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Nr. 44* Samstag den 21. Februar 1SSO.

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Dee Mordanschlag gegen die russische Kaiserfamilie.

Aw 1. December flog in Moskau eine Mine auf, die bestimmt war, den Kaiser A. N. zu vernichten. Leider ist uns die Sache diesmal mißglückt. Warum und aus welchen Ursachen die Mine nicht die gewünschte Wirkung hervorbrachte, halten wir aus wohl erklärlichen Gründen für unzweckmäßig, hier deS Näheren zu erörtern. Wir bitten aber unsere Gesinnungsgenossen inständig, sich ja nicht durch dergleichen Mißerfolge Niederdrücken oder ab­schrecken zu lassen, wir sind uns unserer Fehler bewußt und werden dieselben künftighin vermeiden. Also verzaget nicht! Alex. Nik. ist diesmal der Gefahr glücklich entgangen, das nächste Mal dürste er nicht so glücklich sein. Er wird fallen, und zwar so bald als möglich, noch ehe er sein Jubiläum be­gangen hat."

So schrieb wenige Tage nach dem Mordversuche in Moskau dasRevo- lutions'Comtt^" und wenn seine Drohung heute nicht in Erfüllung gegangen ist, so liegt die Schuld wahrlich nicht an den Nihilisten! Alle die schweren Verluste, welche ihren Bund in letzter Zett getroffen, haben ihre Actions- sähigkeit nicht hemmen können und je mehr Mitglieder sie verloren haben, desto verzweifelter und teuflischer treten die übrig gebliebenen für ihre ver­brecherischen Ziele in die Schranken. Wer sind diese Männer, die dem gewal­tigsten Poltzeiapparat trotzen und eine Macht entfalten können, die der der Polizei bei weitem überlegen ist? Welche Hülssunttel, welche Verbindungen stehen ihnen zu Gebot, daß sie Mordanschläge durchzuführen vermögen, deren Vorbereitung wochen-, ja monatclange Arbeit, große technische Kenntnisse und bedeutende Geldmittel erfordert? Alle die wohlgeplanten Mordanschläge aus früherer Zett werden in den Schatten gestellt durch den neuesten, sowohl was dte unbegreifliche Vorbereitung als auch die rücksichtslose Durchführung des­selben anbetrifft. Auf der Straße, auf der Eisenbahn war das Leben des Kaisers gefährdet worden; jetzt haben ihn dte Verbrecher sogar bis in seine eigene von Truppen bewachte, mtt zahlreicher Dienerschaft angefüllte Behau­sung verfolgt, und dort, wo nach menschlichem Ermessen keine Katze unbemerkt einschlüpsen kann, unter den Füßen des Kaisers eine Mine gelegt, um ihn mtt seiner ganzen Familie und allen denen, die sich an diesem Tage zufällig in seiner Nähe befanden, in die Luft zu sprengen, und neben den in ihren Augen Schuldigen auch dte Unbetheiligsten und Unschuldigsten zu ermorden!

Nachdem es den Nihilisten gelungen, einen solchen Anschlag durchzu- sühren, muß man wirklich glauben, daß es nichts mehr gibt, was sie in Ruß­land nicht durchführen könnten, und muß neben der Allmacht des Czaren eine Allmacht der Nihilisten anerkennen, die größer ist als dte ves ersteren. Wte ost schon wurden dte Nthtltsten todt gesagt, wenn ihre Druckereien ausgehoben, wenn einflußreiche Mitglieder verhaftet waren und den Weg zum Galgen oder nach Sibirien angetreten hatten! Immer wieder wuchsen der Schlange neue Köpfe, immer sanden sich neue Revolutions-Blätter, welche dte Todesurtheile verkündeten, und neue Verbrecherhände, dte zur Vollstreckung bereit waren. Alle Mittel zur Erstickung jener unheimlichen gehetmntßvollen Gewalt sind ohne Wirkung geblieben, und mit Schaudern muß man sich fragen, was nun geschehen soll, wenn der Nihilismus, dieses potenzirte Verbrecherthum, in seiner erschreckenden Thätigke t fortfahren kann. Dte Lage des Kaisers von Rußland ist furchtbar und wirklich bemttletdenswerth. Es ist ein trauriges Verhängntß, auf einem Vulkan leben zu müssen, dessen Ausbruch man jederzeit, fast möchte man sagen, mtt der Unabwendbarkeit eines Naturereignisses zu gewärtigen hat, und durch den nicht nur das eigene Leben, sondern auch das der nächsten Ver­wandten und Freunde bedroht wird. Und gerade Kaiser Alexander persönlich hat dieses Schicksal nicht verdient, sicher nicht verdient um sein Volk, dem er dir größten Wohlthaten erwiesen hat, die ein absoluter Regent nur erweisen kann. Wenn Vieles, sehr Vieles faul ist im Staate Rußland, so trifft die Schuld dafür die aus dem Entwickelungsgange des Staates sich ergebenden Verhältnisse, die stärker sind als der Kaiser selbst. Und wenn dte kaiserliche Regierung viele Ungerechtigkeiten begangen hat, für dte man den Kaiser ver­antwortlich machen wollte, so wären doch am wenigsten Russen, denen dte Rächerrolle dafür zufallen dürfte.

Das neueste Attentat hat insofern Aehnlichkeit mtt dm früheren, als abermals dte Thäter entkommen sind. Dte Polizei scheint aber von noch größerer Ungeschicklichkeit gewesen zu sein, als tn früheren Fällen. Daß dte Nihtltsten einen Schlag gegen das Wtnterpalats zu führen gedachten, darüber waren schon seit geraumer Zett Gerüchte tn dte Oeffentltchkett gedrungen und es lagen auch Beweise für einen solchen Plan vor. Schon am 1. Februar wurde aus Petersburg mitgetheilt, daß tm Winterpalats zwei Schornstetn- seger verhaftet worden seien, dte eine nicht unbeträchtliche Menge Pulver in einem Kamin aufgehäuft hatten. In derselben Correspondenz war ferner eines Gerüchtes erwähnt, wonach das Wtnterpalats vom Admiralitätsgebäude oder von der Newa aus untermintrt sein solle. Auf diese Meldungen hat die Polizei nun entweder kein Gewicht gelegt oder es ist ihr trotz angestellter Un­tersuchungen nicht geglückt, den Mtnenherd zu finden; beides läßt ihre Ge­wandtheit tn schlechtem Lichte erscheinen. Uebrigens können dte Nihilisten an diesem neuesten Attentat erst seit zwei Monaten gearbeitet haben, da sie dte Mine sicher erst nach Mißlingen des Moskauer Attentats gelegt haben und es bet aller Rasfintrthett, die wir ihnen zutrauen, doch kaum anzunehmen ist, daß sie sich tm Voraus mit einem Reserve-Attentat versehen haben. (K. Ztg.)

Aeulschlantz.

Darmstadt, 17. Februar, lieber die Vorlage Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz, betreffend die Verwilligung von 100,000 Jt zur Abwehr eines Nothftandes i« den ärmeren Theilen des Landes, hat Namens des Finanz­ausschusses der zweiten Kammer der Abgeordnete Schröder folgenden Bericht er­stattet:Wie die Ausführungen der Regierungsvorlage ergeben, ist, trotz des wohl bald zu Ende gehenden, ungewöhnlich harten und früh begonnenen Winters, erfreulicher­weise von einem wirklichen Nothstande in dem oder jenem Theile des Landes nicht dte Rede. Bereits früher war Großh. Staatsregierung auf Grund eingezogener Berichte in der Lage, Ihrem Ausschüsse eine ähnliche Mittheilung mit dem Beifügen zu machen, daß sie erforderlichen Falles die entsprechende Creditbewilligung zu beanspruchen nicht anstehen werde.

Demgemäß fieht der Ausschuß in der Proposition keine sogenannte Nothstands- lage, wozu eine Summe wie die geforderte jedenfalls auch nicht ausreichte, sondern die Bereitstellung von «Staatsmitteln für eine durch die Verhältnisse gerechtfertigte be­schleunigte Inangriffnahme öffentlicher Arbeiten, welche dem allgemeinen Wohle dienen und ohnedem ganz oder docd zum Theile von dem Staate, bezw. der Domänenver­waltung geltend gemacht werden müssen. Die weiteren Anforderungen qualificiren sich als unverzinsliche Vorschüsse oder sind geringfügiger Natur. Die Herstellung von Wegen in den größeren Domanialwald-Complexen, deren Erträgnffse durch bessere Abfuhrstraßen nur den Werth und Preis steigern können, bilden den bedeutendsten Posten der ersteren Art. Wenn hierbei zunächst Wegbauten in den Domanialwaldungen der Provinz Oberbcssen, vor Allem in den Forsten Romrod, Nidda und Grünberg, ins Auge gefaßt sind und dafür besonders und rasch 50,000 <A, neben der laufenden für Domanialwaldwege eingestellten Summe, verwilligt und verausgabt werden sollen, so kann der Ausschuß, unter Gutheißung dieser Vorschläge, nur den bestimmten Wunsch aussprechen, daß, soweit noch nöthig, die Fertigstellung eines allgemeinen Planes zur Herstellung von Wegen in allen bedeutenderen Domauialwaldcomplexen des Großberrog- thums beschleunigt und auf diesen Plan und, regelmäßige Durchführung durch Ein­stellung in die Staatsbudgets künftiger Finanzperioden Bedacht genommen werde. Herr Ministerialpräsident Schleiermacher, Excellenz, erklärte sich in der zur Be- rathuna dieser Vorlage mit Großh. Regierung gehaltenen Ausschußsitzung damit ein- verstanoen

Die Anlage und Vermehrung guter Wege liegt unzweifelhaft im Interesse der Bewirthschaftung und steigenden Rentabilität der Domanialwaldungen. Es ist deßhalb gerathen, die Ausführung der Wegarbeiten und Durchführung eines Wegbau-Projecsts so viel als möglich zu beschleunigen. Freilich wird mit diesen Wegbauten der Be­völkerung doch nur vorübergehend Arbeit und Verdienst geschaffen und dürfte es eine dankbare Aufgabe der Regierung sein, Vorkehrungen in's Auge zu fassen und Unter­nehmungen zu begünstigen, welche geeignet sind, auf die Dauer der Bevölkerung in jenen ärmeren Landestheilen, besonders tm Winter, Arbeit und damit Lebensunterhalt zu verschaffen. Um gewisser zu erreichen, daß bei der Inangriffnahme und Herstellung der Wegbauten auch wirklich jeder Dürftige enffprechende Beschäftigung und Verdienst finde, empfiehlt es sich, daß bei der Arbeitvergebung die Ortsvorstände gehört werden und die von diesen als bedürftig und arbeitsfähig Bezeichneten auch wirklich Beschäftig­ung finden. Sonst bliebe ein Theil des mit dieser Verwilligung für anticipirte Wcg- bauten zu erreichenden Zwecks unerfüllt. Wir bitten also, demgemäß Instructionen an die Forst- und Domänenverwaltung ergehen zu lassen.

Neben den zunächst beabsichtigten Wegbauten in den Domanialwaldungen der Provinz Oberhessen beansprucht Großh. Regierung laut der Vorlage eine Summe öoh 20,000 J4 als Staatsbeitrag für Gemeinde-Wegbauten. Wenn die Vorlage auch im Allgemeinen sagt, daß die Gegenden, denen nach Ansicht der Regierung Hülfe zu leisten wäre, Theile der Provinz Oberhesscn und ein Theil des Odenwaldes seien, so sollen die hier geforderten 20,000 JL doch ausschließlich als ratenweiser Staatsbeitrag zum theilmeiseit Ausbau von Vicinalstraßen in dem Kreise Büdingen angesehen werden und dienen. Nach Art. 21 Pos. 4 des noch zur Berathung stehenden Wegbau-Gesetzentwurss sollenzum Neubau von Kreisstraßen im südlichen Theile des Vogelsbergs der Re­gierung 50,000 uH-, zur Verfügung gestellt werden".

Ohne irgend damit vorgriffsweise den in jenem Gesetzentwurf vorgeschlagencn Vertheilungsmaßstab für Staat, Kreis und Gemeinde bei künftigen Straßenbauten gut­heißen zu wollen, glaubt Ihr Ausschuß, weil Arbeitvergebung der sonst etwa möglichen Nothlage jener Landestheile am sichersten begegnet, zur Beihülfe für die Herstellung gewisser Vicinalstraßen, zunächst in den Gemarkungen Wenings und Gelnhaar, Kreis Büdingen, die Verwilligung der geforderten 20,000 JL der Kammer empfehlen zu sollen, jedoch nur unter der ausdrücklichen Voraussetzung und Beschränkung, daß vor der Verwendung die in Frage kommenden Gemeinden sich bindend zur Aufbringung der erforderlichen anderen zwei Drittheile der Gesammt-Wegbaukosten verpflichtet haben.

(Schluß folgt )

m. Darmstadt, 19.Februar. Zweite Kammer der Stände. 49. Sitzung. Die heute zu Ende geführte Berathung des Gesetzentwurfes wegen Errichtung einer stehenden Brücke zwischen Mainz und Kastel führte nach dem Verlauf der dreitägigen Debatte zu einem fast unerwarteten Resultate, nämlich zu der einstimmigen Annahme des in der gestrigen Sitzung gestellten Aittrages der Abgg. Möllinger, Theobald, Wolfskehl und Metz (in einem Theile der gestrigen Auflage unseres Blattes konnten wir das diesbezügliche Telegramm noch aufnehmeu. D. Red.), welchem sich heute noch der Abg. Scriba anschloß, so daß dieser Antrag als der Antrag der Majorttät des Ausschusses zu betrachten ist. Vor der Abstimmung in heutiger Sitzung erklärte L>taats- minister Freiherr v. Starck, Excellenz, daß die Regierung den Antrag Molltnger und Genossen an Stelle der Regierungsvorlage acceptire. Es gelangt heute ein Antrag der Abgg. Dittmar und Heidenreich zur Verkündigung, wonach dieselben im Falle der Annahme des Antrages Ellenberger und Genossen der ^^Ü)erung behufs Feststellung des definitiven Bauprojekts einstweilen die Summe von 20,000 VH. zur Verfügung gestellt wissen wollen- - Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird n -t 22 gegen 17 Stimmen abgelehnt. In der Berathung selbst e» greift zunächst Abg. Küchler das Wort, um in der wärmsten Weise für die Vorlage der Negierung etn= zutreten, da es sich hier um eine productive Ausgabe im emlnentesten Sinne be§ Wortes handle und die Bedürfnißfrage von keiner Seite bestntten werden könne. Der laute Beifall, welcher dieser Rede Seitens der Gallerte folgte, )'kht letzterer eine Rüge des Präsidenten zu. Abg. Freiherr v. Nordeck zur Rabenau halt dte Erbauung einer stehenden Brücke bei Mainz als durch die localen Verkehrsinteressen dieser Stadt ge­boten, ist jedoch der Anschauung, daß die jetzige Vorlage weder technisch gehörig vor­bereitet, noch finanziell genau begründet sei, init» ift bejwegen für den Antrag EUen- berger unb Genossen, ebenso Abg. Freiherr v. Wed>ek nd. -. ElN wtederholter Schluß- antrag ber Abgg. Racke, Wasserburg Betz Hallwachs und Jockel wird nun­mehr angenommen; es haben sich noch 16 Redner zum Worte gemeldet. Abg. Schröder hat die Vorlage der Regierung freudig begrüßt, will jedoch vor destmtiver Verwilligung der erforderlichen Summe Verhandlungen mit dem Reiche wegen eventueller