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Belgien.

Die gestrige Vorstellung derStummen von

in der nächsten Reichstagssesston in der Steuer- und Zollsrage liegen. In der letzten Session har man einen Antrag auf Suspension resp. Abschaffung der Getreidezölle noch für inopportun gehalten, weil man deren Wirkung erst abwarten wollte; die Verhältnisse werden die Stellung eines solchen Antrages rechtfertigen. Sämmtliche auf Abänderung des Zolltarifs eingegangene Peti­tionen sind in der letzten Session in der Budget-Commisston sowohl von Frei­händlern als von Schutzzöllnern als ungeeignet zur Berathung im Plenum erklärt worden, weil allseitig anerkannt wurde, daß der Zolltarif noch zu kurze Zeit in Geltung sei, um dessen Wirkung genau feststellea zu können; man kam aber frühzeitig überein, daß in der nächsten Session, also 1881, der Zeitpunkt eingetreten sein wird, in welchen alle Petitionen auf Aenderung des Zolltarifs einer eingehenden Prüfung würden unterzogen werden können. Die Petenten aus der letzten Session werden also jetzt die Gründe erfahren, warum ihre Eingaben haben unberücksichtigt bleiben müssen.

Köln, 14. August. Die Domthürme sind fertig, der Bau ist vollendet, die Stadt ist beflaggt.

telegraphische Depescherr.

Lelrgs. G-rrespOitderrr -

Petersburg, 15. August. DieAgence ruffe" weist das von der WienerNeuen freien Preffe" gebrachte Gerücht, Rußland werde dle Ausfüh­rung der Entscheidung her Berliner Conferenz übernehmen und hierzu bet Bender 45,000 Mann zusammenziehen, als gänzlich unbegründet zurück. Ge­rüchte dieser Art sollen nur Mißtrauen gegen Rußland erregen, welches so wenig wie irgend eine andere Macht daran denke, sich von der gemeinsamen Action zu trennen. Unbegründet sei ferner die Meldung verschiedener Blätter, daß eine der interessirten Regierungen die Einholung eines Schiedsspruches in der Kuldscha.Frage abgelehnt habe. An den Vorschlag einer schiedsrichter- lichen Entscheidung sei bis jetzt nicht gedacht worden.

Paris, 15. August. Das JournalLa Veritd" veröffentlicht einen Brief Gambetta's an ein Generalratys-Mitglied, in welchem er seine persön­lichen Ansichten über den Charakter der letzten Wahlen darlegt. Gambetta sagt, die Wahlen sind durchaus republikanisch und demokratisch ausgefallen. Die Generalräthe haben es sich zur Aufgabe zu machen, die Interessen und Bedürfniffe der Bevölkerung auf's Gründlichste zu studiren. Die demokratische Partei will nicht blos die formelle Republik, sie will organische Einrichtungen, welche aus der Demokratie nicht mehr eine Lüge und aus der Republik einen

Rumänien.

Bukarest, 14. August. Das Amtsblatt veröffentlicht die Ernennung Demeter GianPS zum Justtzminister an Stelle Stolajan's, dessen Demission von dem Fürsten angenommen wurde.

Türkei.

Konstantinopel. In der türkischen Hauptstadt herrscht trotz Muste- schar Wettendorf nach wie vor die schreckliche Finanznvth. Am 7. August begann der Ramasan, und da man bei diesem Anlaffe der Armee und den Beamten wenigstens einen etnmonatlichen Sold und Gehalt auszahlen mußte, so war man genölhigt, eine Anleihe zu machen. Der Finanzminister verlangte von der Banquiersgruppe, welche die Verwaltung der sechs indirecten Steuern über sich hat, 150,000 türkische Lire, konnte aber nur 50,000 Lire erhalten, die überdies recht ungern geliehen wurden.

Lokales.

Gießen, 16. August. Leider beginnen die Abende schon wieder länger zu werden und die Petroleumlampe tritt in ihr Recht. Da wollen wir nicht unterlassen, darauf aufmerksam zu machen, daß bei einer längere Zeit nicht benutzten Lampe die Gefahr der Explosion ziemlich groß ist, wenn man nicht, bevor die Lampe in Gebrauch genommen wird, vorher das etwa in ihr verbliebene Petroleum heraußschüttet und auch einen neuen Docht etnzieht. Das alte Pe­troleum erzeugt nämlich bei längerem Stehen das Petroleumnaphta, welches v»el explosibler ist, als das Petroleum selber und führt daher sehr leicht zur Explodirung einer sonst guten Lampe. Es muß abgegosien und neues Petroleum aufgegossen werden. Ebenso empfiehlt sich das Er­ziehen neuer Dochte, denn die alten sind meist inzwischen verfilzt, saugen nicht mehr, sondern kohlen, lasten die Flamme nach dem Bassin herunterzüngeln, erhitzen dasselbe und das schon bei 35 9 R- explosible Ngphta sprengt plötzlich das Bassin und die Lampe auseinander, das brennende Petroleum auf alle erreichbaren Gegenstände herumspritzend und sie in Brand setzend. Man gebe den Lampen also neuen Docht und neues Petroleum ehe man sie nach längerem Still­stehen wieder in Gebrauch nimmt, so wird man in der Regel ror der Gefahr einer Explosion geschützt sein.

Die hiesige Rudergesellschaft benachrichtigt uns, daß nächsten Sonntag den 22. er. die zweite Ludwigs Regatta zu Bad Nauheim unter Betheiligung der Vereine von Hanau, Mainz, Offenbach und Gießen stattfindet, wozu unter Anderen Seine Königliche Höheit der Großherzog einen Preis stiftete.

Heute Rückt "gegen 12 Uhr geriethen drei Männer von Wleseck vor einet dortigen Mrthschast in Streit, in Folge besten einem derselben, Cigarrenmacher Heinrich Reuter, mit Backschetten derart über den Kopf gehauen wurde, daß die Hirnschale zersprang und der Ver­letzte bereits heute Morgen gestorben ist. Der Getödtete hinterläßt eine Frau mit zwei kleinen Kindern

Ein hiesiger Geschäftsmann hörte gestern Abend, als er nach Hause kam, in seiner Schlafstube Geräusch, als er dieselbe betrat, bemerkte er, daß Jemand durch das Fenster schlüpfte und entdeckte später, daß ihm mehrere Kleinigkeiten aus dem Kleiderschranke fehlten.

von Deserteuren und solchen Militärpflichtigen, welche sich der Recrutirung entzogen oder die Gestellung versäumten. Anethan erklärte im Namen der Rechten, daß die Opposition an der politischen Feier des Jubiläums theilneymen werde. In der Deputirtenkammer gab Malou die gleiche Erklärung ab. Ministerpräsident Frere-Orban nahm davon Act und beglückwünschte die Rechte zu ihrem Patriotismus.

Köder machen. Gambetta schließt mit folgenden Worten: Durch die ununter- . brochene Anwendung eines derartigen Verfahrens im Innern wird es der ! Demokratie gelingen, ihre unvergleichlichen Hülföq rellm und Schätz? zu ge- ' brauchen kraft der Macht, welche unser großes Llnd birgt und welche Frank- i reich erlauben wird, ohne Ueberstürzung und ohne Abenteuer den Rang, der , ihm in der Welt gebührt, wieder einzunehmen und die ihm gnvaltsam ent- j riffenen Provinzen wieder zu erlangen, um aus seiner wiederhergestellten In­tegrität ein Pfand des europäischen Friedens zu machen. DieBerits macht in Betreff des Schluffes des Briefes Vorbehalte, indem sie erklärt, daß jeder Plan einer Revanche mit bewaffneter Hand den europäischen Frieden für immer compromtttiren würde.

London, 16. August. Aus Kandahar wird unterm 11. August ge­meldet : Der Feind errichtet Belagerungswerke. Wie es heißt, sind ein oder

i zwei britische Ofstciere Gefangene Ajub Khan's.

Paris, 15. August. General Greoy, Bruder des Präsidenten der Republik, ist zum Senator gewählt. Heute wurde in Notre Dame eine Seelenmesse für Navoleon I. gelesen. Es fand hierbei eine Manifestation statt, welche zu einigen Verhaftungen Veranlassung gab. DerSiecle" sagt bei einer Besprechung der (Kommentare der ausländischen Blätter über die Rede Gambetta's in Cherbourg: Frankreich will den Frieden. Wir sind überzeugt, Gambetta kennt zu genau die Gefühle des Landes, um sich in eine unbesonnene Politik einzulaffen, deren einziger Vertreter er sein würde.

K Paris, 16. August. Bezüglich eines gestern von derBerits" ver­öffentlichten Gambettaffchen Briefes erklärt dieRepublique francaise", daß der betr. Brief bereits am 16. October 1871 geschrieben wurde und damals von allen Journalen und in besonderer Druckschrift veröffentlicht worden ist.

Brüssel, 14. August-

Portici" im Theater Royal de la Monnate veranlaßte eine ergreifende Mani­festation. Im zweiten Act war kaum das berühmte DuoAmour sacFd de la Patrie augestlmmt, so erhob sich daS ganze übervolle Haus und acclamirte die letzten sieben überlebenden Veteranen des Freiheitskampfes, welchen die Di- rection eine Prosceniumsloge eingeräumt hatte. Die Alten weinten Freuden- thränen und rührten wiederum bas Publikum zu Thräneu. Das Orchester stimmte die Brabanconne an. Hierauf mußten die Sänger das für Belgien historische Duett nochmals wiederholen.

Brüssel, 14. August, Abends. Der Senat genehmigte den bereits von der Deputirtenkammer angenommenen Gesetzentwurf betreffs Amnestirung

Die Rindergärtnerei.

Wir gewöhnen uns nachgerade daran, diesem wichtigsten Kapitel aus der Er­ziehung des Menschen die gebührende Beachtung zu schenken. Die Kinder sind uns die werthvollsten anvertrauten Kleinode und es ist mehr als Frevel, ihre Behandlung leicht zu nehmen, sie in ihrem Entwickelungsgange sich selbst zu überlassen. Gerade im Kindesalter bis zum 6. Lebensjahre etwa ist Herz und Eigenart unserer Kleinen noch wachsweich, noch überaus bildungsfähig. Der Former dieses dankbaren Materials, und dazu sind Eltern und Lehrer berufen, hat ein verantwortungsschweres Amt; er muß es verstehen, die mannigfachen, vielgeartet hervorbrechenden Keime der Individuali­tät richtig in ihrem normalen Wachsthum zu halten, gute, vielversprechende besonderer Pflege zu unterziehen, schlechte thlerische Triebe zu unterdrücken oder zu veredeln. W^r sind es leider nur zu sehr gewohnt, die eigensinnige bösartige Tyrannei eines kleinen Herrn als allerliebsten kindischen Trotz zu belächeln, zu unterstützenes ist eben noch ein Kind" die ausgeprägte Zerftbrungssucht einer kleinen Dame, wenn sie die neugeschenkte Puppe in der ersten Viertelstunde schon kritisch secirt, als reizende Findig­keit, als vielversprechende Wißbegierde zu bewundern. Es ist ein bejammernswerther Jrrthum insbesondere der Eltern, wenn sie den Trost bereit halten:solche Unarten legen sich später, wenn das Kleine erst einmal Verstand hat". In den ersten 2 oder 3 Jahren schon muß das Kind eist deutliches Bewußtsein von Recht und Unrecht haben: es muß genau wissen, was es thun darf und was es lassen muß. Der leider viel zu früh für die Wissenschaft und die Menschheit verstorbene Professor Bock in Berlin sagt einmal in einer seiner populärmredicinischen Schriften:Ein dreijähriges Kind, das der Ruthe noch bedarf, ist ein gründlich und unverbesserlich verzogenes Kind." Nicht durch Züchtigungen und Strafen soll der kleine Weltbürger in eine Schablone gepreßt, sondern durch unermüdliche Aufmerksamkeit, durch freundlicher, aber festen Ernst Seitens der Eltern und Erzieher daran gewöhnt werden, einen höheren Willen zu be­achten, als seinen eigenen. Viele Eltern haben weder Lust noch Muße, sich in diesem nothwendigen Umfange ihrer Pflicht zu unterziehen: viele sind auch nicht in der Lage, ihren Kindern eigene Erzieher, die die ersten Schritte des Geistes und des Körpers derselben bewachen sollen, zu geben. Es haben sich deßhalb schon seit Jahrhunderten Männer der Wissenschaft und aufopfernde Menschenfreunde mit der Lösung des Pro­blems beschäftigt, dem Kind einen Ersatz für die ihnen mangelnde elterliche Erziehung zu geben. Aber erst in den letzten Jahrzehnten kam man dem Kern Sache näher, nachdem man vorher mit den verschiedensten Systemen des Zusamm.npferchens der Kinder die schlimmsten Erfahrungen gemacht. Erst Fr. Frobel, dem Schüler des großer. Pestalozzi, war es vorbehalten, mit seinem im Jahre 1840 unter dem heftigsten Wider­spruche von allen Seiten durchgeführteu Plane eines sogenannten K ndergartens auf diesem Gebiet epochemachend Bahn zu brechen Er normirte die Anforderungen, die geistig uud körperlich an das Kind zu stellen sind, nach der Individualität "beneiben und ordnete die Beschäftigungen und Spiele der Kleinen systematisch. Er verbannte Alles, was die Entwickelung des jungen Menschenlebens stören und suchte Alles zu benutzen, was dieselbe fördern konnte. Der dem Kinde angeborene Spieltrieb muß durch planmäßige Beschäftigung entwickelt und verwerthet werden, damit auf diese Weise Hand und Auge des Kindes geübt, sein Form- und Schönheitssinn ausgebildet wird. Es wird so vom Zerstören auf eine ihm angenehme Weise abgehalten und un­bemerkt, ohne lästiges Jnstruiren, auf den richtigen Weg des Schaffens hingeleitet Das Kind soll nicht vereinsamt im Kinderzimmer oder nur im Kreise seiner Geschwister die ersten Lebensjahre zurücklegen, sondern, sobald es nur gehen kann, im Kindergarten mit anderen gutgearteten, gutgeleitetcn Gespielen zusammengcbracht werden, um sich hier seiner Eigenart nach innerlich selbstständig, aber durch den Umgang mit den andern auch vielseitiger zu entwickeln. Leider sind die Institute derK:ndergärten noch viel zu wenig benutzt, obgleich dieselben mit großem Eifer und vielem Verständniß geleitet werden. Ein Schriftchen, das Eltern und Erziehern einen beachtenswerthen Fingerzeig über obiges Thema bietet, istder Kindergarten" von Eduard Kriens, Lehrer am Technikum der Stadt Rheydt (daselbst erschienen bei H. Leuchtenraths.

Hesterrcich.

Wien, 14. August. Die Donau, welche seit gestern ^capid steigt, ist bei Nußdorf über ihre Ufer getreten. Aus Mähren und Schlesien werden große Verheerungen durch Hvchwafler gemeldet.

Ischl, 14. August. In Folge erneuerten Regens ist das Master noch immer im Steigen begriffen. Einzelne Theele des Ortes sind gänzlich über­schwemmt ; es ist jedoch keine wettere Gefahr vorhanden. Der Kaiser hat das Jnundationsgebtet besichtigt.

Arankreich.

Paris, 13. August. Die deutsche Nation, schreibt derStandard", hat weislich den Beschluß gefaßt, an dem herrannahenden Jahrestage von Sedan sich jeder großen Kundgebung des Triumphes zu enthalten. Eine Zett lang habe die Absicht Vorgelegen, den Jubelton dtefes Jahr ganz besonders kräftig ertönen zu lasten als Antwort auf die jüngste Kundgebung tu Paris bet der Fahncnvertheilung; allein man habe die Idee fallen gelaffen. Man habe ge» fühlt, daß die Franzosen in der Vertheiluug neuer Fahnen an lhre Truppen einen gewöhnlichen militärischen Act vollzogen und Niemanden herausgefordert hätten. Unter allen Umständen wünsche Deutschland dem Vorfall in Long» champs keine solche Auslegung zu geben. Allein während Deutschland auch Alles vermeide, was beleidigen oder als eine Herausforderung betrachtet werben könnte, laste es das alte Sprichwort nicht außer Augen, daß das beste Mittel zur Erhaltung des Friedens in der Kriegsbereitschaft liege. Seine Armee fei niemals in besserer Verfastung gewesen, wovon sich die ausländischen Kritiker überzeugen könnten, welche dem bevorstehenden Herbstmanöver in der Nähe Berlins anwohnen würden.