Ausgabe 
16.5.1880 Zweites Blatt
 
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an schlag pro 18«/w wird, nachdem die Finanzdeputation durch Herrn Homberger über die Prüfung desselben Bericht erstattet hatte, genehmigt und beschlossen, das Rechnungsjahr für die Stadt, gleich wie vies für die Staatsrechnung geschehen, zu verlegen. -- Seitens des Schul­vorstandes wird die Nothwendigkeit der Trennung der 4 Klasse der Stadtknabenschule barge- leat und beschlosien, sür die entstehende neue Klaffe eine Lehrerstelle zu errichten.

Gießen, 15. Mai. Wie wir erfahren, wird Herr Director Straßburger, von Kaffel kommend, mit seinem aus 32 vierfüßigen Künstlern bestehenden Circus in nächster Woche dahier die erste Vorstellung geben. Da dem Circus das beste Renommee von Kaffel aus vorangeht, so darf man wohl mit Recht auf diese Vorstellungen gespannt sein. Sämmtiiche Zeitungen Kaffels sind des Lobes voll; so schreibt z. B. dasKasseler Tageblatt" Folgendes:Straß­burgers Circus und Affentheater, welches seit Kurzem in der Wiihelmsstraße eröffnet ist. bietet allabendlich dem Publikum, Groß und Klein, die amüsanteste Unterhaltung- Herr Straßburger verfügt über ein zahlreiches Personal, oder besier gesagt Material, an deffen Produktionen der Besucher seine Freude haben muß. Die vorzügliche Dresiur sämmtltcher Thiere, sowie das mannigfaltige Programm sind sehr anerkennenswerth und verleihen den Vorstellungen das beste Aussehen".

Vermischtes.

Vom Main, 9. Mat, schreibt man demMzr. Tgbl." : Bürgermeister zu sein ist, seitdem wir Naffaucr zu Preußen gehören, ein schwieriges Amt. Die unzähligen Schreibereien gar nicht zu erwähnen, erfordern die Einquartierungen, die Recrutirungen. das Schöffengericht, die Polizeianwaltschaft, die Gewerbeverhältniffe, das Armen- und Steuerwesen k. große Arbeit und viele Zeit, und zu alledem muß man sich auch mit denStromern" befassen und denselben das. Ortsgeschenk verabreichen. Was Einem bei letzterer Mtldthättgkeit obendrein noch passiren kann, bat dieser Tage ein 70jähriger, allgemein beliebter und unermüdlicher Bürgermeister erleben müffen. Kommt da ein Handwerksbursche auf's Rathhaus, bittet um s Geschenk, was ci auch nach Durchsicht seiner Papiere vom Bürgermeister eingehändigt erhält. Der Bursche wandert nach Wiesbaden, wo bei ihm diePocken" entdeckt werden- Darauf folgt sofort die landräthliche Anfrage, ob der Bürgermeister sich wohl befinde, ob er Nichts an sich spüre, ob er nicht an dem Stromer die Krankheit bemerkt habe und ob die Impfung im Orte ordentlich vollzogen werde u. s. w. Der Bürgermeister ist ganz wohlauf und berichtet, daß er an sich nichts Verdächtiges spüre, noch ihm in seiner Gemeinde etwas Derartiges bekannt sei. Trotz alledem kommt ihm umgehend der Befehl, sich sogleich impfen zu lasten, was der Arzt, unge­achtet der Verblüfftheit und der Versicherung, daß bei ihm die Pocken gewiß nicht mehr an­schlagen, vollziehen und solches nach Wiesbaden gehorsamst berichten mußte!

In Inzlingen versammelten sich die kürzlich aus der Schule entlaßenenHerren Buben" und zogen unter Absingung desGroßer Gott, wtr loben dich" auf das freie Felo, wo alle Schulrequisiten den Flammen übergeben wurden. Was brauchen die Jungen noch Bücher und dergleichen; sie batten jaausgelernt". Der Bürgermeister sah die Sache übrigens ernst an und ließ die ganze Gesellschaft einige Stunden lang kurzer Hand einsperren.

^Schlechte Späste.) DieFranks. Oder-Zeitung" schreibt: Seit einiger Zeit laufen Nachrichten über absonderliche Vorfälle in Fürstenwalde durch die Spalten einiger Berliner Blätter, namentlich desBerliner Tageblatt". Bald droht ein Kirchthurm einzu­stürzen, bald stehlen Dohlen Brillantringe und tragen sie auf die höchste Stelle der Thurm- bevachung, von wo ein kühner Turner das Kleinod mit Leichtigkeit herabholt. Neuerdings soll sogar ein kalter Blitzschlag in den Altar der Kirche gefahren fein und einen in Gold- und Silberbarren bestehenden Schatz zu Tage gefördert haben. Es handelt sich, wie das Fürsten- walder Wochenblatt bemerkt, ledigl-ch um eine etwas absonderliche Art von Spaßmacherei.

Die gerichtliche Klage eines Ehemannes in Clinton, County De Witt, Staad Illinois, Nordamerika, giebt gegenwärtig den dortigen Zeitungen viel Stoff zu Heiterkeit. Bradford, ein wohlhabender 40jahriger Geschäftsmann, verliebte sich in Fräulein Mac Grath, die reizende Tochter eines vermögenden früheren SchweinehändlcrS. Miß Mac Grath hinkte ein wenig auf dem rechten Fuße, allein ter Alte schützte eine unbedeutende Steifheit des Knies vor, die sich jedenfalls mit der Zeit verlieren würde. Darauf hm machte Bradford seinen HeirathSantrag und wurde von der errölhenden Jungfrau erhört. Die Hochzeit fand statt, und mit dem Gürtel, mit dem Schleier riß der schöne Wahn entzwei." Ein Theil der in gutem Glauben geheiratheten Schönheit stellte sich nicht als menschlich, sondern alsKork" heraus. Das lahme Bein war ein künstliches und ruhte, abgeschnallt, allnächtlich auf dem Tische vor dem Bette der jungen Frau. Bradford machte nun eine Klage auf 5000 Dollars Schadenersatz anhängig, da sein Schwiegervater sich des Betrugs schuldig gemacht und ihm eine zum Theil aus Kork und Stahlschienen bestehende Gattin aufgehängt habe.

sEin tragisches Snbe.j Seit längerer Zeit kam regelmäßig an einem bestimmten Tage in der Woche der Tischlermeister Meier aus der Sellerstraße, Besitzer eines größeren Möbelmagazins in Berlin, zu dem Kaufmann T>. in der Müllerstraße, um sich bet demselben auf der Brückenwaage zu wiegen. Meier, etwa -10 Jahre alt, kränkelte an einem Magenleiden, und ihm war bange um sein Leben und um feine 6 kleinen Kinder. Seine Angst steigerte sich bis zur Verzweiflung, als er bei jeder Gewichtsprobe sah, daß er an Schwere immer mehr abnahm. Seiner Frau hatte der trübsinnig gewordene Mann alles bas ihn Quälende stets zu verbergen gesucht, und so auch derselben seinen endlich gefaßten Entschluß und die Vorbereitungen zu demselben verheimlicht. Still und in sich gekehrt, wie immer, kam er zu dem Tovtengräber

in der Liesenstraße und kaufte die von ihm selbst gewählte Grabstätte, gab genau den Tag ves

Begräbnisses an und ging Darauf in das Sargmagazin von Königsdörffer in der Chauffeestraße, um hier feinen Sarg zu bestellen. Nachdem er dieses gethan und den Tag für Die lieber;

bnngung des Sarges bestimmt hatte, begab er sich zur nahen Postanstalt üno telegraphirte

seinen außerhalb wohnenden Geschwistern die Kunde von seinem Tode und den Begräbnißtag. AIS er nun Alles vorbereitet zu haben glaubte, nahm er von seiner Familie am Abend Ab­schied, indem er vorgab, er habe noch einen Gang zu geben. Sodann begab et sich in seine Werkstatt und durchschnitt sich die Pulsadern. Dem Unglücklichen aber blieb wahrscheinlich nach Dieser That der Tod zu lange aus, er nahm daher eine Sägeschnur und erhängte sich an der­selben, während sich Die Frau mit ihren 6 kleinen Kindern Dem Schlafe überlassen hatte. Schrecklich aber war das Erwachen derselben, als Der dehtling am Morgen seinen unglücklichen Meister fand und erschreckt der Frau deffen Tod verkündete. Genau so, wie Meier über sein Begräbniß bestimmt hatte, und zu welchem pünktlich Die benachrichtigten traurigen Geschwister eingetroffen waren, fand dasselbe am Freitag Nachmittag statt. Allgemeines Mitleid mit Der beklagenswerthen Familie hatte eine große Schaar Menschen herbeigeführt, welche Dem Ver­blichenen zur letzten Ruhestatt folgte.

SeliilSHberleht. Mitgetheilt von Dem Agenten des norDDeutschen Lloyi, T. W. Dietz in Gießen.

Bremen, 12. Mai. Der Postdampfer Neckar, Capitän W. Willigerod, vom Nord­deutschen Lloyd in Bremen, welcher am 1. Mai von Newyork abgegangen war, ist gestern 10 Uhr Abends wohlbehalten in Southampton angekommen und hat nach Landung der für dort bestimmten Passagiere, Post und Ladung 12 Uhr Nachts die Reise nach hier fortgesetzt. Derselbe überbringt 307 Passagiere und volle Ladung.

Allgemeiner Anzeiger.

Steinkohtentieserung.

Die Lieferung der für das Großh. Provinztal-Arresthaus für die Zett vom 1. Juni 1880 bis 1. April 1881 erforderlichen Steinkohlen mit ca. 1000 Centner soll im Submissionswege ver- geben werden.

Die bezüglichen Bedingungen können in der Kanzlet der Großh. Staats­anwaltschaft hterselbst (Nr. 44 tm neuen Justizgebäude) etngesehen wer­den, woselbst die Offerten verschlosien und mit bezüglicher Aufschrift ver­sehen bis zum 31. d. Mts., Vor­mittags 10 Uhr, etnzureichen sind, in welchem Termin deren Eröffnung er­folgen wird.

Gießen, den 10. Mai 1880.

Der Erste Staatsanwalt. 3303) Zimmermann.

Holzversteigerung

im

Lridenhofer Gemrinde-Wstd. Freitag den 21 Mai,

Vormittags 10 Uhr anfangend, sollen im Leidenhofer Gemeindewald, SchlagAltenheeg":

304 Rmtr. Buchen-Scheitholz,

45 -Prügelholz,

84 -Ltockholz,

660 -Retsholz,

1 Parthte Eichen- und Erlen-Nutz« Holz,

öffentlich meistbietend versteigert werden.

Die Zusammenkunft ist tm oben­genanntem Walddtstrtct.

Allendorf a./Lva«, am 12. Mat 1880. 3372) Bteber, Bürgermeister.

Mittwoch den 19. Mai,

Nachmittags 2 Ubr, lasse ich bei meiner Wohnung in der Sand - gasse 3 Wagen, Pstüge, Egge, eine Fege- muh'.e, Strohbank, verschiedene sonstige Geräthschasten, Stroh, einen Haufen Mist meistbietend versteigern.

Gießen, den 13. Mai 1880.

3368) Ar. Muster.

Mr

Cigarren - Fabrikanten.

Am 19. Mai ds. Js.,

Vormittag- £ Uhr, lasse ich in meinem Hofe, Grünberger Straße, sämmtltche Utensilien zur Ci- garrenfabrtkatton, als:

Cigarren-Kistel, Rahmengestelle, Ci­garrenrahmen, Arbeitstische, Kistel- preffen, 1 Druckerpresse, Sttzkiften, diverse Papiere und Etiquetten, Gummistempeln, 2 Musterschränke, verschiedene Comptoir-Utensilien, als Pulte, Copterpreffen rc., 1 feuerfeste Bücher- und Geldkiste, 1 Tabaks' presse, 1 Stoßkarren, sowie ca. 4000 Cigarrenformen aller Art meistbietend gegen gleich baare Zah­lung aus freier Han^ versteige"". 3305) Chr. Löber III. Ww.

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