Ausgabe 
23.5.1880 Erstes Blatt
 
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Reichsgesetz regelt die Frage, welches tu jedem gegebenen Falle die unter» stützungspflichtige Gemeinde |ei, nöthigenfalls durch die Entscheidung einer dafür eigens eingesetzten Behörde. Nur ausnahmsweise und vorübergehend kann ein Mensch in die Lage kommen, den ersten Besten ansprechen zu müssen, damit er nicht verhungere oder erfriere. In der Regel ist vorauszusetzen, daß der Bettler in Wahrheit kein Almosen braucht. Gibt man es ihm trotzdem, so ermuthigt man ihn, fortzufahren in dem Versuch, ohne Arbeit und auf Kosten Anderer zu leben. Selbst in den hilfsbedürftigsten Fällen ist die Armenpflege eines Ortes zur Hilfe eingerichtet, oder muß es werden zur Erreichung ihrer eigenen Zwecke.

Die Selbsthilfe der Bevölkerung gegen den Bettel durch zweckmäßige Vereine ist am besten in Schleswig-Holstein durchgeführt, und man sollte dieser Provinz überall in Deutschland nachstreben. Um die Bettelplage zu ver­mindern, müssen Mitleid und Menschenliebe nicht allein wirken, sondern sich in Verbänden vereinen und an die geordnete amtliche Arbeit anschließen.

Deutschland.

Berlin, 20. Mai. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Ueberfüllung überseeischer Dampfer, wie sie jetzt den englischen und deutschen Linien zur Last gelegt wird, ein arger Mißbrauch ist und es ist erfreulich, daß die deutsche Regierung durch den New-Aorker Generalconsul Dr. Schu­macher Anlaß genommen hat zu erklären, daß sie derartige Zusammen- Pfropfungen von Passagieren nicht dulden werde. Denn die Gefahr ist eine doppelte. Sie bedroht nicht nur die Passagiere bei glücklicher Fahrt mit Krankheit, sondern sie vermindert auch die Möglichkeit der Rettung im Un­glücksfalle, wenn die Boote nicht ausreichen und die Kopflosigkeit wächst. Im amerikanischen Kongresse liegt von dem deutschen Repräsentanten, Herrn Deustor, eben ein Gesetzentwurf vor, welcher die bereits bestehenden Vor­schriften über den jedem Passagier zu gewährenden Cubikraum von den Segel­schiffen auch auf Dampfer ausgedehnt wissen will. Der Entwurf bestimmt für jeden Uebertretungsfall eine Geldbuße von 50 Dollars. D« nun nach einer eben vorgenommenen Vermessung des Bremer DampfersStraßburg" derselbe 437 Personen mehr an Bord hatte, als er haben sollte, so würde die Strafe 21,850 Dollars betragen haben, wenn das Gesetz schon in Kraft wäre. Daß es angenommen werden wird und zwar sehr schnell, unterliegt keinem Zweifel. Damit aber wäre auch sofort die wünschenswerthe Remedur geschaffen.

Gegenüber diesen New-Korker Nachrichten nehmen nun die verschiedenen Preßorgane unserer Seeplätze die Capttäne der deutschen Schiffe in Schutz. So schreibt dieWeser-Ztg." : Die Depesche aus NewIork, wonach gegen 14 Dampfer wegen Verletzung der Gesetze über die Beförderung von Passa­gieren gerichtlich eingefchrttten und deren Capttäne verhaftet werden sollen, ist allem Anscheine nach eine in etwas sensationeller Form wtedergegebene Nach­richt, die schon seit einiger Zett umgeht, und man wird gut thun, abzuwarten, welchen Erfolg dieses Einschreiten hat. Schon der Umstand, daß nicht ein einzelnes Schiff oder die Schiffe einer Gesellschaft, sondern die Dampfer fast aller größeren transatlantischen Linien desselben Vergehens beschuldigt werden, muß einiges Mißtrauen in die Procedur der amerikanischen Behörden erwecken. Beiläufig sei bemerkt, daß die Depesche trrthümltch den Capitän desRhein" als verhaftet aufführt; daS ist jedenfalls ein Jrrthum. Es wird Capitän Barre vomMain" gemeint sein.

DieHamburg-Altonaer Tribüne" enthält hierüber einen längeren Ar- titel, dem wir Folgendes entnehmen: Ueber die Ueberfüllung oder, wie es in der Depesche heißt, dieVerletzung des Gesetzes, welches die Kopfzahl der Passagiere bestimmt", muß man sich zunächst klar werden! Das Publikum könnte leicht glauben, statt angenommen 1000, würden 1100 Emigranten ein» geschachtelt und die europäischen Behörden ließen dies ganz ungehindert ge­schehen! Letzteres ist nicht der Fall. Vor Abgang der Schiffe müssen den Behörden diePasiagierlisten", worin ganz genau sogar die Namen jedes Kindes eingetragen sind, eingeliefert werden, und die Behörde ersteht klar und deutlich, wie viel Passagiere, Erwachsene und Kinder, auf dem Schiffe sich be» finden! Die gesetzlich erlaubte Anzahl darf aber um auch nur einen Kopf nicht überschritten werden. Schwerlich würde es nun bei vollzähligerMen­schenfracht" ein Captiän wagen, unterwegs Passagiere an Bord zu nehmen, er kann dies auch gar nicht so recht rtskiren, da er selber ja revtdtrt wird, wenigstens befürchten muß, es zu werden, und der Gewinn, der ihm aus solchemMenschenschmuggel" erwachsen könnte, ist für lhn zu gering und zu gefährlicher Natur.

Das Passionsspiel in Oberammergau ist am 17. d. Mts. unter leb- Haftern Beifall vor etwa 6000 Zuschauern in Scene gegangen. Nachmittags mußte in Folge eines heftigen Gewitters die Vorstellung auf eine halbe Stunde unterbrochen werden. Am 18. d. wurde die Vorstellung vor ca. 3000 Zu- schauern wiederholt.

.DieProv.-Corresp." begleitet den von ihr veröffentlichten Gesetz- entwurf über die Abänderung der ktrchenpoltttschen Gesetze mit der Bemerkung, es sei in hohem G ade Wünschenswerth und glücklicherweise auch die wohlbe» gründete Hoffnung vorbanden, daß der ursprüngliche Zweck, welcher zur Ver- tagung des Landtags führte, bei der fortgesetzten Session auch bei einer anderen wichtigen Aufgabe erreicht werde, welche derselben jetzt zufalle. Es handle sich dabei nicht um die Durcharbeitung eines reichen und unbekannten Mate­rials, sondern wesentlich um den Entschluß, der Regierung eine Vollmacht an­zuvertrauen, deren sie bedürfe, um einerseits dem Frieden näher zu kommen, andererseits dem Rechte des Staat- Nichts zu vergeben.

Dresden, 20. Mai. DasDresd. Journal" versichert, daß der Zweck und die Veranlassung der letzten Reise des Königs nach Berlin zu den jüngsten Vorgängen im Bundesrathe und Reichstage in keinerlei Beziehung stehe. Der Besuch des Königs am kaiserlichen Hofe sei eine längst beschlossene Sache gewesen, ehe sich jene Vorgänge ereignet hätten.

Hesserreich.

Wien, 20. Mai. DieWiener Abendpost" meldet: Eine größere Volksmenge rottete sich vor dem Magistratsgebäude in Trawnik zusammen, befreite 19 wegen Excesses verhaftete Bosnier, zertrümmerte die Fenster und bewarf Gensd'armen und Stadt-Patrouillen mit Steinen. Ein Polizeimann wurde verletzt, einer der Excedenten verwundet. Durch Militär wurde alsbald die Ruhe hergestellt. Vier Rädelsführer sind verhaftet.

»elegraphische Depeschen.

Wagner'» relegr. Corresp-uvenr - fttueau.

Berlin, 21. Mai. Der Präsident der Seehandlung, Bitter, ist gestorben.

Athen, 21. Mal. Der König und die Königin sind in Korinth ein­getroffen und von da nach Brindisi abgereist. Der König beglbt sich sodann direct nach Paris und die Königin nach Petersburg. Der seilhertge franzö­sische Gesandte, Tissot, reist morgen nach Konstantinopel, um als Botschafrer an Fourniers Stelle zu treten.

Petersburg, 21. Mai. Mittelst Allerhöchsten Befehls wird dem Stadthauptmann Surow ein vtermonatltcher Urlaub wegen zerrütteter Gesund­heit enheilt; derselbe wird gleichzeitig von feinem gegenwärtigen Amte ent­bunden und fortan dem Ministerium des Innern zugezählt. Der Kaiser hat Surow seinen Dank für die zweijährigen Dienste in dem bisherigen Amte ausgedrückt. , Ein Nachfolger ist noch nicht ernannt.

Berlin, 21. Mai. DieGermania" bespricht die neue ktrchenpolttische Vorlage der Regierung und weist dieselbe vom Standpunkt des Centrums au» zurück. Das Blatt meint: Mit der Fortdauer der Maigesetze werde der Kulturkampf eine bleibende Institution. Wollte die Regierung in der That den Frieden, so mußte sie den Weg der Revision der Gesetze betreten.

Paris, 21. Mai. Präsident Greoy hat heute Vormittag Leon Say empfangen. In dec Versammlung des linken Centrums des Senats wurde heute ein Schreiben Say'S verlesen, worin derselbe die Annahme der Candi- datnr für das Senatspräsidium erklärt. Das linke Centrum entschied sich sodann für Say's Candidatur. Die Linke dagegen nahm mit 22 gegen 19 Stimmen, die mit Say waren, die Candidatur Leroyer's an. Doch wird die Plenarversammlung der Fractionen der Linken des Senats am Montag vermuthlich Say's Candidatur annehmen. In Roubaix bessert sich die Lage mehr und mehr, indem sich die Zahl der strikenden Arbeiter vermindert. Zwei Belgier und ein Holländer sind verhaftet, weil sie die Arbeiter auf­reizten. Die Deputlrtenkammer hat die von der Commission beantragten Zollsätze für Baumwollengarn verworfen.

Freycinet wird morgen der Kammer ein neues Gelbbuch vorlegen, welches fünf Äbtheilungen diplomatischer Schriftstücke umfaßt, wovon zwei der griechischen Grenzsrage, zwei der Anerkennung Rumäniens und eine den Ar­beiten der technischen Commission für die Feststellung der Grenzen der Türkei gewidmet sind. Dem Vernehmen nach wird Geoffroy, ehemaliger Gesandter in Japan, Tissot's Nachfolger in Athen werden. Die für Sonntag zu Ehren des Andenkens der am 23. Mai 1871 erschossenen Commune-Anhänger beabsichtigte Kundgebung wird vermuthlich aufgegeben werden; die ultraradt- kalen Journale rathen an, darauf zu verzichten. Eine heute bet Dufaure gehaltene Versammlung von republikanischen Senatoren nahm eine Resolution an, welche besagt, daß Say ,tm Interesse Frankreichs auf dem Botschafter- posten in London verbleiben müsse. Die Versammlung beschloß ferner, erst nach Zusammenkunft der verschiedenen Seratsgruppen eine Candidaten für das Senats-Präsidium aufzustellen.

Brüssel, 21. Mai. Dumont, suspendirter Bischof von Tournay, richtete ein interessantes Schreiben an dieEiolle Belge", worin er die Hoffnung ausspricht, daß die Katholiken nie mehr die Majorität erhalten, wenn die Geistlichkeit sich in Zukunft jeder Wahlbeeinflussung enthalten wird. Wenn diese Wünsche, fügt er hinzu, verrückt sind, so bin ich wirk­lich verrückt.

Vermischtes.

Langen, 19. Mai. Am zweiten Pfingstfeiertag begab sich eine kiesige Familie mit einem 11jährigen Mädchen nach Dem benachbarten Dreieichenhain auf die Kirchweihe. K.'.uin daselbst angekommen, befiel das Mädchen ein io deftiger Blutsturz, daß es alsbald eine Leiche war. Die hoben Absätze an den Damcnstiefcln haben gestern em Ovfer gefordert. Auf ver Station Louisa stieg gestern eine Dame aus, blieb mit den» Absätze am Trittbrett veS Waggons hängen und fiel mit dem unteren Theil des Gesichts derart auf eine Schien-', daß der Unter­kiefer gebrochen und sie sonst noch schwere Verletzungen davontrug. (N H. V.)

Mainz, 19. Mai. Ein bedauernswcrther Unglücksfall bat sich gestern Abend in einem hiesigen Brauhause ereignet. Ein Braubursche war mit einem offenen Licht in eins der großen Transportfässer gestiegen, um Daffelbe zu reinigen. Plötzlich sin.i oa8 Pech an Der Innenwand des Fasses Feuer und im Nu hatten aber auch schon die Flammen den Brauburschen erfaßt. Derselbe wuroe jämmerlich zugerichtet. Gesicht, Kopf. Arme 2c. wurden dem Burschen, ob­schon er noch genug Geistesgegenwa-.t hatte, schnell aus dem brennenden Faß herauszukriechen, arg verbrannt.

Mainz. Auf dem Rhein, au dem Dampfkrabnen, werden gegenwärtig ganze Schiffs­ladungen rotber Sandsteine, vom Main und Neckar kommend, in andere Schiffe übergeladen, um nach Amerika verladen zu werden. Die Steine werden in den Seehäfen von den Fracht­schiffen als Ballast geladen, so daß die Fracht, dieses Baumaterials kaum nennenswerth ist. Da ein industrielle: Amerikaner einen der bedeutendsten Brüche auf 5 Jahre gepachtet hat, so werden die Verladungen regelmäßig auf die Dauer dieser Zett hier statlfinden.

Aus dem Kreise Kirchhain. Der Steinbrecher Luvw. Schneider von Rüdigheim, welcher als Arbeiter in einem Steinbruch bei Barmen beschäftigt gewesen ist, kam in der Nacht vom Sonnabend zu Pfinastsonntag bei den Seinigen in Rüdigheim an und -war in einem schrecklich verstümmelten Zustande. Die linke Hand war ihm abgerissen, Der Unke Oberschenkel und die Unke Seite waren mit mehreren Wunden bedeckt und die Kleidung war wie ein Sieb durchlöchert. Der Unglückliche will zwischen Kirchhain und der Brückermühle von 3 fremden Personen angehalten und durch einen Schuß so entsetzlich verletzt sein. Daß die Verletzungen von einem Schuß berrühren sollten, ist ganz unglaublich; viel wahrscheinlicher ist, dak her K. Schneider sich sein Unglück selbst zugezogen hat durch Spielerei mit einer Dynamitpatrone, denn auf der Unqlücksstätte fand man außer einzelnen Theilen der abgerissenen Hand noch zwei ganze Dynamit-Patronen. (H. £)

München, 19. Mai. Am Pfingstmontag hatten Ausflügler nach bet ErlangerBerg- kirchweib" anstatt im Eisenbahnwagen auf der Bedachung desselben ihren Platz gewählt, ohne der über die Babn führenden Weqbrücken zu gedenken. Beim Passiren einer solchen unweit vom Fürther Bahnhof stießen sie mit den Köpfen an und erlitten gräßliche Verletzungen. Der Eine, Schreinergeselle Joh. Ritzmann von Fürtb, wurde als Leiche vom Wagen herabgenommen, sein Gefährte, ein Arbeiter aus Nürnberg, Namens Max Schmidt, schwer verletzt in's Kranken­haus geschafft. Bei äußerst kühler Temperatur trat heute Morgen dabier Sedncefall ein, der fast den ganzen Vormittag über anhiclt. Aus Dem Gebirge wird empfindliche KÄte und heftiger Sckneefall gemelvet. Schliemann ist gestern von Athen mit Familie hier etngetroffen. Er begtbt sich zunächst nach Leipzig.

Handel und Verkehr.

Gießen, 22 Mai. Auf Dem heutigen Wochemnarkle kostete: Butter per Pfd. X 0,98 btk^ä 1.10, Hühnereier 2 Stück 90 H, Gänseeier per Stück 10 - 11,3t, Enteneier 1 Stück 56 H. Käsr per Stück 512 Kasematte per Stück 3^, Erbsen 1 Liter 22 H, Linsen 1 Liter 27 H, Tauben vas Paar X 0.600.75, Hübner per Stück X 1.001.3", Hahnen per St. X 120 bis 1.50, Wälsche U6 6-7, Enten per Stück 2.703.00, Kartoffeln per 100 ÄUo x 60, Zwiebeln p. Etr x 2830, Milch per Liter 16 und 18 Ochsenfleisch 68-00 H per Pfd., Kuh- und Rindfleisch 5056 Kalbfleisch 4046 H, Hammelfleisch 66-70 Schweine­fleisch 60 H.

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