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Anzeigr- and AmtsM fir dtll Kreis Gießen.
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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlcl)^
Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50
Amtlicher Hheit. Bekanntmachung.
Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat dem Directorium des Albert - Vereins in Dresden (Verein für Krankenpflege im Krieg und Frieden) die Erlaubniß zum Vertrieb von Loosen ä 5 I. für die von ihm veranstaltete und von der Königlich Sächsischen Regierung genehmigte Lotterie von Kunstwerken, im Großherzogthum Hessen erthsilt.
Gießen, am 19. August 1880. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V.:
Dr. Hoffmann, Regierungsrath.
Die Unsicherheit im wirthschaftlichen Leben.
Die Vorbedingung einer gedeihlichen Entwickelung von Handel und Industrie ist die Stetigkeit der Verhältnisse, die Klarheit in der Gesetzgebung und die Ruhe in der Handelspolitik. In Deutschland aber ist mit der Zolltarif- Reform die in Aussicht gestellte Ruhe, der sog. Abschluß der neuen Aera nicht eingetreten. Die Finanz - Experimente dauern fort; das Tabaksmonopol ist nicht vollständig ad acta gelegt; die reine Goldwährung wird wieder in Frage gestellt; neue Gesetze, wie das Wuchergesetz oder die in Aussicht gestellte Beschränkung der Wechselsähtgkeit greifen tief in das Wirthschaftsleben ein, und über die Absichten der Finanzpolittker des Reiches schwirren die sonderbarsten Gerüchte umher. Fast alle unsere Handelsverträge sind abgelaufen oder gekündigt, und die neuen Abkommen mit den fremden Staaten tragen einen provisorischen Charakter, welcher der Entwickelung ständiger Handelsbeziehungen ungünstig ist.
Die Klagen darüber hallen in allen Berichten der Handelskammern wieder, und der für den Osten Deutschlands wichtige Bericht der Stadt Bromberg sagt u. A.: „Der in seinem Erwerbsleben anders gestaltete Norden und Osten Deutschlands hat sich der Segnungen einer natürlichen Besserung der Verhältnisse nur wenig zu erfreuen, weil hier die außerordentlichen Förderungsmittel, wie sie durch die unaufhörliche Umgestaltung der Handels-, Zoll- und Steuer-Politik, der Gewerbegesetzgebung, der Eisenbahn- tarife angestrebt wurden, eine meist entgegengesetzte Wirkung, ganz besonders auf den Handel, übten, ja diesen schon dadurch schädigten, daß sie ihm die für seine Transacttonen nothwendtge Sicherheit nahmen. Dies hatte bet der Wechselwirkung unserer landwtrthschaftltchen, gewerblichen und commerc'ellen Verhältnisse zur Folge, daß auch diejenigen Erwerbszweige stark in Mitleidenschaft gezogen wurden, auf deren Förderung hauptsächlich die wirtschaftspolitischen Reformen berechnet waren."
Im deutschen Osten sehen sich die Landwirthe, der unbewiesenen Behauptung vertrauend, daß Deutschland unter dem Schutze des neu eingesührten Getreidezolles den Bedarf seiner nothwendigsten Lebensmittel selbst decken könne, in ihren Erwartungen getäuscht, obwohl sie für ihre Bodenproducte höhere Preise erzielten als zuvor. Speciell haben der Holzhandel und die Mühlenindustrie gelitten. Im übrigen Deutschland sind die Anfänge der Besserung der Verhältnisse erkennbar, und der Wandlungsproceß nimmt seinen Fortgang; aber zur gesunden Fundirung des Handels gehört eine Aera ruhiger politischer und wtrthschaftltcher Verhältnisse.
Deutschland.
Darmstadt, 19. Aug. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben gestern, als am 10jährigen Erinnerungstage des glorreichen, aber blutigen Schlachttages von St. Privat-Gravelotte, von Seiner Majestät dem Kaiser ein Telegramm erhalten, worin Seiner Königlichen Hoheit und den hessischen Truppen von Neuem die Kaiserliche Anerkennung und Dankbarkeit für die hohen Leistungen an jenem denkwürdigen Tage ausgesprochen wird. Im Anschluß an dieses Telegramm haben Seine Königliche Hoheit der Großherzog folgenden Tagesbefehl erlassen:
„Indem Ich heute an dem zehnten Jahrestage der glorreichen Schlachten von Gravelotte und St. Privat ein die hessische Division in so hohem Grade ehrendes Telegramm Seiner Majestät des Kaisers den Truppen bekannt gebe, kann Ich Mir nicht versagen, denselben auch Meinerseits nochmals so volle Anerkennung und Dankbarkeit für die Tapferkeit, Ausdauer und Hingebung auszusprechen, mit welcher sie in den blutigen Tagen des Augustes 1870 ihrem altbewährten Rufe von Neuem Geltung zu verschaffen und ein weiteres rühm- reiches Blatt ihrer Geschichte einzufügen gewußt haben. Die hohe Auszeichnung, die uns Allen heute durch Seine Majestät zu Thetl geworden, erinnert uns von Neuem daran, wie es Sein erhabenes Beispiel war, was uns an- etserte, und wie es Seine Leitung war, die uns Gelegenheit verschaffte, zu beweisen, daß wir allezeit bereit sind, für unseren Kaiser und das Vaterland Gut und Blut willig htnzugeben.
Indem wir die Hoffnung aussprechen, daß es Gott gefallen möge, Seine Majestät noch lange Jahre zu des Vaterlandes und der Truppen Ehre in un- geschwächter Gesundheit an unserer Spitze zu erhalten, betheuern wir zugleich dem erhabenen Monarchen wiederholt, daß die hessische Division stets bestrebt
sein wird, durch Treue, Tapferkeit und Opferwilligkeit Allerhöchst Seiner Anerkennung auch fernerhin sich würdig zu erweisen.
Als Ausdruck dieser Gesinnung rufen wir an dem heutigen denkwürdigen Tage in freudiger Begeisterung:
„Es lebe unser Heldenkatser." Wolfsgarten, 18. August 1880.
. (gez) Ludwig.
Berlin, 17. August. Die hier erscheinende „Börsenhalle" bringt folgende Mtttheilung: „Wie wir vernehmen, haben im Kriegsmintsterium Erwägungen stattgefunden bezüglich der Abhaltung der bevorstehenden Herbstübungen der Truppen gegenüber den neuerdings stattgehabten Ueberschwemmungen und Mißernten. Wie wir hören, haben diese Erwägungen dahin geführt, daß den Corpscommandos in diesen Tagen die Weisung zugegangen, in denjenigen Fällen, in welchen in solchen Ortschaften, die nach den allgemeinen Frühjahrs- Dispositionen für die Abhaltung der Manöner in Aussicht genommen, die Witterungsverhältniffe eine Mißernte hervorgerufen, die von Nachtheil auf die Verpflegung der Truppen sein könnte, sofern nicht eine Verlegung des Manöverterrains an und für sich möglich, die Verpflegung der Truppen durch die Militärverwaltung selbst zu bewirken; in solchen Fällen aber, wo durch Ueberschwemmungen rc., wie in Schlesien, der Provinz Posen und in Westpreußen, die Terrainverhältnisse zur Abhaltung der Manöver untauglich geworden, die diesjährigen Herbstmanöver gänzlich einzustellen und die Trupperi-Uebungen auf die Regimentsverbände zu beschränken." Hierzu bemerkt die „Danz. Ztg.": „In den Kreisen der hiesigen höheren Militärs ist bis jetzt von einer Aufhebung oder Verlegung des Manövers noch nichts bekannt und man glaubt, daß wenigstens die Brigade-Exercitien wohl noch vor sich gehen werden."
Berlin, 18. August. Durch die Neu- und Nachwahlen zum Reichstage stellen sich die Fraktionsverhältniffe jetzt wie folgt dar: Deutsch - Conser- vative 58 (früher 58), Reichspartei 48 (früher 51), Nationalliberale 85 (früher 83), Liberale Gruppe Schauß-Völk 15 (früher 15), Fortschrittspartei 26 (früher 22), Centrum 101 (früher 100), Polen 14 (früher 14), Socialdemokraten 10 (früher 9), keiner Fraktion angehörig 37 (früher 36, durch die Wahl des VolksparteilerS Payer). Nachwahlen sind zur Zeit drei erforderlich, und zwar in dem 22. Wahlbezirke des Königreichs Sachsen für den Abg. Schmiedel (Reichspartei); in Sachsen-Altenburg für den Abg. Findeisen (Reichspartei) und in Marienwerder-Stuhm für den Abg. Flottwell (cons.)
Köln, 17. August. Die „Köln. Ztg." läßt sich aus Berlin das Folgende schreiben: Der heil. Vater hat am 4. ds. eine allerheiligste Stuhlordre, wie man nach der Analogie von Cabtnetsordre wohl sagen darf, erlassen, durch welche der heil. Thomas von Aquin zum Patron aller katholischen Lehranstalten ernannt wird. Der passus concernens derselben lautet ganz im Style der weltlichen CabinetSbefehle, wie folgt: „Nach Einholung des mit unserer Meinung übereinstimmenden einhelligen Gutachtens unseres heiligen Colleges der Riten ernennen wir Kraft unserer obersten Gewalt zum Ruhm des allmächtigen Gottes und zur Ehre des englischen Doctors, zur Mehrung der Wissenschaften und zu gemeinem Nutzen der menschlichen Gesellschaft den englischen Doctor St. Thomas zum Patron der katholischen Universitäten, Akademien, Lyceen und Schulen und wollen, daß derselbe von Jedermann dafür gehalten, geachtet und verehrt werde; mit dem Bemerken'jedoch, daß auch in Hinkunft nichts geändert werde an der Verehrung derjenigen Heiligen, welche Akademien oder Ltceen zu ihren speciellen Patronen erwählt haben sollten." Da es mit der Gründung einer katholischen Universität in Deutsch, land noch gute Weile hat, so bleibt die Ordre des heil. Vaters bei uns in Preußen ohne praktische Bedeutsamkeit; doch hat dieselbe in mancherlei Hinsicht Interesse. Wer in den sechziger Jahren mit dem Geiste der katholischen Lehranstalten, namentlich in Deutschland, vertraut war, dem fiel es auf — und selbst in den Gymnasial-Convicten konnte man die Beobachtung machen —, wie sehr die Leiter dieser Anstalten darauf hielten, begabteren Zöglingen das Studium des „großen Ochsen" — wie St. Thomas bekanntlich zubenamt ist — als Compendtums aller Theologie und Philosophie zu empfehlen. In der That, wer sich in seinen Thomas eingearbeitet hat und die Prämien desselben annimmt, daß daS Fundament auch der Philosophie die göttliche Offenbarung sein müsse, der ist vor der Gefahr, dem Liberalismus zu verfallen, gefeit; für den ist daS Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit und der obersten Richtergewalt des Papstes in Glaubens- und Sittensachen für die ganze Welt


