1858
142,60
1866
166,50
1874
159
1859
138,75
1867
240
1875
149,50
1860
195
1868
193,50
1876
157
1861
162,38
1869
150,35
1877
142
1862
156,75
1870
152,25
1878
122,50
1863
112,50
1871
184,50
1879
161,50
1864
103.50
1872
165
1880
215
1865
150,75
1873
184,50
1881.
Berlin, 1
6. October.
Das
heute ersch
ienene B
latt der Gesetzsamm-
lung publtctrt die königliche Verordnung, durch welche der Landtag auf den 28. October einberufen wird.
Köln, 16. Octbr. Um 4 Uhr Nachmittags begann das große Fest- banket in dem Gürzenich, welchem der Kronprinz, die Prinzen Friedrich Karl, Albrecht, Wilhelm und Heinrich, sowie die hier anwesenden Fürstlichkeiten, Minister und Generale beiwohnten.
— Der Kaiser und die Kaiserin sind um 1 Uhr unter dem Donner der Geschütze und den begeisterten Zurufen der Menschenmasien nach Schloß Brühl zurückgekehrt, von wo um 3 Uhr die Rückreise nach Baden-Baden erfolgt. — Die Ankunft des kaiserlichen Paares fand kurz vor l^/r Uhr mit dem König von Sachsen und den Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses statr. Alle begaben sich sofort nach dem Kaiser-Pavillon auf dem Domhof, wo die hier wohnenden Fürstlichkeiten bereits versammelt waren. Wenige Minuten später zog der historische Festzug an dem Kaiser.Pavillon vorüber. Der Festzug, aus mehr als tausend Personen und mehreren hundert Pferden bestehend, machte einen prachtvollen Eindruck. Die Costüme waren glänzend. Die Schlußgruppe bildete ein Wagen mit dem vollendeten Dome, von der „Germania" überragt und umgeben von mit Siegeskränzen geschmückten Kriegern, darunter auch Bayern, Sachsen und Württemberger. — Das Wetter war schön.
Köln, 16. Octbr., Abends. Auf dem Banket der Stadt Köln im Gürzenich brachte der Oberbürgermeister Becker den Toast auf den Kaiser aus. Der Kronprinz brachte folgenden Toast aus: Indem Ich die Stadt Köln zur endlichen Vollendung ihres herrlichen Domes beglückwünsche, bekenne Ich gern, wie es Mich freudig bewegt, die schöne Feier dieses Tages mit ihren Bewohnern an der Seite Sr. Mas. des Kaisers und im Kreise erlauchter deutscher Fürsten und der Vertreter der freien deutschen Städte zu begehen. Ich begrüße die Einsetzung des Schlußsteins unseres größten Baudenkmals als ein Zeichen deutschen Fleißes und deutscher Ausdauer, würdig der Zett, welche unserem Volke die beiß ersehnte Einheit gebracht, welche eS nach großen Thaten zur ruhmvollen Wiederherstellung von Kaiser und Reich geführt hat. Es war noch während eines glänzenden Abschnittes der vaterländischen Geschichte, da der Bau des Domes in Angriff genommen ward. In wechselnden Schicksalen hat sich dann Jahrhunderte lang das Leben der Deutschen bewegt, bis es dem heutigen Geschlechte vergönnt ist, das Werk vollendet zu sehen. Möge es uns allen eine Mahnung sein, jetzt und immerdar feftzuhalten an unseren höchsten Gütern, an deutschem Sinn und Wesen, an deutscher Gottesfurcht, an deutschem Ernst in Kunst, Gewerbe und Wissenschaft, und möge es ein Sinnbild sein und bleiben der deutschen Treue und Einheit! Wie das ganze Vaterland Thril an ihm hat, so möge es bis in die fernsten Zeiten dauern, ein deutsches Werk, zu freudiger Erhebung eines großen, glücklichen, in Frieden geeinten Volkes! In dieser Gesinnung trinke Ich auf das Wohl der Stadt Köln und des Vaterlandes! Der Toast wurde mit stürmischer Begeisterung ausgenommen. Die Aufhebung des Bankets erfolgte gegen 7i/2 Uhr.
Stuttgart, 16. Octbr. Der hiesige Architecten-Veretn hielt gestern Abend eine Festsitzung zu Ehren der Kölner Dombaufeier. Profeffor Lübke sprach über die nationale Bedeutung des Kölner Bauwerks und schloß mit einem Hoch auf Kaiser und Reich.
Hesterreich.
Wien, 16. October. Das „Vaterland" veröffentlicht ein Circular, welches zu einem allgemeinen deutsch - conservattven Parteitage im November nach Linz einladet, um feierlich Verwahrung einzulegen gegen die Behauptung der liberalen Partei, daß sie allein die Deutsch-Oesterretcher vertrete und allein dem Kaiser, dem Reiche und dem Gesetze treu sei.
Wien, 16. October. Die „Poltt. Corresp." meldet: Der Mord des österreichischen Dragomans und der Gemahlin deffelben am 12. ds. Mts. zu Prizrend veranlaßte die österreichische Regierung, den dortigen Consul Wald- gart, den einzigen Consular-Functionär, welcher noch in Prizend verblieben war, aus Sicherheitsgründen anzuweisen, gleichfalls Prizrend zu verlaffen. — Einer weiteren Meldung der „Poltt. Corresp." aus Konstantinopel zufolge ist der Mord anläßlich eines Diebstahls erfolgt. Die Pforte hat auf telegraphischem Wege die energische Verfolgung des Mordes angeordnet.
Irankreich.
Pari-, 16. Octbr. Aus Baostch wird gemeldet, der montenegrinische Ober-Commandtrende habe mit der türkischen Garde und den regulären Truppen ein Lager in der Sutorina errichtet.
Paris, 16. Octbr. Vier italienische Ba^nabiten aus dem Ordens- Hause der Rue Montcaux wurden angewiesen, Frankreich innerhalb 24 Stunden zu verlaffen. — In Agen wurden die Karmeliter heute früh ausgewtesen, nachdem von der Polizei die Thüren gewaltsam geöffnet worden waren, worüber Protest erhoben wurde.
Toulouse, 14. Octbr. Dem „Francais" wird von hier telegraphirt: „Heute früh um 9 Uhr hat der Polizei-Commisiär, von einem Geschwader Stadtsergeanten begleitet, das College Sainte Marie (eine Ex-Jesutten-Anstalt) von mehreren Abthetlungen Gensd'armerte zu Pferde und zu Fuß einschließen laffen. Dann trat der Commtffär mit seinen Agenten in die Anstalt ein und schritt zu der gewaltsamen Vertreibung einer gewiffen Anzahl von Profesioren, welche er beschuldigte, als Mitglieder der Gesellschaft Jesu eine gesetzlich verpönte Congregation zu bilden. Unter den vertriebe,.en Profesioren nennt man: den Studienpräfecten, den Director des Externats und sechs Lehrer in verschiedenen Unterrichtszweigen. Eine große Menschenmenge füllte die Slraßen, welche zu dem College Sainte Marte führen. Fünfzig Familienväter, deren Söhne die Anstalt besuchen, haben sofort einen entschiedenen Protest aufgesetzt und es sind bereits Schritte gethan, um den Polizei-Commisiär und seine Agenten bei dem Strafgericht zu verfolgen. \
Rußland.
Petersburg, 16. Octbr. Dem Vernehmen nach reist Loris-Melikoff heute nach Lwavta.
Türkei.
Konstantinopel, 16. Octob-r. Die Pforte wird zur unverzüglichen Durchführung der Reformen in Armenien auf Grundlage der von Baker Pascha gemachten Vorschläge zwei Commissionen ernennen. Die erste in Konstantinopel tagende Commission wird sich theoretisch mit den Reformen beschäftigen, während der anderen Commission die Ausführung an Ort und Stelle obliegen wird.
Konstantinopel, 16. October. Die Pforte erneuerte gestern Riza Pascha's Weisungen zur friedlichen Uebergabe Dulctgnos in dringlicher Weise, indem sie bie hervorragende Wichtigkeit dieser Uebergabe betonte.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'S telegr. Correspondenz-Bureau.
Petersburg, 17. Octbr. Der Großfürst-Thronfolger mit Gemahlin und Kmdern, sowie der Minister des Innern, Loris-Melikoff, sind gestern nach Livadta abgereist.
Paris, 17. October. Das Amtsblatt publicirtt die Ernennung des Generals Zeutz zum Commandanten des 11. Armee-Corps au Stelle Ciffey's.
Wien, 17. October. Die „Montagsrevue" erklärt, daß trotz des Seitens der Pforte kundgegebenen ernsten Willens, Dulctgno zu übergeben, die Flotte angewiesen sei, bis zur gänzlichen Erledigung der Dulcignofrage bet Cattaro zu verbleiben. Die nächste Entwickelung weise nur beruhigende Momente auf.
Paris, 17. Octbr. Eine Versammlung von Bonapartisten im Circus Fernando, welche von der dem Prinzen Jerome Napoleon feindselig gegenüber- stehenden Bonapartistengruppe veranstaltet war, nahm einen Antrag an, wonach Jerome ersucht werden soll, auf jede Candidatur zu verzichten und seinen Sohn Victor als Erben des Kaiserreichs anzuerkernen.
Wien, 17. Octbr. E ne Extra-Ausgabe der „Poltt. Corresp." meldet aus Cettinje vom 17. ds.: Der von der türkischen Regierung zur Besprechung über die Modalitäten der Uebergabe Dulcignos entsendete Oberst Bedri Bey ist gestern in Rijeka etngetroffen, von wo er ein Schreiben an die montenegrinische Regierung richtete, um dieselbe zur Entsendung eines Delegirten nach Rijeka einzuladen.
New'N^rk, 17. Octbr. Bet dem Umzuge der Demokraten tn Wilmington (Delaware) wurde von dem Dache eines Hauses auf den Zug ge- schoffen und tn Folge deffen 6 Personen verwundet. Dte Demokraten erwiderten das Feuer, zerstörten das Haus und verwundeten mehrere Angreifer.
L v k a t e s.
Gießen, 18. Octbr. In der am Samstag Nachmittag abgehaltenrn außerordentlichen Sitzung der Stadtverordneten wurde Lehrer Fuhr von Wicjcck als Lehrer der ersten Elaste der Stadt,nädchcnjchule, sowie Metzger F r. S t o o ß als F.eijchbeschauer der Stadt Gießen ernannt
— Ein Vergnügen mit etwas feuchtem Ausgang bereitete am Samstag Abend ein hiesiger Bürger drei Kindern auf der Bachgasse. Derjelbe fuhr die Kleinen auf einem Karren spazieren. Durch irgend welchen Zufall kam dem Kinderfreund das Fuhrwerk aus der Hand und rollte eiligst mit den schreienden Insassen die Treppe hinunter in das kühle Wasser der Slactbach. Muthig stürzte nun auch der Anstifter der Wasserparihie nach und rettete emsig zunächst die durchnäßten Kinder und dann den Karren. Hoffentlich kommen sämmtliche Betheillgcen mit dem Schreck und den naffen Hosen davon.
— Gestern wurde ein Arbeiter verhaftet; derselbe hatte einem Dienstmädchen Geld aus dem Portemonnaie gestohlen.
— Die veiflvssene Nacht war eine sehr unruhige zu nennen. Lärmende Gruppen waren oft anzutreffen und hatten Vie Schutzleute alle Energie aufzubieten, um v,ohcnve Streltigketten zu schlichten. Es sind denn auch 15 Anzeigen wegen Ruhestörung zu erstatten gewesen.
(Kingesandt.
Die kritisirenden Bemerkungen, welche die „Oberhesstschen Nachrichten" tn ihrer letzten Nummer über die Rebe des Rcichstagsabgeoodnetcn Löwe bringen, sind zwar im Allgemeinen ziemlich bedeutungslos, doch sichen einige Punclc derselben in zu ausfälligem Gegensatz zu de-, thalsächNchen Verhältnissen, als daß man dieselben ohne sofortige Klarstellung pajsircn lassen dürfte. Vornehmlich befremdet es uns, den Kritiker sich vernehmen zu laffen, wie folgt:
„Die neuen Steucrprojecte des Reichskanzlers werden so allgemein mißbilligt, daß der Redner offene Thüren mit seiner Kritik einstieß."
Vergleicht man nun mit dieser Auslassung die fortgesetzten Kundgebungen der vornehmsten Parteiorgane der Nationalliberalen, z. B der „Köln. Zeitung", „National Zeitung :c. un Zu sammenhang mit der bekannten Rede Bennigicns, so sinket nun sich unschwer davon überzeugt, daß Fürst Bismarck auch für seine neuesten Steuerprojecte brr Unterstützung der Nationalliberalen sicher ist. Man bringt dem Fürsten von bieser Seite gewiffirmatzen auf dem Präjenlirteller. wenn man sich dieses trivialen Ausdrucks bcoLnen darf, ein ganzes Bouquet neuer Steuern, bestehend aus der „Bier-, Branntwein , Börsen- und Wehrsteuer" entgegen, und folgt der Reichskanzler seiner seitherigen Maxime, so wird derselbe ciwaS mehr, als gerade nöthig, fordern, um den Nationalliberalen die Gelegenheit nicht entgehen zu lassen, eins der bekannten günstigen Compromiffe abzuschlreßen.
Auch dürfte seitens unseres Kritikers der Ausspruch, „daß man das Tabaksmonopol von allen Seiten perhorrescirt", wohl nicht erfolgt sein, wenn sich derselbe daran cr.nnrrl hätte, daß gegen Snbc des vorigen Jahres ober zu Beginn des jetzigen, :e als Paitclorgan der Natlonai Liberalen hochangcsehcne „Kölner Zeitung" so freundlich war, den Reichskanzler aufzuforbern, die leidige Monopoifragc auf kürzeste Art, aber auf seine eigene moralische Vn antwortlichkeit zu erledigen.
Jntereffant würde cs gewesen sein, bei damaliger Gelegenheit von der „Kölnerin" zu er fahren, wie sie sich die Mitwirkung ihrer Partei bei dem von ihr empfohlenen Experiment gedacht, doch darüber ließ uns bas edle Blatt im Unklaren, wahrscheinlicb im Vertrauen darauf, daß irgend ein fin iger Partctgcnoffe die Lösung des angeregten Problems in die Hand nehmen würde.
Die weiteren Expcctorationcn der „Oberh. Nachrichten" übergehen wir, weil wir glauben, überzeugt sein zu dürfen, daß der gesunde Sinn unserer Mitbürger zu entscheiden wiffen wird, auf welcher Seite wirklich freisinnige Bestrebungen aufrichtige Unterstützung finden. X.
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 16. Octobcr. (Marktbericht.. Der heutige Heu- und Strohmarkt toci gut befahren. Heu kostete je nach Qualität der Etr. 2.50—4.00, Stroh 2.50—0 00 Butter das Pfo im Großen 1. Qual, jl 1.00—00, 2 Qual JL 0.90—Oa, im Detail oat Pft. vtt 1.30—0(i, 2. Qual. JL 1.20—00. Eier bas Hundert ital. JL. 7.00, deutsche Eier 5.80 JL Ochsenflench per Pfund 65—70 Kuh, Rind und Farrenfleisch 45—60 Kalb fietscb 50—70 H, Hammelfleisch 45—65 Schweinefleijck 75—80 H, ein Hahn jt 10" bis 1.80, ein Huhn v4L 1.70—2.00, «ine Ente Jt 2.00—2.20, eine Taube 45 — 50 Garu
v4L 5.OO-6OO, Hasen das Siück JL 3.50—4.oO, Feldhuhn JL 1.00-1.50, Rehbock das Pfv. 75- 80 Kapaunen 0 - 0.00, Wälscher Hahn 0—0. Kartoffeln 100 Ko. JL 5.50—6 Kohlrabi 6—8 Blumenkohl 1 St. 20-50 H, Wirsing 10—15 Gelberübcn 1 öuri 10—20 Zwiebeln 1 Bund 6 Sellerie bas Stück 6H, Mcerrettig 1 Stück 00—00 x., Spargel das Pfund 00—00,$, Romain-Salat 30 - 00 H, Endivien 10—0 Rothkrau; 15—20 Weißkraut 50 H, Ärtischoken 10—20 Erbsen das Pfb. 00 H.
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