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Mx. 220. Dienstae; den 21. September 1880.

Aafkize- Md AMM str des Krris Gieße«.

------------------------------------------------------- ' _ " . ®rei$ vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn, r | Echnlstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. - bic ^zoaen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

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Betreffend: Ausbruch der Lungenseuche unter dem Rindvieh in Trais-Horloff.

Bekanntmachung.

Wir brtnaen na öffentlichen K-nntniß, daß an einer am 15. l. Mts. geschlachteten Kuh des Konrad Bommersheim in TrarS-Horloff Lunaenseuche ^constatirt, und daß vorerst bezüglich der Rindvtehstallungen dieses und seiner Nachbarn Stallsperre angeordnet worden ist.

Gießen, am 18. September 1880. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann---------------------------------------

-------------------------------------------------------" Gießen, am 18. September 1880.

Betreffend: Die Errichtung und Einrichtung der Fortbildungsschulen. ,

Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commission Gießen

an die Schulvorstände des Kreises. x H

Die Schülerverzeichntffe in rubr. Betreff werden Ihnen in Kürz- I- h- zurückgesendet werden- Wir erwarten die Einsendung der noch rückständigen Verzeichnifle unfehlbar innerhalb 8 Tagen.

0 " Dr. Boekmann.---------

Bekannt m a ch u n g.

ESi,b ttamll gut iff.uMch,,, »mt.ij«»ch,. 1.6 M-Ichio- Wadexchf»»! .«« « d. »«-, Ml«, «.ul. Me °-°>-

cession als Dtenstmann mit der Dienstnummer 18 erhalten hat. raufi,«

Gießen, den 20. September 1880. Großherzogliche Polizetverwaltung Gießen-

p __Fresentus.

Deutschlands auswärtige Politik.

Die sog. Enthüllungen des Herrn von Varnbüler erregen mit Un­recht großartiges Aufsehen, denn nicht der Vertraute des deutschen Reichskanz­lers, sondern nur der politische Parteimann, der deutsche Reichstagsabgeordnete seinen Wählern gegenüber, hat ohne Scheu ausgesprochen, was alle Welt weiß- Die Diplomaten mögen bezüglich der geplanten französisch-ruisischen Allianz einen Unterschied machen zwilchen einemFühlen" und einem osficiellen Angebot des gegen Deutschland gerichteten Bündniffes ; der Historiker lhut das nicht und wird es auch in Zukunft nicht thur. Wilhelm Müller jagt in seiner tot Kurzem erschienenen Geschichte der Gegenwart:Fürst Gortschakcff sandte im Monat August einen Agenten nach Paris, um die französische Regie­rung zum Abschluß einis Bündniffes mit Rußland zu bewegen. Aber der Ministr,Präsident Waddington erklärte sich entschieden gegen eine solche aben­teuerliche Politik und machte den Präsidentin dir Republik auf die Gefahren aufmerksam, welche sich für Frankreich aus einem Bündntß mit Rußland erge- bkn wüßten. Grevh und Waddington setzten ihren Willen bei den unierneh- menderen Mitgliedern des Eabinets durch, und der Agent erhielt einen cchschlägllchen Bescheid. Hiervon setzte de französische Regierung die deutsche Diplomatie in Kenntniß."

Die Weltgeschichte macht rasche Schritte. Heute, wo men bereits den Geburtswehen einer französisch-englisch-russischen Allianz, zunächst allerdings nur für den Orient, gegenüberstrht, und Italien allem Anschein nach geneigt ist das deutsch - österreichische Bündniß zu einer mitteleuropäischen Allianz zu vervollständigen, ist es nicht überflüssig, die Eeschichte des Dorjchres kurz zu reccpitulrren. Ende August 1879 befand sich Fürst Bismarck zur Erholung in Gastein, aber Klio vergönnte ihm keine Ruhe. Kuriere kamen und gingen; Fürst Hohenlohe, Cardinal Jaeobint, Andraffy kamen und man sah den, deut­schen Reichskanzler coufcrircn und arbeiten. Auf einmal erinnerte man ait das Wort Bismarck's an Gortschakvff:Zwingen Sic mich nicht, zwischen Jhrnn und Oesterreich zu wählen 1" Die Wahl erfolgte rasch und am 20. Sep- begrüßte die Wiener Bevölkerung enthusiastisch den deuischen Reichs­kanzler in der österreichischen Kaiserstadt. Am 26. September berief Fürst Bismarck in Berlin die Min ster, und am selben Abend reiste Graf Stolberg zum Kaiser Wilhelm nach Baden-Baden, wo auch der deutsche Kronprinz ein­traf. Man sprach von einer Kanzleikrise. Währrnd der Gasteiner Verhand­lungen reiste der Generalfeldmarschall von Manteuffel nach Warschau, und bald daraus beschwichtigte Kaiser Wilhelm den Czaren Alexander in Alexandrowo durch einen Besuch. Der Czar äußerte darauf zu einem russischen General:

Gott sei Dank! Der Krieg ist eine Unmöglichkeit!"

" Man braucht nicht an die Aufregung der Völker, an die Hetzereien der ruMcken Preffe zu denken; so viel stand fest: Die Gefahr des Krieges war vorhanden. Es war auch die Absicht Rußlands vorhanden, sich mit Frankreich zu verbünden, und etwas anderes hat Herr von Varnbüler nicht behaupt. Das ist historisch! - was soll also das viele Geschrei und Geleugne?_______________________

Deutschland.

ßiitfitn 20. Septbr. (V- d- N- u. L-). In der letzten Generalver. samnrlmm des Vereins der nationalen und liberalen Partei zu Gießen wurde hl.örtert wie sich dieser Verein gegenüber der innerhalb der natio- nall^eralen Traktion best hcnden großen Meinungsverschiedenheit zu verhalten Ä.Mit daraus erinnerte der Vorsitzende, Herr Prof. Gareis, ^ das^ustkndUommen und den Zweck dieses Vereins. Jene 600 Männer, welche den Verein vor etwa 3 Jahren schufen, schloffen sich zu keinem anderen

Zwecke aneinander, als um vereint einerseits die Reaction, andererseits die Socialdemokratie zu bekämpfen; die Reactron, die sich durch eine Anzahl von rückschrittlichen Gesetzesvorschlägen in der Preffe, mitunter sogar durch parttku l-ristische Bestrebungen, in Gießen aber durch die ver uchte Aufstellung eines d^ äußersten Rechten angehörenden Reichstags-CanUdaten geltend machen r ollte, sollte bekämpft und die freiheitlichen Errungenschaften sollten als heili- aes Gut außer Kamps gestellt und bewahrt werden, nicht minder aber auch fcer Versuch, unsere Arbeiterbevölkerung durch socialdemokratische Agttatwn von der Bahn des Rechts und der Freiheit abzubringen, mit allen gesetzlichen Mitteln beseitigt werden; zu Letzterem hatten wir in Gießen besondere Ver- anlaffnng dadurch, daß sich die soeialistische Propaganda versuchsweise aus Gießen erstreckte, ein Sccialdeniokrat hier öffentlich redend auftrat und em anderer Socialdemokrat als Reichstags-Cand.dat aufgestellt wurde. Nach diesen beiden Richlungen zu kämpfen und ihnen beiden gegenüber das Be­stehende, den deutschen einheitlichen Rechtsstaat, wie es das Reich und die Bundesstaaten sind, soweit es in den Kräften des einzelnen Staatsbürgers steht, aufrecht zu erhalten und vor den Angriffen von rech^ und links zu schützen dies und nur dies war der Zweck und die Veranlassung des Vereins. Deshalb fanden sich in diesem Verein Männer zusammen, welche verschiedenen Parteirichtungen von vorne herein angehörten, dem rechten m>d dem linken Flügel der Nalionalliberalen, der Fortschrittspartei und> irrm wir nicht, auch den damaligen Freiconservativen. Es ist zweifellos, daß d- Frei conseivativen seit 1878 ihre Stellung verändert haben: nach dem Ausscheiden höchst bedeutender Führer, wie z. B. des Grafen Bethusy-Huc, welche im nationalen und freiheitlichen Sinne wirkten, ist diese Partill stets mehr und mehr in das Schlepptau der äußersten Rechten, der Deutschconservanven aerathen und schließlich gar nicht mehr von ihr zu unterscheiden gewesen. Dies ist aber auch die einzige parlamentarische Veränderung, die Einfluß aus unser politisches Leben in Gießen haben muß; waS unverändert ist, das ist die wcög lichkeit des Zusammenhalts der den verschiedenen liberalen Richtungen huldigenden Mitglieder unseres Vereins, ja die Nothwendigkert. dieses Zusammenhalts. Noch setzt bestehen die beiden Gegner, die wir bekämpfen wollen und muffen, wir alle von der Fortschrittspartei an, diese eingeschloffen, bis zum rechten Flügel der Nationalliberalen; nochjetzt besteht wohl irn Gc- keimen die Agitation der Socialdemokraten und Niemand verkennt, daß die Ä» «»Ä I« HU dl.

rusckaffen wie die Agitation gegen die Ctvilehe und dergl. sind ja bekannt, Lls7bestehen noch di?nämlichen Aufgaben, wie sie bei der Gründung des Vereins bestanden, mithin auch noch die Möglichkeit des Zusammmw . kens jener Männer, welche damals sich einig suhlten in dieser Tendenz, ir, hier in Gießen, in Oberheffen überhaupt, können uns den> «uyi! einer 21) ei lung der Liberalen nicht gestatten; ein Sieg der Reactionären wäre d>e unvermeidliche Folge einer solchen Spaltung; darum möge innerha b des Vereins Jeder seiner nach rechts oder links gehenden MAnung folgen und Ausdruck geben; zum Austritt kann, darf und wird ihn diese Mei,.u g ich führen, wenn er es wirklich gut meint mit der l^ralen Sach-die z erwähnten Aufgabe» einigen uns und werden uns dauernd,e 'tgen > bet den nächsten Reichstagswahlen, welche vielleicht schon im Mai stattflnden werden, wird dann die Richtung, welche bis dahin tatsächlich im Vereine herrschend fein wird, die entscheidende Berücksichtigung zu stnden haben.

Die Auseinandersetzungen des Vorsitzenden fanden allseitigen Beifall und wir möchten dieser Mittheilung die Bitte beifüge», dieselben bei gegenwärtiger Lage der Partei recht zu beherzigen.

»erlitt, 16. Septbr. An sämmtliche preußische Behörden soll streng«.