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18.9.1880
 
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Samstag den 18. September

1880

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Deutschland.

Darmstadt, 16. Sept. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Alkrgnädigst geruht:

Am 8. Septbr. den außerordentlichen Professor bei der philosophischen zakultät der Landes-Universität und zweiten Lehrer der Forstwissenschaft, Dr. Herwann St ötzer, auf sein Nachsuchen von seiner Dienststelle, mit Wir­kung vom 1. October d. Js. an, zu entlassen.

Nachdem Seine Königliche Hoheit der Großherzog am Dienstag Abend Berlin verlasien und Mittwoch Vormittags mehrere Stunden die Aus­stellung in Düsseldorf besucht hatten, sind Allerhöchstdieselben gestern Nach­mittag mit J.J. K. Gr. H H. dem Erbgroßherzog und den Prinzessinnen Irene und Alix in Köln zusommengetroffen und über Vliessingen nach Erg- lanb abgereist.

m. Darmstadt, 16. September. Auch der Finanzausschuß der

PreiS vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloh«. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50

pattgehabten und noch stattfindenden Berichtigungen der Grundbücher über Domänen des Großh. Familienfideicommisses und des Landesetgenthums.

Berlin. (Die Aufgaben des Reichstages). Welche hohen idealen

zweiten Kammer der Stände ist auf Donnerstag den 23. d. M. zu einer Sitzung einberusen, in welcher verschiedene Berichterstattungen erfolgen sollen. Nachmittage desselben Tages wird sodann eine gemeinschaftliche Sitzung Vertretern Großh. Ministeriums stattfinden in Betreff der Vorlage wegen

Rußland und der Orient.

Von Zeit zu Zett taucht in Rußland der Gedanke wieder auf, der ganze Orient existire nur noch von Rußlands Gnaden, und da die übrigen Groß­mächte zu langsam vorgehen, so sei der russischeProtektor" verpflichtet, sein Werk der Glaubensbefreiung durchzuführen. Die Halsstarrigkeit der Pforte bietet den besten Vorwand für eine neue Intervention, und daß die nächste russische Exekution weniger uneigennützig sein dürste, als im vorigen orientali­schen Kriege, dürfte wohl klar sein. Man fängt in Rußland auf's Neue an, panslavtstisch zu wühlen; eine Spitze der Agitationen richtet si-b gegen die Türkei, die andere gegen Deutschland und Oesterreich, welche beiden Mächte tu London und in Petersburg die bestimmte Erklärung abgegeben haben, sie würden nicht dulden, daß russischerseits neue Confltctc im Orient unter philantropischen Vorwänden entfcsielt würden.

England und Rußland sehen mit dem größten Mißtrauen auf die encr- Me Haltung von Oesterreich und Deutschland der ortentaltschen Frage gegen­über hin. Die Moskauer und Petersburger Presie feuert wieder ganze Breit­seiten slavtschen Ingrimms auf Deutschland-Oesterreich ab. Die galizische Wserretse liegt den Ruflen noch immer im Magen, denn je enthustastischcr die Polen den österreichischen Kaiser begrüßten, um so anti-russischer erschien die Reise. Darauf folgte die unerwartete Zusammenkunft Bismarck's mit Baron von Haymerle, welche den Rusten und den Engländern Unbehagen verursachte.

Von England aus suchte man zu verbreiten, man habe in Friedrichsruhe über den Beitritt Italiens zu einer mitteleuropäischen Allianz debattirt, aber der Z-reck dieser Ausstreuung ist zu durchsichtig: man will Frankreich, indem man ihm einredet, Deutschland und O-sterreick würden den Franzosen in Tunis und im Mittelmeer durch die Unterstützung der Italiener unbequem werden, mit Deutschland und Oesterreich verfeinden und zu einer englisch-russischen Manz hinüberziehen.

Um das europäische Concert ist es jedenfalls schwach bestellt; die Stärke der Türkei liegt in der Schwäche der vereinigten, aber doch uneinigen Groß- Mächte. Die Gerüchte von eigenmächtigem Vorgehen Englands und neuerdings Rußlands sind bezeichnend für dieeuropäische Einigkeit." Wie weit die eng­lischen und russischen Hetzereien wirksam sein oder gar den Frieden bedrohen könnten, läßt sich heute noch nicht beurtheilen. Nur so viel steht fest: Gehen England und Rußland eigenmächtig in der Türket vor, so wird auch Oester- reich seine Heeressäulen vorwärts schieben, und Deutschland wird ihm den Rücken decken.

Steuern, in einer stetig wachsenden Belastung des Volkes durch neue Abgaben Ein Reichstag, der wirklich eine unabhängige Vertretung des freien Bürger- und Bauernstandes, der breiten und mächtigen Mittelschicht des deutschen Volkes ist, wird also in erster Linie alle neuen unnöthigen Belastungen ab­weisen und dahin streben müsien, die indirecten Abgaben, welche die ärmere Klasse ungerecht belasten, zu beseitigen. Die Wahrung der constitutionellen Rechte ist daher selbstverständlich.

Man könnte nun leicht eine ganze Reihe wirthschaftlicher und politischer Wünsche des Volkes al« weitere Aufgaben für den Reichstag aufstellen. D«r allgemeine Charakter der Wünsche liegt aber immer darin, daß das Volk die wirthschaftliche Freiheit als die Grundlage der materiellen Wohlfahrt erhalten zu sehen wünscht; die weiterenRevisionen" der Gewerbeordnung müsien ver- schwinden, und von der Beschränkung der Wechselfähigkeit will das Volk ebenso wenig etwas wisien, wie der deutsche Juristentag. Die religiösen und politischen Fragen sind gewiß hochrnteresiant, aber als nächste und wichtigste Aufgaben des Reichstages erachtet man das Beseitigen der unruhigen Zeiten für das Wirthschastslebcn, die Förderung des Wohlstandes der Nation-

Berlin, 15. Septbr. Der König und die Königin von Griechenland verabschiedeten sich heute Vormitttag 9 Uhr von der Kaiserin, kehrten aus dem Palais in'« Schloß zurück, wo inzwischen der griechische Gesandte Rangabe sich eingefunden hatte, und fuhren um 10 Uhr 20 Min. mit dem Herzog von Cambridge auf der Nordbahn nach Neu-Strelitz, wo auch der König von Dänemark anwesend ist. Von dort treffen sie am Nachmittag, der Herzog von Cambridge Abends 11 Uhr hier wieder ein. Um 8 Uhr Abends erfolgt die Abreise des griechischen Königspaares auf der Anhaltischen Bahn. Gestern Abend gab es eine Theegesellschast, an welcher der Kronprinz Rudolf, der Großherzog von Mecklenburg und der Herzog von Cambridge theilnahmen. Erzherzog Rudolf begab sich heute Vormittag 8 Uhr vierspännig mit Gefolge und Ehrendienst nach Lickterfelde und traf dort mit unserem Kronprinzen zu- sammen; beide besichtigten alsdann die Cadettenanstalt. Von dort kommen beide Mittags nach Berlin. Erzherzog Rudolf giebt Nachmittags 1 Uhr im Gardes du Corps-Saal des königl. Schlaffes dem Officier-Corps des Kaiser- Franz-Garde-Grenadier-Regiments und seines 11. Ulanen-Regiments ein Dejeuner. Zum Diner begibt er sich zum Kronprinzen nach dem Neuen Palais, woselbst auch die Kaiserin, die Mitglieder der königl. Familie und die fremden Fürstlichkeiten speisen. Morgen fährt er zu seinem Ulauen-Regiment in's Cantonnement. Am Samstag wird er Berlin wieder verlasien. Der Großherzog von Hesien ist gestern Abend 10 Uhr nach Düsseldorf abgereist.

Berlin, 15. Septbr. Aus Süddeutschland schreibt man: Herr v. Varnbüler hat in seinem am 5. ds. zu Ludwigsburg gehaltenen Rechen- schaftsbericht als Vater des neuen Schutzzoll-Tarifs feine Leistungen auf diesem Gebiete und seine Grundsätze über die indirecte Besteuerung in ausgedehnter Rede behandelt und dabei auch des Tabake Monopols warm empfehlend gedacht. Nach Zeitungsberichten äußerte er sich u. Ä. dahin, daß man durch das Mo­nopol, bei einem Gewinn von 150,000,000 für das Reich, garnicht be­

deutend" theurer rauche als bisher und daß mau die Luxus-Cigarren noch viel theurer als bis jetzt, die geringeren Lorten deshalb verhältnißmäßig billiger abgeben könne. Dieser Appell zu Gunstender Pfeife und Cigarre des armen Mannes" klingt recht vielversprechend und würde das Monopol in rosigem Lichte erscheinen lasten, wenn nur Herr v. Varnbüler nicht vergesten hätte, sein vermuthlich bei Emsichtnahnie d-r Straßburger Tabaksmanufaktur entdecktes Geheimniß mitzutheilen, die bekanntlich jener Schtlderung ganz ent­gegengesetzte Wirkung staatlicher Tabaksregien aufzuheben und in« Gegentheil zu verwandeln. Denn die Erfahrungen in Oesterreich, Frankreich rc. lehren, daß die Preise der geringeren und resp. billigen Tabaksfabrikate fortdauernd gesteigert werden mußten (in Frankreich z. B. bei ordinärem Tabak bis auf ca. 660 pCt. der Selbstkosten), und dagegen dtp feinen Cigarren und ganz besonders die importirten Sorten mit einem nur knappen Nutzen lastenden Aufschlag auf den Kostenpreis verkauft werden mußten. Letzteres deshalb, um bie Defraudation durch trotzdem in kolossalem Umfang betriebenen Schmuggel einigermaßen zu hemmen. Beim Monopol muß also der ärmere Mann als Coiisumeut der Mastenproduction geringerer Tabaksfabrikate einen nicht unbedeutenden Theil der Steuer mitbezahlen, welcheben reichen Raucher treffen sollte. , , , , .

Potsdam, 14. Septbr., Abends. Zufolge einer so eben bei oem Kronprinzen aus Ferrol eingegangenen Nachricht ist Sr. Majestät Schiff Prinz Adalbert", an besten Bord sich Prinz Heinrich befindet, dort glücklich eingetroffen.

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Telegraphische Depeschen.

Wagner'S telegr. Correfpondenz-Brrreau.

Ragusa, 16. September. Der englische Viceadnnral Seymour über- nimmt am 20. ds. das Commando der vereinigten Kriegsschiffe der^Liächte. Derselbe h^t das AvisoschiffHelikon" zur Recognoscirung in die Gewässer von Dulcigno entsendet. Von österreichischen Kriegsschiffen nehmen nur zwei Panzerfahrzeuge unter dem Befehle eines Schiffs'Capitans an der Flotten- Demonstration Theil. c

Berlin, 16. Septbr. Die aus den 17. ds. angesetzte Sitzung des

llusdrücke auch die politischen Parteiprogramme für die Zukunft anwenden, in letzter Linie handelt es sich beimconstitutionellen System" wie bei derpar­lamentarischen Regierung" um Geld. Für den Fürsten Bismarck handelt t? sich nicht um wirthschaftliche Probleme und Sonderinteresten, sondern um - bie finanzielle Vermehrung der selbstständigen Einnahmen ves Reichs. Er arbeitet nicht für die Privatkafle der Fabrikanten, sondern für den Reichs- Bms, besten Unabhängigkeit von den Partikularstaaten er erstrebt hat. Der Reichstag hat dem gegenüber die Aufgabe, dafür zu sorgen, daß durch die Vermehrung der indirecten Abgaben weder die productive Kraft der Ration Md der freie Verkehr, noch auch das vollkommen unentbehrliche Vndgetrecht des Reichstages beeinträchtigt werde.

Wie dies zu erreichen ist, bildet den Kernpunkt der parlamentarischen Rümpfe. Die liberale Partei hat ihre gouvernementale Stellung verloren, die nicht viel werth war, denn sie hatte alle Verantwortlichkeit und keinen Einfluß, olle Pflichten ohne Rechte. Die Gesetze der neuen Aera, anfänglich brauchbare Ellmpromisie zwischen der liberalen Partei und der conservativen Negierung, fltib nicht mehr schöpferische Neuerungen, sondern Beschränkungen des Ge- slhaffenen; schöpferisch war die conservativ-klerikale Reaction nur in neuen

1880.

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