Berlin, 22. Octbr. Der volkswirthschaftliche Congreß hat zu der Frage, betr. die Versorgung Europas mit Brod, eine Resolution mit allen gegen 11 Stimmen angenommen, wonach die Zufuhren von Brodkorn aus anderen Ländern für eine Nothwendigkeit erklärt werden; der Gewinn, welcher durch den Getreidezoll unter gewissen Verhältnissen Einzelnen zugeführt werden könne, ftehe in keinem Verhältnis zu dem dadurch der übrigen Bevölkerung zugefügten Schaden.
München, 22. October. Cardinal Hohenlohe ist von Rom gestern Abend hier eingetroffen und reist heute nach Schillingsfürst weiter.
Paris, 22. Octbr- General C'ssey erklärt in einem Schreiben an den Kriegsminister, er werde sich zur geeigneten Zeit an die Gerichte wenden und beklage, daß die von ihm verlangte Aufklärung des Thatbestandes verwet- weigert werde.
Wien, 22. October. Die „Wiener Zeitung" veröffentlicht die huldreiche Enthebung Dingelstedt's von der Leitung des Hofopern-Theaters und die Berufung des OperndirectorS Jahn von Wiesbaden zum Director der Hosoper.
Lissabon, 22. Octbr. Hier und in Coimbra wurde am Donnerstag Vormittag eine leichte Erverschütterung beobachtet, welche auch im ganzen Laude fühlbar gewesen ist.
Madrid, 22. Octbr. Im Centrum der Stadt war am Donnerstag Vormittag ein leichtes Erdbeben wahrzunehmen, welche- 6 Secunden anhielt, ohne bemerkenswerthen Schaden zu verursachen. Auch in mehreren Städten der Provinz Zamora wurden Erderschütterungen verspürt, gleichzeitig mit einem
heftigen Sturm.
Paris, 22. October. Meldung der „Agence Havas" aus Ragusa. Riza Pascha traf energische Maßregeln für die Uebergabe von Dulcigno in Gegenwart europäischer Repräsentanten, was der Fürst von Montenegro zur Bedingung gemacht hat. In Folge dessen sind Delegirte des Flottengeschwa
ders nach Cettinje gegangen.
Loudon, 22. October. „Times" bespricht die griechische Frage und äußert hierüber: Hoffentlich werde der König von Griechenland den Ungestüm seiner Unterthanen zu zügeln vermögen. Vorerst seien die Großmächte noch nicht gewillt, gemeinsam für Durchführung der Bestimmungen der Be- liner Conferenz einzutreten. England könne nicht allein handeln, msbesodere da Frankreich, der Hauptbefürworter der griechischen Ansprüche, zurückstehe. Der gegenwärtige Zetrpunkt sei für die Action Griechenlands nicht gelegen. Reifliche Ueberlegung und Rücksicht auf unentbehrliche Allitrte würden Griechenland nöthigen, seine Rüstungen zu mäßigen. — „Daily News" meint, nur entschlossenes Geltendmachen der Berliner Beschlüsse im Interesse der Gerechtigkeit gegen Griechenland könne möglicher Weise den Krieg abwenden.
Wien, 22. Octbr. Meldungen der „Polit. Corresp." Aus Kon
stantinopel: Die Schwierigkeiten bezüglich Dulcignos bestehen darin, daß, während Montenegro darauf besteht, daß die Abtretung des Districtes Dulcigno gleichzlitig mit der Abtreitung der Stadt Dulcigno erfolge, die Pforte vorerst den Status quo östlich des Sees von Skutari aufrechterhalten will und die Lösung dieser Frage späteren Verhandlungen mit den Botschaftern in Konstantinopel vorzubehalten wünscht. Dagegen ließ die Pforte die Forderungen bezüglich der türkischen Flagge im Hafen von Dulcigno und Garantie der Rechte und dcs Eigenthums der in Dulcigno verbleibenden Muhamedaner fallen. — Aus Belgrad: Es ist eine Ministerkrisis au-gebrochen, deren Entscheidung noch heute erwartet wird.
Berlin, 22. October. In der Frage der Colonisation und Aus
wanderung hat der volkswirthschaftliche Congreß mit großer Mehrheit die von Kapp und Philippson vorgeschlagenen Resolutionen angenommen.
Lokales.
Gießen, 23. October. Wiederholt möchten wir die Bewohner unserer Stadt bitten, anläßlich des 25jährigen Stiftungsfestes der freiw. Gail'schen Feuerwehr durch Beflaggen der Häuser der Stadt ein festliches Ansehen zu geben.
— Der wegen Einbruchsdtebstahls verhaftete Schuhmacher Euler ist heute Mittag aus dem Arrestlocale am neuen Justizgebäude entwichen. Er soll seinen Weg über die Wiesen nach der Marburger Straße genommen. Bekleidet war derselbe mit einer Züchtlingkleidung nnd schwarzer Kappe.
Vermischtes.
— Mit dem Telephon werden nächstens sehr bedeutsame Versuche gemacht werden. Eine Gesellschaft, welche ihren Sitz in Cincinnati hat, während der größte Thcil des Capitals in England zusammengebracht ist, will die Anwendbarkeit des Telephons auf sehr große Entfernungen, auch auf Oceancabel untersuchen lasten; in letzterer Beziehung schlägt der Vorstand der Gesellschaft vor, eins der Atlantischen (Sabel auf acht Tage zu mtethen. Die Gesellschaft wird sich übrigens weder des Bell'schen noch des Edison'jchen, sondern eines älteren Telephons bedienen, das durch neue Erfindungen verbestert ist. Der „Engineer" meint, daß im Fall des Gelingens des neuen Unternehmens ein Patentstreit entbrennen werde, der glänzende Resultate für die Advocaten liefern müste.
— sGras wachsen hören und sehen.] Bei der letzten Wanderversammlung eines schlesischen botanischen Vereins wurde ein von den Technikern Thomas und Lögel construtrter Apparat gezeigt, welcher cs gestattet, die Schnelligkeit des Wachsthums der Pflanze zu mesten. Die wachsende Pflanze wird mit einem Zeiger in Verbindung gesetzt, der sichtbar unv beständig vorrückt und das Wachsthum der Pflanze in fünfzigfach größerem Maßstabe ang-.ebt. Wenn man den metallenen Zeiger und den metallenen Kreis mit einem elektrischen Hammer in Verbindung bringt, dessen Strom bei den Theilstrtchen unterbrochen wird, so läßt sich das Wachsthum der Pflanzen nicht nur für das Auge, sondern auch für das Gehör wahrnehmbar machen, und man wird in Zukunft thatsächltck „das Gras wachsen hören."
— (Prüfung des Mehles) Um die mehr oder minder große Güte verschiedener Mehlsorten kennen zu lernen, ohne erst Probegebäck machen zu muffen, kann man in folgender Weise verfahren, wodurch man mit unumstößlicher Gewißheit die relativen Werthe der einzelnen Sorten beurtheilen kann. Angenommen, man hat aus verschiedenen Bezugsquellen die besten, mit 0 »der 00 bezeichneten Mehlsorlen zu prüfen, so nehme man von jeder Sorte, genau gewogen, 20 Gramm, gebe es in eine Porzellantaffe, gieße auf jedes 10 ®rumm reines Wasser unv vermenge das Mehl mit dem Wasser gut zu einem Teige. Danach befühlt und besieht man die verschiedenen Teige. Der festeste Teig berechtigt zu dem Urtbeile, baß hiezu das beste Mebl verwendet wurde; der weichste Teig deutet auf das schlechteste Mehl, weil die Güte des Mehle« in der Hauptsache von dessen Ausgiebipkeit abhängt. Das Mehl, von welchem man einen festeren Teig bekommt, muß schon darum aueaiebigcr und somit besser sein, als jenes, von welchem man einen weicheren Teig bekommt weil man zu irgend einer Gebäcksorte, zu welcher Teig erforderlich ist, bei besserem Mehle mehr Flüssigkeit zu verwenden vermag und somit mehr Teig und Gebäck erzielt oder bei gleicher Flüssigkeit weniger Mehl benvthigt, um diese Teig- und Gebäcksmasse quantitativ und qualitativ zu erzielen.
— [Sffite sich ein Reporter zu helfen weiß.) Bei der Leichenfeier des Generals Barker in New-Iork — so berichtet der „Gaulois" — war dem Reporter I. Smith keine Karte bewilligt, um der (Zeremonie beizuwohnen. Ohne aus der Fassung zu gerathen, drang Smith in's Trauerhaus, stieg aufs Dach und ließ sich durch einen Kamin in baß Zimmer herab, wo sich der Sarg vor seiner Ucbertragung In bte Kirche befand. Dort stellte er sich hinter den Geistlichen, der seinen Hut auf einen Stuhl gelegt hatte. In diesem Hute steckte eine Rolle Papier; Smith bemächtigte sich derselben und fand, daß es die Rebe sei, welche der pro- ^estantische Pfarrer am Grabe halten sollte. In's Telegraphenbureau laufen und die Rede
seinem Journal mlttbeilcn, war das Werk eines Augenblicks. Als nun der Geistliche die Rede vortragen wollte, suchte er seine Rolle und da er sie nicht sand, sah er sich gezwunaen, eine Anrede zu improvisiren. Während dieser Zeit erschien das Journal und gab den authentischen Text der Rede. Anderswo würde man diesen Streich ernster aufgefaßt haben, aber tn Amerika wurde Smith bis in den Himmel erhoben.
— fDas tausendste Dlenstmädchen.j Aus Wien wird folgender heitere Vorgang gemeldet: In einer Seitengasse, nahe der Praterstraße, bewegte sich am Sonnabend ein ebenso seltener als sonderbarer Festzug. Voraus sprangen einige Cebrjungcn und Kinder mit hellem Jubelgeschrei. Hinter ihnen erschien ein Orgelmann, der im lautesten Fortissimo das „O Elisabeth" spielte. Ihm folgte eine Schaar von Dienstmädchen, in deren Mitte gravitätisch eine handfeste Böhmin einberschrltt, deren Haupt mit einem kolossalen Kranze aus Grünzeug, Bast und gelben Rüben geschmückt war, während ihr ganzer Körper unter Kuirlanden von Stroh und papierenen Klatschrosen verschwand. In ihrer Rechten trug sie einen mit bunten Bändern geschmückten Kochlöffel. Hinter den Jungfrauen marschirte ein Hausmeister mit einem großen Besen, mit dem er nach alter Sitte die ganze ebrenwerthe Gesellschaft, als sic unter das Tbor des Hauses trat, wo sich der Zug versammelt hatte „auskehrte". Vor dem Hause nahm der Zug größere Dimensionen an und Schaaren von Neugierigen liefen herbei. Mittlerweile batten sich die aktiven Theilnehmer an dem Zuge vor einem Hause aufgestellt und eine der Reffjungfrauen hielt folgende Ansprache: „Heuf ise Tausend vull worn! Marlanka ise tausendste Dienstmadel von Frau v. K " Der ganze Chor fiel jubelnd ein. 3p einem Fenster des zweiten Stockwerkes aber erschien ein zornsprühendes „Aspis-Gesicht" und eine geballte Faust, welche recht nachdrücklich gegen die Festzügler geschwungen wurde. Der Festlichkeit wurde indessen bald ein Ende gemacht durch das Einschreiten der Polizei.
Nehlflfaberieht. Mitgetheilt von dem Agenten des norddeutschen Lloyd, C W. Dietz in Gießen.
Bremen, 21. Oktober. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Main, Capt. I. Barre, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 10. Oktober von Bremen und am 12. Oktober von Southampton abgegangen war, ist beute 11 Uhr Vormittags nach einer au-gez-ichnet schnellen Reise van 8 Tagen 21 Stunden wohlbehalten in Newyork angekommen.
Bremen, 21. October. sPer transatlantischen Telegraph.j Der Postdampfer Leipzig, Capt. Fr. Pfeiffer, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 6. Oktober von Bremen abgegangen war, ist heute wohlbehalten in Baltimore angekommen.
Handel und Verkehr.
Gießen, 23 Oktober. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter ver Pfd. Jt 1 «0 biß JL 110 Hühnereier 1 Stück 7—0H, 2 St. 13 Gänscneler 1 St. 11 — 13 H. Käse per Stück 4 —9 Käsematte ver Stück 3—0 H, Erbsen 1 Liter 22 H, Linsen 1 Liter 24 H, Tauben daS Paar 30—60 Hühner p. St. 0.75—1 00, Hahnen p. St. JL 0.50—0.85, Gänse pr.
Pfd. 45—54 Enten per Stück JL 1.60 1.70, Ochsenfleisch 68—00 H per Pfd., Kuh« und Rindfleisch 48—50 H, Kalbfleisch 56—60 H, Hammelfleisch 50—68 H, Schweinefleisky 68—00 S, Kartoffeln per 100 Kilo .Ä 4-O.00 Zwiebeln p. Ctr. JC. 7—7.50, Milch per Liter 16 und 18 H, Weißkraut 100 Stück 4.00—6.0,
Gießen, 22. Oktober. Auf drm am 19. und 20. ds. Ms. abgehaltenen Viehmarkt waren aufgetrieben: 990 Stück Rindvieh und 1056 Stück Schweine. Die Preise blieben unverändert. Im Fettvieh war weniger Kauflust, vageaen Zucht- und Arbeitsvieh gesucht. — Nächster Markt Dienstag den 2. unv Mittwoch den 3. November; am letzteren Tage auch Krämermarkt.
Auszug aus den Standessmtsregistern des Standesamts Gießen
Vom 17. bis 23. Octover 1880.
Aufgebote.
18. Schlosser Jacob Schmitt, Wittwer von Naunheim, mit Susanne Wagner, Tochter des Ackermanns Heinrich Wagner von Groß-Buseck. 20. Schuhmacher Johannes Kaufmann, Wittwer, von Weingarten mit Katharine Henriette Justine Charlotte Krailing, Tochter des Schneiders Wilhelm Krailina von Gießen 20. Schlosser Heinrich Theodor Klingelhöfer von Gladenbach mit Katharine Mai, Tochter der verst. Steinhauers Christovh Mai von Cölbe.
Eheschließungen.
22. Maschinenschlosser Wilhelm Karl Rau von Gießen mit Margarethe Groh- rock, Tochter des Lehrers Georg Grohrock von Malchen. 22. Fuhrmann Johann Georg Dönges von Ahrdt mit Katharine Keßler von Altenkirchen. 22. Kaufmann Gustav Friedrich Emil Kautz von Seebergen mit Marie Margarethe Busch, Tochter des verst. Kaufmanns Franz Busch von Hamburg.
Geborene.
12. Dem Kaufmann Georg Karl Loos eine Tochter. 20. Dem Kaufmann Samuel Elsoffer ein Sohn. 14 Dem Kohlenhändler Eduard Klinkel ein Sohn, Gustav Anton. 14. Dem Schaffner Wilhelm Becker ein Sohn, Johann Erwin. 14. Em Sohn von auswärts, Georg. 19. Dem Schutzmann Johann Jost Dong-s ein Sohn.
Gestorbene.
16. Riekchen Rothschild, geb. Wertheim. 42 Jahre alt, Ehefrau des Borsten- händlers Isaac Rothschild. 17. Eine todtgeb. Tochter von hier. 19. Marie, 4 Iahte alt. Tochter des Pflästerers Karl Port. 20. Elisabeth Heuser, geb. Heicheit, 69 Jahre alt, Wittwe des Schneiders Kaspar Heuser. 20. Der Großh. Staatsanwalt Remhmd Schober, 33 Jahre alt.
Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Getraute.
Den 15. October. Philipp Damm, Schreiner dahier, und Elisabeth Besser, ledige Tochter des Ackermanns Johannes Balser VII. zu Burkhardsfelden.
Getaufte
Den 17. October. Dem Taglöhner Wilhelm Bolz ein Sohn, Justus, geb. den 24. September.
6951) Für hervorragende Leistung in Caffe Surrogat wurde vom Preis- Gericht der Düsseldorfer Gewerbe-Ausstellung der Firma
Werner Breuer in KSln
am Rheingasfenthor Nr. 1141(1)
die Broncene AusfteUungS-MedaiUe als höchste Auszeichnung zuerkannt.
Tokayerwein.
Bekanntlich wird dieser Wein schon seit langer Zeit als ein durchaus zweckentsprechendes Stärkungsmittel seitens der Äcrzte mit Vorliebe angewandt und auch den übrigen Medicina!- Welncn im Allgemeinen vorgezogen.
Die Vorzüge, welche dieses bekannte ungarische Naturprodukt vor allen anderen SBeinrn, die zur Stärkung franter ober schwächlicher Personen dienen, besitzt, sind erklärlich, wenn man in Erwägung bringt, daß der Tokayerwein neben einem febr geringen Gehalt «n Alcoho. (8 — 10 o o) die belebendsten Thellc dcr Traube in weit höherem Grade als die anderen Weine enthält.
Obgleich die besseren spanischen und Port-Weine in die Mcdicin gut elngefübrt sind, so bleibt cs doch immerhin Thatsache, daß man diese Weine hauptsächlich nur bei Männern an wenden kann, während Frauen, Kinder und schwächliche Personen eines Weines bedürfen, ver bei einem sehr geringen Gehalt an Alkohol die feinsten Bcstandtheile besserer Weine in großer Menge liefert.
Die „Hof - Ungarwein-Großhandlung" Rudolf Fuchs in Hamburg ist diejenige, welche den Import dieser Weine in hervorragender Weise führt und es sich stets angelegen sein läßt, die edelsten Tokayerweine in den Handel zu bringen.
Der „Medicinal-Tokayerwein der Firma Rudolf Fuchs" ist vorräthig bei Herrn Apotheker W. Knoch in Gießen.
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