Ausführung des Berliner Vertrags in Betreff Armeniens und Montenegros und bezüglich Griechenlands verlangen, daß die Pforte für eine an Ort und Stelle zufammentretende Grenzregultrungs-Commission die Sicherheitsgarantie jetzt übernehme, welche sie zur Zeit der Verhandlungen anläßlich der früheren Saltsbury'schen Note ablehnte. Sollte die Pforte eine solche Garantie nicht übernehmen, so würde bezüglich der griechischen Frage eine Nachconferenz der Mächte, welche hierüber, sowie in allen den Berliner Vertrag betr. Fragen sich in voller Ueberetnsttmmung befinden, stattfinden, wovon die Pforte verständigt werden wird. Für die Conferenz ist allseitig Berlin in Aussicht genommen.
Italien.
Rom, 22. Mai. Der Weg, welchen die preußische Regierung mit dem Staatsministerial-Beschluß vom 17. März und der Vorlage über die Maigesetze betreten hat, findet nicht den Beifall der päpstlichen Curie. Cardinal Jaco- bint hat den Auftrag erhalten, der preußischen Regierung zu eröffnen, daß der Papst das fakultative System, für welche sie sich entschieden hat, mißbilligt und in Folge dessen die in dem Breve an den Erzbischof Melchers bezüglich der Anzeige der Priester-Ernennung gemachte Concesston zurücknimmt und für ungeschehen erklärt. (Köln. Ztg.)
Nußland.
Petersburg, 23. Mai. Die deutsche „Petersb. Ztg." meldet, daß unter Vorsitz Totleben's militärische Autoritäten in Petersburg über einen etwaigen FeldzugSplan für den Fall, daß es zu einem Kriege mit China kommen sollte, berathen. Wie es heißt, würde für den Fall eines Krieges mit China General Totleben den Oberbefehl übernehmen und vom General Fürst Emeritinsky als Chef des Generalstabes begleitet werden. Auch General Skobelew würde bann seiner minder wichtigen Aufgabe gegen die Turkmenen enthoben und mit einem hervorragenden Commando gegen China betraut werden.
Telegraphische Depeschen.
Wagver» telegr. Eorrespsudexr •
Paris, 24. Mai. Deputirtenkammer. Es wird Dringlichkeit be-> schloffen bezüglich des vom Minister Ferry vorgelegten Gesetzentwurfs wegen Abschaffung der sog. Obedtenzbrtefe, durch welche die Mitglieder der Congre- gationen ermächtigt werden, ohne Befähigungszeugniß Unterricht zu erthetlen. Die heute begonnene Discussiou wird morgen fortgesetzt.
Die Versammlung der Fractionen der Rechten des Senats hat die Can- dtdatur Jules Stmon's für das Präsidium angenommen.
Von 16 gestern verhafteten Individuen sind 7 Ausländer, und zwar 2 Belgier und je 1 Italiener, Deutscher, Grieche, Schweizer und Luxemburger ; dieselben werden wahrscheinlich ausgewiesen. Die radikalen Blätter tadeln den Polizeipräfecten wegen den gestern getroffenen Vorsichtsmaßregeln. Die Deputirten der Seine werden sich morgen versammeln behufs Berathung, ob es sich empfehle, eine Interpellation über die gestrigen Vorgänge zu stellen. Der Minister des Innern würde eventuell die sofortige Discussion annehmen.
Venedig, 24. Mai. Das griechische Königspaar ist hier eingetroffen, verbleibt an Bord der „Amphitrite" und reist wahrscheinlich morgen nach Rom ab.
•V Heinrich v. Sagern.
Die Kunde von dem Ableben des ehemaligen Präsidenten der deutschen Nationalversammlung von 1848 wird soeben durch den Telegraphen verbreitet, welcher wir einige Notizen beifügen
Heinrich W. A. Freiherr v. Gagern, geb. 20. August 1799 zu Bayreuth, besuchte 1812—1813 die Militärschule in München und focht als nassau-weilburgischer Officier 1815 in der Schlacht bei Waterloo. Nach dem Frieden studirte er Jurisprudenz in Heidelberg, wo er die Burschenschaft mit begründete, Göttingen, Jena und Genf und trat dann in Großherzoglich Hessischen Staatsdienst. 1821 ward er Landgerichts- Assessor in Lorsch, 1827 Regierungs-Assessor und 1829 Regierungsrath in Darmstadt. Im Jahre 1832 wurde er für den Bezirk Lorsch in die zweite Kammer gewählt, aber in Folge seiner liberalen Haltung nach der Kammer-Auflösung pensionirt. Aufsehen erregte damals, daß er auf seine Pension verzichtete. Von da ab lebte er auf seinem Gute in Monsheim (bei Worms), war längere Zeit Präsident des landwirthschaftlichen Vereins für Rheinhessen und trat für den Wahlbezirk Worms Mitte in den 40er Jahren wieder in die zweite Kammer, wo er das Haupt der liberalen Opposition wurde In einer Aussehen erregenden Broschüre trat Gagern während dessen gegen die gefährdeten Interessen der rheinhessischen Institutionen aus, welche eine Beschwerde von 27 Abgeordneten, eine Forderung auf Pistolen von Seiten des bekannten Abgeordneten Hofgerichtsrath Georgi und eine Gegenschrift des Mainzer Staatsprocurators Dr. Seitz, veranlaßte. Als die Stürme des Jahres 1848 auch im Großherzogthum Hessen heranbrausten, das Metternich'sche Ministerium du Thil abdankte und der Großherzog Ludwig II. den Erbgroßherzog zum Mitregenten ernannte, wurde Heinrich v. Gagern zum Jubel des hessischen Volkes zum Minister ernannt. Zur Beruhigung der revolutionären Bewegung erschien das bekannte Edict vom 6. März, welches, mit den Unterschriften des Mitregenten und des neuen Ministers Heinrich v. Gagern versehen, in Ermangelung von Telegraphen und Eisenbahnen (excl. Main-Neckar-Bahn) mittelst Estafette schleunigst an alle Kreisämter und von da in alle Dorfschaften verschickt wurde. Nur kurze Zeit begleitete Gagern diesen Posten, da er nach seinem Eintritt in das Vorparlament in Frankfurt am 31. Mai zum Präsidenten der Nationalversammlung erwählt wurde. Später nach dem Rücktritt Ritter v. Schmerling's aus dem Reichsministerium übernahm er die Leitung des Letzteren. Die Reaction hatte nun täglich festeren Fuß gefaßt, Gagern's machtvolle Stellung beim Zusammentritt der Nationalversammlung wurde mehr und mehr erschüttert, so bah er, nachdem der bekannte Walker'sche Antrag, die Reichsverfassung im Ganzen anzunehmen, 21. März 1849 durchgefallen war, seine Entlassung nahm, um nach Zurückweisung der Kaiserkrone von Seiten Preußens dem Minssrecium Gräoel-Detmold-Jochmus Platz zu machen. Am 20. Mai 1819 trat Gagern aus der Nationalversammlung aus, da seines Bleibens hier nicht mehr war. Noch einen letzten unglücklichen Versuch machte Gagern mit der Gothaer Versammlung, um seinen verblaßten Ruf zu restauriren, von wo ab seine Partei den Namen „Gothaer" erhielt Der Unionstag von Erfurt war für ihn und seine Hoffnungen ebenso vergeblich, obwohl er die Annahme des sogcnanuten Dreikönigs-Entwurfs durchsetzte. In : Preußen hatte sich ein Umschwung vollzogen, der die Unionshoffnungen begrub. Auf i sein Landgut bei Monsheim zurückgekehrt, entschloß er sich, Schleswig-Holstein nach * 1 der Schlacht bei Jdstadt seine Dienste zu widmen, wo er als Major das unglückliche Ende des Kampfes mitmachte. Von da ab lebte er wieder in Monsheim, bis er, den 1 man schmählicher Weise mit dem Makel zu behaften gesucht hatte, er habe russisches Gold angenommen, sich genöthigt sab, sein Gut zu veräußern und nach Heidelberg überzusiedeln. Seine ökonomischen Verhältnisse zwangen ihn leider, unter dem Ministerium Dalwigk einen hessischen Gesandtschaftsposten in Wien im Januar 1864 anzunehmen und damit seinem ehemaligen Ruse des liberalen Mannes den Todesstoß zu versetzen. Gebrochen an Körper und Geist kehrte er 1872 mit Pension von Wien zurück, um den Rest seiner Tage unbemerkt in Darmstadt zu verleben, wo er dereinst seine größten Triumphe gefeiert hatte. (Fr. Journ.)
Lokales.
Gießen, 25. Mai. Tagesordnung für die Ztadtverorvneren - Sitzung am Donnerstag, den 27. Mai 1880, Nachmittags 4 Uhr, im alten Rralschul- gebäude:
1. Klage gegen den Ortßarmenverband Heuchelheim.
2. Klage gegen den Ortsarmenverbanv Schölten.
3. Die Fleischbeschau betr.
4. Gesuch von Konrad Seipp von Leihgestern um Erlaubnis zur Förderung von Letten im Gießener Stavtwatve.
5. Gesuch des Johannes Schneider II. um Erlaubniß zur Anlegung einer Ueberfahrt.
6. Gesuch ves Bäckermeisters Martin Lenz um pachtweise U-berlassung städtischen Geländes.
7. Anlegung einer Goffe von der Wettergaffe nach der Marktstraße.
8. Versteigerung von Bauplätzen in der Ludwigsstraßc.
9. Versteigerung von Bauplätzen in der Schillerstraße.
10. Beeinträchtigung städtischen Eigentbums.
11 Kaufvertrag zwischen der Stadt Gießen und der Firma Nattmann & Weidig-
12. Das Aufräumen des Jacobigrabcns.
13. Anlegung einer Straße von dem Brand nachdem neuen Justizgebäude.
14. Gesuch des Braumeisters Adolf Möller um Erlaubniß zur Ableitung des Wassers aus leiner Hofraithe über den Lerhgesterner Weg.
15. Gesuch des Turn und Schwimmlehrers Christoph Rübsamen um Bauerlaubniß.
16. Gesuch des Metzgermeisters Karl Daniel Metzger um Erlaubniß zur Vornahme von Bauveränderungen
17. Gesuch des Kaufmanns August Kröll um Erlaubniß zur Vornahme von Bauver- änverungen.
18. Gesuch des Bürstenbinders Friedrich Winter um Erlaubniß zur Vornahme von Bauveränderungen.
19 Desgleichen des Lackirers Karl Leib.
20. Desgleichen des Wirths Louis LvNy.
21. Desgleichen des Bauunternehmers Heinrich Adami um Erlaubniß zur Anlegung einer Einfriedigung.
22. Desgleichen des Fabrikanten Johannes Bernhardt.
23. Kostendecreturen
Gießen, 25. Mai, Die bisher stattgehabten Vorstellungen im Circus Straßburger bestätigen den 9tuf, der demselben vorausging. Die vierfüßigen Künstler leisten in der That alles Mögliche, ihre Leistungen sind bewundernswerth exact und fanden dieselben dann auch in dem Beifall der Zuschauer ihre Anerkennung, während die Kunststückchen der Äffen die Lachmuskeln der Besucher in unwillkürlicher Bewegung hielten. Auch „Bruder Langohr" verstand seine Rolle vortrefflich zu splelen und legte verschiedene angehende Reiter so sanft auf den Sand niever, daß man sagen konnte, er versteht sein Fach. Die Ziege machte ihrem Geschlechte, was Klettern betrifft, alle Ehre und führte ihre Exercitien mit einer gewissen Grazie aus. Die Thärigkcit des „Clown", sowie die die Vorstellung beschließende komische Pantomime trugen zur Erheiterung in einem Maße bei, daß die Vorstellung mit Recht als eine in jebtzr Beziehung gelungene bezeichnet werden kann. Ein Besuch zu Straßburger ist daher sehr zu empfehlen; derselbe ist sicher bemüht, dem Publikum etwas Neues und Gediegenes zu bieten. —11—.
Gießen, 25. Mai. In Kirchberg bei Lollar lagert gemüthlich schon etliche Tage eine Zigeunerfamilie ländlich sittlich in einem kleinen Zelte und wiehernde Roffe umgrajen die Wohnung. Dem Vater cex Familie gefällt es dort mit seiner jugendlichen Ehehälfte so gut, daß er diesen Platz, wo sein Zelt aufgeschlagen, von der Gemeinde L-taufcnberg zu kaufen be- absichrigt, um hier eine Villa zu erbauen. —r.
Gießen, 25. Mai. Arbeit müssen auch die Glaser haben, dachten heute Nacht gewiß mehrere Unfugtreibende, da schlugen sie vier Laternen auf der Grünberger Straße ein.
— Aus einem unverschlossenen Garten an der Frankfurter Straße wurden heute Nacht verschiedene Wäschegegenstände gestohlen. Jetzt wird vielleicht der Garten geschloffen.
Vermischtes.
Mainz, 21. Mai. Heute Vormittag wurde ein Arrestant — ein Landstreicher — in die Stadt gebracht, deffen Oberkörper in einen Sack eingenäht war. Der Strolch hatte sich nämlich nack seiner Verhaftung seine Kleider förmlich vom Leibe geriffen und da cm Ersatz derselben nicht sofort herbeigeschaffl werden konnte, so mußte ein Sack, durch welchen die nöthigen Oeffnungen für den Kopf und die Arme geschnitten wurden, die Stelle der Oberkleider versehen. Der Kerl sah originell aus.
Lauterbach, 20. Mai. Nachdem die gefürchteten Tage Servatius und Pancratius ohne eigentlichen Schaden vorübergegangen, herricht seit Pfingsten wieder rauhe Nordlust vor und es hat in den letzten Nächten noch ganz rejpeetabel gefroren, |o daß die Brunnen Eiskrusten zeigten. Das Wachsthum ist sehr gehemmt und die zarten Pstanzen nehmen Schaden. Die fortwährende Dürre des Erdreichs hindert das Aufkommen Der Sommerfruchk und des Klees. Auch die Wiesen stehen meist noch sebr schlecht. . Den Bauern, deren Vorräthe zur Fütterung der lange und strenge Winter fast aufgezehrt, sind die Klagen über den Mangel der frische Mahd wahrlich nicht zu verdenken. Viele Bäume, namentlich Aepfelbäume, ja selbst Zwetschen- und Birnbäume, sind der harten Witterung des Winters erlegen und Obst dürfte es wenig geben. Daß die Preise von Butter sehr gestiegen sind gegen sonst, liegt in der Natur bet Sache. Möge bald ein erquickender Regen uns zu Theil werden zur Wohlthat für Gärten, Wiesen und Felder! (N. H. V.)
Handct und Verkehr.
Gießen, 25 Mai. Auf dem heutigen Wochenmarkt? kostete: Butter per Pfd. 0.95 bis^L 1.00, Hühnereier 1 Stück 4—5 jf, Gänseeicr per Stück 9 - 10 H, Enteneier 1 Stück 5 _ 6 A. Käse per Stück 5—9 Käsematte per Stück J Erbsen 1 Liter 20 H, Linsen 1 Liter 24 H, Tauben das Paar 0.60—0.75, Hühner per Stück X 1.00—1.30, Hahnen per St. X 1.20 big 1.50, Wälsche 6 - 7, Enten per Stück 2.70—3.00, Kartoffeln per 100 Kilo X 7—0, Zwiebeln p. Etr X 30—00, Milch pcr Liter 16 und 18 Ockienfletsch 68 — 00 H per Pfd-, Kuh- und Rindfleisch 50-56 L>, Kalbfleisch 40—46 Hammelfleisch 66—70 H, Schwcine- firssch 60 O>. Kirschen per Pfund 80 H.
Der Kartoffel- und Gefchirrmarkt befindet fich von Dienstatz, den 1. Juni d. I. an wieder auf dem Brand.
Herborn (an der Köln-Gießener Eisenbahn), 2t. Mai. Auf den heutigen hiesigen Markt wuroen gebracht: 117 Ochsen, 223 Kühe und Rinder, 1069 Schweine. Der nächste Markt ist am Montag, den 28. Ium l. Js, zugleich Wollmarkt.
Frankfurt, 24. Mai. (Fruchtbericht.) Mehl dir. 1 X 42, Nr. 2 X 40, Nr. 3 x 34, Nr. 4 x 30, Nr 5 X 24, Roggenmehl 0/, .Berliner Marke) X 27 50—00, do. I (Berliner Mark-) X 26.50—00.00, do. II (Berliner Marke) X 22.00—00 00. Weizen effecttv hiesiger ab Bahnhof hier X 25.00 oO.Oo, ab unserer Umgegend X 24.75—25.00, do fremder je nach Qualität X 24.75—25.00, Roggen, je nach Qualität X 19.60—21.00, Gerste X 18.00—21.00, Hafer X 12—16.50, Kohlsamen X 27—28, Erbsen X 19—27, Wicken X 16 18, Linsen X 20-40, Bohnen, weiße, X 23—25, Roggenkleie X Weizenkleie, grobe und feine X —, Ruböl, Detail, X 66. Stimmung unsicher. Hauptsächlich gekragt war: —. Dringend offertrt: —. (Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zollgewicht — 100 Kilo )
Frankfurt, 24. Mai. Der heutige Diehmarkt war ziemlich befahren. Angetrieben waren ca. 380 Ochsen und Stiere, 280 Kühe und Rinder, 260 Kälber und 30" Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. X 67—69, 2. Qual. X 62—64, Kühe und Rinder 1. Qual. X- 58—60, 2. Qual. X 45—54, Kälber 1. Qual. X 52—55, 2. Qual. 45 -50, Hämmel 1. Qual. X 5«-60, 2. Qual. X 45—50 per 100 Pfd. Schlachtgewicht. Schweine je nach Qualität das Pfund — H
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