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139, Freitag den 18. Juni 1880.
Kietzener Hlnzeiger
Meige- Uli Amtsblatt fit den Kreis Gichca.
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} Schulfirahe B. 18.
Erscheint täglich mit Ausnahme des MorttagS.
Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
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auf den
Der „Gießener Anzeiger" erscheint, wie gewohnt, täglich, mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen, mcl. der Beilage „Gießener Familicnblätter", welche dreimal wöchentlich dem Anzeiger beigelegt werden. cx.^dition
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Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher feine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, den Anzeiger auch im III. Quartal 1880 zusenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen.
Wir bitten die neuen Abonnenten, namentlich auswärtige, ihre Bestellungen baldgefalligst aufgeben zu wollen, um vollzah g Exemplare liefern zu können. Di- Expedition.
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Amtlicher Hheil. Bekanntmachung.
Wegen Neubaues des Friede l'schen Hauses bleibt die Paffage von dem Seltersweg durch die Wolkengasse nach der Bahnhofstraße für Fuhrwerke bis auf Weiteres gesperrt. . _
Gießen, den 17. Juni 1880. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.
p * I. V-: Kraemer.
Deutschland.
Berlin, 15. Juni, lieber die Wirkung der neuen Lederzölle auf die Lederindustrie äußert sich die Zeitschrift „Der Ledermarkt" in ihrer letzten Wochenübersicht sehr ungünstig. „Es ist nunmehr", führt sie aus, „nahezu ein halbes Jahr seit dem Inkrafttreten der neuen Lederzölle vergangen und sind wir nun in dieser kurzen Zeit in eine Situation gekommen, wie sie ungünstiger selbst der pessimistischste Freihändler vorausqesehen hätte. Die ganze Branche ohne Ausnahme, Ledererzeuger, Händler und Lederverarbeiter empfinden gleichmäßig die drückende Lage, in die wir gerathen sind, und die sich noch trostloser gestalten wird, wenn das Exportgeschäft, das zufälligerweise momentan günstig liegt, aushören wird, einigermaßen belebend auf den Verkehr einzu- wirken. In den ersten Monaten der neuen Aera gab man sich noch einer gewiffen Täuschung hin, indem man calcultrte, daß vor der Zollerhöhung noch sehr große Posten Leder eingesührt worden seien, die jetzt erst aufgebraucht werden müßten, - dann aber wirke der Segen des neuen Schutzes um so sicherer. Diese Selbsttäuschung kann aber heute nicht länger vorhalten, nachdem wir gesehen, daß die Importe fremder Leder um mehr als die Hä ste abaenommen haben, daß ferner die Lederbestände in Deutschland ungewöhnlich klein sind und trotzdem der Absatz des Fabrikats ein täglich schwieriger, die Erzielung eines bescheidenen Geschäftsgewtnnes nahezu zur puren Unmöglichkeit wird. ES sei fern von uns, für diese ganze Misere einzig und allein die neue Zollpolitik schuldig machen zu wollen, aber wir halten es für unsere Pflicht W untersuchen, inwieweit dieselbe allerdings zu diesen Mißerfolgen beigetragen Kat, damit wenigstens noch Abhülse geschaffen werden kann, ehe unsere Nachbarstaaten durch Represstvmaßregeln auch noch die letzte gesunde Ader unserer Lederindustrie unterbinden. Seitdem die Herstellung von Schuhwerk im Groß- betriebe gegenüber den Kleinschuhmachern dominirend geworden ist, nahm die Lederverarbeitung In Deutschland und Hand in Hand mit ihr die Lederwaaren- aussuhr bedeutend zu. Billig- Arbeitskräfte, vorzügliche Maschinen und ganz besonders die mustergiltige Zusammenstellung der einzelnen Schuh,heile aus genau paffendem und billigem Material bewirkten die hohe Leistungsfähigkeit der deutschen Fabrikanten. Der Weltmarkt war ihm vermöge seiner mäßigen Vretse und gediegenen Arbeit jederzeit offen, und er concurrirte erfolgreich mit Amerika, England und Frankreich an allen überseeischen Absatzgebieten. Dieser Industrie ist nun aber am 1. Januar 1880 durch die neuen Zölle ein schwerer Schlag versetzt worden, da ste nicht mehr In der Lage ist, diejenigen Stiefel» tbeile die st- bisher aus überseeischen Ledern anfertigte, gleich billig aus ein- heimischen Fabrikaten h-rzustellen. Dadurch leidet aber nicht nur di- L-der- waarenindustrie, sondern ebenso di- Lederfabrtkation. Wenn überhaupt den Schuhfabrikanten durch das vertheuerte Material die Ausfuhr seiner Erzeug- niste zur Unmöglichkeit gemacht ist, so muß er eben seinen Betrieb so reduciren, daü i-ine Erzeugung den Begehr des Inlandes nicht übersteigt. Er verar- beitet in Folge deffen aber auch sehr große Quantitäten inländischer Leder weniger als früher, denn nicht alle Theile der ausgesührten Schuhwaaren be- stauden aus ausländischen L-d-rgattungen. Mit einem Worte: di- deutschen Gerber haben durch den bewirkten Zoll den Schuherzeugern zwar das Verarbeiten fremder Leder zur Unmöglichkeit gemacht aber ste haben dadurch di- Confumsähigkeit dieser ihrer Hauptabnehmer so geschwächt, daß sie nun selbst ihr Product In bedeutend geringerem Maßstabe an Letztere absetzen können. Wenn aber di« deutschen Gerber ausschließlich auf inländischen Absatz ange-
wiesen sind, so wird' in einzelnen Artikeln von Zeit zu Zett eine Ueberpro- duction entstehen, deren Folgen den Nutz-n langer Arbeit absorbirey wüsten. Das begrenzte Absatzgebiet gegenüber dem bisher offenen Weltmarkt- macht stch aber heut- schon drückend sühlbar. Das Inland ist gegenwärtig nur gering consumfähig und das Terrain im Ausland-, das unsere Schuhfabriken so mühsam eroberten, wird nach und nach von den concurrtrenden Ländern occupirt. Kommen nun gar noch die von verschiedenen Ländern In Aussicht genommenen Represstvmaßregeln hinzu, so sehen wir uns auf ein Absatzgebiet eingeengt, das heute so mager und übersetzt ist, daß es kaum seinen Mann nähren^kamr.^ M Deutschen Vereins der Rheinprovtnz hat dem
Landtagsabgeordneten Staatsminister Dr. Falk -ine Zuschrift übersandt, worin er sein ungetheiltes Einverständntß mit derjenigen Beurtheilung erklärt, welch- dic kirchenpolitische Vorlage aus Herrn Falk's Munde in den Debatten des Landtages erfahren hat. Die Verwerfung dieser Vorlage, heißt -S in der Zuschrift, ist das einzig Richtige. Schon die Thatsache, daß es möglich gewesen, einen Entwurf solchen Inhalts der Volksvertretung zur Genehmigung zu unterbreiten, erfülle Alle, denen di- Befestigung des Reiches und da« Ansehen der preußischen Monarchie am Herzen liege, mit liefern Bedauern und banger Sorge um die Autorität des Staates. Noch größere Sorge würde die Annahme, sei es auch in erheblich modificirter Gestalt, einflößen. Sollte aber gar durch eine Koalition der Parteien eine im Wesentlichen unveränderte Annahme erzielt werden, so wäre damit die Niederlage der Staatsgewalt in dem uralten Streit mit der römischen Hierarchie wieder einmal auf unbestimmte Zeit hin besiegelt und, weit entfernt, daß damit auch nur der beliebte modus vivendi geschaffen wäre, neuer Anreiz zu übermüthigen Ansprüchen verließen.
— Wie uns mitgethcilt wird, hat sich im Reichsjustizamt in Bezug auf das Gerichtskostenwesen bereits ein sehr umfangreiches Material angesammelt, das bei der bevorstehenden Revision der einschlägigen Gesetzesbestimmungen Verwendung finden soll. Daß die von den Gerichten erstatteten Gutachten über die Wirkungen des neuen GerichtskostentarisS sammt und sonders eine sehr abspr-chend- Kritik enthalten, war nach Lage der Sache zu erwarten, denn nicht blvs in den rechtsuchenden, sondern, und vielleicht noch mehr in den rechtsprechenden Kreisen, hat sich die Ueberzeugung von der Unhalibarkeit des gegenwärtigen Zustandes Bahn gebrochen, so daß die Abhulfe wohl nicht allzulange auf sich warten lasten wird. In welcher Richtung die Reform sich bewegen wird, läßt sich zur Zeit allerdings nur schwer erkennen; doch durfte es sich dabei einstweilen weniger um eine Herabsetzung der Pauschalfätze der Gerichtskosten, als vielmehr um eine völlige Umgestaltung der gesetzlichen Be- stimmungen über das Gebührenwesen der Gerichtsvollzieher ».Handeln, welche die Proceste so enorm vertheuern, und zu so zahlreichen und berechtigten Klagen fort und fort Veranlastung geben- Jedenfalls wird das Institut der Gerichtsvollzieher insofern eine A-nderung erfahren, als das Einkommen der- s-lb-nfixirt und die Vollstr-ckungskosten nach Maßgabe deS früheren Execu- tionskostenwesens bemesten werden. Im Reichsjustizamt ist man wk wir hören, bemüht, -in- entsprechende Gesetzesvorlage so f^eunlg »le mögl ch vor. zubereiten; ob es indeß gelingen wird, dieselbe schon dem nächsten' »fichrtag- zur Beschlußfassung zu unterbreiten, darüber fehlt eS zur Zeit noch an jedem
I ^""Berlin, 15. Juni. ES ist bereits daraus aufmerksam gemacht worden,


