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Dienstag den 15. Juni

1880

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Preis vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Bahn, welche provisorisch mit nur einem Geleise angelegt worden sind, in zweigeleistge zu verwandeln- Das Reich besitzt nunmehr einen, die äußerste Nordostgrenze mit der Westgrenze dircct verbindenden Schienenweg. Von Berlin bis Metz mißt derselbe 8iO3/4 km, während die bisherige Linie Berlin- Frankfurt-Saarbrücken-Metz 823 km lang ist. Da die neue Linie nur an wenigen größeren Städten, nämlich blos an Trier, Coblenz und Nordhausen vorbeiführt, so dürfte der Güterverkehr, wie auch der bisherige Erfolg zeigt, nur von untergeordneter Bedeutung sein, wenn ihr nicht mit der Zett ein Theil dks Transitverkehrs zwische.. Pans und Petersburg zufällt. Desto größer ist dagegen die strategische Bedeutung, welche überhaupt bet Anlage der Bahn ausschlaggebend war. Im Kriegsfälle unter einheitliche Leitung gestellt, kann vermittelst derselben innerhalb weniger Tage das erforderliche Truppen­material an die Grenze geworfen und unabhängig von Personen- oder Güter­verkehr Kriegsmaterial und Proviant in beliebiger Menge befördert werden. Von besonderer Bedeutung ist es dabei, daß die Linie fast ausnahmslos frucht­bare Distrtcte durchschneidet und damit die Möglichkeit bietet, die in Etappen zu befördernden Truppen selbst im Falle eines längeren Krieges mit Leichtig­keit mit Proviant zu versorgen.

Aus Baden schreibt man derVoss. Ztg." : Als ein bet den Reichs- tagSberhandlungm außer Acht gelassenes Moment gegen die Nothwendigkeit von Wuchergesetzen mag eine interessante Entscheidung des Landgerichts zu Freiburg im Breisgau angeführt werden, welches dieser Tage einen Wucherer mit der von demselben etngeklagten Forderung in Höhe von 300 Jl. abwies, von der Erwägung ausgehend, daß das in Frage kommende Rechtsgeschäft sich als ein offenbar wucherisches charaktrrtsire, welches nicht auf dem Wege gericht­licher Klage geltend gemacht werden könne, weil solches gegen die guten Sitten verstoße und somit nach dem L-R. S. 1133 nicht klagbar erscheine. Der Ver­klagte hatte formell die nngeklagte Wechjelfosderung zuqestanden, dagegen aber eingewendet, die geliehene Summe durch entsprechende Abschlagszahlungen bereits völlig getilgt zu haben, welche Zahlungen der Kläger auch zugab, doch mit der Behauptung, dieselben hätten lediglich die Prolongation und Provision gedeckt. Das Gericht nahm seinerseits indeß an, diese Zahlungen hätten die Schuld getilgt und erkannte daher auf Abweisung des Klägers.

Metz, 12. Juni. Heute Morgen 8J/2 Uhr fand auf dem Außenbahn­hofe in Folge falscher Weichenstellung ein Zusammenstoß zwischen einem Rangir- zuge und einem von Pagny kommenden Personenzuge statt. Zwei Personen wurden schwer, mehrere leicht verwundet.

Oesterreich.

Wien, 12. Juni, Abends. Meldung derPolit. Corresp." Der vom griechischen Cabinet in consultativer Mission zur Berliner Conferenz ent- sendete griechische Diplomat Arment Bratlas ist in Wien etngetroffen; er ist begleitet von dem Generalstabs-Hauptmann Ltcoud, dem Vice-Consul in Janina Fouults und dem Attache Metaxas.

Wien, 12. Juni. Die Einladung Deutschlands zur Conferenz ist in Form einer Verbalnote ergangen und hat folgenden Wortlaut:

Unterzeichneter hat bte Ehre, Folgendes mitzutheilen: Die Regierung Sr. Maj. des deutschen Kaisers und Königs von Preußen hat Kenntniß genommen von der Mitthetlung, welche der Staatssecretär des Auswärtigen Ihrer Maj. der Königin von Großbritannien an die deutsche Regierung über die griechische Grenzfrage gerichtet. Da diese Mittheilung nunmehr eine wohlwollende Auf­nahme von Setten aller Cabinete gefunden, hat die Regierung Sr. Maj. des deutschen Kaisers, geleitet von dem Wunsche vollständiger Durchführung des gemeinsamen Werkes, das durch den Berliner Vertrag besiegelt worden, die Ehre, jenen Mächten, deren Vermittlung durch Art. 24 des Berliner Ver­trages tn Aussicht genommen, vorzuschlagen, daß sie ihre Botschafter in Berlin beauftragen mögen, sich daselbst zu einer Conferenz am 16. Juni f dem Zwecke zu versammeln, sich mit der tn bezeichnetem Artikel festgesetzten Auf­gabe zu beschäftigen. R e u ß.

Pesth, 12. Juni. Das amtliche Blatt veröffentlicht die Ernennung des Abg. Pronay zum Staatssecretär des Innern.

Pesth, 12. Juni, Abends. Das Unterhaus nahm die Zuckersteuer. Vorlage als Grundlage der Spectaldebatte an.

Nagusa, 12. Juni. Die Ortschaften Elbaffan, Crota, Cavaja und Tibana sandten Vertreter für die albnesische Liga nach Skutart. Die Liga verlangt, Montenegro solle Trtncere und Golobosce räumen, widrigenfalls die Feindseligkeiten wieder beginnen würden.

IranLrcrch.

Paris, 12. Juni. Das Amtsblatt veröffentlicht die Ernennung Challemel-Lacour's zum Botschafter in London und Arago's zum Botschafter in Bern. General Clinchant ist nunmehr zum Gouverner von Paris ernannt. Es heißt, Freycinet werde die Amnestievorlage am Montag etnbrtngen. Dem JournalVoltaire" zufolge sind den Präfecten die bestimmtesten Instructionen behufs Ausführung der Märzdecrete zugegangen. Die Jesuiten-Anstalten seien bis 30. Juni nöthigensalls mit Gewalt zu schließen. Jeder Aufschub sei un- statthaft. Die Jesuiten könnten eins oder zwei ihrer bez. Mitglieder zur Ueberwachung der VermögenS-Objecte in ihren Liegenschaften zurücklaffen.

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Die amerikanische Präsidentenwahl.

Die republikanische Partei der nordamerikantschen Union besaß bei der Wahl des Präsidenten Hayes nur eine geringe Majorität, indessen haben die Demokraten während der Regierung des jetzigen Präsidenten bedeutend an Einfluß und Anzahl verloren, und wan glaubt mit Sicherheit annehmen zu können, daß ein Republikaner mit großer Majorität zum Präsidenten gewählt werden wird. Bei dem Uebergewicht dieser Partei gewinnen natürlich die Vorbesprechungen und Vorwahlen derselben eine große Bedeutung, denn man kann in dem Manne, auf welchen sich die Delegirten zum Parteitage einigten, den zukünftigen Präsidenten der Union erblicken. Die vielbesprochene National- Conventton von Chicago ist nichts anderes, als (in republikanischer Parteitag, der mit der später e-folgenden Präsidentenwahl nur insofern in Verbindung steht, als er eine Directtve für die einhellige Stimmenabgabe der Partei oder vielmehr der Wahlmänner giebt, denn bekanntlich erfolgt die Wahl des Präsidenten tndirect, da vorher jeder Staat zu dieser Wahl die seiner Bevöl­kerungsziffer entsprechende Anzahl von Wahlmännern wählt.

Der Erwählte der National-Convention von Chicago ist der Senator von Ohio, James A. Garfield. Die Wahl ist überraschend, denn erst bei der 29. Abstimmung erhielt Garfield 2 Stimmen; vorher war sein Name r icht einmal genannt worden. Es ist nämlich eine alte amerikanische Sitte, tn dem Falle, daß eine Einigung der persönlichen Parteien nicht zu erzielen tfj, plötzlich einen ganz neuen Candibaten in die Abstimmung hineinzuwerfen. W.ntg schmeichelhaft nennt man einen solchen Neuling the dark Börse das dunkle Pferd! Die ermüdeten Parteigänger aber werfen sich zuweilen gemein­schaftlich auf dos dunkle Pferd und die gefährdete Einigkeit wird durch einen mein:arteten Kompromiß hergestellt. Nicht weniger als sechs Candidaten waren vorher in Frage, vou denen man Grant und Blaine als die eigentlichen Gegner, Edmunds, Waschburne, Sherman und Windom als Neben-Candt- daten bezeichnen konnte. Die entschiedenen Republikaner verwarfen den General Grant, der zum dritten Male Präsident werden sollte, nicht nur, weil sie mit seiner früheren eigenmächtigen Verwaltung nicht zufrieden waren, sondern weil sie das lächerliche Gerede von einerDynastie Grant", von irgend einem Staatsstreich wider die republikanische Verfasiung zum Schweigen bringen wollten. Die Anhänger Grant'S haben eine Niederlage erlitten, aber da sie .. icht dazu zu bringen gewesen wären, für Blaine zu stimmen, so siegte das dunkle Pferd. Und um den Schein zu wahren, stellte ein Anhänger Grant's, Senator Conkling, den Antrag, die Ernennung Garfield's zu einer einstimmi­gen zu machen. Der Antrag ging durch und Garfield wurde enthusiastisch als Prästdentschasts-Candidat proclamtrt. Mehr als hunderttausend Amerikaner, welche den Sitzungssaal der Convention belagerten, jubelten diesem Resul-

C ^James A. Garfield, der zukünftige Präsident, ist aus armer Familie, er ist ein self-made man. Erst Kutscher, Dootssührer, Zimmermann, erwarb er sich später Kenntnisse und wurde Lehrer, Geistlicher, Abgeordneter zum Repräsen­tantenhause. Im Bürgerkriege avancirte er zum Oberst. Später Sachwalter für Eisenbahnen wurde er Lieferant und Spekulant, schließlich ein reicher Mann, bei dem man nicht mehr fragt, wie er das Geld erworben hat. Als Blaine in den Bundesstaat trat, wmde Garfield Führer der republikanischen Partei im Repräsentantenhause. Bemerkenswerth ist, daß man eine besonders fitlen- strenge Verwaltung von ihm nicht erwartet, und bezeichnend, daß das Deutsch- thum für diesen Mann keine Sympathien hat. _______________________

Deutschland.

Berlin, H. Juni. DieNat.-Ztg." schreibt: Was in der gestrigen Sitzung M Staatsmmistertums beschlossen worden ist, darüber liegt authen­tischer B.dcht noch nicht vor: darf man aus der heutigen Haltung des Cultus- ministers einen Schluß ziehen, so geht die Abficht einstweilen dahin, die Dinge ihrem natürlichen Laus zu überlasten und die Leitung der Parteien noch nicht in die Hand zu nehmen. In die entscheidende Plenarlesung treten fast alle entscheidende Factoren mit völlig freier Hand ein.Tagbl." erfährt aus Rom: Die päpstlicheAurora" bringt ihren sechsten Artikel über die Ver- Handlungen zwischen der Curie und der Berliner Regierung. In diesem Artikel behandelt das genannte Blatt die Situation nach Abbrrch der Ver­handlungen, welcheunerwartet" erfolgte. Das Papstthum stehe nachher Mößer da, denn vorher. Die Schuld läge lediglich an Preußen, welches die Revision der Maigesetze versprach (? ?), dann aber das Versprechen brach (!) Die neue Maivorlage sei unannehmbar, weil sie die Lage dec Kirche ver­kümmere, aber der Papst vertraue auf das katholische Volk Deutschlands. Der Papst könne warten, nicht so die Berliner Regierung, welche die confer» »ativste Weltmacht, die Kirche, zu entkräften trachte, während die Soctalisten Preußens Existenz bedrohen (?). Schließlich sagtAurora :Der Stern des Vatikans glänzt in neuem Lichte, der Stern Berlins aber erblaßte wie ein untergehendesb^e^^^glied der directen Linie Berlin-Wetzlar-Metz, nämlich die Strecke Letnefeld-Eschwege, ist, wie derMagdeb. Ztg" geschrteben wird, in aller Stille dem Betrieb übergeben worden und es ist somit die ganze Linie fertig gestellt; es bleibt jetzt nur noch übrig, diejenigm Thetle der