brecher sollen noch nicht verhaftet fein. Der Besitzer deS Gutes, wo die Scheune gelegen ist, erschoß sich; ein Sohn desselben ist schon früher nach Sibirien verbannt, ein anderer nach diesen Vorfällen verschwunden.
London, 21. December. Die „Times" schreibt, wenn die Großmächte im Stande seien, sich über den Plan eines Schtedsgertchis zu verständigen und die Türket Willens sei, den Urthetlsspruch als bindend anzusehen, werde es nothwendtg sein, Griechenland auf das Nachdrücklichste vorzustellen, daß es dem Frieden Europas nicht hinderlich sein dürfe. Wenn Griechenland das Project vereitle, werde es aufhören, die Sympathien und den Schutz Europas zu verdienen. _
Petersburg, 21. Decbr. Nachrichten aus Moskau zufolge soll am 20. d. abermals ein wenn auch unerheblicher Studentenauflauf stattgefunden haben. — Gerüchtweise verlautet, General SkobeUff habe durch Cavallerte unter dem Oberst Nowrozky nach heftigem Kampfe Kelat Nadtt in der Nacht auf den 10. d. besetzt, den hartnäckig sich verthetdigenden Tekinzen eine schwere Niederlage beigebracht und mehrere tausend Schafe und Hornvieh, sowie viele Gewehre erbeutet. Von Merv seien Truppen mit Artillerie im Anmarsch, um den Trktnzen zu helfen. — Nach einer Meldung aus Tiflis vom 20. ds. seien die an der russisch-persischen Grenze concentrtrten russischen Truppen nach ihren Stabsquartieren entlasten worden.
L o k <r l e S.
Gießen, 22. December. Gegenüber dem ekelhaften Treiben, welches gegenwärtig aus der Reichshauptstadt gegen die Juden geführt wird und welches so krasse Scenen gezeitigt ha!, wie sic letzten Freitag Abends in den Reichshallen zu Berlin sich abgespielt haben, wo jüdische Mitbürger geprügelt und zur Thüre hinausgeworfen wurden, verdient eure Bekanntmachung Großh. Hess. Ministeriums in Nr. 10 des Regierungsblattes vom Jahre 1819 zu reproduc-ren:
Polizeiwidrige Angriffe gegen ISracUten betreffend.
Eine schmerzliche Erfahrung hat gelehrt, daß die unwürdigen und strafbaren Unternehmungen, welche sich der Pöbel in einem deutschen Orte gegen die Rechtssicherheit der Israeliten erlaubt hat, als ein ansteckendes Beispiel auch auf andere deutsche Orte zu wirken vermochte, so wenig man auch dieses in einem Zeitalter hätte erwarten solleri, in welchen! man mit Ausklärung und liberalen Gesinnungen so gerne zu prunken pflegt. , , ,.or ,
In dem Umfange des Großherzogthums haben zwar bisher nur noch wenige und unbedeutende Unordnungen dieser Art stattgefunden und bei den stattgefundenen hat man die angenehme Bemerkung zu machen Gelegenheit gehabt, daß kein solider, rechtlicher Bürger und kein achtbarer Familienvater Antheil genommen hat; es bleibt aber immer heilige Pflicht der höchsten Staatsregierung durch kräftige Maßregeln dem ferneren Entstehen aller solcher Unordnungen vorzubeugen und dadurch den Schutz der Rechte zu bewähren, auf welchen jeder Angehörige des Staates, ohne Unterschied der Religion und des Standes, gleichen Anspruch hat.
Aus dieser Rücksicht haben Seine Königliche Hoheit der Großherzog gnadigst zu verordnen geruht, daß in Zukunft für jeden Schaden, welcher den Israeliten bei Zusammenrottungen und Aufläufen zugefügt werden würden, die Gemeinden, vorbehältlich ihres Rückgriffs gegen d>e Schuldigen, verantwortlich sein sollen
Indem man diese Allerhöchste Entschließung hierdurch zur Kenntmß des Publikums bringt, bemerkt man zugleich, daß man auch ferner darauf vorzüglich rechne, daß die Familienväter fortfahren werden, ihre Hausangehörigen, Kinder, Untergebenen und Dienstboten auf das Unvernünftige und Verächtliche solcher Ausbrüche des Haffes oder eines gefährlichen Muthwillens aufmerksam zu machen, und man glaubt, daß der vernünftigere Theil des Publikums in jener Entschließung ein kräftiges Mittel zur Unterstützung der häuslichen Zucht erkennen werde, indem nunmehr auch der Unbesonnenste begreifen lernen wird, daß die nachtheiligen Folgen der Störung der öffentlichen Ordnung nicht die ausgcwählten Opfer treffen, sondern vielmehr auf ihn selbst und auf Diejenigen zurückfallen würden, mit welchen er innig verbunden ist.
Darmstadt, den 4. September 1819.
Aus besonderem Allerhöchsten Auftrage: Großherzogliches Hessisches Geheimes Staats-Ministerium, v. Grolman. v. Wreden. Freiherr v. Gruben.
vdt. Stumpfs.
— Der so hoch geschätzte Director der hiesigen Entbindungsanstalt Herr Professor vr. Kehrer hat einen Ruf nach Heidelberg erhalten und denselben, wie uns von glaubwürdiger Seite mitgetheilt wird, auch angenommen. Unsere Universität würde durch den Wegzug dieses ausgezeichneten Lehrers einen ganz empfindlichen Verlust C1Ieib‘n®fctien, 22. December. Nachdem die Lahn im Laufe des gestrigen Tages noch 6 cm. gestiegen war und eine Pegelhöhe von 5,11 "r. erreicht hatte, ging der Wasser- stand in verflossener Nacht 14 cm. zurück. In der Stadt selbst stieg das Watser von gestern früh bis heute früh 10 cm.
*) Wir haben absichtlich keinen Bericht über das höchst gemeine Verfahren in oben berührter Versammlung gebracht, weil wir glaubten dem größten Theile unserer Leser den ($M ersparen zu sollen, welchen man empsindet, wenn man als Deutscher im Jahre des Heils 1880 solche Scenen erleben muß. D. R.
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Mr. 300 Mic-r. DonnerstaMden 23 December
1880.
Kießener "Anzeiger
ASM. Mb MÄlatt str btn Kreis Gichci.
Nedactionsbureau r
Expevitiorrsbureau:
Schulstraße B. 18.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh,u Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
Amtlicher Hheit.
Gießen, am 21. December 1880.
oder der Anzeige, daß keine solche Kinder vorhanden sind.
Dr. Boekmann.
Betreffend: Die Ausführung des Gesetzes vom 10. September 1878 über den Schutz der in fremde Pflege gegebenen Kinder unter 6 Jahren.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die GroßherzogliHen Bürgermeistereien des Kreises.
Wir erinnern Diejenigen, welche noch im Rückstand sind, an die alsbaldige Einsendung der Ueberwachungsbogen betreffs der oben bemerkten Kinder,
Statten.
Nom, 20. Decbr. Menotti Garibaldi erklärt in einer Zuschrift an das Journal „Capital?", er habe Niemanden ermächtigt, in seinem Namen mit der griechischen Regierung zu unterhandeln.
Afrika.
Algier, 20. Decbr. Die Gerüchte von Concentrationen französischer Truppen an der tunesischen Grenze werden auf's Neue formell für unrichtig erklärt; nur eine Compagnie Genietruppen sei zur Ausführung von Kasernen- arbeiten nach Soukahars gesendet worden. Ebenso unrichtig sei die Nachricht von einer schweren Erkrankung des B-Y von Tunis.
Telegraphische Depeschen.
Wagner» telegr. Correfpou-enz-Bure an.
Berlin, 21. Decbr. Der „Rcichs°Anz." meldet: Der Kaiser hat den Staatsmtnister v- Bötticher mit der Stellvertretung des Reichskanzlers in der Leitung der R'eichsbank beauftragt.
— Die „Nordd. Allg. Ztg." sagt, die fortschrittliche Pr.fse insinuire, daß die antisemitische Bewegung sammt allen ihren Ausschreitungen Seitens der Staatsregierung heimlich begünstigt werde. Ein Judicium für diese frivole Insinuation wolle man darin finden, daß die Volksversammlung in den Reichs« hallen vom 17. December trotz ihres stürmischen Charakiers nicht polizeilich aufgelöst worden ist. Die Regierung mißbillige Ausschreitungen, wie sie in erwähnter Versammlung vorgekommen, auf's Stärkste. Sei sie deshalb aber berechtigt, alle antisemitischen Versammlungen zu verbieten oder Versammlungen , sobald sie stürmisch werden, aufzulösen? Man möge nur einen Antrag tm Landtage einbringen, um das Recht der Volksversammlungen zu beschränken und die Aufsicht schärfer zu handhaben. Die Regierung werde denselben in Erwägung ziehen. Nur verlange man nicht, daß der Schutz der Polizei bloö für die Fortschrittspartei und deren Cltcntele in Wirksamkeit trete.
— Wie die „Nordd. Allg. Ztg." berichtet, legte in der heute auf 12 Uhr festgesetzten Plenarsitzung des Bundesraths der Vorsitzende, Staatsmintster v. Bötticher, den Entwurf eines Gesetzes wegen Feststellung des Reichshaushaltsetats für 1881—82 vor, sowie den Entwurf des Gesetzes wegen Aufnahme einer Anleihe für Zwecke der Verwaltungen der Post, Marine und des Krtegsheeres, welche an den Ausschuß für Rechnungswesen gebracht werden. Die Vorlage, betr. den Abschluß eines Consularvertrages mit Griechenland, wurde dem vierten Ausschuß-überwiesen. Die beiden Gesetzentwürfe, Erhebung von Reichsstempelabgaben und Erhebung von Brausteuer betr., b-dürfen nur der Correctur in betreff der Zeitbestimmung.
London, 21 Decbr. Ein Pächter Namens Muller wurde gestern Abend von sechs Männern nahe bei Ballinrobe (Irland) erschaffen. Die Attentäter sind entkommen. Die Motive zur That werden einem Streite über Land zuqeschrieben.
New »Bork, 21. December. Eine große Getreidehändler- Firma in Chicago Hal ihre Zahlungen eingestellt. Die Passiva betragen 600,000 Doll. Diesem Falliment wird die Baisie der Waizenpreise zugeschrieben. Die Firma soll gestern über eine Million BushelS auf den Markt geworfen haben. Einige kleinere Fallimente folgten.
Madrid, 21. Decbr. Die Regierung hat beschloffen, von Fremden, welche nach Spanten kommen wollen, Päffe zu verlangen.
Paris, 21. Decbr. Im Senat fragte Buffet die Regierung über die Wegnahme der Cructfixe und anderer religiöser Embleme aus den Pariser Schulräumen. Minister Ferry antwortete, diese Entfernung sei erfolgt, um die Laictsirung der Schulen und den Charakter der Neutraltkät dieser Latenschulen au vervollständigen. Zwei Agenten, welche ihre Instructionen verletzt n, seien bestraft worden. Senator Larcinty bildet die Frage zu einer Interpellation um und wurde die von Roztöre» beantragte Tagesordnung, welche lautet: der Senat spricht sein Bedauern aus über den Act, welcher Anlaß gegeben zu der Interpellation, mit 159 gegen 85 Stimmen angenommen.
Petersburg, 21. Decbr. „Herold" meldet aus Orechow: Einige Werst von Station Slawgorod der Losowo-Sebastopoler Eisenbahn entdeckte die Polizei in einer Scheune, dicht an der Eisenbahn gelegen, einen frisch^gegrabenen Tunnel kurz vor der Heimreise des Kaisers auS Livadta. Die Der-


