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Amtlicher Hheil.
Loealreglement, die Benutzung der Straßen von Hungen nach Laubach, sowie von Hungen über Hof-Graß und Rodheim nach Langd innerhalb des Kreises Gießen mit schwerem Fuhrwerk betreffend.
Nach Anhörung der Localpolizeibehörden und mit Zustimmung des Kreisausschufses für den Kreis Gießen wird mit Genehmigung Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 29. Juli 1880 zu Nr. M. I. 16374 hiermit angeordnet: MW
1) Die Räder der Lastfuhrwerke, welche die Straßen von Hungen nach Laubach, sowie von Hungen über Hos-Graß und Rodheim nach Langd innerhalb des Kreises Gießen gewerbsmäßig oder regelmäßig, wenn auch nur zeitweise mit Erzen, Eisen, Kalk, Steinen, Steinkohlen, Schwerspath, Natron, sowie in Kalk oder Schwerspath eingekochtem Holzessig befahren, muffen eine Felgenbreite von wenigstens 12 Centimeter haben.
2) Die Etgenthümer der unter 1 bezeichneten Fuhrwerke, deren Räder die erwähnte Felgenbreite nicht haben, werden nach § 366, pos. 10 des Strafgesetzbuchs für das Deutsche Reich mir Geldstrafe bis zu sechszig Mark oder mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft.
3) Gegenwärtige Vorschriften treten mit dem 1. October 1880 in Kraft.
Gießen, den 2. August 1880. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
Dr. Boekmann.
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Der Chauvinismus.
Zu Wafler und zu Lande haben die Franzosen osficiell ihre Revanchelust bekundet, und in Deutschland dämmert in Folge desien auch in den Köpfen der heftigsten Gegner der Mtlitärvorlagen die Erkenntniß, daß der Kaiser, Fürst Bismarck und Graf Moltke die französische „Friedensliebe" richtig beurtheilt haben. Die Trauben der Revanche sind sauer, aber der Fuchs ändert nicht seinen Charakter, wenn er dies etnsieht. Der Chauvinismus war niemals, wie man gern glauben machen wollte, etwas Royalistisches oder Bonapartistisches, er ist keine Eigenschaft der alten Soldaten oder der jungen Reserven und Freiwilligen, er ist nicht vertreten in irgend einer politischen Partei, sondern er ist etwas Französisches; der Chauvinismus ist national; er ist das einigende Band für alle französischen Parteien.
Es ist Thorheit zu glauben, daß es einen Franzosen giebt, der nicht auf die Revanche hofft. Die „Hoffnung" sagt sogar zu wenig, wenn man dem dunklen inner« Drange der ganzen französischen Nation Ausdruck geben will; die chauvinistische Grundpimmung wird vielmehr gepflegt wie eine verbotene Religion, die Revanche ist der „Glauben" der Nation. Der Franzose erwartet die Erfüllung des Revanchegedankens von der Gerechtigkeit Gottes, und die ganze Nation lebt sich in den Gedanken hinein, daß die Niederlage von 1870/71 nichts anderes war, als eine Prüfung der Vorsehung und daß, nachdem Frankreich sie überstanden, dieselbe Vorsehung die Waffen segnen, das deutsche Reich zerschmettern und Frankreich seine Töchter Alsace und Lorraine wieder zuführen werde.
Und darum hat der Toast Gambetta's gezündet und alle Herzen sich erobert. Dieser Mann ist das echte Kind seines Volks, er ist der Kenner der Stimmung der Franzosen, und nachdem er lange genug in allen friedlichen Regenbogenfarben zu schillern verstanden, hat er die Maske fallen lassen und frei von der Leber weg das ausgesprochen, was er — was alle Franzosen denken. Grevy, der besonnene Staatsmann, Leon Say, der zurückhaltende Philister — sie beide denken über die Revanche ganze ebenso wie Gambetta, aber sie verstehen zu schweigen, Gambetta aber besitzt eine urwüchsige Natürlichkeit und weß sein Herz voll ist, deß läuft sein Mund über. Das verständ- nißinnige Zujauchzen der Zuhörer ist nicht genug zu schätzen, weil dieses Auditorium nur aus Handlungsreisenden bestand. Gambetta, der Commis-voyageur der Republik, sprach aus, was alle Franzosen denken, und ganz Frankreich jauchzt bei seinen Worten ebenso wie die französischen Handlungsreisenden. Wir wissen jetzt, was von der freundschaftlichen und friedlichen Gesinnung der Franzosen zu halten ist.
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zollern) 14, dazu kommen noch andere erledigte Vicar- und Seelsorgerstellen. Aus einzelnen Bezirken treffen bereits Meldungen ein, wonach eine Anzahl Geistlicher aus Grund der betr. Bestimmung des neuen Kirchengesetzes die seelsorgerischen Amtshandlungen wieder aufnehmen.
Straßburg. (Elsaß-Lothringen.) In jüngster Zeit ist die politische Lage der Reichslande vielfach, und zwar stets aus Anlaß der Beurtheilung einzelner Personen, einer eingehenden Kritik unterzogen worden. Man hat dabei offen und rücksichtslos über den Statthalter, über den entlassenen Adlatus Herzog und endlich neuerdings über dessen Ersatzmann Hofmann sich ausgesprochen. Diese Offenheit und Geradheit der öffentlichen Meinung war ein Zeichen des großen Interesses, welches das Reich an der politischen Entwickelung der Reichslande etnnimmt; es darf mit Recht behauptet werden, daß trotz aller persönlichen Spitzen die Kritik ein Ausfluß der Liebe der Mutter zu den einst verlorenen, jetzt wiedererworbenen Kindern war.
Das Reich ist, wie die Elsässer und Lothringer gern selbst zugeben werden, äußerst rücksichtsvoll gegen das eroberte Land gewesen; man ist ihm politisch entgegengekommen und hat in kurzer Zeit sehr freie Institutionen geschaffen ; man hat den Reichslanden große wirthschaftliche und handelspolitische Concesflonen gemacht, die oft das Reich benachtheiligten; man hat ihnen endlich eine Elite des deutschen Beamtenstandes überwiesen und einen Statthalter gegeben, der an Duldsamkeit und Entgegenkommen das Möglichste, vielleicht schon zu viel, bewiesen hat.
Damit muß aber innegehalten werden, wenn die deutsche Nachgiebigkeit nicht als Schwäche betrachtet werden soll. Die Worte Gambetta's und die französische Volksstimmung beweisen uns, daß Frankreich seine Hoffnungen auf die Wwdererwerbung von Elsaß-Lothringen nicht aufgiebt, und daher muß die Stunde der Gefahr, so fern sie auch sein mag, keine schwankende Bevölkerung finden, sondern ein Land, das seinem Namen „Reichsland" Ehre macht, das zum Reiche nicht nur räumlich, sondern auch der Gesinnung nach gehört, und um dieses Ziel zu erreichen, muß rascher und praktischer germanistrt werden, als bisher. Geschieht das nicht, so werden wir einst die Folgen bedauern.
Amanweiler, 18. Aug., 10 Uhr 45 Minuten Vormittags. Soeben, um 91/2 Uhr, erfolgte unter Betheiligung des Metzer Krieger- und Turnvereins seitens der Deputirten des Kriegervereins Darmstadt die Niederlegung der Kränze Se ner Königlichen Hoheit des Großherzogs, Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Carl, der Stadt Darmstadt und des Kriegervereins, sowie der Kriegskameradschaft Hassia am Heffendenkmal bei Gravelotte.
Bulgarien.
— Fürst Alexander von Bulgarien ist mit seinem „Parlament" in Con- flict gerathen; er hat dem Gesetze über die National-Armee die Sanktion verweigert, weil dasselbe bestimmt, daß der Obercommandant wählbar sei. Diese lächerliche Bestimmung ist ohne Zweifel russischen Einflüssen zuzuschreiben; denn es liegt auf der Hand, daß unter den gegebenen Verhältnissen Bulgariens der gewählte Armee-Commandant ein Russe wäre, und daß dann Rußland in der bulgarischen National-Armee einen Annex seines eigenen Heeres besäße. Es ist ganz selbstverständlich, daß der Fürst, ohne seine Prärogative und seine ganze Stellung zu einer Farce herabzudrücken, diese Bestimmung nicht accep- tiren konnte. Allein sicher ist, daß aus der Verweigerung der Sanction ein Conflict zwischen Fürst und Volk entstehen wird, denn die „Nation" wird es sehr übel nehmen, daß durch die Haltung des Fürsten die Bildung der National- Armee verzögert wird, gerade zur Zeit, da es den Anschein hat, als sollten den Unionsbestrebungen die Chancen günstiger sein.
Rußland.
Petersburg, 16. August. In letzter Zeit sind hier wiederum mehrere Nihilistenoerhastungen vorgekommen, die, weil eine ziemliche Zeit ohne ähnliche Ereignisse verstrichen war, viel Erregung hervorriefen. Wichtig sind diese nihilistischen Vvrpostengefechte nur in so fern, als sie auch die Optimisten überzeugen müssen, daß trotz Loris-Melikoff die Propaganda noch nicht ihr Ende
Deutschland.
Berlin, 17. August. In einer Reihe norddeutscher Zeitungen findet sich folgende vom 13. ds. datirte Berliner Depesche des „Reuter'schen Tele- graphen-Bureaus" : „Der Austritt des linken Flügels der Nationalliberalen aus der bisherigen Fraktion steht unmittelbar bevor. Es heißt, Forckenbeck und Stauffenberg würden demnächst einen offenen Absagebrief an die bisherige Leitung der nationalliberalen Partei erlassen und darin die Grundzüge des Programmes der neuen liberalen Partei, anknüpfend an Forckenbeck's vorjährige, bei Anlaß deS Städtetages gemachte Kundgebung entwickeln. Zahlreiche Zustimmung ist im Voraus gesichert." Nach den Informationen des „Verl. Tagebl." besteht darüber völliges Einvernehmen, daß die Entscheidung der Frage, ob und welche Mitglieder der Partei den Wiedereintritt in die Fraktion ablehnen, erst bei dem Wiederbeginn der Parlaments-Session, also in dem Augenblicke, wo es sich um die Reconstituirung der nationalliberalen Fraktion handelt, praktisch werden kann. Ob die Trennung erfolgt, wird von dem Ergebniß der bis dahin vorbehaltenen Erörterungen über die weitere Haltung der nationalliberalen Partei abhängen.
Berlin, 17. August. Bis zum Anfang August waren in den preußischen Diöcesen verwaiste Pfarreien: In Köln 186, in Posen-Gnesen 127, in Ermland 23, in Breslau 150, in Hildesheim 27, in Münster 106, in Trier 191, in Lnnburg 30, in Paderborn 106, in Fulda 14, in Freiburg (Hohen-
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