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Erscheint täglich mit Ausnahme des

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Durch die Post biogen vierteljährlich 2 Mark 50

Amtlicher HHeil. Bekanntmachung.

Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat dem Vorstand des Sächsisch-Thüringischen Reiter- und Pferdezuchl- vereins die Erlaubniß zum Vertrieb von Loosen ä. 3 M. aus der Verloosung von Equipagen, Reit- und Wagenpferden innerhalb des Großherzogthums Hessen ertheilt.

Gießen, den 20. November 1880. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Bookman n.

Loealreglement.

Das Entnehmen von Kies aus dem Bette der Lahn.

Um das Entnehmen des Kieses oder Grundes aus dem Lahnbette im öffentlichen Interesse zu regeln wird hiermit auf ®run^ des Art. 56 der Städteordnung nach Anhörung der Stadtverordneten - Versammlung mit Zustimmung des Kreisausschuffes des Kreises Gießen und mit Genehmigung Großherzoglichen Ministerium des Innern und der Justiz vom 26. October 1880 zu Nr. M. d. I. 22722 verordnet wie folgt:

§ 1.

Wer Kies oder Grund aus der Lahn innerhalb der Gemarkung Gießen entnehmen will, hat hiervon vorher Großherzoglicher Polizeiverwaltung Gießen die Anzeige zu machen, damit bestimmt werden kann, ob und an welchen Stellen, für wie lange Zeit und in welcher Menge Kies oder Grund aus dem Lahnbett entnommen werden darf.

§ 2.

Unterlassung der in § 1 bestimmten Anzeige wird in jedem Einzelfalle mit einer Geldstrafe bis zu 30 Jt. bestraft.

Gießen, den 19. November 1880. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.

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Der 1. December 1880;

Der Beschluß des tm Jahre 1872 zu Petersburg abgehaltenen inter­nationalen statistischen Congrestes tm Jahr 1880 in allen Culturstaaten an einem und demselben Tage zu zählen, wird zwar nicht zur Ausführung kom­men, aber das Jahr 1880 ist auch ohne Staatsvertrag von einer Reihe von Culturstaaten zum großen Zählungsjahre auserkoren worden. Je näher der Tag der Zählung für das deutsche Reich heranrückt, um so nothwendiger wird eine wiederholte Besprechung deS Gegenstandes. Was zunächst die Geschichte der Volkszählungen anlangt, so weiß man nur, daß schon die alten Egypter, die Juden, Griechen und Römer Volkszählungen vornahmen und daß viele der tüchtigsten Herrscher des Mittelalters sich dieselben angelegen sein ließen, lediglich jedoch behusS Ermittelung der Waffen- und Steuerfähigen. Erst um die Mitte des vorigen Jahrhunderts erwachte die Einsicht, daß mit der Zäh­lung der Bevölkerung noch ganz andere, für die allgemeine Wohlfahrt aus­schlaggebende Ausschlüffe zu erlangen sind, wenn die Erhebungen weiter aus­gedehnt, sorgfältig und steißig angestellt, verarbeitet und tabelltrt werden.

Unter dem Ausdruckverarbeitet und tabelltrt" verbirgt sich ein ungeheures Stück Arbeit, für welche die Spitzen der Behörden und ihre Organe bis hinab zu den untersten Stufen, sowie die Männer der Wiffenschaft mit zahlreichen Gehilfen und Handlangern ihre Kräfte einsetzen muffen.

Und wozu das Alles?

Was dem Laienauge als eine Sandwüstetrockener Zahlen" erscheint, erweist sich als ein unerschöpflicher Fruchtboden nicht nur für dieabstrakte Wiffenschaft", sondern auch für die Praxis des Volkslebens. Für die Gesetz­gebung, für Handel und Gewerbe, für die öffentliche Gesundheitspflege und viele andere sehrpraktische" Dinge ist sie eine ergiebige Nahrungsquelle. Die Ergebniste des großen Zählwerks werden denn auch nicht mehr wie ehe­dem geheim gehalten, sondern amtlich veröffentlicht, damit Alle und Jeder daraus lernen können. Die modernen Naturwissenschaften, deren Ruhm die Welt erfüllt, haben von der Statistik die Methode der Maffenbeobachtung 9 Ein wesentlicher Fortschritt in der Behandlung des Zählgeschäfts, über den sich jetzt die verschiedenen Statistiker geeinigt haben, ist, daß nicht mehr blos die einheimische ober ortszuständige, sondern diefaktische Bevölkerung", d. h. alle zur Zeit an jedem Punkte Anwesenden gezählt werden. Erst dadurch ist dem Werke eine sichere Grundlage gegeben.

Unter den Staaten, die in neuerer Zett der Statistik, welche mit Recht dieSelbsterkenntniß der Völker" genannt wird, die kräftigste und einsichtigste Förderung angedethen ließen, stehen Belgien, Preußen, Hegen, Sachsen, einige andere deutsche Gebiete und Nordamerika obenan. Die Länder, in denen die statistische Wiffenschaft blüht, sind zugleich diejenigen, in welchen die staatliche und communale Verwaltung am besten geordnet ist und gehandhabt wird und der geistige und wirthschastliche Aufschwung am stetigsten vor sich geht. Der Männer, die sich verdient machten um die Pflege dieser Wiffenschaft, ist eine lange, stattliche Reihe, auS welcher hier nur der Belgier Quetelet (geb. 1796, f 1874) und Dr. Ernst Engel in Berlin (geb. 1821 zu Dresden) genannt seien. Von Dr. Engel ging die Anregung zu einer internationalen, gleichzeitigen und gleichartigen Volkszählung ans, deren Werth für die Der-

gleichbarkeit der Ergebniffe er den maßgebenden Zeitgenoffen anderer Länder, insbesondere auch dem Petersburger internationalen statistischen Congreffe 1872, warm an's Herz zu legen wußte.

Das WortStatistik", zuerst von Achenwall (geb. 1719, f 1772) gebraucht, wird vorn neulateinischen statista, Staatsmann, abgeleitet, und ihre Aufgabe als dieErforschung der physischen und moralischen Erscheinungen des individuellen und gesellschaftlichen Lebens" bezeichnet.

Die große Maffe deS Volks verhält sich den Zählungen gegenüber leider noch immer theils gleichgiltig. theils abgeneigt, aus verschiedenen Gründen. Viele sehen in jeder Zählung nur eine unbarmherzige Gehülfin derSteuer- schraube." Gerade die ärmeren und arbeitenden Klaffen haben jedoch die meiste Ursache, genaue Kenntniß der thatsächlichen Verhältnisse ausgebreitet zu wünschen, denn erst darauf gestützt können ihre Anwälte in der Gesetzgebung für gerechte Verkeilung der Lasten mit Erfolg kämpfen. Andere haben einen Widerwillen gegen jede öffentliche Leistung, sehen darin eine Belästigung, eine gelehrte Spielerei", der sie, wenn sie sich ihr nicht entziehen können, gern eine Nase buchen, ohne dm hohen Werth der Sache für sie selbst zu ahnen. An der Volkspreffe ist es, derlei Vorurtheilen den Krieg zu machen. Auch die Jugend- und Frauen-Zeitschriften, nicht minder Schulen, endlich Vereine und Clubs jeder Art, Casinos u. s. w. können und sollen ausklären, antreiben, beaufsichtigen helfen.

Jeder richtig Denkende und Empfindende muß die Ehrenpflicht fühlen, feinerfeits dem Zählgeschäfte thunltche Förderung zuzuwenden und auch in seinen Umgangskreisen dafür nach Kräften zu wirken. Von Stumpsfinn zeugt es, wenn, ähnlich wie dies politische Wahlen so oft gefälscht hat, Einzelne ihr Gewissen zu beschwichtigen suchen mit gedankenlosen Redensarten,was kann mein Thun und Lassen dem großen Ganzen viel schaden ober nützen" rc. Wieviel ein böses oder gutes Beispiel nach Außen wirkt, entzieht sich ber Be- rechnung. Unzweifelhaft übt es einen Einfluß, namentlich auch nach Innen. Ich muß mir sagen: für meine Selbstachtung ist kein Fall von erfüllter ober vernachlässigter Pflicht gleichgiltig. Unterlaffe ich, was bie Zählung von mir verlangt, so mache ich mich einer geistigen Steuerbefraubation schuldig.

Deutschland.

Berlin, 20. November. Abgeordnetenhaus/ Auf der Tagesordnung stehen Zu­nächst Wahlprüfungen. Die Wahlen v. Kleist's (Hohenau) und Kropatschtek (Branden­burg) werden beanstandet; die Wahl v. Wedell's wird für ungültig J0}«?

die Interpellation Hänel. Minister-Viceprastdent Graf Stolberg erklärt sich zu so­fortiger Beantwortung bereit. Hänel begründet ine,Interpellation: Zur Aufnahme der Staaten Rumänien, Bulgarien, Serbien und Montenegro in den Verband der europäischen Staaten habe man auf dem Congresse von die Gleichberechtlguna der Juden mit den übrigen Confessionen zur Bedingung gemacht, weil nur durch die volle Gleichberechtigung die Assimilation der Juden mit deremheinnschen Bevölkerung zu erreichen sei. Da Rumänien Schwierigkeiten in der Ausführung N^L^rpstichwng gemacht, sei ihm die Anerkennung so lange versagt worden, bis e5 der V erpflrchtungna ch - gekommen sein würde. Die Parität der Juden sei somit einesolche:^rbedingung der Civilisation, daß Staaten, die sie nicht hätten, nicht m die europäische Völkergemein­schaft ausgenommen würden. Die Rückwirkungen einer mehr als ^ou^ndiahrtgen Knechtschaft der Juden verschwänden leider nicht mit einem Tage Deßhalb dürfe man dock nickt die ehemaligen Verhältnisse wieder inaugunren wollen. Die jetzige Bewegung sei auch nicht gegen jene Uebelstände gerichtet, sondern gegen das Jutzen-