Dirnstag den 26. October
1880
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Erscheint täglich mit Ausnahme bes Montag».
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Pl-ei» »ierlckjährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch Vie Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
rechnunq liegenden Ereignissen. In Podgoritza, Spuz und Zabliac sind durch die wohamedanischen Theile der Bevölkerung Krawalle veranlaßt, bei denen die dort stattonirten montenegrinischen Truppen mit Waffengewalt eingeschrttten ind. Es mag sein, daß das Truppencommando hierbei zuerst einer unabweisbaren Pflicht gefolgt ist, aber es ist auch wohl zu glauben, daß nachher in Folge des nationalen und Glaubenshaffes mehr Blut gefloffen ist, als nöthig war. Jedenfalls macht die Sache das Verhältniß zwischen Montenegro und der Pforte entschieden schwieriger, hat doch die letztere bereits durch ihren Ministerrestdenten in Eetttnje eine Note übergeben lasten, worin sie gegen das Vorgehen Montenegros wider die Mohamedaner der genannten Ortschaften Protest erhebt. f .
So steht denn die montenegrinische Grenzfrage heute ziemlich auf dem- elben Punkte, wie vor der Flotten-Demonstration. Es wird darüber weiter verhandelt und es läßt sich nicht berechnen, wenn diese Verhandlungen ihren Abschluß finden werden. Dadurch, daß es so gekommen, ist nun auch wieder die Eventualität einer kriegerischen Lösung nicht ausgeschlosten. England und Rußland werden sich die Lage unzweifelhaft zu Nutze machen und, wenn es angeht, ein executivisches Einschreiten gegen die Pforte empfehlen. Sollte es wirklich dahin kommen, daß sich die Mächte über ein solches einigen — vorläufig halten wir dies jedoch noch nicht für wahrscheinlich —, dann wird es sich die türkische Regierung selbst zuzuschretben haben, denn dann wich sie sich sagen müsten, daß sie die Geduld der Mächte in unerträglicher Weise auf die Probe gestellt hat. >___
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Dekanatsversammlung zu einem geistlichen Jubelfeste mit kirchlicher Eröffnungsfeier durch Herrn Pfarrer Dr. Naumann in der Hospitalkirche zu Gießen Mittwoch den 27. October, Mittags um 12 Uhr.
Lang-Göns, den 24. Oetober 1880. Strack, Dekan.
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Deutschland.
Berlin, 23. October. Mit Rücksicht auf die Nachricht, daß Seitens der preußischen und mehrerer anderer Bundesregierungen die Herabsetzung der Gertchtskosten als nicht dringlich erkannt worden sein soll, sammelt jetzt eine Anzahl von Handelskammern Material, um für die Klagen über die enorme Höhe dieser Kosten den actenmäßtgen Beweis zu erbringen. Sobald das nöthtge Material Herbetgeschafft ist, sollen die betr. Petitionen wegen Herab- Minderung der Gertchtskosten an die maßgebenden Faktoren abgesandt werden. Im Reichstage wird sich voraussichtlich eine große Majorität für die Befürwortung dieser Petitionen finden. e, x
— Wie verlautet, hat die preußische Regierung kürzlich einen höheren Beamten nach Elsaß.Lothringen gesandt, um die dortigen Wohlfahrts-Einrich- tungen für die unteren Klaffen zu studiren, zu denen bekanntlich in erster Lime die großartigen Arbeiter-Wohnstätten in Mühlhausen gehören.
— Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge ist die Thetlnahme des Fürsten Bismarck an dem ersten Theile der Landtagssesston nicht zu erwarten. Die soctalpolitischen Maßregeln, womit Fürst Bismarck gegenwärtig beschäftigt ist, würden nicht Gegenstand der preußischen, sondern der Reichsgesetzgebung fern. Gleichwohl sei die Thetlnahme des Fürsten Bismarck an den Arbeiten des Landtags für später nicht ausgeschloffen.
— Gegenüber den Blättern, welche den Erwerb von Eisenbahnen durch den Staat als von finanrtell ungünstigem Erfolg darstellen, schreibt die „Nordd. Allg Ztg." es sei dies, wie die Budgetvorlage ergeben werde, durchaus nicht der Fall. — Feldmarschall Graf Moltke wird seinen bevorstehenden 80. Ge- burtötag bet Verwandten außerhalb Berlins zubrtngen.
Berlin, 23. October. Der volkswirthschaftliche Congreß berteth über den Handelsvertrag mit Oesterreich und die internationalen Zolletntgungen und nahm schließlich eine Reihe von Resolutionen an, welche im Wesentlichen eine Zolleinigung für nicht zulässig erklären und den Abschluß eines Handelsver- träges mit Conventtonaltartfen, der Frethett des Veredelungsverkehrs in früherem Umfange und der Metstbegünfttgungsclaufel dringend empfehlen. Die anwesenden Oesterreicher sprachen sich auf das Entschiedenste gegen den Thetl der Resolutionen aus, welche eine Zolleinigung für unzulässig erklärten. Die Be- rathung der Revision über die Actiengesetzgebung gedieh nicht zu Ende. Me Beschlußfassung wurde vertagt und der Congreß geschloffen.
Dortmund, 23. October. Auf dem Schacht „Arnold" der Zeche „Heinrich Gustav" des Harpener Bergbauveretns im Revier Bochum fand eine Explosion schlagender Wetter statt, wodurch 4 Häuer getödtet und 3 verwun- del wurden. Alö Ursache des Unglücks ist der „Wests. Ztg. zufolge verbotswidriges Schießen anzusehen. Das Schießen war verboten, weil vor 3 Wochen sog. Bläser (Wetter) aufgetreten waren.
Oesterreich.
Wien, 23. October. Das beute vertheilte Nothbuch umfaßt den Zeitraum vom 13 1878 bis 22 August 1880 und enthält 601 Depeschen Stucke in vier
Abtheilungen und zwar in der ersten 199 betr. die türkisch-griechische Grenzfrage, in ber weiten 60 betr die bulgarisch-rumänischen Grenzdifferenzen, in der dritt.n 307 betr die türkisch mont-negrinüch- Gr-n,ang-Ieg-nh-it, m der, vmten^über di-R-MÜrt- irung der bulgarisch muhamedamschen Flüchtlinge 3d Attenttucre. £)te er|tc Anregung
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Frau Fürst, Msseischunro D. 176, ver- t noch Kiadtt In die Kunst' usvehme, zeige
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Roch immer die montenegrinische Grenzfrage.
Als nach den, Fiasko der Flottendemonstration die Pforte ihre beleidigende Note an die Mächte gesandt und dadurch den Unwillen der Cabinete im stärksten Maße erregt hatte, als damals die deutsche Reichsregterung durch ihren Botschafter dem Sultan eindringliche Vorstellungen über den Ernst der Situation machen ließ, schien cs, als ob unter dem Eindrücke dieser Vorstellungen nur die bisherige, von den türkischen Staatsmännern mit großer Consequenz und noch größerer Geschicklichkeit getriebene Verzögerungs-Politik ehrlich aufgegeben sei. Die Pforte versprach feterltchst die bedingungslose Uebergabe Dulctgnos und die öffentliche Meinung Europas freute sich beinahe kindlich darüber, daß nun die montenegrinische Grenzfrage endlich in friedlicher Weise gelöst sei. Nur schüchtern wagte hier und da ein Publtc'st zu äußern, daß das Versprechen der bedingungslosen Uebergabe noch nicht die letztere selbst sei; die große Mehrheit im gejammten abendländischen Europa vertraute diesem Versprechen nach dem alten Satze: Ein Wort, ein Mann 1 Inzwischen sind bereits wieder ein paar Wochen vergangen; die Uebergabe ist noch nicht erfolgt, sie verzögert sich im Gegentheil immer länger und erscheint heute schon fast wieder in kaum absehbare Ferne gerückt. Die Pforte hat also thatsächlich chre Verzögerungs'Politik nicht aufgegeben, sondern jenes Versprechen war weiter nichts, als ein diplomatischer Kniff, mit dem die europäischen Cabinete abermals von den Tüiken dupirt worden sind.
Wenn man den Gntwickelungsgang der orientalischen Frage während der. letzten Jahre betrachtet, so kann man sich unmöglich der Ueberzeugung verschließen, daß die Staatsmänner der Pforte an schlauer Berechnung ihren abendländischen Coüeqen ohne Ausnahme überlegen sind. Wer den Volks- Charakter und die persönlichen Anlagen der Orientalen im Allgemeinen kennt, wird dies nicht allzu auffallend finden. Auf der ganzen Welt giebt es kein Volk, welches tn dem Maße, tote die orientalischen Völker, Schlauheit und GeriebenhUt im Handel, Gewiegtheit mit allen erdenkbaren Ränken und Kniffen im commerctcllen Verkehr entwickelt. Mit diesem Charakterzuge der orientalischen Völker steht die Ueberlegenhett der türkischen Staatsmänner bei diplomatischen Actionen im engsten Zusammenhänge. Wir sind daher der Meinung, daß den europäischen Cabineten kein sonderlicher Vorwurf daraus zu machen ist, wenn sie von der Pforte immer wieder hinter's Licht geführt
Was nun speciell die Abtretung Dulcignos anlangt, so bleibt die Pforte — das ist eben die Schlauheit — in Worten fortwährend dabei, sie wolle dieselbe ohne wettere Bedingungen durchführen, aber zugleich behauptet sie, die Durchführung mache ihr Schwierigkeiten, denn es müffe dabet dem Widerwillen der Albanesen Rechnung getragen werden. Daffelbe haben die Türken vor einem halben Jahre auch schon gesagt; immer stellten sie sich, als ob sie die kleine Festung und das dazu gehörige Gebiet den Montenegrinern gern überlasten würden, wenn die albanesische Opposition nicht wäre, die sie gleich- zeitig im Geheimen stets schürten. Kann man glauben, daß die Pforte heute weniger dopp-lzüngtg ist, als sie so lange gewesen?
Die Pforte erklärte, bald nachdem sie das Versprechen der bedingungslosen Uebergabe gegeben, cs sei zur Ausführung destelben eine besondere Convention mit Montenegro nothwendig. Nun meinte man allgemein, es könne sich habet lediglich nur um militärische Abmachungen handeln, heute hat tn» dosten auf Grund der inzwischen Seitens der Pforte weiter gemachten Vorschläge die italienische Regierung bereits Veranlassung genommen, durch ihren Botschafter in Konstantinopel darauf Hinweisen zu lasten, daß die Convention bei solchen Präpositionen mit dem Versprechen der „bedingungslosen" Heber- gäbe nicht zu vereinbaren sei. Es geht hieraus hervor, wie u-enig es der Pforte darum zu thun ist, ihr gegebenes Wort in vollem Umfange zu halten. Von türkischer Seite wird ferner gesagt, Riza Pascha — also derselbe General, der mit dem geheimen Auftrage, den Albanesen eine Truvpenmacht zuzuführen und dieselben in ihrem Widerstande möglichst zu bestärken, nach Dulctgno ge- sandt war — habe jetzt die M ssion, d!e Albanesen mit dem Gedanken der Abtretung zu versöhnen, aber b;e Verständigung werde dadurch erschwert, daß die Mächte sich über die Erhaltung des Status quo östlich des Skutari-Sees erst äußern wollten, nachdem die Uebergabe Dulcignos erfolgt sei, während die Albanesen durch die Anerkennung der Mächte, daß Dinosch und Gruda bei der Türkei verbleiben sollen, zufrieden gestellt sein und der Uebergabe Dul- cignoS keine Schwierigkeiten bereiten würden. So müsten also die Albanesen, resp. deren Widerstand der Pforte als Vorwa.d dienen, um den Mächten in- direct als Bedingung für die angeblich „bedingungslose" Uebergabe die Forderung der Garantie des künftigen Besitzes von Dtnosch und Gruda zu unterbreiten.
Um die Situation für die türkische Verzögerungs.Poliiik momentan gün> sttger zu gestatten, fehlt es nun auch nicht an zufälligen, außerhalb der Be>
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