Ausgabe 
18.4.1880 Zweites Blatt
 
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50 000 Gulden durch Einstellung des gleichen Belrages in einen andern Bnd- geiposten zu ersetzen. Der Kaiser nimmt, wie man versichert, eine Demission Taaffe's nicht an, und da die j-tzigen Parteiverhältmsse gesunde Zustände ,,icht ermöglichen, hält man die Auflösung des Parlaments nach Erledigung des Budgets für wahrscheinlich.

Frankreich spitzt sich der Culturkampf immer mehr zu. Der Papst soll durch den Nuntius dem Cabinetspräsidentcn Freycinct einen Protest gegen die Decrete vom 29. März überreicht haben, und der Erzbischof von Paris hat die Regierung aufgesordert, diese Decrete zurückzunehmen. Die französischen Minister nehmen den Kampf gegen die Jesuiten nicht auf die leichte Schulter, sondern machen auch in der Bevölkerung für ihren Rechts­standpunkt Propaganda; ob diese Beredtsamkeit gegenüber Leuten, welcke mUst jesuitisch erzogen sind und ihr Leben durch unter dem Einflüsse der Gesellschaft Jesu stehen, Erfolg haben wird, kann nur die Zukunft lehren.

Während auch in Deutschland die Frage des Friedens mit dem Vatikan in ein neues Stadium getreten ist, da der Papst ein Ultimatum stellt, bekundet die römische Curie auch in Belgien neue Energie. Bielleicht bricht trotz desversöhnlichen Sinnes", den man Leo XIII. zuschreibt, der Culturkampf wieder auf der ganzen Linie aus-

Italien arbeitet gegenwärtig rüstig daran, an seiner Ost- und West, grenze Vertheidigungswerke zu errichten. In seiner militärischen Organisation ist das Königreich gegen andere Staaten allerdings weit zurück, und getreu seiner Großmachtspolitik muß es Alles ausbieten, um die Armee zu verbessern und zu reorganistren. Zur Completirung der Cadres fehlen 3000 Offlciere, und die Landwehr steht bisher nur auf dem Papiere. Die Osficiöjen ver- sichern natürlich, daß alle militärischen Maßregeln keinen kriegerischen Zweck haben, man wolle nur auf alle Eventualitäten vorbereitet sein.

Die Folgen des Regierungswechsels m England treten am meisten in den Balkanländern zu Tage. In Petersburg will man keine Zeit verlieren, um die Gewährung einer localen Selbstregierung für diejenigen christlichen Provinzen zu beantragen, welche unter der türkischen Herrschaft verblieben sind- Das hieße nichts anderes, als die orientalische Frage von Neuem aufwerfen.

Das russische Programm im Orient verlangt, wie derStandard' erfahren haben will, neben der neuen Bedrohung der Türkei auch ein Zu- rückdrängen Oesterreich-Ungarns von der Balkanhalbinsel. Das wäre eine rasche Consequenz der englischen Wahlen! Vorher dürfte allerdings das übrige Europa, insbesondere Deutschland und Oesterreich, ein Wört- lein mitsprechen, bevor es zugiebt, daß der kaum zwei Jahre alte feierliche Vertrag von Berlin in seinen wichtiglien Punkten vernichtet wird.

Lokale».

Gießen, 17. April. (Sitzung der Stadtverordneten am 15. April.) Anwesenv: Herr Bürgermeister Bramm, Herr Beigeorvneter Heß; von Seiten der Stadtverordneten die Herren Gail, Grüneberg, Haustein, Hoch, Hornberger, Kauf. Lüdeking, Ao.Noll, Aug. Noll, Petri, Pfannmüllcr, Schopbach und Wortmann. Herr Bürger­meister Bramm theilt der Versammlung die Ernennung des Herrn Schulinspectors Vigelms zum Dtrector ver höheren Mävchenschule, sowie der Herren Lehrer Dr. Aug Buchhold und Dr. Eduard Molly zu Lehrern an derselben Schule mit - Nach einem Bericht der Commission über die Trinkwasierlcitung ist die Wölbungsarbcit im Hauptstollen fertig, so daß die Rohr­leitung gelegt werden kann Das Quantum des Wassers beträgt im Durchschnittz 8- Cubikfuß per Minute. Auf. Vorschlag der betreffenden Commission wird der Boden nicht, wie vorher bestimmt, cementtrt, sondern sollen zur Faffung des Wassers 5zöllige Thonröbren gelegt werden. Von ver Erschließung anverer Quellen soll vorläufig abgesehen werden. Für die Wicdcrauf- richtung ver durch Feuer zerstörten Arbeitshütte an der Wasserleitung werden die nötbigen

Kosten im Betrage von 20 JL bewilligt. Die Erhebung der Klage gegen die Ortßarmen- verbände Probbach und Freiberg, welch' ersterer auf die an ihn ergangene Aufforderung zur Zahlung von Derpfligungökosten gar nicht antwortete, letzterer wohl die Kosten entrichtete, aber die Portoauslagen zurückzuerstatten sich weigert, wird genehmigt. Das Fahren der 2 städtischen Gießfäsfir wird dem Fuhrmann Christian Spies hier zum Preise von Jt 17.50 per Tag übertragen. Auf ein Rescript Gioßh. Kreisamts an sämmtliche Bürgermeistereien des Kreises, hier an die Bürgermeisterei Gießen, dieselbe möge unter den Ortstafeln auch die sog. Anncxtafeln, welche das Landwehrverhältniß der Stadt Gießen bezeichnen sollen, anbringcn, beschließt die Versammlung, die Anbringung von Annextafeln abzulehnen und spricht sich über­haupt gegen die Aufstellung von Ortstafeln aus. Heinrich Becker, welchem auf sein früheres Gesuch um Erlaubniß zum Bau eines Hauses neben Dem Justizgebäude gestattet worden, das aufzuführende Gebäude 3 » Fuß von der Straßenflucht entfernt zu bauen, will nach einem weiteren Gesuch nur 20 Fuß zurückbauen, da ihm sonst zu viel an dem für Garten und Hof- raum vorgesehenen Platze hinter dem projectirten Gebäude verloren ginge. Es wird jedoch in Rücksicht auf die bereits stehenden Gebäude in dieser Linie auf Antrag der Baudeputation ber schloffen, auf dieses Gesuch nicht einzugehen. Von den zablreich eingdaufenen Gesuchen um Baucrlaubniß re. werden genehmigt die der Herren Georg Stühler (Erbauung eines Wohn­hauses in der Wolffstiaßci; Philipp Wilhelm (Erbauung eines Wohnhauses und Herstellung einer Uebcrbrückung am Wiesecker Weg); Fabrikant Wilhelm Wallenfels (Erbauung eines Pfcrdcstallö und Errichtung eines Hofthors in der Braugaffe); Metzger Wilhelm Vogt (Er­bauung eines Nebengebäudes in der Löwengaffe); ZirnmerrnannHeinrich Ruckstuhl II. (des» gleichen an der Stcinstraße); Karl Plank II. l Errichtung eines Anbaues in der Wolkenqaffe); Philipp Strack (Anlegung einer Einfriedigung an der Bahnhofstraße); Friedrich Emil Loos (Anlegung eines Abweissteir.s); R. Oppenheimer Sohn (Anlegung einer Treppe nach dem Schoorgraben); Friseurs Georg Petri (Anlegung einer Gosse); Maurermeisters Christian Hanbach (Verlegung eines Kalkofens); Karl Euler lVornahme von Bauveränderungen an seinem Hause in der Neustadt!; Maurermeister Jünger (Erbauung eines Nebenhauses); Weiß­binder Wilhelm Seipp (Erbauung eines Schuppens am Wohnhause auf der Grünbergcr Straße); August Montanus (Anlegung einer Einfriedigung); Balthasar Lenz (Anlegung von Abortsgruben an der Bahnhofstraße), werden genehmigt, desgleichen das Gesuch des Vereins für innere Mission um Erlaubniß zur Vornahme von Bauveränderungen an dem für die Herberge zur Heimath bestimmten Hause auf der Rcicheniand Bahnhofstraße. Den Balth. Schmidt Erben und I. Hormann wild auf deßfallsigcs Gesuch auf Antrag der Baudeputation gestattet, ihre Häuser auf der Mäusburg mit Holz zu erbauen. Das frühere Pfandhaus ist soweit wieder restaurirt worden, daß es anderweit verwendet werden kann; die Versammlung beschließt, dasselbe zur Verpachtung auszuschreiben. - Das Gesuch des Gemüsehändlers Johannes Buch um Ueberlassung eines Platzes zur Aufstellung einer Verkaufsbude wird befürwortet und dem­selben ein Platz an der Ecke der Bahnhofstraße und Universitätsstraße gegen einen jährlichen Zins von 3 JL widerruflich überwiesen. Dem Bierbrauer Eduard Pöschel wir die Errichtung eines Hühnerstalls, der theilweise auf städtischem Eigenthum gebaut werden soll, gegen Entrichtung einer jährlichen Abgabe von 40 H auf Widerruf gestattet. Das Gesuch des Weißbinders Heinrich Repp um Ueberlassung eines Lagerplatzes für Kies findet Genehmigung unter dem Bemerken, daß der Platz vom Stadtbaumeister anzugeben sei. Ein weiteres Gesuch des Turnlehrers Chr. RÜbsamen um Ueberlassung städtischen Geländes am Hamm behufs Errichtung eines Wohnhauses in Der Nähe seiner Badeanstalt sand theilweise Erledigung in dem B-.schlusie, den Gcsuchstellcr zu veranlassen, die Sage und Größe des benötigten Geländes vorerst anzu­geben. Auf eingegangene Anfrage, ob tas zwischen der neuen Aula und der Realschule be­findliche Gelände für Bauplätze vorgesehen und deshalb verkäuflich sei, wird beschlosien, das betreffende Gelände nach Bauplätzen einzutheilen und zur Versteigerung auszuschrc.bcn Nach Genehmigung zur Herstellung von Bänken in den Anlagen, sowie zur Errichtung mehrerer Grab­denkmäler auf dem hiesigen Friedhöfe schloß die öffentliche Sitzung.

Gießen, 15. April. (Herberge zur Heimath.^ Es gingen weiter ein:

a. Einmali ge Beiträge : Von Herrn Pfarrverwalter Schöner 5 JL, W. Godef- sroy sen in Hamburg 300 JL, Prof. Dr. Schürer 30 Jt, Frhr. von Löw in Wiesbaden 20 «X, Frhr. von Rabenau zu Friedelhausen 20 JL Frau N. 25 JL

b. Jahres beiträge: Von Herrn Friedrich Tcxtor 10 JL, Rechner Weitz in Dorf- Gill 2 «/Ha-

Zusammen mit den früher quittirten Beiträgen 4759,40 Weitere Beiträge nimmt Kreisamtsgebülsc Döring dahier in Empfang. Zugleich wird zur Kcnntniß derjenigen Be­wohner hiesiger Stadt, welche Beiträge zu zeichne» die Güte hatten, gebracht, daß in den nächsten Tagen ein Sammler (der frühere Schutzmann Stoff er) mit dem Erheben der Gelder beginnen und außerdem eine Hauscollectc vornehmen wird. Wir bitten daher die hiesigen Einwohner, uns durch reichliche Gaben die Mittel zur Erreichung des gesteckten Zieles zu gewähren. Das Comite.

llolmrsteigeruüg

bei der

Stadt Allendorf an der §nmda.

In Len Distrikten Homberg, sowie vorderste und hinterste Mark werden versteigert:

Donnerstag den 22. April,

von Vormittags 9 Uhr an,

73 Etchen-Stämme mit 22,29 cbm Inhalt,

289 Nadel-Stämme mit 79,82 cbm Inhalt,

3 Buchen-Stämme mit 2,02 cbm Inhalt,

28 Etchen-Derbstangen mit 2,27 cbm Inhalt,

137 Nadel-Derbstgn. mit 18,43 cbm Inhalt,

1625 Nadel'Reisstangen mit 4,20 cbm Jnbalt.

Freitag den 23. April,

von Vormittags 9 Uhr an,

134 Rmtr. Buchen-Scheitholz,

6 Eichen-

23 Nadel-

54 Buchen-Knüpp lholz,

25 Eichen-

180 Nadel-

6850 Wellen Buchen-ReishoU,

500 Eichen-

20100 Nadel-

35 Rmtr. Buchen-Stockholz,

30 Eichen- u. Nadil-Stock-

holz.

Die Zusammenkunft ist jedesmal bei der hiesigen Kleinmühle oder auch im District Homberg.

Allendorf a./Loa., 15. April 1880.

Gr, Bürgermeisterei Allendorf a./Lda.

2678) Bieber.

Allgemeiner Anzeiger.

Holzverfteigerung.

Donnerstag den 22. d. Mts., Vormittags 10 Uhr anfangend, sollen im District Dehnberg, Gemar­kung Seelbach, an der Straße zwischen der Hankelsburg und Eisern­hand

ca. 150 Rmtr. Buchen - Scheitholz I. Qual., darunter eine Partie Nutzholz von 1,5 Mtr. Länge, ca. 50 Rmtr. Buchen-Prügel, ca. 50 Stockholz,

öffentlich meistbietend verkauft werden.

Lohra, den 14. April 1880.

Der Bürgermeister.

2666) gi. Hunrath.

Jeilgeöotenes.

2693) Ein trächtiges Pferd ist preis­würdig zu verkaufen im

Darmstädter Haus.

roh, emaillirt und verzinnt, empfiehlt (2662

Wilh. Seibert.) Marktftraße.

2681) Ein gut erhaltener Confirman- dcnanzug ist zu verkaufen. Wo? sagt die Expedition._______________________________

1 Mtoim

roh und vergoldet, in großer Aus- wähl empfiehlt (2319

Carl Hensel.

2584) 500 Kilo frostfreie rothe Kar­toffel sind zu verkaufen bei

Dr. Weber.

Eduard Spier

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