— Gegenüber den immer neu variirten Mittheilungen der Wiener Blätter,
welche die Kanzlerkrisis und die Vorgänge im Bundesrathe auf angeblich reichs- Köniasbütte ein Damvfrobr erblobtrt feindliche Tendenzen einrelner Nenier,innen umuttnfcvtn »uh kflmZ ^omgSYUtte em ^)ampsroyr explvVtrt.
Straßburg, 24. April. Die „Elsaß-Lothr. Ztg." meldet in einem Extrablatt: Sicherem Vernehmen zufolge har Se. Maj. der Kaiser den Bezirkspräsidenten Leddechose zum Unterßaarsfecretär tm Ministerium für Elsaß- Lothringen, den Bürgermeisterei-Verwalter Back zum Bezirkspräsidenten für Unter-Eisaß und den Ministerralrath Timme zum Bezirksprästdenten für Ober- Elsaß ernannt
Hetzerreich.
Wien, 24. April. Die „Polit. Corresp." meldet aus Cettinje unterm Heutigen von authentischer Sette, daß entgegen der in der türkisch-montenegrinischen Convention stipulirten 24stündigen Frist für die von den Montenegrinern zu effectuirende Occupation der von türkischer Seite zu räumenden Positionen, der in Podgoritza eingetroffene Adjutant des Gouverneurs von Skutari, Izzet Pascha, nur eine 7stündige Frist für den Abmarsch der türkischen Truppen zugestand. Nachdem es den Montenegrinern unmöglich war, innerhalb dieser kurzen vertragswidrigen Frist die Occupation zu bewerkstelligen, bemächtigten sich die Albanesen nach dem Abmarsch der türkischen Truppen aller früher von türkischer Seite besetzten und befestigten Stellungen. Die montenegrinischen Truppen blieben in einer beobachtenden Stellung und erwarten weitere Ordres.
Nagusa, 24. April. Die Montenegriner behaupten, die albanischen Bergstämme hätten schon am 21. und 22. April tm Einvernehmen mit den türkischen Commandanten alle von den türkischen Truppen zu räumenden Positionen übernommen. Osman Pascha marschirte nach Niederbrennung des Barackenlagers von Tust nach Hum und ließ Hoda-Bey in Tust als Chef der Bewegung zurück.
Schweden.
Stockholm, 24. April. Von den Theilnehmern der Vega-Expedition ist Nordenskjöld in den Freiherrnstand, Palander und OSkar Dickson in den Adelsstand erhoben. Dickson hat zugleich das Großkreuz des Nordstern-Ordens erhalten, Sibiriakoff ist zum Commandeur dieses Ordens ernannt. Die „Vega" trifft Abends ein. Gegen 30.000 Fremde sind anwesend.
Türkei.
^MKonstantinopel, 24. April. Die Pforte hat eine Note an die Mächte gerichtet, worin der Zusammentritt einer europäischen Commission für Ostrumelien verlangt wird, um die von der Pforte gemäß dem Art. 23 deS Berliner Vertrags für die europäischen türkischen Provinzen auSgearbecketen Reformentwürse zu prüfen.
Lokales.
Gieren, 26. April. Ee. Majestät der Kaiser passirten beute Morgen 83? die Station Gießen mittelst Extrazugs auf der Reise nach Wiesbaden über Frankfurt. Ein Aufenthalt Hierselbst hatte nicht Statt.
feindliche Tendenzen einzelner Regierungen zurückführen und dabet tnsinuiren, als ob ausländische Einflüsse auf die Haltung dieser Regierungen einqewirkt hätten, hebt die „Nordd. Allg. Ztg." nochmals hervor, es habe sich bei dem neulichen Entlaffungsgesuche des Reichskanzlers lediglich um innere Fragen gehandelt, wobei die auswärtige Politik nicht im Geringsten eine Rolle spielten. Der Reichskanzler hielt sich nicht für berechtigt, den Bundesraths-Beschlüffm, wofür er die Verantwortlichkeit nicht übernehmen wollte, die Ausführung zu versagen, ohne vorher dem Kaiser sein Amt zur Verfügung gestellt zu haben. Der Reichskanzler fühlte ferner das Bedürfntß, den Mangel an discipltnari- schem Zusammenhang unter den Reichsbehörden, welcher bei den Vorgängen im Bundesrathe zu Tage getreten, in einer Weise entgegenzuwirken, welche mehr Eindruck mache wie die Aeußernng einfacher Wünsche und Kritiken. Alle Behauptungen über den Zusammenhang der Krisis mit den Fragen der auswärtigen Politik seien ohne jeden, auch nur scheinbaren, Anhaltspunkt und erfunden.
Dom Rhein Am 18. d. Mts. fand in Emmerich eine zahlreich besuchte Versammlung von Tabak-Interessenten statt, in welcher folgende Zuschrift an den Reichstags-Abgeordneten des Kreises, Herrn Gerichtsrath Grütering beschlossen worden ist-
Bukarest, 25. April. Eine Feuersbrunst zerstörte über 30 Häuser in Tokuhani. Die Regierung hat in Folge besten einen Unterstützungsaufruf erlaffen.
Stockholm, 25. April. Die „Vega" ist gestern Abend um 101/2 Uhr, von ungefähr 200 Dampfern geleitet, hier eingetroffen. Die Küsten zeigten sich meilenweit beleuchtet, die Stadt war auffs Glänzendste illumintrt. In der Nähe der Landungsbrücke war eine Estrade erbaut, wo die städtischen Be- Hörden zum Willkomm versammelt waren. Im Schlöffe begrüßte der König die Mitglieder der Expedition. Nordenskjöld fuhr dann, von Menschenmassen bejubelt, durch die glänzend tllumtnirten Straßen nach seiner Wohnung in der Akademie der Wissenschaften.
Lille, 25. April. An den Demonstrationen, welche gegen die Dekrete vom 29. März während der Anwesenheit des Unterrichtsministers Jules Ferry am Samstag hier vorgekommen sind, betheiltgten sich etwa 80 Studtrende, welche größentheils der katholischen Fakultät angehörten; etwa 12 derselben wurden verhaftet, aber alsbald wieder fretgelaffen. Ferry besuchte am Sonntag die Schulanstalten, wobei sich ein bemerkenswerther Zwischenfall nicht ereignete.
Monaco, 25. April. Gestern Abend explodirte im großen Saale des Casino eine mit Pulver und Dynamit gefüllte Patrone, welche von ver- brechertscher Seite unter eine Pendeluhr gelegt worden war. Es fanden zahlreiche Beschädigungen statt. Mehrere Personen wurden leicht verwundet Das Motiv des Verbrechens scheint Diebstahl gewesen zu sein, aber in Folge der Achtsamkeit des Dienstpersonals konnte ein solcher nicht ausgeführt werden.
Stockholm, 25. April, Abends. Zu Ehren der Vega-Fahrer fand heute Morgen ein Dankgottesdienst in der Schloßcapelle statt. Hierauf besuchte der König die „Vega" und erfolgte die Vertheilung der Vega-Medaillen an alle Thetlnehmer der Expedition. Am Abend war Bankett im königlichen Schlöffe, woran alle Mannschaften der „Vega", der Hof und die Staatswürdenträger theilnahmen. Der König hielt eine Rede an die Teilnehmer der Expedition und dankte ihnen im Namen des schwedischen Volkes und in seinem eigenen Namen für die neuen Lorbeeren, welche die schwedische Flagge durch sie erworben habe.
Loudon, 26. April. Lord Granville wurde zum Minister des Auswärtigen, Lord Hartington zum Minister für Indien, Cbilders zum KriegS- minister, Northbrook zum Marineminister, Selborne zum Lordkanzler ernannt
Silbergeld mehr auf den Kops der Bevölkerung auszuprägen, in vollem Umfange Gebrauch zu machen, vielmehr werde die Regierung allmalig nach Bedurfn ß mit der Ausprägung vorgehen. Das Material zu den neuen Sllbermunzen werde aus den von den bisherigen Thaler-Einziebungen vorhandenen Barren entnommen werden. Rach dem Verbrauche der Barren würde eme neue Einziehung von Thalern zu diesem Zwecke stattfinden. das Bedürfniß der Vermehrung der Silbermünzen nicht für nachgewiesen und erwartet einen solche« „Nachweis für die zweite Berathung Redner kam: sich bei allem Vertrauen für die Munzpolitik der Nelchsreglerung nicht des Argwohns entschlagen, daß der Wunsch, das zinslos daliegende Silber für den inländischen Bedarf zu verwerthen, bei der Vorlage werkthätig mitgewirkt habe. Bamberger erklärt, daß er trotz der Zusicherung des Schatzsecretärs, die Regierung wolle kein neues Silber ankaufen, doch Snen dahin gehenden Antrag einbringen werde um diesen Grundsatz aesetzlich zu f in reu. — v. Kardorff erklärt, das Gesetz sei nicht so harmlos, als Bamberger es hingestellt habe. Die Anhänger der reinen Goldwährung wollten mit dem aus der Vermehrung der unwerthigen Scheidemünze für die Staatskasse zu erzielenden Gewinne die Verluste decken, die aus den jetzt siftirten, dann aber wieder aufzunehmenden Silberverkäufen entstünden. Er hoffe, die Majorität des Hauses werde dem Ge- sctzentwurk nicht zustimmen, weil sonst diesin Norddeutschland sehr beliebten Thaler- ftücke mehr und mehr aus dem Verkehr schwinden würden - S.^f Udo Stolberg hält den Uevergang zur reinen Goldwährung für einen Fehler. Die Möglichkeit zur Doppelwährung zurückzukehren, liege aber nicht vor. Er halte es daher für angezeigt, feen Status quo aufrechtzuerhalten und werde das Gesetz ablehnen bitte aber feer Wichtigkeit der Sache halber feie Vorlage einer Commission zu überweisen. — Delbrück erkennt die Gefahr der Vermehrung feer Scheidemünze über das nothwendigste Bedurf- niß hin an. Die Annahme oder Ablehnung der Vorlage habe mit der Frage der Münzreform aber nichts zu thun. Obgleich in der Vorlage das BedürsnP nicht genügend nachgewiefen sei, glaube er doch, daß es vorhanden ,ei und werde für das Gesetz stimmen. — Staatssecretär Scholz verwahrt sich dagegen, daß die Vorlage wie v. Kardorff behauptet, unter dem Schein der Harmlosigkeit der erste schritt des Programms zur Durchführung der reinen Goldwährung fei. Das Bednrsuiß der Vermehrung der Scheidemünzen habe sich in der Bevölkerung wiederholt geäußert. Die Regierung halte sich nicht für berechtigt, ohne Gesetz die Vermehrung vorzunehmen. — Der Abg, Lenth empfiehlt die Commisstonsberathung. Mosle ist für die Vorlage, damit der Ruf nach Scheidemünzen nicht gegen die Goldwährung m's Treffen geführt werde An der weiteren Debatte nehmen v. Helldorff-Bedra, v. Kardorff, Schrant und Bamberger Theil. Die Discussiou wird hierauf geschlossen. Die Abstimmung über die Ueberweisung an eine Commission bleibt zweifelhaft. Die Auszahlung ergibt 75 Mitglieder dafür und 68 dagegen. Das Haus ist also nicht beschlußfähig. Nächste Sitzung Montag.
Berlin, 24. April. In beiden Mecklenburg hat die lutherische Geistlichkeit im Bunde mit den feudalen Gutsbesitzern einen Petitionssturm gegen die obligatorische Ctvilehe in Scene gesetzt, um womöglich vom Reichskanzler die Umwandlung der obligatorischen Ciotlehe in die fakultative zu erlangen. Dagegen hat eine große Wählerversammlung in Rostock unter Führung des Reichstags-Abgeordneten Baumgarten, Professor der Theologie, an den Reichstag die Bitte gerichtet, sowohl im Jntereffe des Staates, wie der Kirche, das wichtige Civilstandsgesetz gegen die Anfechtungen der Geistlichkeit in Schutz zu nehmen.
Berlin, 24. April. Der gestern Abend stattgehabten Generalversammlung des deutschen Fischerei-Vereins in dem Festsaale des Rathhauses wohnten etwa 1500 Personen bei, darunter die Mehrzahl der Botschafter und Gesandten, viele Minister, Gras Moltke, der Präsident des Reichstags, der Magistrat, die Stadtverordneten rc. Oberbürgermeister Forckenbeck begrüßte in einer beifällig ausgenommenen Rede die Gäste im Namen der Stadt. Der amerikanische Gesandte White sprach von den mannigf^^^ey^^^, scheu Amerika u.nd-K)Fzz0.chl^"d^^chMestsche Gesandte brachte in deutscher Dpräche einen Toast auf den deutschen Kaiser aus, in welchen die Versammlung begeistert einstimmte.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'» telegr. GorrefpOUdenr - Bmeearu
Berlin, 25. April. Die „Nordd. Allg. Ztg." erklärt die Andeutung, als ob die Reichsregierung im Grunde keinen erheblichen Werth auf die Annahme der Somao-Vorlage lege, für tendenziös erfunden und für Unwahrheit. Das Blatt erfährt, daß nur ein l-b- *,utoS n-ural^ifcheS Leiden, womit der Lvocyen von Neuem zu kämpfen habe, ihn verhindere, persönlich für die Sache im Reichstage einzutreten.
Breslau, 25. April. Die Beschlußfassung des Verwaltungsrathes der Oberschleftschen Eisenbahn-Gesellschaft in der Dividenden-Angelegenheit ist bis morgen Vormittag vertagt, da der Präsident desselben nach Berlin berufen wurde.Nachher „Bresl. Stg." ist gestern auf der „Königsgrube" in 2’ / r, 6 Personen wurden getödtet,
7 verwundet.
Hochverehrter Herr!
„ Kaurn w ihnt sich die Tabaks-Industrie nach unglaublichen Opfern, nach einer Zuwälzung von 250 pCt. neuer Steuern auf ausländische, von über 1000 pCt auf inländische Tabake in den Hafen der Ruhe eingelaufen, — noch nicht find die Erträgnisse der neuen Steuern und das Loos der Interessenten unter dieser schweren Belastung nn Entferntesten constatirr. — und schon treibt ein in Ausarbeitung begriffenes Projekt der Reichsregierung betr. Einführung des Monopols die ganze Industrie wieder in die größten Beunruhigungen.
Die Folgen treten denn auch schon in erschreckender Weise zu Tage' — Vertrauen und Verkehr sind vollständig geschwunden, die Fabrikation schränkt sich auf ein Minimum feer Production ein, feie bedeutendsten Etablissements haben ihre Arbeitstage pr. Woche reducirt, andere schränken die tägliche Arbeitszeit ein, wieder andere gehen mit Arbeiter-Entlassungen ni großem Maaße vor. Die traurigste Krisis von unberechenbaren Folgen für alle Jnieressenten-Klasseu steht der Industrie bevor wenn nicht bald ein entschie enes „Veto" diesem allmäligen Zersetzen ein Ziel setzt.
Der Abgeordnete Richter wird — nach den Nachrichten "der Presse — im Reichstage eine Interpellation stellen, welche bezweckt, ein unzweideutiges Votum der deutschen Volksvertretung dahin zu erzielen, daß sie das Monopol für unannehmbar erklärt, und feen ewigen Vexationen, welche die Tabak-Industrie durch immer neue und immer maßlosere Lsteuerprojekte beunruhigen, Einhalt gebietet.
Hier giebt es keinen Parteistandpunkt! — Es bandelt sich darum, eine Industrie am Leden zu erhalten, die fret von Schwindel und Gründerthum durch stete Arbeit zu ! einer Quelle der Nahrung und des Wohlstandes von Huuderttausenden geworden ist'
Sie, hochverehrter Herr, haben unscrn berechtigten Interessen stets das größte Wohlwollen entgegengetragen, und zw 'iseln wir nicht, daß Sie die Interpellation Nick,- ter die für circa Dreitausend Ihrer Wähler sich mit der Existenzfrage deckt unterstützen werden; dennoch halten wir es für unsere Pflicht, Ihnen dieses nochmals ebenso er- gebenft wie dringend an's Herz zu legen.
Emmerich, 18. April 1880. (Unterschriften).
(Dürfte ein ähnlicher Schritt aus Gießen nicht auch zu geschehen haben da I wohl unsere Stadt mehr wie jede andere alle Ursache hat, sich diescrhalb zu regen. D. R.) ।


