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Nr. 69. Erstes Blatt. Sonntag den 21. März 1880.
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Keutschlaud.
Darmstadt, 19. März. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben allergnädigst geruht:
Am 10. März den Generalsecretär des landwirthschaftltchen Vereins zu Wiesbaden, Dr. Adolf Klaas, zum Landescultur-Jnspector für das Groß- herzogthum, mit Wirkung vom 15. April I. Js. an, zu ernennen.
— Seine Königliche Hoheit der Grohherzog haben allergnädigst geruht:
Am 13. März den Lehrer an der Realschule zu Mainz, Prof. Ferdinand Albert, zum Dtrector an der Realschule zu Darmstadt, mit Wirkung vom 1. April 1880 an, zu ernennen;
an dems. Tage den Lehrern an der Realschule zu Darmstadt, Dr. Ludwig Weis und Dr. Ludwig Külp, sowie dem Lehrer an der Realschule zu
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Gießen, Dr. Theodor Tasche, den Charakter als „Professor" zu verleihen.
Berlin, 18 März. Bezüglich des Antrages der Fortschrittspartei auf Vorlage des deutsch-österreichischen Handels-Ueberetnkommens im Reichstage sagt die „Nordd. Allg. Ztg." : Nach Ansicht jenes Antrages erscheine das Abkommen einstweilen ungültig. Jndeß weder die Regierung noch der Bundesrath meinten, daß die verfassungsmäßige Zustimmung des Reichstags erforderlich sei und nahmen vielmehr an, daß das Ueberelnkommen unter die Kategorien der Verträge falle, welche verfassungsmäßig einzugehen dem Kaiser zustehe. Die kaiserlichen Behörden gaben bet dem Abschluß mit Oesterreich ausdrücklich die Absicht kund, das Abkommen nur auf solche Punkte anzuwenden, welche die Zustimmung der gesetzlichen Faktoren nicht bedürfen und trafen eine Auswahl, welche den in der vorjährigen Reichstagssession bet analogen Verhandlungen geäußerten Auffassungen des Reichstags entspreche. Der Bundesrath billigte dies Verfahren und sand gegen den Abschluß nichts -u erinnern. Sollte das Abkommen jetzt noch vorgelegt werden, so würden nicht nur die versaffungsmäßigen Rechte deö Kaisers im Princip wesentlich geschmälert, sondern es würde auch anerkannt, daß deutscherseits im Namen des deutschen Kaisers Oesterreich aus Unkenntniß der deutschen Verfaffung unhaltbare Ver- sprechungen gemacht worden seien. Die Mittheilung des Abkommens tm Ketchstag erscheine jetzt nicht möglich, da man dadurch zum Thetl der kaiserlichen Rechte der Verfaffung eine neue Interpretation gebe, welche außer LaSker imb Genoffen Niemand öffentlich geltend gemacht habe.
Italien.
Rom, 18. März. Die Erklärungen, welche Cairoli gestern in theil- velser Beantwortung der Rede Cavalotti hinsichtlich der Beziehungen zu Oesterreich abgab, lauten offiziell: „Ich kann nicht zugeben, daß die Sitzung in dieser Weise schließe, daß das Land unter dem Elndrucke einer Hypothese bleibe, welche weder in den Thatsachen begründet, noch durch irgendwelche Anzeichen gerechtfertigt erscheint. Cavalotti signalisirte eine Gefahr; ich meinerseits erkläre, daß ich gestern die strenge Wahrheit gesagt habe, sowohl hin- Mich unserer freundschaftlichen Beziehungen zu Oesterreich, wie hinsichtlich der herzlichen und spontanen Kundgebungen, welche uns anläßlich der übrigens weitaus übertriebenen Rüstungen aus Wien zugegangen sind.
Cavalotti, welcher sagte, er wolle sich nickt mit einer gewissen ausländt- [djen Presse beschäftigen, hatte derselbe eine sehr große Ehre erwiesen, indem ti die Feindseligkeiten und Auslassungen weniger Blätter als von einer befreundeten Regierung ausgehend betrachtet, deren Wohlwollen wir würdigen und mit der wir die besten Beziehungen zu unterhalten gedenken. Diese wechsel- sritige Freundschaft hat natürlich ihre Begründung in der Achtung der Verträge, im Pflichtgefühl, kurz, in den hohen Erwägungen, wovon meine Estrigen bestimmten kategorischen Erklärungen dicttrt waren. Cavalotti sagt, wir sollen keine Politik der Furcht machen. Nein I wir wollen eine loyale Politik befolgen, und find gewiß, daß die ungeheure Mehrheit des Landes mit unS ist."
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Nutzland.
Petersburg. Das ganze Souterrain des Winterpalastes in Peters
burg, die Bodenräume, das Dach und alle bewohnten und unbewohnten Räume, auch die Wände und Kamine find untersucht worden und es hat sich herausgesteüt, daß man keinerlei Befürchtungen über neue Attentate daselbst zu hegen braucht, vorausgesetzt natürlich, daß die Wachen ihre Schuldigkeit thun und der alte Schlendrian nicht wieder einreißt, was leicht möglich. Der Kaiser schäft in Folge dessen wieder im Palast, was er seit dem 17. v. Mts. nicht mehr that, wenn auch jede Nacht in einem anderen Zimmer. Das Leben, welches er gegenwärtig führt, ist geradezu bejammernswerth. Ec genießt keine Speisen, die ihm nicht vorgekostet, und keinen Wein, der ihm nicht vorgetrun- ken wird, die Bäder muß der LeibmedicuS untersuchen, und jeden Abend, ehe er sich zur Ruhe begibt, findet sorgfältige Revifion des Schlafraumes und der angrenzenden, darunter und darüber liegenden Zimmer statt. Er ist sehr nervös, will von nichts mehr hören, sogar die Paraden, eine Beschäftigung, der er sonst mit Freuden oblag, machen ihm kein Vergnügen mehr. Die Nichtauslieferunz Hartmanns hat ihn noch mehr verstimmt und gegen die französische Republik, der er bekanntlich niemals sehr grün war, erbittert. Auch auf den Thronfolger soll diese Angelegenheit ihre Wirkung nicht verfehlt und den Rest von Freundschaft für französisches Weseti, der noch in ihm wohnte, vollständig erstickt haben.
Türkei.
Konstantinopel, 18. März. Es heißt, der Mörder des Oberst Kumerau's hätte die That eingestanden; es wurde aber behauptet, derselbe sei irrsinnig. Die Untersuchung dauert fort.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'- telegr. Correfporrdeur' Bnrea«.
Berlin, 19. März. Der Kaiser conferirte gestern Nachmittag mit dem Fürsten Bismarck, ertheilte heute dem rumänischen Ministerpräsidenten Bratiano Audienz und empfing darauf den russischen Mllitärbevollmächtigten Fürsten Dolgorucki. Der Kronprinz empsing gestern Bratiano, welcher den rumänischen Hausorden überbrachte. Abends 9 Uhr wurde das Reichstags- Präsidium von dem Kronprinzen empfangen.
Rom, 19. März. Ueber den Zwischenfall in der gestrigen Kammersitzung wird noch weiter berichtet: Als Präsident Farini sich aus dem Be- rathungssaale nach den Appartements des Präsidium- zurückgezogen hatte, wurden Cairoli, de Pretis, Baccarini, Villa, Crispi, Nicotera, Sella und die Mitglieder des Präsidiums, ausgenommen Farini, zusammenberufen, um über die Mittel zur Begleichung des Vorfalles zu berathen. Man beschloß, Farini zu ersuchen, baß er den Vorsitz wieder übernehme und die Sitzung eröffne. Farini aber weigerte sich, dies zu thun, besonders darum, weil die Linke den Vicepräsidenten Stanttgati, als er den Prästdentenstuhl einnahm, mit Beifall begrüßt hatte, welche Kundgebung Farini als deutliche Mißbilligung seine- Verhaltens Seitens seiner Partei betrachtete. Die Mitglieder des Präsidiums beschlossen hierauf, in die Kammer zurückzukehren und die Sitzung zu schließen. Heute findet abermals eine Berathung der Mitglieder des Präsidiums statt, und hofft man, daß ein Arrangement zu Stande kommt.
— In Folge de- gestrigen Zwischenfalles in der Kammer hat Farini seine Entlassung als Kammerpräsident genommen; wahrscheinlich wird derselbe wiedergewählt. Sella ersuchte in der Versammlung der Rechten die Mitglieder der Partei, an seinerstatt einen neuen Parteichef zu wählen, indem er betonte, er wolle Mitglied der Partei bleiben und nur die Partei von Verantwortung bei der Mahlsteuersrage entbinden, worin er seine Anschauungen nicht ändern könne. Die Versammlung beschloß, keinen neuen Chef zu ernennen und nur Cavalotti bis zur definitiven Entscheidung mit der. Leitung der Parteiarbeiten zu betrauen. Die Versammlung gab auch ihrer Sympathie sür Farini Ausdruck.
— Deputirtenkammer. Vicepräsident verliest ein Schreiben Farini's, worin derselbe seine Demission als Kammerpräsident gibt. Nicotera beantragt, dieselbe nicht anzunehmen. In demselben Sinne sprechen Mancini, Coppino,


