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Kestcrreich.
Wien, 14. Juli. Die „Polit. Corresp." meldet aus Konstantinopel das Gerücht, Savfet solle Ministerpräsident, Musurus Minister des Aeußern werden.
Rumänien.
Bukarest, 14. Juli. Im August finden große militärische Hebungen patt. Es werden zwei Lager gebildet werden, von denen das erstere bei Tztkatschti aus 20 Bataillonen Infanterie, 12 Schwadronen Kavallerie und entsprechender Artillerie bestehen, das zweite in der Moldau am Sereth weniger stark sein wird.
Kriechenlano.
Athen, 14. Juli. Den Vorstellungen der Vertreter Englands und Frankreichs, der Pforte durch vorzeitiges Vorgehen keinen Vorwand zur Ablehnung der Conferenzbeschlüfie zu liefern, haben sich auch die Vertreter der anderen Mächte angeschloffen. Die Versicherungen der griechischen Regierung sind beruhigende.
Türkei.
Konstantinopel, 14. Juli. Die internationale Resormcommission für die europäische Türket hat heule die beiden Hauptpunkte bezüglich der Administration und der Finanzen im Principe angenommen. Die Commission genehmigte ferner die Untereintheilung der VilajetS und deren Administration gemäß dem türkischen Vorschläge.
telegraphische Depeschen.
Wsguer'- telegr. ■ Brrrearr.
Berlin, 15. Juli. Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge ist die Nachricht, der Cultusmintster habe die Behörden angewiesen, über die moralische Führung der Lehrer und deren Stellung im bürgerlichen Leben zu berichten, thatsächlich unbegründet. Der Cultusmintster habe ketnerlet derarttge Anordnung erlaffen.
Straßburg, 15. Jult. Der „Elsaß-Lothr. Ztg." zufolge ist der Staatsrath von Elsaß-Lothringen behufs seiner Constttuirung auf den 28. ds. einberufen.
Paris, 15. Juli. Die gestrige Revue nach der Uebergabe der Fahnen verlief in größter Ordnung unter andauerndem Enthusiasmus. Auch während der Festlichkeiten des Nachmittags und des Abends wurde die Ruhe nirgends gestört. Volksmaffen, welche die Marseillaise und andere patriotische Lieder sangen und Hochs auf die Republik ausbrachten, durchzogen die Straßen. Auf den öffentlichen Plätzen fanden Tanzbelustigungen statt. Die Illumination war sehr glänzend. Gambetta besuchte Nachmittags zu Wagen mehrere innere Stadttheile und wurde überall mit Ovationen empfangen. Bei der Revue wurden in Folge der Hitze gegen 12 Soldaten vom Sonnenstich betroffen. Von sonstigen Unfällen im Laufe des Tages ist nichts bekannt geworden.
Konstantinopel, 15. Juli. Einem Berichte des Generalgouverneurs von Skutari an die Pforte zufolge griffen die Montenegriner am 12. Juli Nachmittags die albanesischen Stellungen bei Vranja und Mataguffe an. Das Gefecht dauerte zwei Stunden und endigte mit dem Rückzüge der Montenegriner. Diese verloren einen Osficier und 12 Soldaten. Der Verlust der Albanesen ist 2 Todte und 3 Verwundete. Die Ungleichheit der Verluste rühre davon her, daß die Albanesen verschanzt hinter befestigten Stellungen standen und die Montenegriner genöthigt waren, die Albanesen dort anzugreifen.
London, 15. Jult. In der Grube Risca unweit Newport fand heute Morgen eine heftige Explosion in Folge der Entzündung schlagender Wetter statt. Die Zahl der Umgekommenen wird auf 119 geschätzt.
Paris, 15. Juli. In der Kammer der Deputirten und im Senate wurde heute die Sitzung geschloffen. Leon Say, Präsident des Senats, sagte in seiner Ansprache: Sie sahen gestern mit patriotischem Gefühl die fran- zösische Armee, vertreten durch alle ihre Führer und ihre Fahnen, an sich vorüberziehen. Stolz auf sie, denen Frankreich die Sorge für seine Ehre und seine Sicherheit anvertraute, können Sie sich mehr als jemals mit Ruhe den Arbeiten der friedlichen Wiedergeburt des Landes hingeben, welche der Gegenstand aller Ihrer Gedanken sind und welche der republikanischen Regierung so sehr am Herzen liegen muffen. — Die Journale sind einstimmig in dem Lobe der gestrigen Ansprache des Präsidenten der Republik.
Berlin, 15. Jult. Gelegentlich einer bet dem hiesigen Hofpostamte vorgenommenen Revision ergab sich das Fehlen von 7 Bogen, ä 100 Stück zusammen also 700 Stück Wechselstempel-Marken zu 30 das Stück. Heber den Verbleib dieser Marken ist bis jetzt nichts Näheres ermittelt und sind weitere Nachforschungen im Gange.
Washington, 16. Jult. Nach dem Juli-Bericht des landwirthschaft- lichen Bureaus beträgt der Erntebestand der Baumwolle 100 Procent. Derselbe übersteigt den Durchschnitt mehrerer Vorjahre. Der Stand des Getreides beträgt gleichfalls 100 Procent, was dem höchsten Durchschntttssatz seit mehreren Jahren gleichkommt.
Konstantinopel, 16. Juli. Der Botschafter des deutschen Reiches v. Hatzfeld, überreichte der Pforte am Donnerstag die Collecttvnote der europäischen Mächte.
Lokales.
Gießen, 16. Ju l. Von kundiger Seite wird uns Mittheilung, daß die im Auftrage der hiesigen Garnisons-Jnspection ausgeführten Bohrarbeiten seitwärts her Grünberger Straße, um Güte und Reinheit des Trinkwassers zu constatiren so viel bis fetzt beurtheilt werden kann, ausgezeichnete Resultate ergeben haben Gesckmack und Aussehen des erbohrten Wassers lassen nichts zu wünschen übrig und daß dasselbe frei von organischen Beimischungen ist, dafür spricht die tiefe Lage der wasser- ftrhrend^n, sowie die vollständige Absperrung der oberen Schichten durch eingetriebene
Bohrloch Rr. 1 hat eine Tiefe von 22V2 Meter und sitzt ca. 4 Fuß in her wasserführenden reinen Kicsschicht, welche 24 Fuß hoch von feinem Thon bedeckt iü dies reine Waner stellte sich in diesem Bohrloche 13 Meter hoch '
Boh- .och Rr. 2, 27 Meter tief und ca. 5 Fuß in die wasserführende Schickt von Ä"Meter^ch^on6ebecfunß üon 30 Fuß hat, besitzt eine Wasserstandshöhe .
Bohrloch Nr. 3, noch nicht fertig niedergestoßen, wird sicher ebenso günstige Resultate ergeben, und sollen s. Z. specieller Bericht unter Angabe der durckstoßenen Gebirgsschichten in unserem Blatte erfolgen und hoffen wir, daß die gemachten Erfahrungen für unsere Stadtbrunnen nutzbar werden sollen.
— In der Restauration Schnell am Samstag Abend und in der „Herberge zur Heimath" am Sonntag Abend will Herr Dr. Carl Hertzog, ein Greis von 85 Jahren, eine Vorlesung über die Verhältnisse und das Leben in der Türkei halten. Wir wünschen dem alten Herrn eine große Zuhörermenge.
— Die Uhr auf der Hospitalkirchc soll in Folge Reparatur des Baues eine Zeit lang still gestellt werden. Wir machen die Anwohner hierauf aufmerksam.
— Heute Morgen wurde ein Arbeiter von auswärts verhaftet, welcher in vergangener Nacht einer Handelsfrau im Wartesaal des hiesigen Bahnhofs aus der Tasche ihres Kleides 4 gestohlen hatte.
Vermischtes.
Darmstadt, 14. Juli. In neuester Zeit sind wiederholt bei in der Stadt Gießen geschlachteten Schweinen Trichinen aufgefunden worden. Die Nachforschungen über die Herkunft der Schlachtthiere stellten fest, daß die letzteren in Gießen selbst gemästet und zum Theil auch daselbst gezüchtet worden waren.
Darmstadt, 14. Juli. Ueber die Verbreitung der Masern im Groß- herzogthum können wir Folgendes berichten: In der Provinz Oberhessen sind die in mehreren Orten des Kreises Schotten aufgetretenen Epidemien durchaus leichten Verlaufs, und diejenigen zu Nieder- und Ober-Seemen, Volkartshain, Kaulstoß, Eschenrod, Burkhards und Michelbach zum Theil schon feit längerer Zeit erloschen und es bestehen solche nur noch in Schotten und Gedern fort. Im Kreise Gießen sind Masern in der Stadt Gießen in merklicher Zunahme begriffen und auch in Lollar und Beuern, im letzteren Orte, abweichend von dem sonst allgemein bemerkten leichten Verlauf, in schweren Formen, aufgetreten; erloschen sind die Epidemien in Annerod, Rödgen, Alt- Buseck, Trohe und Burkhardsfelden. Im Kreise Friedberg ist die in Rödgen herrschende Epidemie in der Abnahme begriffen. Die übrigen Kreise sind von derartigen Epidemien verschont geblieben. In der Provinz Starkenburg sind Masern zur Zeit noch verbreitet tm Kreise Erbach und zwar in Mümling-Grumbach und Hetzbach, bereits erloschen oder doch m der Abnahme begriffen in Michelstadt, Rehbach, Steinbach, Steinbuch, Ober- und Unter-Mossau, ebenso in dem benachbarten Gras-Ellenbach, Kreis Heppenheim. In der Rheinebene sind von den Masern ergriffen die Orte Groß- Rohrheim (Kreis Bensheim), Goddelau und Büttelborn (Kreis Groß-Gerau). Die Provinz Rheinhessen scheint von Masern vollständig verschont, in Mainz und Kastel dauert indessen eine seit Herbst des Vorjahres exacerblrende Epidemie, die im November und December ihren Höhepunkt erreicht hatte, auch jetzt noch an. (D. Z)
Beuern (bei Gießen), 13. Juli. Heute Nachmittag gegen 6 Uhr schlug der Blitz in die hiesige Kirche ein, wodurch der Thurm, der Glockenstuhl und das Schiff der Kirche nicht unerheblich beschädigt worden. Glücklicherweise zündete der Strahl nicht. —
Frankfurt a. M., 14. Jult. Vor einem nach Tausenden zählenden Publikum stieg gestern um 7 Uhr der kühne Luftschiffer Herr Carl Securius mit feinem prachtvollen Riesen- Luftballon „Deutsches Reich" vom hiesigen zoologischen Garten aus auf. Ein donnerndes Hurrah erfcholl, als ein Paffagier, Herr Kunstgärtner Buch von hier, Platz genommen hatte und Herr Securius den Rand der Gondel bestieg, woselbst er leichten Muthes sein „1, 2, 3, los" zählte und der Ballon höher und höher schwebte. — 7 Uhr 10 Minuten hatte der Ballon eine Höhe von 700 Meter erreicht, stieg nach und nach auf 1200 Meter, um, nachdem weiterer Ballast ausgeworfen war, auf 1650 Meter Höhe anzukommen. Unter sich sahen die Aeronauten Isenburg liegen und Frankfurt in der Abenddämmerung. — Die Landung gelang schließlich auf waldigem Terrain in einer kleinen Lichtung, jedoch konnte es nicht verhindert werden, daß der Ballon einen Riß durch das Streifen einer Eiche bekam. Gehspttze hieß der Ort der Landung und der Verwalter der, der Firma Holzmann & Co. gehörigen Ziegelfabrtk, ließ die kühnen Luftfahrer per Leiterwagen nach Frankfurt zurückfahren, woselbst Ballon und Utensilien gegen 12 Uhr im zoologischen Garten emtrafen. Noch mancher Gast hatte gewartet und empfing nun Herrn Securius und den Passagier mit lautem Jubel. — Am nächsten Sonntag wird die muthtge Frau Auguste Securius mit ihrem Riesenballon „Aeolus" eine nochmalige Auffahrt vom zoologischen Garten aus unternehmen, zu der sich Passagiere melden können.
Da an diesem Tage der Eintrittspreis in den zoologischen Garten auf 50 Pfennige ermäßigt ist, so dürfte es dem intereffanten Schauspiel nicht an Zuschauern fehlen; zumal, wie wir hören, Unterhandlungen mit der Ratiborer Knabencapeüe schweben, um die jungen Künstler, deren Leistungen sich bei Gelegenheit des Sommerfestes eines so großen und allgemeinen Beifalls zu erfreuen hatten, zu einem nochmaligen Auftreten ebenfalls an diesem Sonntag zu veranlaßen.
Darmstadt, 14. Juli. Vorgestern verunglückte auf dem Griesheimer Schießplatz ein Officier, indem sich deffen Pferd überschlug. Derselbe wurde schwer verletzt in das hiesige Lazareth verbracht. Auch ein Trompeter der Artillerie erlitt gestern durch einen Sturz am Kopfe nicht unbedeutende Verletzungen, welche seinen Transport in das Lazareth nöthig machten.
Heute Morgen hat sich in der Trainkaserne ein Soldat durch einen Schnitt in den Hals entleibt.
Vorgestern Nacht explodirte in der Wohnung eines Feuerwehrmannes eine Rumflasche auf ziemlich räthselhafte Weise. Der Betreffende warf schnell entschloßen die brennende Tischdecke auf die Straße und bewahrte seine Taschenuhr vor weiterem Brandschaden, daß er sie in die Waschschüßel „rettete". '
Kassel, 12. Juli. Der Schaden, den der Winterfrost an Obstbäumen, Weinbergen rc angerichtet hat, läßt sich jetzt erst übersehen und stellt sich bedeutend größer heraus als man Anfangs glaubte. Viele Bäume, hauptsächlich Aepfel-, Zwetschen- und Reineclaudenbaume, die voller Frucht dastehen, welken seit einigen Tagen ab. Die Blätter sind gelb wie beim Abfallen im Herbste, die darin befindliche unreife Frucht ist wie verdorrt. Der bis jetzt festgestellte Schaden durcb den Wintcrfrost beträgt In hiesiger Gemeinde ungefähr 180,000 JL
— Von militärischer Seite werden Officiere und Soldaten auf die Gefahr der Rotzansteckung und darauf hingewiesen, Pferdeschleim grundsätzlich nie mit" dem Taschentuch ab- zuwtschen, sondern dazu ein Stück Papier zu benutzen, daßelbe sofort wegzuwerfen oder möglichst zu vernichten.__
Irischbäcker in Meßen.
Sonntag, den 18. Juli. Eduard Noll, Neustadt.' Karl Steinberaer, Löwen- gaße. Heinrich Faß, Ludwigsplatz.
Kirchliche Anzeigen der evangelischenGemeinde suGießen.
Gottesdienst:
Sonntag, den 18. Juli.
Morgens 9Vz Uhr: Pfarrer Schlosser. sKatechismuslehre für die weibliche Jugend.) Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
Am Sonntag, den 25. Juli, findet Feier des heiligen Abendmahls statt; die Beichte Tags zuvor Nachmittags 2 Uhr.
Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 18. bis 24. Juli besorgt Pfarrer Schlosser.
Gießen, 6.
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