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Telegraphische Depeschen.

Wckguer's telegr. Correfpsudeur Bureau.

Berlin, 22. Aprtl. DerProv.-Corresp." zufolge gedenkt der Kaiser am 24. Aprtl sich nach Wiesbaden zu begeben und dort etwa bis zum 9. Mat zu verweilen. Die Majestäten besuchten heute Vormittag die Fischerei- Ausstellung.

Konstantinopel, 22. April. Der Mörder des Großscherifs von Mekka ist zum Tode verurtheilt.

London, 22. Aprtl. Gutem Vernehmen nach hat die Königin das Entlaffungsgesuch Beaconsfields angenommen und Harttngton zur Audienz auf heute nach Windsor eingeladen.

Wien, 22. Aprtl. Im Abgeordnetenhause wurde die Eisenbahn-Co:'.- vention mit Serbien vorgelegt. Die von dem Budgetausschusse beantragte Resolution tn Betreff der Anstellung czechtscher Lehrkräfte an der Prager Uni­versität wurde mit 163 gegen 147 Stimmen angenommen.

Berlin, 22. April. Reichstag. Fortsetzung der zweiten Lesung des Wucher­gesetzes bei § 3. v. Kleist-Retzow wendet sich gegen Lasker's Anträge, welche dahin gehen, daß dritte Personen, welche wucherische Forderungen erworben haben, gegen die civilrechtlichen Folgen des Wuchers sichergestellt werden. Lasker hebt hervor: Der Artikel 3 in der Commissionsfassung trage der allgemein herrschenden Erbitterung gegen den Wucher mehr Rechnung als der ruhigen juristischen Ueberlegung. Dasselbe gelte von den Ausführungen des Staatssecretärs o. Schelling in der letzten Sitzung. Durch die Bestimmungen des Artikels 3 werde eine ganze Reihe redlicher Geschäfte vernichtet werden, um den Wucher zu treffen. Dieses zu verhindern, bezweckten seine Anträge. Regierungscommissar Hagens widerlegt Lasker's Einwendungen. Reichensperger empfiehlt seinen Antrag, wonach das Recht der Rückforderung nach Ablauf von 5 Jahren (anstatt 3 Jahren, wie Lasker will-, verjähren soll. Wolffson bittet, den S 3 an die Commission zurückzuverweism, weil die wichtige Frage nicht genügend ge­klärt sei. Die Discussion wird geschlossen. Nach dem Schlußworte des Referenten v. Marschall wird § 3 nach der Commissionsvorlage mit dem Anträge Reichensperger angenommen. Die allgemeine Rechnung über den Staatshaushalt für 1875 wird der Rechnungs-Commission überwiesen. Zur Nachweisung über den Stand der französischen Kriegskosten-Entschädigung wird Decharge ertheilt, ebenso zu einem Berichte der Reichs- schulden-Commission. Es folgt nunmehr die erste Berathung des Gesetz-Entwurfes, betreffend die Unterstützung der deutschen Seehandelsgesellschaft Relchsschatzsecretär Scholz hebt hervor, die vorliegende Frage sei theils in sehr mißgünstiger, theils in sehr oberflächlicher Weise von der politischen Parteipresse beurtheilt worden. Die Pflege des deutschen Seehandels sei die Pflicht der Reichsregierung. Dieselbe wende zu dies-m Zwecke jährlich bedeutende Summen auf. Der Südseehandel habe eine genügend große Bedeutung, um die Fürsorge der Negierung auch diesem zuzuwenden. Es handle sich nicht um ein neues Unternehmen, sondern um die Abwehr eines dem deutschen Handel drohenden Verlustes Die Godeffroy'schen Unternehmungen seien die Stützpunkte der deutschen Handelspolitik in der Südsee, um so mehr, als dieselben sonst in ausländischen Besitz übergehen würden Die Frage der Reichssubvention könne daher kaum anders als bejahend ausfallen. Er hoffe, daß die in der Vorlage in Aussicht genommene Art und Weise der Subvention die Zustimmung des Reichstags finde. Fürst Hohen­lohe-Langenburg ist im Allgemeinen nicht der Ansicht, daß das Reich industrielle Unter­nehmungen unterstützen solle. Der vorliegende Fall sei aber ein anderer. Es handele sich hierbei um große handelspolitische Fragen. Der deutsche Handel prävalire in der Südsee und würde es eine politische Unklugheit fern, diese Stellung aufzugeben. Die Rentabilität des Unternehmens und die Culturfähigkeit der Inseln könne nach den der Regierung vorliegenden Berichten kaum bezweifelt werben. Bamberger erklärt: Wenn die Reichsregierung über die genaue Lage der Dinge betreffs der Samoa-Inseln unter­richtet wäre, wie sie es sein sollte, so würde sie sich gehütet haben, dem Reichstage diese Vorlage zu machen. Das System der vorgeichlagenen Staatsunterstützung sei ihm an sich sympathisch; die Rentabilität der Plantagen der Handelsgesellschaft sei aber so zweifelhaft, daß dieselbe zu einer Staatssubvention nicht geeignet sei. Redner gibt sodann einen Ueberblick über die Handelsthätigkeit des Hauses Godeffroy und die Lage des Uniernehmens und weist den Mangel der Rentabilität nach. Bundes-Com- missär v. Kusserow erklärt, daß er mit Rücksicht auf die vorgerückte Stunde und die inzwischen eingegangenen Schlußanträge erst in der nächsten Sitzung die einzelnen Be­hauptungen Bambcrger's widerlegen wolle. Er bezeichne aber schon jetzt einige Punkte für unzutreffend. Es folgen einige scharfe persönliche Bemerkungen zwischen Bamberger und v. Kusserow. Nächste Sitzung morgen.

Berlin, 22. April. Der Bundesrath hat heute die Anträge der Referenten auf Revision der Geschäftsordnung in erster Berathung mit wenig Aenderungen angenommen.

Rom, 22. April. Deputirtenkammer. Cavalotti macht Mittheilung über seine Ausweisung aus Triest und sagt: Der Triester Poltzeidirector erklärte, die Ausweisungsordre rühre vom Wiener Ministerium her. Cairoli wiederholt die bereits gegebenen Aufklärungen und fügt hinzu, die Regierung muffe nicht dem Rechnung tragen, was der Polizeidirector sage, sondern dem, was aus den zwischen den beiden Regierungen gewechselten Erklärungen heroor- gehe. Cavalotti ist unbefriedigt. Der Zwischenfall blieb ohne Folge.

Paris, 22. Aprtl. Im Senate stellte heute Carayon Latour (von der Rechten) eine Anfrage an die Regierung in Betreff der Absetzung von Offi- ciercn der Territorial-Armee und warf dem Kriegsminister vor, daß er die Politik in die Armee etnführe. Der Kriegsmtntster antwortete, der Beschluß des Staatsrathes habe ihm das Recht gegeben, so zu handeln und fügt hinzu, mehrere dieser Osfictere seien unfähig gewesen und hätten Wahlversammlungen besucht. Er werde keine Politik tn der Armee und keine der Regierung feind­lichen Osfictere in der Armee dulden. Der Gegenstand wurde damit verlaffen. In der Kammer wurde die Interpellation Godelle bezüglich Algeriens ver­handelt. Es wurde eine Tagesordnung angenommen, welche das Vertrauen der Kammer tn die Regierung ausdrückt und sich zu Gunsten der Sivil- regterung tn Algerien auSsprtcht. Die Sitzung war eine sehr tumultuarische. Gegen Baudry d'Äffon und Ornano (Bonapartisten) wurden Rügen, gegen Godelle, den Interpellanten, zeitweise Ausschließung wegen beleidigender Aus­drücke gegen den Präsidenten der Republik ausgesprochen.

London, 22. Aprtl. Marquis os Hartington ist in Folge der Be­rufung der Königin heute Nachmittag um 2 Uhr in Windsor eingetroffen.

Bukarest, 22. Aprtl. Das Amtsblatt bringt eine Zusammensetzung der Cadres der Territorialarmee, welche nunmehr aus 30 Dorobanzen- und 12 Kalarvscht'Regtmentern besteht und in 5 Divisionen vertheilt ist. Die Dobrudscha bildet die 5. Division.

London, 23. April. Marquis of Harttngton hatte nach seiner Rück- krhr von Windsor eine längere Unterredung mit Lord Granville und conferfrte sodann mit Gladstone.

Moskau, 22. April. Das hiesige Militärgericht verhandelte gegen 6 politische Verbrecher; es erachtete 3 derselben der Thetlnahme an einer ge- h'tmen Gesellschaft und der Verbreitung verbotener Schriften schuldig und sprach Zwangsarbettsstrafen aus von 8, 6 und 4 Jahren; verurtheilte 2 an­dere Angeklagte wegen Verbreitung verbotener Schrtf.en zu zweimonatlicher und etnmonatltcher Haft und überwies einen Angeklagten behufs Ermittelung seiner Zurechnungsfähigkeit an eine Irrenanstalt. \

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Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 25. April bis 1. Mat besorgt Pfarrer Schlosser.

der Stadtkirche stattfinden soll mit folgender Tagesordnung:

1) Vorlage des Kirchenvorstandes, betreffend Einführung des neuen Gesangbuchs.

2) Jahresbericht des Kirchenvorstandes über den kirchlichen und sittlichen Zustand unserer Gemeinde im Jahre 1879.

Gießen, den 23. April 1880.

Der evangelische Kirchenvorstand.

Dr. Carl Naumann, Pfarrer.

Die Mitglieder der Gemeindevertretung der evangeli­schen Gemeinde Gießen werden hierdurch ergebenst eingeladen zu einer Sitzung, die am

Dienstag den 27. April d. I., Vormittags 11 Uhr,

Kirchliche Anzeigen der evangelischenGemeinderuGießen.

Gottesdienst:

Sonntag, den 25 April.

Morgens: Pfarrer Schlosser Nachmittags: Gymnasiallehrer Stamm.

Sonntag, den 2. Mai, findet Feier des hell Abendmahls statt; die Beichte Samstag, den 1 Mai, Nachmittags 2 Uhr.

Irischbäcker in Gießen.

Sonntag, den 25. April. Georg Spieß, Neustadt. Friedrich Hennings, Seltersweg. Ernst Wallenfels, Wallthor.

Lokales.

,r, Gießen, 23. April. In Bezug auf die Einweihung der Aula können wir nunmehr nachstehende zuverlässige Mittheilungen machen

Seine Königliche Hoheit der Großherzog wird um 11 Uhr 43 Min. dahier eintreffen uno auf dem Perron von den Herren Provinzial-Director Dr. Boekmann und ourgetmeitttt Vramm empfangen werden. Hierauf wirb Seine Königliche Hoheit nach der Lula fahren, an deren Eingang er von dem Herrn Rector begrüßt werden wird. Nachdem letzterer sodann die Festrede gehalten hat, wird sich eine Besichtigung der Aula und des Justiz, gcbaudes anschließen. Um 2 Uhr wird Hoftasel im neu hergesteüten Saale des Gasthauses zum Einhorn" stattfinden, zu welcher die Herren Rectoren von Marburg und Gießen, die Mit- gucder des engeren Senates und Decane und außerdem noch die Herren Provinzial - Director Dr. Boekmann, Landgerichts-Präsident Knorr, Oberst v. Westernhagen, Bürgermeister

Urnb Baurath Holzapfel geladen sind. Am Abend wird sich Seine Köniql. Hoheit nach Darmstadt zurückbegeben, da der auf den folgenden Tag fallende Geburtstag der höchst seeligen Großherzogin Alice die Betheillgung an dem Festcommerse unmöglich macht.

c k ?*N, 23. Das Hauptsteueramt scheint nun doch in das Arresthausgebäude auf der Untversttatsstraße verlegt zu werben. Wie aus einer im heutigen Blatte enthaltenen Bekanntmachung Großh. Kretsbauarnts zu ersehen ist, werden die diesbezüglichen Arbeiten zur Einrichtung der Bureaulokalttäten und Veränderungen an der hohen Mauer in Submission aus­geschrieben. Für den Verkehr in unserer Stadt ist dieses nur zu begrüßen, abgesehen davon, bah für den Fremden die hohe Mauer einen gerade nicht einladenden Anblick bietet Wenn nur auch das gegenüberliegende Monstrum, die Treppe vor dem Anatomieaebäude, glücklich be­seitigt wäre. °

2wei junge Leute (Studenten), welche heute Nacht ihre Fäuste an den Läden der Ricker schen Buchhandlung probirten, wurden bei dieser nützlichen Beschäftigung abgefaßt. Jhr Einladung, die Schutzleute möchten sie heute Morgen an den Bahnhof begleiten, damit sie dorten ihren Eltern vorgesteüt würden, werden die auf solche Art Eingelaoenen jedenfalls nickt Folge leisten.

In Cid) ertrank am Dienstag Abend ein Kind in einer Pfuhlgrube.

Vermischtes.

Wetzlar, 21. April. Die Ausstellung war heute am 10-Pfenniqtag. ohne die Abonnenten, von 3038 Personen besucht.

Darmstadt, 22. April. Die Blatternepidemie in Abenheim, Kreis Worms, hat tn den letzten Tagen eine stärkere Verbreitung erfahren. Unter den neuerdings daselbst Erkrankten befanden sich 5 Frauenspersonen, welche in der dortigen Lumpenschneiderei mit dem Sortiren und Zerschneiden von Lumpen, und zwar in einem und demselben Arbeitßsaale beschäftigt ge­wesen waren. Alle waren an dem gleichen Tage von der Krankheit befallen worden, ein Um­stand. der auf eine für alle gemeinschaftliche Ansteckungsursache Hinweisen mußte. Da nun ein Verkehr mit einem der im Orte vorhandenen, genügend abgesperrten Blatternkranken ausge­schlossen werden mußte, so durfte der Verdacht nur allzu begründet sein, daß die Jnfection tn der fraglichen Fabrik, und zwar durä) daselbst verarbeitete Lumpen statthatte, von welchen eine große Partbie auch wirklich aus Marseille bezogen worden war, in welcher Stadt, den amt­lichen Veröffentlichungen zufolge, Blattern seit Jahresfrist zicmliä) verbreitet herrschen; es sind daselbst tm Jahre 1879 von 10,327 Verstorbenen 509, und im ersten Quartal des laufenden Jahres von 3632 Verstorbenen 264 dieser Krankheit erlegen. (D. Z.)

Darmstadt, 22. April. Vom 10. bis 20. April ist in den Recurrenshospitälern Zu Gießen ein Kranker ausgenommen worden; genesen entlassen wurden daselbst 7, und es blieben darnach in Behandlung 7 (6 M., 1 W.). Auch im R.currenshospttale zu Friedberg fand tm gleichen zehntägigen Zeiträume die Aufnahme nur eines Kranken statt; geheilt abge­gangen sind 5, und in Behandlung verblieben 7. (<$. H )

Em romantischer Selbstmord wird vom 1. v. M. aus Fitzroy in Australien gemeldet: Em Junge von 15 Jahren, Namens Brace, verliebte sich in ein drei Jahre jüngeres Mädchen, Rosa Cootes. Das Pärchen zankte sich und die junge Dame bedeutete ihrem Anbeter wohl tm Scherze sich um's Leben zu bringen. Unglücklicherweise faßte dieser die Bemerkung ernst auf, verschaffte sich Cyancalium was ihm als Gehülfe eines Photographen keine Schwierig­keit machte -- verschluckte dasselbe und legte sich hierauf dem Hause seiner Geliebten gegenüber auf die Straße, wo er Sonntag Nachts sterbend aufgefunden wurde. Kurz darauf verschied er. An seinem Handgelenk war folgender Brief befestigt:Febr. 20. 188'.». Meine theuerste Rosa! Wenn Dir dieser Brief zukommt, werde ich Deinen Befehl, mich um's Leben zu bringen, getreulich ausgeführt haben. Du haßtest mich und ich liebte Dich. Ich verbleibe noch immer der Deinige. W. H. Brace."

DerRhein. Cour." enthält in Nr. 81 im Jnseratentheil folgenden Collectiv- Heirathsantrag: Zehn wein- und bier-ehrliche Junggesellen von erfreulichem Aeußeren, gut besteuert und geaicht, militärfrei und fromm (meist Landsturm) in dem angenehmen Gesammr- alter von 366 Jahren (Durchschnitt 36,6) mit dem artigen Bruttogewicht von zusammen 1666 Pfund tm Schatten (Durchschnitt 166,6) offeriren, um den ewigen Nachfragen aus ."em Wege zu gehen und endlich damit zu räumen, ihre verpflegungsbedürftige Herzen den heirathslustigcn Damen der Provinz. Damen, Jungfrauen oder Witiwen, welche sich bei diesem Unternehmen zu bctheiligen wünschen, werden gebeten, ibre Aoressen mit photographischer Berücksichtigung ihrer äußeren Vorzüge einzusenden. Es steht den Damen jedoch frei, falls sie wollen, die Herren zu jeder Zeit persönlich in Augenschein zu nehmen, da dieselben täglich in den Stunden 10 bis 12 Uhr Abends in dem Ausstellungsbureau bei Illumination in natur­getreuen Abbildungen hmter Glas und Rahmen zu sehen sind. Collectivanträge sind sehr erwünscht, übersteigt jedoch die Nachfrage bas Angebot, so sind die Herren auch bereit, sich einzeln im Wege der «Lubmission vergeben zu lassen Offerten bittet man unter Chiffre I. N. V. I. N. O. an die Expedition dieser Zeitung gelangen zu lassen, wo auch das Ausstellungsbureau zu erfahren. Discretion ist selbstverständlich Nebensache.

NB. Es wird seitens der Herren mehr auf gute Behandlung als hohe« Salair gesehen.

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