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ist weggeschwemmt und gleichen die Berge ringsum einem Steinhaufen. Der Schaden ist vor­läufig nicht zu übersehen. Selbst der Bahnkörper ist an verschiedenen Stellen von den Fluthen bloßgelegt und mußte in Folge besten der um 6 Uhr Freitags von Nordhausen kommende Zug bet Osterhagen liegen bleiben. Aus Silkerode schreibt man, daß die Fluthen mit Bauholz be­ladene Wagen in s Gerolle gebracht haben, ein Beweis dafür, wie stark die Wastermengen waren Am Sonnabend schlug der Blitz in ein Haus in Barbis und brannten außer diesem noch zwei andere große Gehöfte ab. Die unglücklichen Abgebrannten, denen das Wasser Tags zuvor die Früchte ihres Fleißes raubte, stehen heute rathlos an dem Trümmerhaufen ihres Heims, in welchem sie sich noch vor so kurzer Zeit so glücklich wähnten.

(Bütgerstolz.) Das anspruchsvolle Selbstgefühl, welches sich gegen Ende des Mittel­alters in den Städten, die der Hansa angehörten, bei ihren Bürgern ausbtldete, artete oft zum tollsten Uebermuthe gegen den hochweisen Rath aus. Ein charakteristisch komisches Beispiel davon berichtet eine alte Chronik der Stadt Hildesheim. Ein Fuhrmann Namens Teigler, der wegen seiner Eulenspiegeleien in der Stadt verrufen war, weckte eines Nachts seinen Sohn mit den Worten:Junge, steh' up!" Er befiehlt ihm, sich anzukletden, führt ihn dann zum Hause des ersten Bürgermeisters, pocht desten Leute aus dem Schlafe und verlangt vorgelaffen zu werden. Im Glauben, es handle sich um eine wichtige Stadtangelegenheit, weckten die Leute den Bürgermeister und dieser empfängt unseren Teigler, welcher das Stadtoberhaupt mit Gebührlichkeit und Reverenz" begrüßt. Dann spricht er zu seinem Knuben:Sieh, dat is dat Recht von em hilmischen Börger, dat hei in aller und jeder Tcht den Borgemester spreken kann. Nichts vor ungut, Herr Borgemester." Darauf entfernt er sich mit schlichtem Nachtgruße. Die Strafe folgte natürlich auf dem Fuße. Schon am nächsten Tage wurde Teigler durch eine Abtheilung Stadtsoldaten verhaftet und in denbürgerlichen Gewahrsam' gebracht, wo er bet Master und Brod ein paar Tage sitzen mußte und dann mit dem Bedeuten entlasten wurde, er möge nun seinem Sohne auch deutlich machen, welche Rechte demhilmischen Borgemester" zuständen.

Als man in Petersburg die tobte Czaritza mit feierlichem Pomp zu Grab geleitete, va hat namentlich ein schwarzer Ritter im Leichenzuge die Augm der zu beiden Seiten des Zuges dickt gedrängt stehenden Menschenmasten auf sich gelenkt. Dieser Ritter, oder der ,,Geharnischte", wie et genannt wird, schritt im vorderen Zuge hinter den Fahnen und Wappen einher in ganz schwarzem Panzer mit mächtigem schwarzen Helm und großen schwarzen Ritter­federn darauf, schwarzen Arm- und Beinschienen und schwarzen eisernen Handschuhen, kurz, kohlsckwarz von oben bis unten, in schweres Eisen gekleidet und in der Hand ein entblößtes, breites Schwert haltend, desten Spitze nach unten gesenkt, desten Griff mit schwarzem Flor umwunden war. Der Geharnischte darf bei keinem kaiserlichen Begräbniß fehlen; man sucht dazu einen außergewöhnlich starken Mann aus, denn es ist keine Kleinigkeit, erst stundenlang in einer ungemein schweren vollen Rüstung auf die Ordnung und Bewegung des Zuges zu warten und dann nock den weiten Weg von dem Palast bis zur Festung zu Fuß zurückzulegen, mit dem großen Rttte'rschwert in der Rechten. Zu Kaiser Nicolaus Begräbniß stellte den Gc- barnisckten ein Schornsteinfeger dar, der Mann brach aber unterwegs zusammen; als der aitefte Sohn Alexanders II. begraben wurde, übernahm ein Trompeter vom Chevalier-Garderegiment seine Rolle. Wer diesmal den schwarzen Ritter gegeben hat, weiß man nicht. Man hat nur gcseben, daß er einen als Stadtsergeant gekleideten Menschen zur Seite hatte, welcher beständig bemüht war, dem armen Gefolterten Muth und Trost einzusprechen. Zuletzt aber, als die Gewerbe fick vor der Festung aufstellten, da konnte der Schwarze nicht mehr, ft legte das riesige Ritterschwert in die Hände seines Führers und wankte seitwärts nach einem verdeckten Wagen zu. Die Promenade schien ihm nicht besonders bekommen zu sein Hinter dem Ge- barnischten fiel der überaus kostbare, von acht mit vergoldeten Zäumen geschirrten Schimmeln gezogene Paradewagen der Kaiserin auf. Der Wagen bestand buchstäblich aus Gold oder Ver­goldung von den Rädern angefangen bis zur Decke und Deichsel. Ein Dutzend in Gold und Weiß gekleidete Lakaien umschwärmten ihn wie die Bienen. In Betreff der Herolde, welche am 25. (alten Styles) Mai dem Publikum die Nachricht von der Ueberführung der irdischen Hülle der Kaiserin verkündeten, wird noch gemeldet, daß die Functionen derselben von dem Wirkt. Staarsrath von Reutern und dem Ober-Secretär des Senats Pribylskij. ausgeübt wurden Als deren Begleiter fungirten die Ober-Secretär des Senats Buch und Fürst Obo­lenskij. Der männliche Theil des Publikums hörte die Verkündigung entblößten Hauptes an und viele bekreuzten sich. Der Anzug der Herolde bestand aus einer schwarzsammtenen Toga, vorn und hinten mit gestickten Avlern verziert; auf dem Kopfe trugen sie Hüte mit langen, schwarzen Straußenfedern. Ihre Begleiter waren ähnlich gekleidet, nur die Adler auf dem Rocke fehlten. Am 27. Mai wiederholte sich dieselbe Feierlichkeit zum Zweck der Verkündigung in Bezug auf die Bestattung der sterblichen Hülle der Kaiserin.

[Ritt für Bernsteinwaaren.^ Gummiarabicum wird in warmem Waffer aufgelöst, hierauf wird guter Gyps durck ein Leinentuch getrieben und das feine Pulver dem Gummi zugesetzt. Die gekitteten Waaren läßt man einige Stunden zum Trocknen liegen, der Kitt wird so fest, daß der Bernstein nie an der Kittfuge brechen wird. Man bereite nie mehr von dem Kitt, als augenblicklich verwendet werden soll.

In Tournai (Belgien) ist, wie ein dortiges Blatt meldet, durch einen Irrt hum in der Apotheke der Tod von vier Personen verursacht worden. Die Thatsache ist folgende: Am S. Juni erhielt die Polizei die Meldung, daß in der rue St. Piat ein Arbeiter, Namens Prevost, plötzlich mit allen Merkmalen einer Vergiftung gestorben fei Die sogleich angestellte Untersuchung ergab zum Resultat, daß der Tod eingetreten sei nachdem Prevost den Inhal eines Packets mit angeblich englischem Salz zu sich genommen hatte. Einige^Minutenst»ater erfuhr der Polizei-Commissär, daß ein gleiches Unglück tn der rue du Pot-d Etain geschehen sei wo eine junge Arbeiterin, Namens Ratte, unter den gleichen Symptomen gestorben war, nachdem sie auch ein Packet mitEnglischem Salz' benützt hatte, welches so, wie das -rst-. in der Apotheke des Herrn Piret gekauft worden war. Die unverzüglich in der genannten Apo­

theke vorgenommene Untersuchung ergab, daß ein Commis Namens Canivet aus dem Inhalt einer frisch angelangten Kiste, in welcher erEnglisches Salz" vermuthete, vierzehn Packete zum Verkauf vorbereitet habe. Die ärztliche Secirung der Leichen zeigte jedoch, daß sich in der Kiste nicht Englisches, sondernSauerkleesalz" befunden habe. Der Morgen war noch nicht verstrichen, so wurde sckon der dritte Todesfall gemeldet es war ein junger Mann in Jollain-Merlin und endlich am Abend erfuhr man, daß ein junges Mävchen in Maulde gleichfalls nach dem Genuß eines solchen Packets gestorben sei. Die sehr rasch geführte Untersuchung dieses entsetzlichen Vorfalls machte ersichtlich, daß schon sieben derlei Packete ver­kauft worden waren und man befürchtet demnach, jeden Augenblick von neuen Unglücksfällen zu hören.

[Ein zärtliches Äinb.J Welche Mittel die Amerikaner anmenden, um ein volles Haus" zu erzielen, dafür möge folgendes Beispiel sprechen. Ein Menagerie- desitzer zeigt an, daß sein gelehriger Elephant zu seinem Benefiz auf einem prachtvollen Erard einige Klavierstücke vortraaen werde. Alles rennt hin, um den neuen Virtuosen zu hören, und eine große Einnahme wurde errielt- Vor Schluß der Vorstellung wird ein schönes, nagelneues Pianoforte mitten in den Circus hineingestellt und der Deckel abgehoben. Lautlose Stille. Der Elephant tritt nach den üblichen Verbeugungen an das Instrument, hebt endlich seinen Fuß und setzt ihn auf die Claviatur- Plötzlich er­hebt er ein schreckliches Geschrei, das wie Weinen klingt und die Zuschauer mit nicht geringer Angst erfüllt. Der Besitzer des Thieres tritt endlich hinzu, und nachdem er seinen Kopf in den Rachen des Elephanten gesteckt, um dort die Ursache des Weinens zu erfahren, läßt er den Virtuosen vom Clavier wegführen, indem er der staunenden Menge verkündet:Der Elephant könne auf diesem Clavier nicht spielen, da er zu tief ergriffen sei, weil er in den Tasten der Claviatur die Zähne seiner Mutier erkannt habe!"

Aus dem Meininger Unterland wird derDorfztg." geschrieben: Die neue Tabakssteuer fängt an, für uns recht fühlbar zu werden. Sonst konnte man die Tabaks­pflanzen weit oder eng, je nach Belieben und Bedürfniß setzen; den Raum zwischen den Pflanzen benutzten die ärmeren Leute, denen ein Garten mangelte, um ihn mit Runkel- oder Gemüsepflanzen auszufüllen und so jedes Fleckchen nutzbar zu machen. Jetzt dürfen die Tabakspflanzen nur nach Vorschrift in einer bestimmten Weise gesetzt werden, und es ist den Leuten strenge verboten, andere Pflanzen zwischen diesen anzu­bringen. Es dünkt Vielen schon hart genug, daß sie neben Grund und Boden auch noch Das besteuern müssen, was sie darauf bauen, und nun noch diese Beschränkung dazu! Man sieht, der Schnürrleib, der uns angelegt worden ist, wird enger zusammen­gezogen und versetzt uns etwas den Athem.

Sehiffeberieht. Mitgetheilt von dem Agenten deS norddeutschen Lloyl, T. W. Dietz in G ießen.

Bremen, 16. Juni. Der Postdampfer Rhein, Capitän H. Bruns, vom Nord­deutschen Lloyd in Bremen, welcher am 5. Juni von Newyork abgegangen war, ist heute 2 Uhr Morgens wohlbehalten in Southampton angekommen und hat nach Landung der für dort bestimmten Paffagiere, Post und Ladung 4 Uhr Morgens die Reise nach hier fortgesetzt. Derselbe überbringt 271 Paffagiere und volle Ladung.

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 16. Juni. (Marktbericht.) Der heutige Heu- und Strohmarkt war schlecht befahren. Heu kostete je nach Qualität der Centner «M. 2.500.00, Stroh uM* 3.00 3 50 Butter das Pfd. tm Großen 1. Qual. JL 0.8090, 2. Qual. JL 0.00-00, im Detail das Pft. JL 1.2000, 2. Qual. JL 1.1000. Eier das Hundert ital. JL 5.20, deutsche Eier 4.10 Jt, Ochsenfleilch per Pfund 6570 Kuh-, Rind- und Farrenfleisch 4550 H, Kalbfleisch 4055 3), Hammelfleisch 4065 X Schweinefleisch 6070 H, ein Hahn 2.002.50, ein Huhn JL 2.00-2.30, eine Ente JL 2.703.20, eine Taube 70-80 H, Kapaunen JL 3-3.50, Wälscher Hahn JL 618. Kartoffeln 100 Ko. 6.500, Weißkraut das Stück 00(-0^,

Rothkraut, 1 St. 00 H, frische Kohlrabi 56 neuer Blumenkohl 1 St. 50100 Wirsing 00-00 X Zwiebeln 1 Bund 6 Meerrettig 1 Stück 1520 Lattich per Portion 1015 H Kopfsalat 36 H, frische Spargel das Pfund 6070 Radieschen 31 H, Artischoken «5 junge Erbsen das Pfund 30 H, Romain-Salat 40-00 neue Bohnen 100 Stück 1.800 neue Gurken 3040 H.

Limburg, 12. Juni. (Fruchtmarkt.) Rother Weizen JL. 20.85, Weißer Wetzen JL 20.60, Korn JL 16.50, Gerste JL 11.70, Saatgerste JL 00.00, Hafer, JL M5, Erbsen JL. (Durchschnitts preis pro Malter.) Kartoffeln (50 Kilo) JL. 0.00.

Juni 1880. Die Finna H. Underberg-Albrecht am Rothhause in Rheinberg am Niederrhein, welche, seit fast dreißig Jahren schon, auf den meisten Welt- und Industrie-Ausstellungen für den von ihrem Begründer und Inhaber, Seiner Majestät des Deutschen Kaisers und Königs von Preußen rc. rc., Hoflieferanten H. Underberg- Albrecht erfundenen und allein ächt fabricirten Boonehwmp of Maas-Bitter, bekannt unter der Devise:occidit qui non servat, preisgekrönt wurde, feiert in diesem Augenblicke wiederum einen neuen und zwar doppelten Triumph. Wie wir aus zuverlässigster Quelle vernehmen, ist dieser weltberühmten Firma auf der

Australischen Weli-Ausstellung Sydney 1879

für ihren Boonekamp of Maag - Bitter die Preis-Medaille erster Classe und für rhre Nievelsteiner Hohlglas-Fabrikate die Preis-Medaille zweiter Classe zuerkannt worden.

Vergebung von Bauarbeiter!.

4083) Nachbemerkte, an hiesigen fiscalischen Gebäuden auszuführende Arbeiten:

Maurerarbeit, veranfchl. zu 832,50 Zimmerarbeit, 366,40

Schreinerarbeit, 615,50

Schlosierarbeit, 69,50

Weißbinderarbeit, 1175,70

sollen im Submissionsweg vergeben werden.

Voranschläge und Bedingungen liegen bei uns zur Einsicht offen und sind die Offerten versiegelt, portofrei und mit bezüglicher Aufschrift versehen, bi- zum IS. d. Mts., Vormittags 10 Uhr, einzuretchen, in welchem Ter­mine deren Eröffnung erfolgen wird.

Gießen, am 16. Juni 1880. Großherzogl. Kceisbauamt Gießen.

In Vertretung: Volz, KreiSbauaufseher-Aspirant.

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