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Mr. 222. Donnerstag den 23. September isso.
Kießener WiMger
Ayeige- mi> Amtsblatt für den Kreis Gieße».
Erscheint tLgttch mit Ausnahme deL MvNts-O
!«chulstraß-v. 18.
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Gießener Anzeiger.
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Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, den Anzeiger auch im IV. Quartal 1880 zusenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lasten.
Wir bitten die neuen Abonnenten, namentlich auswärtige, ihre Bestellungen balvgefälligst aufgeben zu wollen, um vollzählige
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Bekanntmachung.
Betreffend: Wiesenverbcsserung zu Burkhardsfelden.
Bei der am 16. l. M. vorgcnommenen Abstimmung über die Ausführung eines WiefenverbefferungSplanes in Flur I und « der Gemarkung Burkhardsfelden (s. unsere Bekanntmachung vom 28. Juli l. I. Anzeiger Nr. 178) haben von v-n 107 Betheiltgten mit einem Flächen- gehalt der in Betracht kommenden Wiesen von im Ganzen 101950 qm nur 34 Personen mit einem Flächengehalte von 34040 dagegen gestimmt.
Wir bringen daher auf Grund des Art. 34 des Wiesenculturgesetzes vom 7. Oclober 1830 (Reg.-Bl. S. 365) zur öffentlichen Kenntniß, daß nach dem oben angegebenen Resultate der Abstimmung die Ausführung des ganzen Planes beschlossen worden ist.
Wir fügen noch an, daß der Plan nebst technischem Gutachten, Kostenüberschlag, der Liste der Ltimmberechtigten, dem Abstimmungsprotokolle und der Zähllistc bis zum 30. I. M- zur Einsicht der Bctheiligten auf dem Großh. Bürgermeisterei-Bureau zu Burkhardsfelden offen liegen, und daß etwaige Reclamationen bis zu dem genannten Tage bei Metdung späterer Richtberücksichtigung schriftlich bet uns einzureichcn sind-
Gießen, am 18. September 1880. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
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Die franzöfifche Minifterkrists.
Deutschland betrachtet Veränderungen im französischen Ministerium, wie in der Diplomatie der Republik durch seine eigene Brille. Die Namen Waddington, Graf St. Ballier, Freycinet wurden niemals von den Leitern unserer Politik in ihrer Bedeutung für die innere französische Politik geprüft, sondern in Bezug auf die Beziehungen Frankreichs zu Deutschland. Mit Reckt tritt eine solche Prüfung auch jetzt bet dem Abgänge Frcycinet's in den Vorder- gründ, denn es wird mit dem Rücktritte des besonnenen „Ingenieurs" nicht die uns zwar nicht gleichgültige, aber höchstens intereffante Frage der Ausführung der Märzdrkrete entschieden, welche man mit unseren Maigesetzen vergleichen könnte, sondern das Svstem, welches unter Andrängen Gambetta's in Frankreich siegt, hat eine weitgehendere Bedeutung. Es ist die Concesston an den Radikalismus, es ist die begründete Voraussicht, daß der Chauvinismus gestärkt wird, welche in Deutschland Bcsorgniß erregen muß.
Der Schlußeindruck der Ministerkrisis ist der, daß die eigentlichen Differenzen zwischen Fr-ycinet und Gambetta nicht in der Congregationen- Frage, sondern tn der äußeren Politik liegen. Frankreich hatte unter Grevy bisher große Mäßigung in auswärtigen Fragen gezeigt; es hatte die französisch russische Allianz zurückgewiesen, es hatte die acttve Einmischung in die griechische Frage durch Absendung von 60 französischen Officieren nach Athen nicht gebilligt. Neuerdings hatte Frankreich in der orientalischen Politik allerlei Zögerungen und Bedenken entwickelt; es ist gleichzeitig tn Tunis und sein tn der Südsee in Actionen und Annexionen etngetreten, die Deutschland kaum gleichgültig sein können. Etwaige weitere Pläne der französischen Actionsfreunde entziehen sich noch profanen Blicken, aber Deutschland hat, zumal die französisch-englisch-russische Jntcreffen-Gemeinschast eifrig betont wird, alle Ursache, auf seiner Huth zu sein.
Freycinet ist zu sehr Diplomat, um sich mit voller Offenheit auszusprechen ; er bat nur seine Demission anzunehmen, weil zwischen ihm und mehreren College« Verschiedenheiten der Ansichten herrschen, die nicht gestatten, daß selbst um den Preis gegenseitiger Zugeständnisse ein Einvernehmen sich aufrecht erhalten ließe. Bezögen sich diese Differenzen nur auf die innere Politik der Republik, so gingen sie uns nichts an; da sie aber auch die auswärtige Politik anzugehen scheinen, da sowohl Gambetta, als die ihm nahe- stehenden Radikalen deutschfeindlicher sind als Freycinet, als Grevy, so wird die Bedeutung des Abgangs Freycinet's sich bald offenbaren; die deutsche Diplomatie dürfte sich gerade nicht als Freundin eines Versteckspiels zeigen, bei welchem Frankreich im Trüben zu fischen gedenkt.
Deutschland.
Darmstadt, 21. Septbr. Der hessiscke Parteitag war von 34 Orten besucht und ist glänzend verlaufen. Die Kasseler Resolutionen wurden angenommen. Näherer Bericht in folgender Nummer.
Berlin, 21. Sept. Sämmtliche Blätter beurtheilen Freycinet's Sturz sehr ernst. Die „Nationalztg." meint, gleichviel welches die Motive des ausgebrochenen Conflicts gewesen find, eine Folge desselben scheint schon tn naher Zett an'S Tageslicht treten zu müssen. Die Stellung, welche Gambetta gegen
wärtig einntmmt, wird nicht mehr haltbar sein. Die Franzosen werden es auf die Dauer nicht ertragen, daß ein unverantwortlicher Kammerpräsindent Minister ab- und einsetzt. Gambetta wird entweder heraustreten müssen in eine verantwortliche Stellung oder auf den Einfluß Verzicht leisten, den er bisher auf das politische Leben Frankretcks ausübt. Ob erstere nicht seinen Plänen zuwiderläuft, ob es ihm vortheilhaft sein wird, aus seinem bisherigen Zwielicht in hellste Sonnenbeleuchtung zu treten, ist uns sehr zweifelhaft. Es scheint vielmehr, als ob er sich selbst geschadet, indem er schon jetzt den Zeitpunkt herbeigcführt hat, wo er Hoffnungen, welche stck an seine Person geknüpft haben, erfüllen oder gründlich enttäuschen muß. Den Sieg, welchen er gestern erfochten, sehen wir noch nicht als einen endgiltigen an, aber wir dürfen es aussprechen, daß er dem Ansehen der Republik nach Innen und Außen einen schweren Stoß versetzt hat. Die Cbanccn einer ruhigen Entwickelung Frank- reichs werden tn zunehmend raschem Tempo verbraucht und wenn dies die Signatur ist, unter welcher Gambetta die Herrschaft übernehmen soll, so wäre tn der That der Zeitpunkt sehr nahe. m „ inv
— Aus dem Elsaß wird mitgetheilt, daß die dortigen Bezirksprästdenten angewiesen worden sind, aus Frankreich herüberkommende Jesuiten sofort des Landes zu vrrwettcn. r „
— Die Bolle'sche Dampskalesche scheint allgemein großen Anklang zu finden. Es sind nämlich an den landwtrthschastlichen Minister Dr. Lucius Seitens einiger Landwirthe und Grundbesitzer Eingaben gerichtet worden, in welchen die Bitt« ansgesprochen wird, den Bolle'schen Dampfwagen prüfen zu laffen und im Falle er sich bewährt, baldthunlichst ein Gesetz einbringen zu wollen, damit der öffentliche Betrieb gestattet werde. Es wird in dem Gesuch ausgeführt, daß der Landwtrth für den Transport ein Gefährt gebrauche, welches nicht zu theuer kommt und daß es scheine, daß der Bolle'sche Dampf- Wagen ein solches Gefährt sei.
Düsseldorf, 20. Septbr. Der vierte Congreß des Ccntralverbandes deutscher Industriellen nahm einstimmig eine Resolution an für den Zollanschluß Hamburgs und Bremens unter der Voraussetzung, daß die im Jntereffe einer geordneten Verwaltung erforderlichen Zollcontrolen auf das möglichst niedrige Maß beschränkt würden und die Reichsregierung Alles aufbiete, um die beiden Handels-Emporien im wahren Sinne des Wortes zu nationalen Häsen umzugestalten und mit allen Handelshäfen Englands und des Conti- nentes concurrenzsähig zu machen.
Kossand.
Haag, 20. Septbr. Der König hat heut- die S-sston der General. Staaten eröffnet. In der Thronrede wird auf die freundschaftlichen Beziehungen zu den auswärtigen Mächten hingewiesen. Industrie und Handel hätten sich ein wenig gehoben. Die Landwtrthschaft stehe in Blut he, da die Ernte im Allgemeinen sehr günstig ausfalle. Die Lungenseuche des Viehes habe nahezu aufgkhört- Der Ertrag aus den Steuern habe sich erhöht; doch set immerhin eine wettere Verstärkung der Einnahmen erforderlich. Es werden Vorlagen ang-kündtgt über Miliz und Communalgarde, Vervollständigung der «andesv-rthetdigung und Verbefferung der Canäle. Der der Armee in Atsch,» geleistete Widerstand set noch nicht vollständig überwunden, jedoch die Organs


