einer Verlustliste des Heeres im tiefen Frieden bilden eine herbe Verur- theilu' g der gegenwärtigen Militärgerichtsbarkeit. Im Mai hat die Armee 140 Mann, darunter 29 durch Selbstmord verloren! Es verdient entschieden eine strenge Untersuchung, warum jährlich Hunderte kräftiger Söhne des Landes, allen Sorgen um das tägliche Brod entrückt, Hand an sich legen; das deutsche Reich hat ein Reichs - Gesun d heits amt, das sich ein Verdienst erwerben würde, wenn es die Selbstmord-Statistik einer näheren Forschung unterziehen würde.
Wien schwebte anläßlich des Schützenfestes in dulci jubilo, wie Frankreich bet der gelungenen Feier des 14. Juli und Belgien gegenwärtig bet dem Unabhängigkeitsfeste. Leider ist die öffentliche Stimmung in Oesterreich aber getrübt durch den slavischen Föoeraltsmus, welcher das Deutsch- thum und die Verfassung bedroht. Die Trinksprüche der Deutschen, insbesondere der Bayern und Berliner, geben den Sympathien Deutschlands für Oesterreich und sein Deutfchthum beredten Ausdruck.
In Frankreich ist Gambetta noch immer der Mann des Tages, geschätzt als Stütze der Regierung, beliebt als Redner und populär in der Armee. Die reaktionären und radikalen Blätter suchen zwar seine Erfolge in Belleville zu verkleinern, aber diese Erfolge selbst können damit nicht verwischt werden.
Neben der deutschen Intervention in der Türkei nehmen die neuesten Nachrichten über die Durchführung des Berliner Vertrags das Jntereffe der politischen Welt in Anspruch. ES bestätigt sich, daß die Pforte die Beschlüsse der Berliner Nachconferenz acceptirt, jedoch keine Verpflichtung für die friedliche Besitzergreifung der abzutretenden Gebietsteile Seitens Griechenlands übernehmen will. Ehe die Flottendemonstration ecsolgt, dürften die Mächte eine neue identische Note und darin wahrscheinlich em Ultimatum überreichen, da sie mit der Erklärung der Pforte nicht zufrieden sind; vorläufig ist, wie man aus Konstantinopel meldet, Seitens der Stgnatarmachte der türkischen Regierung eine Präclusivfrist gestellt worden, innerhalb deren die Abtretung von Dulc'gno oder die Ausführung der von Italien vorgeschlagenen Convention zu erfolgen hat. — Die Türket hat die aufständischen Albanesen angewiesen, Tust zu räumen, doch dürfte dieser Befehl kaum respectirt werden.
Sowohl von der deutschen als österreichischen Grenze ertönen Klagen über russische Grenzverletzungen durch die berüchtigten Kosaken. Diese Vorfälle dürsten zu diplomatischen Erörterungen führen.
Im britischen Caplande droht ein neuer „Zulukrieg" auszubrechen, da die Basutos aufständisch ge orden sind und den englischen Ver- treter b droben._____________________________________________________________________
Vermischtes.
— Eine eigenthümliche Jllustrirung erhielt die Berliner Verbrecherwelt durch eine Verhandlung, von welcher die „Gerichtszeitung" nachfolgenden Bericht gibt. Mit einer leichten Verneigung nach dem Richtertisch und dem sehr laut gesprochenen Gruß : „In’n Morgen die Herrn!" trat der 24 Jahre alte Arbeiter Bernhard Emil Kränzing vorgestern vor die Anklagebank der zweiten Strafkammer des Landgerichts I und machte sich sofort in unbefangenster Weise an die Musterung seiner Umgebung. Nach Feststellung der Personalien des aus der Untersuchungshaft Vorgeführten ging aus dem demnächst verlesenen Anklagebeschluß hervor, daß Kränzing der Verübung eines schweren Diebstahls nach mehrmaliger Vorbestrafung wegen dieses Verbrechens verdächtig erscheint. Vors.: Aus den Acten habe ich ersehen, daß Sie trotz unumstößlicher Beweise die Ihnen zum Vorwurf gemachte Handlung in Abrede stellen. Ich möchte Ihnen zu bedenken geben, daß Sie unmöglich auf eine milde Beurtheilung rechnen dürfen, wenn Sie auch heute mit der Wahrheit zurückhalten. — Angekl.: Na die Falle! Sie müssen jloben, ick bin ganz verrückt nach't Zuchthaus, aber da is heutzudage ooch nischt los. — Vors.: Wenn Ihnen die Befolgung meines Rathes nicht angemessen erscheint, dann äußern Sie sich über die Anklage. Wie Sie wissen, wird Ihnen zum Vorwurf gemacht, am Vormittag des 2. Juni d. I. dem Buchhalter Meyer aus seiner ver
schlossenen, in der Holzmarktstraße belegenen Gar?onwohnung eine goldene Uhr mit Kette im Werthe von etwa 360 JL und ein ca 70 JL enthaltendes Portemonnaie gestohlen zu haben. — Angekl.: Jott soll mir 'n Dahler schenken. Wat sich der Herr Staatsanwalt denkt, bet is wohl diesmal nischt. — Vors.: Sie wollen doch nicht in Abrede stellen, daß man diese Gegenstände in Ihrem Besitz gefunden hat? — Angekl.: Det stimmt janz genau; ick hatte Uhr und Geld beigestochen, und wenn der Herr Staatsanwalt sonst keine Schmerzen nich hat, denn kann ihm schon jeholfen wer'n. Aber derentwegen wird er in der Sache keene Verwendung vor seine scheenen Kenntnisse finden. — Vors.: Bleiben Sie bei der Sache und theilen Sie mit, wie die erwähnten Gegenstände in Ihren Besitz kamen. — Angekl.: Det war spaßig, Sie wissen ja aus de Acten, det mir die Jeschworenen, welche keenen Spitzbubenverstand haben, bei volle Unschuldigkeit mit drei Jahren inseeften. Na wissen Se, Herr Jerichtshof, wenn eenem so de Oogen ausgewischt wer'n, denn is't Verjnügen mächtig groß, wenn man sich hernach wieder mang jebüdetes Publikum bewegen derf. Janz ordnungsmäßig meldete ick mir daher am 18. Mai von meine Reise bei de Polizei retour, wo- druf ick mir nach Freinde un gute Bekannte umsehen daht. Da wollt ick nu den Otto Schreyer, son'n richtigen Aaskerl, der immer vor n' gemüthlichen Feez ist, ufsuchen und kam nach de Holzmarchtstraße, wo er früher wohnen daht. Na, denke ick beit Treppensteigen, der wird scheene übergerascht sind, wenn er Dir mit 'n Mal in die Oogen kriegt, wobei ick uf die Treppen jar keene Obacht habe un in de zweite Etage 'ne Bude ufstehen sehe, die jerade so aussah wie seine. Ick natürlich mit mein jutes Jewissen feste rin; aber det war nicht; ick sehe jleich mit'n ersten Blick, det Schreyer so nobel nich wohnt; da will ick mir retour ziehen, wobei ick Uhr un Portemonnaie uf den Disch liegen sehe. Dieser sträfliche Leichtsinn war nich mein Fall, weil sich der erste beste stoobige Bruder, der ansprechen kommt, dieses fremde Eigenthum zu Jemüte ziehen konnte. Ick laure immerzu, aber et kommt nischt; — ick riskire bruf ’ne Lippe und det ’ne ganz gröbliche (rufe), aber ooch nich mal so ’ne alle Schnabberliese von Küchenklater kommt. No, denk' ick nu, det is ja hier ’ne proppre Jejend, weil ick nu nid) nöthig habe, andere ihr Wächter zu sind, jing ick meiner Wege. Vors.: Warum nahmen Sie aber die Uhr und das Portemonnaie mit? — Angekl.: Na, wissen Se, so Helle bin ick doch ooä). Wenn hernach der erste beste Plundrian kommt und die Jejenstände mopst, denn kriejen Sie mir dein Kanthaken, un ick roere injelocht. Da- drum stach ick Uhr und Portemonnaie bei und wollte ihr uf's Nevierbureau abjeben. Vcrs.: Ihre Angaben sind ganz unglaubhaft, zumal es erwiesen ist, daß das Zimmer mittelst Nachschlüssels geöffnet wurde — Angekl. in anscheinender Verwunderung: Is de Menschenmöglichkeit! So wat kraucht ja uf’n Boden mch rum. Da muß ick ja beit Treppensteigen son’n Strold) verstört haben. Ja, et liebt zu rüppige Jungen; die Jesetze können gar nich forsch genug sind. Na in Brandenburg habe ick ’ne Sorte kennen gelernt, die läßt man blos uf jlühend Eisen und Mühlensteene liefen — Vors.: Sie haben eine ganz eigenthümliche Vertheidigungsweise, von welcher Sie sich indessen keinen Erfolg versprechen dürfen. Warum liefen Sie denn eilig davon und flüchteten sich dann vor Ihren Verfolgern in ein Haus? — Angekl.: Na, wissen Se, Herr Jerichtshof, ick bin mit L-preewasser jetooft- Bei sonne Anjelegenheit is Fixigkeit de Hauptsache. Kommt man nich zuerscht nachs Revier-Bureau, bann jibt et Schachte, bet man seine Knochen in’n Schnuppbuch nach Hause bragen kann. Nee, a jewiegter Junge legt sich so wat vorher alles ornbtlich über. — Vors.: Es wirb nun ferner behauptet, daß Sie schon mehrere Tage vor dem Diebstahl, und zwar immer in den Morgenstunden, vor jenem Hause auf- und abpatroullirten, woraus geschlossen werden muß, daß Sie die Gewohnheit des Herrn Meyer, welcher sich alle Morgen in ein Bad begab, kannten. — Angekl.: Meyer is jut, un Baden mag bei die Hitze recht anje- nehm sind; ick weeß aber von nischt. Die Staatsanwaltschaft beantragte drei Jahre Zuchthaus. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob Kränzing noch etwas anzuführen habe, erwiedert dieser: „Janz jewiß muß ick da noch ’n Ton reden. Da liegt ja Musik in’n Herrn Staatsanwalt seine Worte; ick möchte man Sonntags det sind, wat der sich alle Dage inbilden duht. Mit drei Jahre Zuchthaus hat et noch jute Wege. Sonne Beweise ziehn nich, da muß et erscht anders kommen. Da müßte ja mein Herz ’n Affe sind, wenn ick mir so rinnlejen lassen wollte. Sie meinen wohl, drei Jahre Zuchthaus sind sehre jesund. Mir passen se aber nich, un ick bin kein Hannefatzke, der hin- ter’n Zaun jung jeworden is. Ick verlange ’n neien Termin mit Jegenbeweise. Nach kurzer Berathung erkannte der Gerichtshof in Rücksicht darauf, daß ein Schade nicht entstanden war, auf 2Vr Jahre Zuchthaus und 3 Jahre Ehrverlust, sowie außerdem auf Zulässigkeit von Polizeiaufsicht. Auffälligerweise erklärte Kränzing jetzt auf Befragen, auf das Rechtsmittel der Revision verzichten zu wollen.
— In Burrweiler bei Landau hantirie der „Weinhändler" B. in einem Keller an einem Wetnfasse, wobei ihm seine Tochter leuchtete. Plötzlich fing der „Wein" Feuer, daS brennend gewordene Faß zersprang mit einem furchtbaren Knalle und zerschmetterte dem Manne ein Bein und der „Wein" verbrannte ihn und die Tochter. Der Weinhändler starb noch in derselben Nacht, seine Tochter lebt noch, jedock wird an ihrem Aufkommen gezweifelt. So rächt sich der Wein, wenn er gar zu viel gepanscht wird.
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