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17.6.1880
 
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Donnerstag den 17. Juni

Str. 138

1880.

Gießener Myeiger

Aszkigk- md Amtsblatt für den Kreis Gieße«.

} Schulstr-ß- B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag».

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlobn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Ps.

Der ewige Friede.

Obwohl auch feindliche Völker stets nach dem Kriege einenewigen Frieden" schließen, so weiß man doch, daß die diplomatische Phrase in den Friedensverträgen noch lange keine Ewigkeit bedeutet. Auch im tausendjährigen Kampfe zwischen Deutschland und Rom soll nächstens wieder einmal ein Friede für ewige Zeiten geschloffen werden, den man nach den Erfahrungen der Ge­schichte richtiger als einen Waffenstillstand aus längere Zett bezeichnen kann. Wenn man vom wahren ewigen Frieden spricht. so versteht man darunter das Ziel jener Humanitätsfreunde, welche einen frischen fröblichen Krieg nicht sür ein reinigendes Gewitter, sondern sür den Fluch der Menschheit halten, ein Ziel, das erst erreicht sein wird, wenn der Krieg ein überwundener Stand- punkt sein wird. Das Streben nach dem goldenen Zeitalter des tausendjäh­rigen oder ewigen Friedens ist ideal; es steht leider allem Anschein nach ein Resultat ebenso in weiter Ferne, als bet dem Streben nach andern Idealen. Ist doch auch die Zeit noch in unabsehbare Ferne gerückt, in welcher es heißen soll, es werde eine Heerde und ein Hirt auf Erden sein.

Es gab schon vor Elihu Burrttt Kämpfer für das Ideal des Wcltfrte- dens, und bekanntlich zählt auch unsere Zett begeisterte Anhänger der Idee. Zuweilen nehmen sie in Congreffen einen Anlauf, um Propaganda bei Fürst und Volk zu machen, vor großen Kriegen lassen sie gern ihre warnenden Stimmen ertönen, zuweilen regen sie in den Parlamenten die allgemeine Ab- rüstung der Armeen an und bet politischen Congreffen die Idee der internatio­nalen Schiedsgerichte bei Streitigkeiten der Völker oder bet Conflicten von Dynastien. Merkwürdigerweise haben die Schwärmer sür den Weltfrieden in der Socialdemokratie einen großen Anhang gewonnen, aber sie besitzen auch Sympathien bet den Gelehrten, besonders unter den Förderern des internatio­nalen Völkerrechts, ja selbst aus einen Fürsten können sie als Bundesgenoffen Hinweisen.

Es ist Herzog Peter von Oldenburg, der im Lager der Höfe, im Bannkreise der monarchischen und dynastischen Interessen, die Standarte der Kämpfer sür den ewigen Weltsrieden hochhält. Der humane Fürst, der manche Philippica wider den Krieg veröffentlicht hat, ist stets zu finden, wo es gilt, die Wunden der Kriegführung zu Hellen. Er hat soeben im kriegslustigen Rußland, in Petersburg, das er zu seinem Wohnsitze erkoren, dieRussische Gesellschast sür internationales Recht" feierlich gestiftet. Durch die Anwesen­heit von Prinzen, des Ministerpräsidenten Gras Walujeff, des Stellvertreter Gortschakosfts Giers und anderer Geheimräthe und Würdenträger gewann die Friedensdemonstration eine gewiffe Bedeutung. Der russische Kaiser hat die Statuten der Gesellschaft genehmigt, deren Zweck, wie Herzog Peter sagte, ein geheiligter sei, nämlich die Grundlagen deö Völkerrechts zum Gemeingut zu machen, die Nationen fester zu verbinden und die Lasten zu erleichtern, welche der Krieg den Regierungen und Völkern auserlege. Gerade im Hinblick aus fcie Stimmung in Rußland könnte man wünschen, daß der edle Herzog mit den Worten, die sür alle Fürsten und Völker beherzigenöwerth sind, in Ruß. land Anklang finden möge:In trüben Zeiten leuchtet doch in der Ferne der wohlthuende Stern des Friedens! Der Wunsch nach dem Frieden herrscht überall vor, und wenn erst der Wohlstand in den Hütten gedeiht, dann wer- den die Throne gesichert sein!"__________

Deutschland.

Berlin, 14. Juni. DieNordd. Allg. Ztg." ist ermächtigt mitzu- iheilen, daß der Reichskanzler sich über die Kirchenvorlage einem befreundeten Abgeordneten gegenüber dahin ausgesprochen hat, daß dre Stellung der Regie­rung zu der Vorlage heute dieselbe sei, wie bei der Einbringung derselben. Die Regierung halte sich sür verpflichtet, unabhängig von den Verhandlungen mit Rom ihren katholischen Unterthanen Alles zu gewähren, was ohne Schä- digung der Gesammt- Interessen des Staats gewährt werden könne. Dem kirchlichen Bedürsniffe der katholischen Preußen weniger zu gewähren, als ohne Schädigung des Staats gewährt werden kann, würde dem landesväterltchen Jntereffe des Königs nicht entsprechen. Die Regierung würde daher an der Vorlage sesthalten müffen, bis sie sich einer amtlichen Ablehnung durch eines der beiden Landtagöhäuser gegenüber befinde.

Die abermalige starke Steigerung der Roggenpreise aus 197 <X. per Tonne (20 Ctr.) erregt allmälig starkes Aussehen in politischen Kreisen. Im Westen Deutschlands, wo die Vorräthe gering sind, stehen die Preise auf einer noch viel größeren Höhe und aus Schlesien meldet man die bevorstehende Wieder­holung des Nothstandes.

Die in jüngster Zeit sich so oft wiederholenden Eisenbahnunfälle laffen die letzten Berathungen (.Freitag) des Bundesraths doppelt wichtig er chetnen. Die von dem BundeSrath beschloffene Ergänzung und Abänderung der Ellenbahn-Signalordnung, welche am 1. October d. IS. in Kraft treten soll, bezweckt eine wesentliche Vereinfachung der Signale für durchgehende Züge aus Bahnhöfen. Dieselben müffen nach der Vorlage einheitlich geregelt werden, damit im Falle eines Krieges, wo das Personal aus allen Bahnver- waltungeu, z. B. preußischem Personal auf süddeutschen Bahnen zur Verwen- düng kommt, Jrrthum und Mißverständnisse vermieden werden. Seitens des Reichseisenbahnamts war ein einziges Signal dafür, daß ein durchgehender Zug aus einem Bahnhose das Geleise wechseln müffe, zwei kreuzwets über ein-

AranKreich.

Pari-, 14. Juni. DieCorresp. Havas" schreibt:Kraft des Decrets von 1859 trägt die Fahne eines jeden Regiments, das dem Feinde eine Fahne abnahm, das Kreuz der Ehrenlegion. Vor dem Kriege von 1870 zählte die sranzösische Armee sieben Regimentsfahnen mit dieser Auszeichnung, die für Wegnahme von Fahnen im italienischen und mexicantschen Feldzuge verliehen wurden. Während des Krieges von 1870eroberte der Unterlieute- nant Chabal vom 57. Infanterie-Regiment bet Rezonville eine preußische Fahne." Chabal ist jetzt Hauptmann-Zahlmeister der Gensd'armerie in Algier und wurde dieser Waffenthat wegen zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. General Farre will aber jetzt dem Präsidenten der Republik ein Decret vorlegen, das sich auf das Decrer von 1859 stützt, und der Fahne des 57. Regiments, jetzt in Bor­deaux in Garnison, das Ehrenkreuz verleiht! Am 14. Juli soll diese Fahne, mit der Auszeichnung geschmückt, bet der Vertheilung der Fahnen in Long- champs glänzen und zum Gegenstand der allgemeinen Aufmerksamkeit werden. Auch beschloß der Minister, den Hauptmann Chabal aus Algier Herbetrufen und ihn osficiell am Feste der Fahnenvertheilung thetlnehmen zu laffen. Er wird im Gefolge des Kriegsmintsters Platz erhalten. Bei dieser Gelegenheit erinnern die radikalen Blätter daran, daß Menotti Garibaldi in der Schlacht bet Dijon auch etre deutsche Fahne erbeutet habe." Zu dieser ganzen Ge­schichte bemerken wir nur, daß bet Rezonville niemals eine Fahne von den Franzosen erbeutet worden ist. Die angebliche Heldenthat des Hauptmanns Chabal ist daher weiter nichts, als reiner Schwindel. Während des ganzen Krieges von 1870/71 verlor die deutsche Armee nur eine Fahne,, und zwar, wie oben richtig bemerkt, in der Schlacht bei D'jon. Diese Fahne, dem 61. Infanterie-Regiment gehörig, wurde von den Franzosen übrigens nicht genommen", sondern unter einem Leichenhaufengesunden." (Köln. Ztg)

ander gestellte Flügel an der Signalstange in Vorschlag gebracht. Sachsen wünschte verschiedene Signale auf Bahnhöfen, auf denen mehrere Geleise neben einander liegen. Der Bundesrath hat nun zwei Signale zugelaffen, und zwar in Form von zwei wagerecht stehenden Flügeln.

Kesterreich.

Wien, 13. Juni. Ueber eine bulgarische Parlamentscene schreibt man demWiener Fremdenbl." aus Sofia:Unsere Nationalversammlung war an einem der letzten Tage eben in vollem Zuge, ihrer gesetzgeberischen Thätig- keit obzuliegen, als fich plötzlich auf der Galerie eine etwas bejahrte Dame zeigte, die am Arme des russischen Vertreters, Herrn v. Cumany, die Diplo- matenloge betrat. Der Präsident der Kammer, Herr Slavejkoff, war ihrer kaum ansichtig geworden, als er sich von seinem Sitze erhob und ohne Wei­teres eine Apostrophe an dieselbe, alsdie Mutter des großen slavischen Helden und Bulgaren-Besreiers" richtete. Die Dome war nämlich Frau Skobeleff, die kürzlich hier eingetroffen ist, um eine Mädchenschule zu errichten und von diesem Empfange nicht wenig überrascht war. Doch ihr Begleiter, der russische Gesandte, ließ ihr keine Zeit, sich zu sammeln, sondern erhob sich von seinem Platze und hielt aus der Diplomatenloge eine Dankrede an den Präsidenten. Und während sich diese im parlamentarischen Leben wohl einzige Scene abspielte, hatten sich die würdigen Vertreter der Nation von ihren Sitzen erhoben und lauschten ehrerbietig den Phrasen, die beiderseits gedrechselt wurden."

Telegraphische Depeschen.

Wagner's telegr. (5»xtefp»n>etii

Darmstadt, 15. Juni. Der Großherzog ist heute um liy2 Uhr nach Wien abgeretst. r

New-Uork, 15. Juni. Der peruanische Geschäftsträger erhielt eine Depesche des peruanischen Generalconsuls in Panama, wonach Tacna nach dreitägigem Kampfe eingenommen wurde. Der Gesammtverlust an Todten und Verwundeten betrug 8000 Mann. Tacna wurde sodann wieder durch die verbündeten Armeen belagert. General Montero nahm 1000 Chilenen gefangen. Die Generale Leiva und Montero schloffen die chilenischen Truppen vollständig ein. . - o k.

Innsbruck, 15. Juni. In der gestrigen Sitzung des Landtags wurde eine Erklärung der Bischöfe von Trient, Br'xen und Salzburg verlesen, worin dieselben gegen die vollzogene Bildung von zwei evangelisch^ Psarrge- metnden, welche wider Willen und mit Verletzung der heiligsten Gefühle der Tyroler erfolgt sei, protestiren und um Ausnahme dieser Erklärung in das Landtagsprotokoll ersuchen. r , _ .

Berlin, 15. Juni. Der Kaiser conferirte gestern Nachmittag mit dem Furst-Ebmarck Beurtbktlung der Sachlage, wenn

behauptet wird, daß die Botschaft^ Konferenz Grkchen and ein Occupatio,rs- Mandat übertraaen weide. Vor Ziehung einer Grenzlinie durch eine Com. Mission an Ort"und Stelle und durch die Mächte gebilligten Feststellung der- Ken ist eine Ottupation sür genau regulirtes Gebiet nicht vorhanden.

Dresden, 15. Juni. Die sächsische Oberlausitz ist von Wolkenbrüchen gestern schwer getroffen worben. In Oderwitz sind Häuser eingesturzt und Menschen um'S Leben gekommen. Man zählt bisher 8 Todte. Die Mandau