Ausgabe 
26.10.1880
 
Einzelbild herunterladen

zu der Flottendemonstration übermittelte Graf Karolyi in einem Telegramm an Baron Haymerle vom 3. Juli, worin cs heißt: Um dem Widerstände der Türkei gegen die Beschlüsse der Mächte wenigstens in der montenegriniscyen Angelegenheit entgegen­zutreten, regte Lord Granville mir gegenüber ganz vertraulich folgenden Gedanken an, wovon er sich fest sicheren Erfolg verspricht und wodurch auch die türkisch-griechische Grenzangelegenheit erleichtert würde. Der Fürst von Montenegro wäre aufzusordern, unter dem Schutze einer Flottendemonstration die ihm durch das Dulcigno-Arrangement zugewiesenen Gebiete mit eigener Waffengewalt zu besetzen. An dieser Flotken- demonstration hätten principiell alle Großmächte theilzunehmen, thatsächlich aber nach Conoenienz einer jeden derselben. Die Schiffe würden keine Landungstruppen führen, aber das Erscheinen einzelner Kriegsboote mit entsprechenden Matrosen-Abtheilungen auf der Bojana oder dem Skutari-See würde eventuell als nützliches Mittel gegen die albanesische Liga wie gegen die Türkei sich erweisen. Ein Telegramm des Baron Haymerle vom 6. Juli stimmt dem britischen Vorschläge zu, findet es indessen nicht rathsam, Montenegro direct auszufordern, das Gebiet von Dulcigno mit Waffengewalt zu besetzen. Eine solche Aufforderung würde die Verantwortlichkeit für alle Con­sequenzen von dem zur Action wenig geneigten Montenegro auf die Mächte übertragen und die moralische Verpflichtung begründen, Montenegro gegen jeden Mißerfolg zu sichern. Baron Haymerle spricht sich auch gegen die Einfahrt einer Flotille in die Bojana aus und beantragt, daß jede Macht mit zwei Schiffen sich an der Demonstration betheilige. Eine Depesche Vasettis von Berlin meldet, Deutschland sei bereit, ver­eint mit den übrigen Mächten, seine Flagge in den Gewässern von Dulcigno zu zeigen, lehne aber im Voraus feine Betheiligung an einer eventuellen weiteren Action für Montenegro ab.

Wien, 23. October. DiePoliit. Corresp." meldet aus Kon­stantinopel: Das Verlangen Montenegros auf Uebergabe Dulctgnos unmittel­bar durch die türkischen Behörden stößt noch immer auf Widerstand. Bedri Bey machte eine Concesston, indem er die fünfstündige Frist für das Etnrücken der Montenegriner nach dem Abzug der Türken auf drei Stunden «buchte.

Irankreich.

Pari-, 23. Octbr. DieAgence Havas" erklärt auf's Bestimmteste, daß keinerlei Verhandlungen der Regierung mit dem Vatikan oder mit den Bischöfen über Ststtrung der Ausführung der Märzdecrete stattgesunden haben. Dem Vernehmen nach versagte die Regierung der vom Deputirten Latsant in der Ctffey-Affatre auf morgen berufenen Versammlung wegen Nichterfüllung der gesetzlichen Formalitäten die Genehmigung.

Privatnachrichten derAgence Havas" aus Konstantinopel zufolge zog der Sultan alle von der Pforte aufgestellten Bedingungen in Betreff der Uebergabe Dulctgnos zurück und verhieß die baldigste Uebergabe.

England.

London, 23. October. Die in Irland herrschenden Zustände werden durch einen Brief, welcher derTimes" von einem in Ballinrobe, Grafschaft Mayo, ansässigen Pächter namens Charles C. Boycott zugeht, in greller Weise gekennzeichnet:

Am 22. September flüchtete sich ein von 17 Polizisten begleiteter Ge- richtsdiener nach meinem Hause, dem eine heulende Menge auf dem Fuße folgt?, welche die Mitglieder meiner Familie mit Pfeifen und gellendem Geschrei em­pfing. Am folgenden Tage (23. Sept.) versammelten sich Hausen von Leuten auf meinem Gute, einige Hundert rückten mir vors Haus und befahlen meinen Knechten, Arbeitern und Stellknechten unter Drohungen, meinen Dienst zu verlaffen und nie wieder für mich zu arbeiten. Auch mein Hirte hat sich durch die Furcht verleiten laffen, seine Stellung aufzugeben, weigert sich jedoch, das Haus zu räumen, das ich ihm als Dienstwohnung überlasten hatte. Ein an­derer Hirte auf einer entlegenen Farm ist gleichfalls genörhigt worden, seine Stellung niederzulegen. Mein Schmied hat Briefe erhalten, welche ihn mit der Ermordung bedrohen, falls er weiter für mich arbeite; auch meine Wasch­frau hat den Befehl erhalten, nicht mehr für meine Familie zu waschen. Ein zwölfjähriger Knabe, der meine Postbeutel nach der benachbarten Stadt Ballin- robe und zurück besorgt, wurde am 27. September geschlagen, bedroht und be­auftragt, den Dienst zu kündigen, seit welcher Zeit ich meinen kleinen Neffen meine Briefe besorgen ließ, allein auch er wurde am 2. October auf der Land­straße angehalten und gemahnt, nicht mehr Botendienste für mich zu thun. Die Ladenbesitzer haben Drohbriefe erhalten, mir keine Maaren mehr zu liefern, und ich erhalte soeben ein Schreiben der Posthalterei, welche mir mitthcilt, daß der Briefträger vom Telegraphenamt unterwegs angehalten und bedroht worden sei, falls er mir Depeschen überbringe, und daß sie eS nicht länger für sicher halte, telegraphische Depeschen an mich zu befördern, da dieselben entwandt und dem Boten übel mitgespielt worden könne. Meine Farm ist öffentliches Eigen- thum; die Leute betreten dieselbe unbestraft. Meine Ernten werden meberge- treten, thetlweise fortgeschleppt und massenhaft zerstört. Die Schlöster meiner Thüren werden zerschlagen, die Thüren aufgeriffen, die Mauern niedergeristen und das Vieh auf die Landstraße getrieben. Kein Arbeiter wird mir Diei.ste leisten und es wird öffentlich ausgesprochen, daß die Landliga meinen Ruin beschlosten hat, falls ich nicht alles aufgebe und das Land verloste. Ich rede nicht von der Gefahr, in der mein Leben schwebt, was jedem klar sein wird, der das Land kennt.

Montenegro.

Cettinje, 22. Octbr. Die in Rijeka eingestellten Verhandlungen zwi­schen den montenegrinischen Delegirten und Bedri Bey werden in Virbazar

wieder aufgenommen. Die Aussichten auf eine baldige Uebergabe von Dul- cigno sollen durch die neuen türkischen Vorschläge einigermaßen abge­schwächt sein.

Hriechenlano.

2ltl)cn, 23. October. Das Ministerium hat seine Entlassung ringe* reicht. Man glaubt, CommundnroS werde mit der Neubildung des Cabinets beauftragt werden.

Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Correspondenz-Bureau.

Darmstadt, 24. Ociober. Der Großherzog ist gestern Abend von seiner Reise nach England nach hier zurückgekehrt.

Petersburg, 24. October. T»eAgence rüste" hebt hervor, die Einigkeit der Mächte habe den Sultan auf den Weg der Coucessionen geführt und sei demzufolge eine friedliche Lösung der Orient-Angelegenheiten zu er­warten. Griechenland würde die Befriedigung seiner Ansprüche am besten durch friedliche Mäßigung und Besonnenheit erreichen.

Konstantinopel, 24. Octbr. Regierungsseitig wird behauptet, daß Aisim Pascha den Botschaftern auf ihre Anfrage wegen der verzögerten Ueber­gabe Dulctgnos noch keine Antwort ertheilen konnte, da derselbe noch ohne Nachrichten von Riza Pascha sei.

Rom, 24. Octbr. Baron Ricasoli ist in Folge eines Schlaganfalles gestorben.

Lokales.

GteßkN, 25. October. Der am Samstag Mittag aus dem Justtzpalast entsprungene Euler erfreute sich nicht lange der Freiheit. Schon um 3 Uhr wurde er von zwei Gensbarmen von Krofdorf her wieder etngebracht.

Der Winter bat seinen Einzug gehalten. Am Samstag Abend hatten wir einen tüchtigen Schneefall und die folgende Nacht eine Kölle von 5 Grad zu verzeichnen. Letztere hat in den Gärten an vielen Pflanzen traurige Arbeit verrichtet.

Verfloßene Nackt setzte es in der Marktstraße und in der Nähe der Wieseckbrücke am Neuenweger Thor Keile ab. Verschiedene beschädigte Köpfe mußten zugepflastert werden.

Vermischtes.

Heppenheim, 20. October. Den hiesigen Jagdpächtern ist schon feit längerer Zeit bekannt, daß eine Anzahl Wilderer aus Lorsch in ihrem Jagdgebiete allsonntäglich förmliche Treibjagden veranstalteten und in der schonungslosesten Weise ihren Wild­stand decimirten. Um diesem Treiben ein Ende zu machen, zogen am vergangenen Sonntag eine Anzahl Jäger aus und gelang es diesen auch, die Wilderer zu umstellen und in einen immer enger werdenden Kreis einzuschließen, welcher auf einer Seite von der ziemlich hoch angeschwollenen Weschnitz begrenzt war. Auf diesem Wege mußten sich die Wilderer endlich salviren, nm nicht eingefangen zu werden. Vom jenfeuigen Ufer aus schoß einer der Wilddiebe aus einen Jäger, erhielt aber als Gegenleistung alsbald einen Schrotschuß, der ihn mehrfach verwundete. Zwei der Wilderer sind bereits dingfest, der dritte, welcher den Schuß abgegeben hatte," ein Metzger ans Lorsch, ist flüchtig gegangen und wird wegen Mordversuchs und Wilderei steckbrieflich verfolgt. Da er feiner Wunden wegen ärztlicher Hilfe bedarf, glaubt man feiner leicht habhaft werden zu können.

sDer Vater statt des Sohnes.] Vater General zum Lieutenant, seinem Sohn: Schöne Geschichten das! Läßt für Balleteusen Zimmer ausmöbliren, kanns natürlich nicht bezahlen. Lieferant will an's Regiments-Commando schreiben. Hm?! Was sind das für Streiche?! Sohn Lieutenant: Muß entschieden in Abrede stellen! Ist nicht wahr. Vater General: Ist nicht wahr? So? Hast aber hier im Zimmer den Bries vom Lieferanten verloren, den ich gesunden. Da ist er, da steht es:Herr Lieutenant v. H.! Sie haben mich lange genug zum Narren gehabt- Die Möbel, die ich für das Fräulein Z. geliefert hab, sind noch nicht bezahlt u. f. w." Lies selbst! Was nun? Sohn Lieutenant lieft den Brief, bann sagt er lachend: Papa hat ver­gessen, das Datum zu lesen, der Bries ist vom Jahre 1850 an Papa selbst, als er noch Lieutenant war.

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 23. Octobcr. «Marktbericht. > Der heutige Heu- und Strobmarkt wa, schlecht befahren. Heu kostete je nach Qualität der Ctr. Jl. 2.504.20, Stroh 2.003 00 Butter das Pfd tm Großen 1. Qual, at 0.9500, 2. Qual JL 0.8590, im Detail daS Pst. 1.3000, 2. Qual. 1.2000. Eier das Hundert ital. JL. 7.00, deutsche Eier 5.50 JL. Ochsenfleiick per Pfund 6070H, Kuh-, Rind und Farrenfleisch 4555 Kalb­fleisch 6070 H, Hammelfletsck 40 65 Schweinefleisch 68 -70 ein Hahn 0.90 bis 0.00, ein Hubn JL. 1.90 1.50, eine Ente JL 2.002.20, eine Taube 5000 Gans JL 5.00 6 00, Hasen das Stück JL 3.504.00, Feldbuhn 1.00-3.00, Rehbock das Pfv. 75 80 Kapaunen 0 - 0.00, Wälscher Hahn v*L 57. Kartoffeln 100 Ko. 3L 5.000, Kohlrabi 35 H, Blumenkohl 1 St. 20 50 X Wirsing 1020 H, Gelberüben 1 Bund 1020 Zwiebeln 1 Bund 6 Sellerie das Stück 6 Meerreittg 1 Stück 0000 Spargel das Pfund 0000 Romain-Salat 25 00 H, Endivien 100 H, Rothkraut

1520 H, Weißkraut 1520 Artischoken 50 H, Erbsen das Pfd. 00 H.

6951) Für hervorragende Leistung in Caffc Surrogat wurde vom Preis- Gericht der Düsseldorfer Gewerbe-Ausstellung der Firma Werner Breuer in KSln

am Rheingassenthor Nr. 1141(1) die Broncene AuSstellungS-Medaillc als höchste Auszeichnung zuerkannt.

Berichtigung.

Unter den standesamtlichen Nachrichten muß es unterGeborene" heißen: Dem Schutz­mann Joh. Jost Dönges eine Tochter.

Lebendes Gestügel als Poularden u. Kapaunen empfiehlt (6940

Carl Schwaab s

Delicatessenhandlung.

Goldfische

sind angekommen bei 6959)_______I. Schäser, Kirchenplatz.

Vorzügliches Sauerkraut, Salzgurken

empfiehlt (6927

Carl Hoffmann»

Allgemeiner Anzeiger.

6647) Gin schön gelegenes neues gut gebautes Wohn­haus ist preiswürdig zu ver­kaufen. Auskunft erthcilt

J. Xattmazail_ Einmachfäsfer.

Frisch entleerte billigst bei

6876) Emil Schmoll (Frankfurter Hof).

StemMjfenlialten (gewöhnliche und lacfirte), Kohlen löffel, Stocheisen empfiehlt

Wilhelm. Seibert, 6576) Marktstraße.

6714) Unseren werthen Kunden die ergebene Anzeige, daß die

Jüodetlh iite angekommen sind. Zugleich empfehlen wir zu sehr billigen Preisen

Stickereien, da Wir mit denselben räumen wollen. Pauly 8t Schmidt.

Mäbchenhüle empfehle von 80 Pfg. an. (6919

A. Fangmann.

Steinerne Einmachstöpf und Krautständer in allen Größen sehr billig. (6961

_______Philipp Wagner, Neustadt.

6844) Eine fünfjährige Stute, complett lammfromm, einspännig gefahren, nebst einem eleganten Wägelchen, welch s sehr solid gebaut ist, und Geschirr billig zu haben. Wo? sagt die Exved. d. Bl.

Hängelampen.

Durch Einrichtung von Gas verkaufe circa 20 in gutem Zustande befindliche Lampen äußerst billig. (6877

Emil Schmoll (Frankfurter Hof).

6413) Eine größere Steinsommlung mit schönen Versteinerungen billig zu ver­kaufen. Wo? sagt die Exped. d- Bl-

Londorf! haltet-

2) aus $*bl aulhalttH

31 Peters r h°l-env.

4) Peter «

J aus Lumdc

33 Ä

5) Jost Rl

Mrlau, haltend, 2t

* T; m wehr ohne E" zu sein, lieber! Nr. 3 des Stti

Dieselben nw Mittwoch den

Lornil vor das Ml Grünberg zur ' laden

Bei unents werden dieselben § 472 der Bi dem Mhrrzo Kommando zu Erklärung vrru

Wseld, den Der Troßber 6653) Sc

3mm Versti

Donnerstag I

det Darm

sollen auf bi'siae Georg Phi Eheleute dahier [ als:

413 Meter H st C

u

M8 Mn Q 116 i

280 . g

ZE ®lt6cn, dkn 27

LW §

18

W ' by. £

a unter den imtr Endenden Bedin sieiant werden. Die Hosraiihe dn Hauptstraße, und darin seit I Bäckerei, Wirth großem Vnl Laubach, am 8°^«