Ausgabe 
18.1.1880 Zweites Blatt
 
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Sr. Zweites Blatt. Sonntag den 18. Januar

1880.

Kichener 'Z^eiger

GxpedMo«*dttrra« r

Amtzk- Md AmtsM für des Kreis Gieße».

Schulfiraße B. 18.

.. _ t . , __. BrelK vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerloha^

Erscheint täglich unt Ausnahme des Mv«t«g». Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheil.

Bekanntmachung.

Betreffend: Die Prüfung der Bewerber um Berechtigung zum einjährig freiwilligen Militärdienst iw Frühjahr 1880.

Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen sich der im nächsten Frühjahr lfd. Jahres stattfindenden rubr. Prüfung zu unterziehen, uerden hierdurch aufgefordert, ihre deßfallsigen Gesuche um Zulassung bet Meldung des Ausschlusses von dieser Prüfung

spätestens bis zum 1. Februar 1880

bei der unterzeichneten Prüfungs-Commission einzureichen.

Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Speciellen das Folgende bemerkt

j. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs-Commission nur dann anzubrmgen, wenn der sich Meldende im Großher. zogthum Hessen seinen dauernden Aufenthaltsort hat.

2. Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen.

3. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben sein und ist hierzu ern Bogen m Acten formal (mcht Briefpapier) zu ver­wenden. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adresse angegeben wird.

4. Dem Gesuche find folgende Papiere bcizufügen:

b) E>°nwtlU g^u n^s"-At'test des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereitwilligkeit und Fähigkeit den Frei­willigen während einer einjährigen acttven Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten und zu verpflegen;

c) ein Unbescholtenheitszeugniß, welches von der Polizei Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde auszustellen ist;

d) einen selbstgeschriebenen Lebenslauf.

ou »os. b. wird noch besonders darauf hiugewiesen, daß in dem Einwilligungs-Attest die Erklärung des Vaters oder Vormundes, in der Lage zu sein, den Freiwilligen während des einjährigen Dienstes unterhalten zu können, nicht fehlen darf und daß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein muß.

5. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (Französisch, Englisch, Lateinisch oder Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will. ,. -7 M

H. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prüfung eilig^eichl worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholten-

1.

U-ber d" An'fo r d eru n g e n,"'weiche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt di- Prüfungs-Ordnung (Anl. 2 zur Ersatz-Ord. - Th-ll der Wehr-Old. vom 28. September 1875 Reg.-Bl. Nr. 55 von 1875) Aufschluß.

' Bezüglich des Prüfungs-Termins, sowie des Locals, in welchem die Prüsung stattfindet, erfolgi weitere Bekanntmachung.

Eine specielle Ladung erfolgt nicht.

Darmstadt, den 22. December 1879.

Großherzogliche Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige.

Der Vorsitzende:

Spam er.

Bekanntmachung.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekman n._______

machen zu lasten.

Gießen, am 2. Januar 1880.

Betreffend: Das Ersatz-Geschäft für 1880.

Mit Bezug auf die Bestimmungen der Deutschen Wehr-Ordnung, fordern wir all- im Jahr 1860 geborenen Militärpflichtigen, sowie die in frühe- Ten Jahren geborenen, welche sich noch nicht zur Musterung gestellt haben, oder welche hinsichtlich ihrer Verpflichtung zum Eintritt oder ihrer Befreiung vom MUitärdicnste noch keine definitive Entscheidung erhalten, und entweder im Kreise Gießen ihren dauernden Aufenthalt hoben, oder m demselben als Studenten, Gymnasiasten und Zöglinge anderer Lehranstalten, oder als Haus- und Wirthschastsbeamte Handluug-dien-r, Lehrlinge, Handw-rksgesellen, Lehrburschen Dienstboten, Fabrikaibeiter oder in ähnlicher Eigenschaft sich aushalten, hiermit auf, sich behufs Eintragung ihrer Namen in bte Stammrolle in der Zeit nnm IS dis rum 1. Februar I. A. bei der Bürgermeisterei ihres Wohnortes, beziehungsweise ihres Aufenthaltsortes, zu Milden und dabei,

wenn sie an diesem Orte nicht geboren sind, ihren Geburtsschein und wenn sie bereits bei einer früheren Musterung concurrirt haben, ihren Loosungs-Schein -orzulegen^ aufmerksam, daß Diejenigen, welche die Anmeldung unterlassen zu gewärtigen haben, daß sie mit einer Strafe bis zu

30 Mark oder mit Haft bis zu drei Tagen belegt, von der Theilnahme an der Loosung ausgeschlossen und ihrer etwaigen Ansprüche auf Zuruckstellung ic.

Beglich derjenigen Militärpflichtigen, welche zur Zeit abwesend sind, sind deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod- und Fabrikherrn zu diesen An- meldunge^verBichttt.z^iich-n Bürgermeistereien des Kreises werden beauftragt, Vorstehendes in ihren Gemeinden noch besonders auf ortsübliche Weise bekannt

Politische Ueberficht.

Der deutsche Reichstag soll am 10. Februar zusammentreten und bis Opern seine Thä'igkeit absolviren. Es verlautet mit Bestimmtheit, daß ftch unter den Fordelungen, welche an ihn herantreten werden, eine nicht un- erbibliche Vermehrung der Artillerie, und, wie man annimmt, damit auch eine Erhöhung d,s Piäsenzstandes der Armee befindet. Bei den alarmirenden Nachrichten über Rußland dürste diese Vorlage Entgegenkommen finden, in- dellen ist au hoffen, daß neue Mehrbelastungen durch Erhöhung des Militär- Etats durch Coucessionen in Bezug auf die Di-nstz-lt annehmbar gemacht ""^Dit Pesther Journalisten haben jetzt einen schweren Stand. Der corrumvirte Adel, welcher durch Enthüllungen dtscr-ditirt wird, rächte fich durch Duelle, welche seine besten Pistolenschützen provociren. Ei» jämmer­licheres Schauspiel, als diese Ehrenhändel, bei denen von Ehre nur dem «amen nach di- Rede ist, hat es lange nicht gegeben. E« ist ein Zeichen ^er Voiksst'mwung. daß sie gegen die aristok.atischen Jndustrieritter u. Harnisch geräth, so bedauerlich die Ezcesse find. Das beleidigte Gerechtigkeits­

gefühl des Volkes wartet noch auf eint Sühnt, und diese kann ihm nur zu Theil werden, wenn man die Hand an die Wurzel jener liebel legt, auf welche die beklagenswerthen Erscheinungen im öffentlichen Leben Ungarns zu- rückzusühr-li sind. m

D-r vielgenannte greise Pariser Finanzier Isaak Pereire hat ein aroßes Preisausschreiben für die Erforschung der besten Mittel zur Be- seitigung der soc alen Roth erlassen und tritt damit in die Reihe der edelsten Wohlthäter der Menschheit, denn nicht nur Frankreich, sondern allen Ländern werden die Resultate der bezüglichen Forschungen zu Gute kommen. Wahr- Itch, ein so ed-lmüthigeS Vorgehen ist eh e zeitgemäße Antwort auf die Ver­dächtigungen des angeblichselbstsüchtigen, auSbeuienden Judenthums I"

Rußland hat in neuester Zeit die Couflikte Englands mit der Türkei diplomatisch ei örtern lassen und darauf hingewiesen, daß der Sultan einen Act von Unduldsamkeit sich nicht würde zu Schulden kommen lassen haben, wenn der ganze Berliner Vertrag und mit ihm die Bestimmungen über die B.schützung der religiösen Freiheit von allen Vertragsmächten garantirt worden wäre, wie es Rußland vergeblich vorgeschlagen hatte- England aber