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1880

Mittwoch den 16. Juni

Nr. 137

ießener Anzeiger

Mise- md Amtsblatt fit ita Kreis Gieße«

WHdl**itWCe*nt \ Schulstrahe B. 18.

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bau-Congreß Hai sich mit derselben Frage befaßt. Man zog hierbei besonders jene Art der Weinfabrikaiion in Betracht, welche aus einer Mischung von Wasser Sprit, Glycerin, WeinsteinsLure, Kalk- und anceren Salzen (zur Er­langung eines Extractgehaltes) und minimalen Zusätzen von Naturwein weir^ artige Getränke darstellt. Tie Menge des verwandten Naturweins richtet sich in der Regel danach, ob die Weinsäure in demselben billiger ist, als die aus den Fabriken bezogene. Ter Hauptunterschied zwischen dieser Weinfabrikation und dem Gallisiren, Chaptalisiren rc. besteht somit darin, daß das Fabrikat keine Gäbrung durchzumachen bot, daß es lediglich, wie bereits bemeikt. eine Mischung ist und in Folge desien auch in einigen Tagen kolossale Quantitäten hergestellt werden können. Man hat deshalb diese Fabrikation auch die Fabri- kation aus kaltem Wege genannt. Derartige Weinfabriken finden sich-uber ganz Deutschland ausgebrettet. Sie setzen ihr Fabrikat zu 120 bis 160 X (gegenwärtig bis 300 X) pro 1000 Liter ab. Der Handel bringt es wohl selten direct in den Consum, sondern mischt es weiter mit Naturwetn und war in einem Verhältntß, welches dem Chemiker die Nachweisung unmöglich macht. Der deutsche Weinbau-Congreß war nun einstimmig der Ansicht, doß diese Fabrikationsweise den Producenten, den reellen Händler und den Confu- menten gleichmäßig au,'s Empfindlichste schädigt und den Weinbau besonders in den mittleren Sorten, den eigentlichen Gon,umweinen, seinem,Untergange entqegensührt. In den Eingangs erwäbi ten Petitionen find die Grund- hiersur des Näheren entwickelt. Sie gipfeln darin, daß nicht allein die Preisdifferenzen, welche das nöthige Correctiv für die schlechten Jahre bilden muffen, verschwin- den, sondern auch der Consument, welcher sich hintergangen und in semer Ge­sundheit geschädigt sieht, dem Weinconsum immer Mißtrauen entge­

gensetzt unv ihn schließlich ganz fallen läßt. Da nun,d,e S-tchUd-rttn^Fabrikat-, wie bereits erwäbnt, ähnlich wie der Schwerspach, fast ausschließlich zur Äälickima eines Nahrunasmtttels dienen, indem Naturweine damit versetzt we"d^ so dürfte der 86 des Reicksg-sundh-its-Gesetzes (Nahrungsmittel- Gesitzess hier Platz greifen. Desgleichen ist auch der § 5 in Folge der Ver- me idung von Kalk und anderen Salzen, die zur (Äzielung eines den Chemtker irre suorenren Extractgehaltes zugesetzt werden, in Betracht zu zreb-n. Gestutzt auf diese Paragraphen erlaubt sich das Präsidium des deutschen Weinbau- Vereins, indem es dem einstimmig gesoßten Beschluffe des Coblenzer Congrefles hiermit nachkommt, an hohen Bundesrath die unt-rthänige Bitte zu richten: Derselbe möge eine kaiserliche Verordnung erwirken, wodurch die geschilderte Weinfabrikation, sowie das Verkaufen und Feilhalten derartiger Fabrikate ver- boten werde. ^ie Uebungen des Panzergeschwaders nehmen ihren

regelmäßigen Verlauf, -'strecken sich einstweilen jedoch nur noch auf den aller- nächst gelegenen Theil der Ostsee; während dieser ersten Zeit kehren di-Schiff- gewöhnlich schon nach 5 bis 6 draußen in See verbrachten Tage n unseren ßafen zurück? bis nach und nach di- Ausflüge längere Dauer gewinnen und schließlich das U.bungsfeld ganz nach dem östlichen Thetl- der Ostsee verlegt wird.^ DieSachsen" nahm an den Geschwader.Fahrteu und @$etcitten 618« lana keinen Theil, dampfte vielmehr, wenn sie das schon wiederholt aufgesuchte Dock verlaffen, auf eigene Faust zum Hafen hinaus; der Koloß scheint in seinen Bewegungen noch immer nicht die erwünschte Gelenkigkeit zu zeigen. Die

Lzobimcllern" setzt mit kurzen Unterbrechungen ihre Probefahrten fort und dürste damit auch sür's Erste noch nicht aufhören; jedenfalls wird daS schone Schiff während des Spätsommers von der kroriprinzlick-n Familie mehrfach benutzt werden, so auch voraussichtlich zur Einholung des um die Seit mit demPrinz Adalbert" nach zweijähriger Abwesenheit zuiuckkehrenden Prinzen Sein-ich. Di-Niobe" befindet sich noch hier, wird jedoch thre S-gelubungen bald 6-enbet haben und alsdann ihre bis zum Herbst währende Reise mit den neu eingestellten Cadetten antreten. Di-Arcona" beschäftigte sich während der letzten Tage mit einer Revisions-Vermessung der Sweniinemundung, der Wyker und der Strander Bucht, also der einzelnen Theile der Kieler Bucht, deren Beschc-ffenh-it aus's denkbar Genaueste zu kennen eine absolute Roth- Wendigkeit ist; große wie kleine Schiffe r-üssen sich hier wenigstens mit der- leiben Sicherheit wie eine Truppe auf ihrem Ex-rcie,platze bewegen können.

Deutschland.

Berlin, 13. Juni. DieGrenzboten" bringen in ihrem neuesten politischen Bnes eine historische Darstellung des Verlaufs der Verhandlungen mit der Curie, indem sie die in den veröffentlichten Aktenstücken enthaltenen Daten zusammenstellen. Auf Grund dieser Klarlegung dir That^chen schreiben sie weiter:Wir fragen nun: Weshalb hat die preußische Regierung ihre Vorlage vom 19. Mai eingebracht, nachdem die Eurie jete Verständigung aus Grund einer solchen Vorlage zurückgewiesen? Man wird vielleicht sagen: Wenn die preußisch- Regierung sich blos gegen den Vorwmf schützen wollte, das Mißlingen der Verhandlungen verschuldet zu haben, so genügte es, wenn sie der päpstlichen Anklagedrohung durch den veröffentlichten Schristenwechsel zuvorkam, wie es ja geschehen ist. Dagegen - 1° «erden Mele teilen - war die Vorlage vom 19. Mai als Beweis der Friedensliebe nbe flüssig, nachdem die Curie eine solch- Früdensbasis zurückgewiesen, und dishalb muß hinter der Vorlage etwas Anderes stecken. Darauf ist einfach zu erwidern, daß dieser tatsächliche Beweis von Friedensliebe doch nicht überflüssig ist- Di- liberalen Blätter sagen, bei den Katholiken, welche nur di- Kaplanspreff- lesen, verfange dieser Beweis doch nichts. Der Beweis ist aber nicht auf die von der Kaplanspreffe bedienten Katholiken berechnet.Das Feuer des Cul- tmkawpses war sehr im Erlöschen, zum Theil allerdings in Folge der Ver-- ständigungsversuche, auf welch- di- preußische Regierung sich mit dem neuen Papst eingelassen hatte und -inlaffen wußte. Man denke nur nicht , daß irgend ein Kamps, irgend eine Arbeit im ersten Ansatz gleichmäßig sich stei­gernd sortlansen kann. Es kommen Pausen, Ermattungen und darauf das Ende oder neue Ansätze. So will es das Gesetz des Lebens, dem auch der Culturkamps unterliegt. Auch Herr v. Bennigsen sprach schon öffentlich von dem Bedürfniß des kirchlichen Friedens. Wenn dieses Bedursmß allgemein ist, so muß nun allen Augen offenbar werden, wer ihm entgegensteht. Dazu dient überzeugend die Vorlage vom 19. Mai. Es hätte nicht ausgereicht, Schiiststücke zu veiöffentlicheu, welch- di- unerfüllbaren Anforderungen der Curie aus's Neue bestätigten. Man muß sich weit über die Kluft hinüber biege» und der Curie die Hand -ntgegeistr-cken, damit die Welt steht, wer nicht in die Hand einschlägt. Dann kann der Kamps neu entbrennen. Dies bezweck die Vorlage vom 19. Mai. Aber nicht blos dies. Es ist trotz alledem nicht ansa-schloff-n, daß die Curie es geschehen läßt, daß aus dem Grunde dieser Vorlage sich ein modus vivendi bildet. Tie Motive zu diesem Geschehenlaffen die Curie in der Welt-Situation finden, wenn die Jesuiten dies zulasten.

Ob die Klugheit Über den Fanatismus siegt, muß man abwaricn. Siegt der Fanatismus, so ist die Position des Staates durch die Vorlage vom 19. Wat ungeheuer gestärkt. Siegt die Klugheit, so eröffnet sich ein Weg zum Flieden, welcher für die Curie der leichteste und für den Staat der vortheilhasteste ist. Das tollten die Naiionalliberaleu bedenken. Anstatt di-Vorlage zu zerpflücken und^nach allen Seiten hin wirkungslos zu machen sollten sie dieselbe en bloc armehmen, mit dem einzigen Zusatze einer Fristbestimmung, und sowen ihre Bereitwilliakeit dazu der Regierung kund thun. Dann wurde diese wohl die konservativen zu dem Gleichen vermögen. So sollten die Nationalltberalen to Plenum verfahren. Die Arbeiten der Commission ««^en nur den Zweck erfüllen,""en Parteien die Zeit zur Wahl d-S richtigen EntschluffeS zu verschaffen^!- fKöln. Ztg." von der Bereitwilligkeit der Curie,

die Verhandlungen mit der preußischen Regierung wieder anzuknüpfen, bestätigt sich nicht. Nach einer derGermania" aus Rom vom 7. d. Mls. zugehenden Nachricht scheint man dort vielmehr auf »eitere Verhandlungen ^ verzichten. D°m entspricht die weitere Miltheilung derGermania", daß Cardinal Jaco- btni in einigen Wochen Wien definitiv verlaffen werde.

Mit Rücksicht auf das am 1. Juli d. Js. in Kraft tretende Feld- und Forstpoltzeigesetz vom 1. April d. Js. sind die königl. Forstbeamten darauf aufmerksam" gemacht worden, daß es nur in der Absicht des Gesetzes liege Feld und Wald gegen U-be-griffe und Beschädigungen zu schützen, nicht aber harmlose Spaziergänger oder Pflanzensammler ans Feld und Wald zu ver­drängen und daß in diesem Sinne das Gesetz auszufuhren ei. Demgemäß sei von der Besngniß, Unberechtigte aus dem Walde zu «eisen, nur dann ®e- Smitrh in machen wenn zu besorgen, daß das Betreten des Waldes außerhalb d r öff-n-ch n Wege" sei es mit Rücksicht auf die Oertlichkeit sei es in An- b frack der Person des Betroffenen, Nachtheile oder Gefahren für den Wald berbestühren werde. Andererseits sind di- königl. Forstbeamten aber auch an- J.. überall da, wo das Jntereffe des Woldes und des Forstbetriebes in Fraae kommt wo UngehörigkAten und Uebergriffe oder Gefahren von dem Ll - abmwerden, insbesondere bei zu befürchtender Feuersgefahr, die Vorickrstien des Gesetzes rücksichtslos in Anwendung zu bringen.

VorsckM-n d« ® B w deutschen Weinbanvere ns um

Unterdrückung der Weinfabrikation, von dem in Utzt-r Zeit mannigfach d^ «>ebe lasten wir nach seinem Wortlaute hier folgen.An hohen Vundesralh »n Berlin " Während der letzten Session des hohen Reichstages hatten sich die Weinproducenten der Pfalz erlaubt, sowohl an diesen w e an hc( er. Bun- desratb eine Petition um Verbot der Weinfabrikaiion zu richten. Seitens des hohen Reichstages wurde dieselbe dem Herrn Reickskani empfohlen. Der im September v. Js. zu Koblenz stattgehabte deutsche Wein

Telegraphische Depeschen.

Wagner'» telegr. Evrrespsvderrr

Berlin, 14. Juni. Die Meldung derTimes", daß s-imr Zeit die Ernennung Challemel Lacour's zum französischen S8cWaft £

Schwierigkeiten begegnete und nicht erfolgt fei,. weil Fürst Bismarck nicht wünscht-, mit einem Republikaner so unzweifelhafter Farbe in Berührung ge- bracht zu werden, ist di-Rmdd. Allg. Ztg." b-auf ragt, als eine jeder that- sächlichen Unterlag- entbehrende Eifindung zu bezeichnen. Die Ernennung Challemel's war, soweit in Paris überhaupt beabsichtigt, weit entfernt, in Berlin irgendwelche Schwierigkeiten zu finden, wnrde vielmehr, als man hier ^nöthigt war anzunehmen, daß das Ausscheiden des gegenwärtigen französt- chen Boffcka tersSt Ballier ungeachtet der dieffeitigen Wünsche dennoch bevorstehe und in Folge dessen das deutsche Cabinet in üblicher Wei e ver- jnaulich sondirt wurde, gerade als di- für Berlin am meisten, erwünschte hier bezeichnet. Bundesrath bestätigte den in erster Lesung gefaßten Beschluß, betr. den Zollanschluß der unteren Elbe, heute In zweiter Beratung.

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