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gottesvienst statt.

Großsüist Nikolaus hat heute, auf der Rückreise von

Der Speisesaal ist stark beschädigt; alle

suchung dauert unausgesetzt fort.

Außer den acht durch die

Fenster find zertrümmert, der Fußboden gehoben.

. , v v , .. ,, ______ - Schatzsecretär Scholz erwidert auf

Richters gestrigen Angriff, der Reichskanzler habe nicht Versprechungen gemacht, son­dern Forderungen gestellt, deren Erfüllung unerläßlich sei. Den Reichskanzler so dar- zustellen, als ob er unerfüllte Versprechungen gemacht, werde fast zur fable convenue. Die zur Durchiührung der Finanz- und Steuerreform verlangten Mittel seien nicht in vollem Umfange gewährt, deshalb könnten auch noch keine Steuererlasse eintreten. Bebel bekämpft die Militärgesettnovelle. Die Discussion wird hieraus geschlossen. Der Antrag Rickerts betr. die geschäftliche Behandlung des Etats (Verweisung einer Reihe von Specialetats an die Budgetcommission) wird mit einem Zusatzantrage Zimmermanns angenommen. Hieraus wird die Sitzung vertagt. Morgen Wahl des zweiten Bicepräsidenlen und mehrere kleinere Vorlagen.

Stuttgart, 19. Februar. Im königlichen Schlosse fand heute aus Anlaß des Atlentates gegen den Kaiser von Rußland ein griechischer Dank«

ten Vicepräsidenten.

Berlin, 18. Februar. Die Nachricht von dem furchtbaren Attentat in Petersburg hat hier in der Stadt in den frühen Morgenstunden eine nicht geringe Aufregung hervorgerufen. Der Kaiser war von der Nachricht sehr erschüttert. Irgendwie neue und genauere Nachrichten waren bis zur Nach­mittagsstunde im kaiserlichen Palais trotz wiederholter Anfragen in Petersburg noch nicht eingetroffen. Auch die russische Botschaft ist ohne nähere Nach­richten. Anfänglich wurde die erste Mtttheilung über das Attentat sogar bezweifelt oder das geschehene Unglück auf eine Gasexplosion zurückgesührt.

Ilrankreich.

Paris, 18. Februar. Das Petersburger Attentat, das diesen Morgen hier durch Extrablätter einiger Zeitungen bekannt wurde, erregt allgemeine Entrüstung. Der Präsident Grevy bezeigte seine Thetlnahme sofort durch ein Telegramm an den Kaiser Alexander und zugleich durch ein Scheiben an den Großfürsten Nikolaus, der augenblicklich in Paris weilt. Der Consetlspräst- dent Freycinet richtete gleichfalls ein Telegramm nach Petersburg und beglück­wünschte den Botschafter Orlow wegen der glücklichen Rettung des Czaren. Auf der russischen Botschaft gaben viele Personen ihre Theilnahme durch Etn- zeichnung ihres Namens kund. Die gesammte Pariser Preffe spricht ihren Abscheu über ein Verbrechen aus, das um so entsetzlicher sei, weil es aus langer Hand vorbereitet scheine. Wie es heißt, wurden in Petersburg zwei Verhaftungen vorgenommen, und glaubt man, die Urheber des Attentates ent­deckt zu haben. Morgen findet tn der russischen Kapelle in der Rue Daru ein Dankgottesdienst statt. Laut Depeschen, die hier heute aus Petersburg einirafen, sind wichtige Eretgniffe zu erwarten; man scheint entschlossen zu fein, noch strenger als bisher vorzugehen.

Spanien.

Madrid, 18. Februar. Die Gegend von Alcala, Zamora und Caro- que in Leon leidet an großen Ueberschwemmungen. Ein Theil der Eisenbahnen in Leon, Asturien und Galizien steht unter Wasser. Im Biscayiscken Meere wüthen arge Stürme; im Hafen von Bilbao sind gegen 150 Kauffahr­teischiffe zurückgehalten.

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Explosion sofort zerschmetterten Soldaten sind noch zwei tobte Soldaten unter den Trümmern gefunden. Von den 45 Verwundeten sind inzwischen mehrere gestorben.

Petersburg, 19. Februar. Ofsiciell. Am 17. ds. Mts., Abends 61/2 Uhr fano tm Wmterpalais eine Explosion statt, verursacht durch eine be­trächtliche Menge Dynamit. Dieselbe erfolgte unterhalb des Wachtsaales in der Richtung nach dem Spnsesaale Sr. Majestät. Acht Soldaten sind tobt, 45 verwundet. Der Umstand, daß die gewöhnliche Dinerstunde des Kaisers gewählt wurde, beutet die Absicht des Attentates auf die Person Sr. Majestät an. Die tliche Vorsehung hat unseren erhabenen Herrn und die Mitglieder der kaiserlichen Familie in Schatz genommen. Die Untersuchung ist eröffnet

Darmstadt, 20. Februar. Die zweite Kammer bewilligt 100,000 Mk. aus den paratsten Mitteln der Staatskasse zur Abwehr eines Rothstandes in den ärmeren Gegenden deS Landes.

Die Landes-Synode 'st zum 2. März einher ifen.

Paris nach Petersburg, unsere Stadt passirt.

Berlin, 19. Februar. Der Bundesrath hat heute den Gesetzentwurf über die Erhebung der Brausteuer gemäß den Ausschuß-Anträgen ange­nommen.

Heute Mittag 1 Uhr fand tn der russischen Botschaftskapelle ein feierliches Tedeum statt, welchem der Kaiser mit den Prinzen Friedrich Karl und Alexander und dem Prinzen August von Württemberg beiwohnte. Die Minister, Generalseldmarschall v. Moltke mit der Generalität, die höchsten Hofbeamten und alle auswärtigen Botschafter und Gesandte mit ihren Räthen und Secretären, sowie die Hofmarschälle des Kronprinzen und der Prinzen Karl und Friedrich Karl und die Osficiere des Kaisers Alexander Garde- Regiments nahmen gleichfalls an der Feier Theil.

Petersburg, 19. Febr. General-Gouverneur Gurko hat folgenden Tagesbefehl an die Truppen erlaffen: Gestern Abend gegen 7 Uhr erfolgte unter der Hauptwacht-Stube im Winterpalais eine mittelst Anwendung einer bedeutenden Dynamit-Ladung hervorgerusene Explosion. Der freche Miffethäter bekundete augenscheinlich seinen Höllenvlan gegen die geheiligte Person des Kaisers, da er die Zett des Mlltagseffens des Kaisers wählte und seinen Schlag auf die Vernichtung des Speisesaales des Kaisers richtete. Gott errettete das Leben des Gesalbten und erwies uns Allen abermals große Gnade. Beeilen wir unS, in warmem, einstimmigem Gebete dem Herrn dafür zu danken.

Nowoje Wremlja" zufolge ereignete sich die Explosion unter dem Speisesaal des Winterpalais, woselbst das kaiserliche Familien - Diner um 6 Uhr beginnen sollte, zufälliger Weise jedoch eine halbe Stunde verschoben war. Die Explosion, welche vom Erdgeschoffe aus, wo die Centralheizungs- Einrtchtung sich befindet, erfolgte, trat gerade in dem Augenblicke ein, als der Kaiser mit dem Prinzen von Hoffen und dem Fürsten von Bulgarien tn die eine Thüre und die gesammte übrige kaiserliche Familie, mit Ausnahme der kranken Kaiserin, tn die andere Thüre eintreten wollten. Die Explosion war dermaßen stark, daß die Gewölbe des Erdgeschoffes, sowie der Wachtstube durchgeschlagen, die Dielen krummgezogen und Tische wie Geschirr im kaiser­lichen Speisesaale auseinander geschleudert wurden. Zwei Diener erhielten Verletzungen. Die Kraft der Explosion bewies auch die große Zahl der zer­sprungenen Fensterscheiben am Winterpalais und den Nachbarhäusern am Newaquai. Da durch den Luftdruck das Gas ausgelöscht war, so herrschte voll-- kommene Finstern'ß. Der Kaiser bewahrte volle Geistesgegen vart.

London, 19. Februar. Im Oberhause verlangte Lord Granville, im Unterhause Marquis of Hartington unter dem Ausdrucke des tiessten Abscheues Auskunft über das grauenhafte Verbrechen in Petersburg. Lord Beaconsfield antwortete im Oberhause, Sch^tzkanzler Northcote im Unterhause, es seien keine wetteren Detals als die publtcirken bekannt. Beide drückten ihren Ab­scheu vor dem Verbrechen und ihre hohe Freude aus über die glückliche Er­rettung der kaiserlichen Fam Ite. Lord Beaconsfield fügte hinzu, die Herzogin von Edinburgh wolle die Scenen großer Gefahr, und großen Leidens jetzt nicht verlaffen.

Petersburg, 19. Februar. DieAgence ruffe" meldet: Ueber die Urheber des Attentats liegen keine publicirbaren Nachrichten vor. Die Unter-

Nußland.

Petersburg, 18. Februar. Es hat sich als wahrscheinlich herausge­stellt, daß bei der Explosion Dynamit verwandt worden ist, aber ohne Legung eines Minenganges, der beim Winterpalais unmöglich ist. Man vermuthet, daß das Dynamit durch eine Thomas-Uhr zu früh zur Explosion gebracht worden sei; fünf Minuten später würde die kaiserliche Familie den Speise­saal. der über der Wache liegt, betreten haben. Der Fußboden des Saales ist beschädigt, aber nicht erheblich, so daß das Verbrechen auch bei Anwesenheit der kaiserlichen Familie im Saale wohl nicht gelungen wäre. Die Verbrecker muffen genau die Oertlicdkeiten und die Zeiteinthetlung des Hofes gekannt und Verbindungen im Palais gehabt haben. Die Verwundeten sind nach dem Spital bei der Pawlow'schen Kaserne am Marsfeld gebracht worden. Die Zeitungen dürfen nur die Nachrichten desRegierungsboten" nachdrucken. Heute findet ein Dankgottesdienst in der Kapelle des Palais statt, dem die kaiserliche Familie, die Hofchargen und das diplomatische Corps nebst Damen beiwohnen werden.

Lokale-.

Gießen, 20. Februar. Vorgestern verunglückte auf dem Bahnhofe ein Aangirer da' durch, daß er von einem Wagen fiel und das Schulterblatt zerbrach.

Am Montag Abend trieb ein Handelsmann sechs Stück Großvieh die neue Bahn­hofstraße hinab. In der Nähe der Wieseckbrücke stürzte das Vieh sammt dem Manne den ziem­lich hohen Damm hinab. Hilfreiche Hände halfen dasselbe wieder auf die Fahrbahn bringen. Wenn ein Geländer an fragt. Stelle angebracht wäre, hätte der Unfall nicht pajsiren können.

Gießen, 19. Februar. (Herberge zur Heimath.^ Es wurden ferner bewilligt

&. Einmalige Beitrage: Von Herrn Professor Pbtltpvi 20 Jt, M. H. 20 Apotheker Dr. Mettenheimer 10 Apotheker Knoch 10 JL, P. I 5 JL, Prof. Dr. Phöbus 10 JL, Fabrikant H. Serth in Grünberg 5 X. Pfr. Kißner Wittwe 10 Pfr. Vtgeltus in Steinfurth 25 Jt. Weinbändler Carl Schwan 25 X, Gasfabrikant Äug. Heß 25 Jt., KreiS- veterinärarzt Dr. Winckler 3 Stadtverordneter Grüneberg 15 «X

b. Unkündbare Darlehn: Von Frl. Lina Pistor 25

c. Jahresbeiträge: Von Dr. med. Ploch 5 JL, Karl Faber II. Wittwe 5 JL N. N. 5

Mit den früheren Beträgen zusammen 3796 JL 50 H

Um weitere Beiträge bittet und nimmt entgegen: Kretsamts - GehLlfc Döring in Gießen.

DieVolksküche- vertheilte heute 1074 halbe Portionen, verkauft wurden hiervon 63, 1011 Portionen erhielten Arme, Kinder und Handwerksburschen.

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Telegraphische Depeschen.

Wagnrr's telegt. (Korrespondenz - Vureau.

Berlin, 19. Februar. (Reichstag.) Die Abtheilungen haben sich constituirt, die Budgetcommission unter dem Vorsitz v. Bennigsens. Auf Antrag Windthorsts wird, da das Haus schwach besetzt ist, die Viceprasidenteuwahl bis zum Schluß der Sitzung ausgesetzt und zunächst in der Berathung des Etats fortgcfahren. v. Kardorf spricht s sich gegen die von Rickert beantragte Ueberweisung des Post- und Telegraphenetats an die Budgetcommission aus und erklärt sich für eine zweijährige Budgetperiode, aber ! für die einjährliche Einberufung tes Reichstags, so daß ein Jahr für das Budget, ein : Jahr für die eigentlichen Legislatur-Arbeiten benutzt werden könne. Das Gefüge des : Reiches sei zu jung, um auf das mächtige Bestandmittel der regelmäßigen Berufung ! des Reichstags verzichten zu können.

v. Kardorf polemisirt hierauf gegen Richters gestrige Ausführungen und bezeichnet ; die Freihändler, speciell Richter, als Urheber der Nothlage, die ohne die Zollreform i noch ein viel breiteres Feld l über Oberschlesicn hinaus) einnehmen würde. Der Segen i der Zollreform sei in den verschiedenen Branchen bereits sichtbar. Die Verstärkung ; der Armee sei durch die veränderte politische Lage nothwendig geworden. Für einen Revanche-Krieg Frankreichs sei sie nicht erforderlich, wohl aber aus Rücksicht auf den östlichen Nachbar. Die frechen Nihilisten, die den milden russischen Kaiser mit ihren Verbrechen verfolgten, feien dieselben Panslavisten, die Konstantinopel in Berlin er- . odern zu wollen erklärten. Der Abg. Richter und seine Partei würden für die Ver­stärkung der Armee noch dankbar sein. Bamberger erklärt sich gegen Experimente mit dem Vermögen der Nation, die zuni Ankäufe der Consols im Ausland: geführt hatten, einem Vorgänge, der an sich fein Unglück fei. Bamberger kündigt an, daß er bei der zweiten Lesung auf die dauernde Sistirung der Silberverkäufe und andere Maßregeln zurückkommen werde, durch welche Aenderu»gen in unserem Münz- und

Kostenbetheiligung angcknüpft sehen und stimmt insoweit dem Anträge des Abg. Ellen- ) Bankwesen sich zu vollziehen tm Begriff seien. berger bei, während er gegen eine Heranziehung der Stadt Mainz zu den Kosten sich 9r,,rtr,ff

ausspricht. Die Abgg. Metz und Falk treten warm für den modificirten Antrag der Mehrheit des Ausschusses ein, Letzterer namentlich unter H nweis auf die Orte Kastel und Kostheim, welche in ihren innersten Lebensbedingungen nut der Stadt ;

Mainz zusammenhängen. Böhm stimmt, obgleich für ihn die Bedürfnißfrage nicht . zweifelhaft ist, bezüglich der formellen Behandlung der ganzen Angelegenheit dem An- ; trag Ellenberger bei, ebenso Präsident Kugler und Abg Dtttmar, welch Letzterer ; seinen mit dem Abg. Heidenreich gemeinschaftlich gestellten Zusatzantrag empfiehlt. > Die Abgg Baur, Maurer und Wolz treten für den Antrag der Ausschußmehrheit | ein, ebenso der Berichterstatter Abg. Theobald in seinem Schlußworte. Inder i darauf folgenden namentlichen Abstimmung wird der Antrag b-r Abgg. Ellenberaer : und Genossen mit 25 gegen 23 Stimmen abgelehnt. Für den Antrag stimmen die Abgg Böhm, Dlttmar, Ellenberger, Grünewald, Haustein, Heideureich, Lauh, List, Matth, Osann, Pitthan, Pfannstiel, Freiherr von Nordeck zur Rabenau, Schönberger, Schröder, Seubert, Stephan (Osthofen), Sturmsels, Wadsack, Freiherr von Wedekind, Weyrauch, Muhl und Kugker; gegen den Antrag stimmten die Abgg. Baur, Betz, Bockenheimer, Diehl, Falk, Frank, Hallwachs, Jockel, Jost, Küchler, Maurer, Metz, Möllinger, Pennrich, Racke, Reinhard, Scriba, Stephan (Heßloch), Theobald, Wasserburg, Weith, Weitzel, Wolz, Heiuzerling, Wolfskehl. In Folge dieser Abstimmung ist der Antrag Heidenreich- Dittmar hinfällig und gelangt nunmehr in namentlicher Abstimmung der Antrag der Mehrheit des Ausschusses einstimmig zur Annahme. Die Abgg. Schröder, Osann, Seubert und Stephan (Osthofen) motiviren ihre Abstimmung dahin, daß sie diesem Antrag um deswillen zugestimmt haben, weil sie darin nur einen andern Weg erblicken, um zu dem auch von ihnen erwünschten Ziele zu gelangen. In ähn- lidber Weife motivirt Freiherr von Nordeck zur Rabenau seine Abstimmung. Nächste Satzung morgen.

Berlin, 18. Februar. Beide conservative Parteien des Reichstags und das Centrum einigten sich definitiv über die Wahl Ackermanns zum zwei-