätte. Heber die Ursache des Feuers ist man noch nicht im Klare» -, vielleicht war c8 die neue Heizeinrichtung. Denn in letzter Zeit waren es schon zweimal neumodische Heizsystcme, welche einen Brand verursachten
Mainz, 22. Januar. Eine neue Steuerquelle hat die hiesige Steuerbehörde entdeckt. Seither konnten sämmtliche Carnevalvereine ihre Sitzungen abhalten, ohne daß die Steuerbehörde sich veranlaßt sah, dieselben als Vergnügungsplätze zu besteuern. Nach einer seit gestern erlassenen Verfügung Der Steuerbehörde muß jeder Carnevalsveretn zwecks Abhaltung einer carncvalistijchen Sitzung sich vorerst bei der betreffenden Steuerbehörde den nöthigen Erlaubniß- schein gegen die üblichen Gebühren lösen. Sämmtlichen Vorständen der soeben bestehenden Carnevalvereine ist heute diese Entscheidung zugekommen.
Dieburg Dieser Tage wurde auch biet ein Opfer der großen Kälte zur Ruhe gebracht. Ein Mann hatte Schweine nach Frankfurt gefahren, sich auf der Rückfahrt im Schnee verirrt, lies endlich den Wagen im Stich und ritt auf dem Pferd hierher. Ohne daß er Unterwegs besondere Schmerzen an den Füßen verspürt hätte, erwiesen sich dieselben bald nach der Heimkunft als total erfroren. Als später der Arzt gerufen wurde und die ganz schwarz gewordenen Füße untersuchte, erklärte er dem Patienten, entweder müffe er sich der Amputation beider Füfie unterziehen, oder es werde ihm das Leben kosten Der Unglückliche erwiderte, er sei 72 Jahre alt und wolle lieber sterben, als sich der gräßlichen Operation unterziehen. So kam es denn auch; die Füße fielen förmlich stückweise ab und das Ende war der Stob. (O- ©.)
— [®ott sei gedankt, sie sind nicht tätowirt!) Die Söhne deS Prinzen von Wales nämlich. Die Londoner „Morning - Post" beruhigt uns darüber. Ihre Hoheiten hätten sich allerdings zum Zeitvertreib ein wenig bemalt, aber von einer echten Tätowirung sei keine Rede.
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