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Pforte vertreten. Das Preßbureau verbot den Journalen die Reproduction des enal'schen Blaubuchs.

Paris, 12. Decbr. Bei der Vertheilung der Preise der polytechnischen Gesellschaft in der Sarbonne hielt Gambetta eine Rede, worin er diese Gesell­schaft beglückwünschte, daß sie in Beziehungen zu den Arbeitern getreten sei und dieselben gegen Jrrthum bewahre, von welcher Sette letzterer auch kom­men möge, und gegen leere Declamationen, durch welche Frankreich sich nicht aus seiner Ruhe bringen lasie. Die Ordnung sei vollständig gesichert und damit auch der Triumph der Demokratie. Die Sophismen der rückschrittlichen Partei übten keine allarmtrende Wirkung mehr.Wir Franzosen haben den alten Adam ausgezogen Angesichts des äußeren und inneren Unglücks. Die Jugend lernte sich selbst leiten und keinen andern Ehrgeiz zu haben als den, welcher darauf gerichtet ist, Frankreich seine Stellung wieder zu verschaffen durch Arbeit, Wlffenschaft, Tugend und Solidarität." Gambetta schloß mit den Worten: Alles für das Vaterland, die Wiffenschaft und den Ruhm. (Beifall.) Am Au-gang wurde Gambetta von der Menge eine Ovation bereitet.

London, 13. Decbr. Einer Meldung aus Capetown vom 9. ds. zu« folge ist die Toungga-Abthetlung im Letribedistrict unter dem Verlust von 13, Todten, zum Rückzug geröthigt worden. Die Lage der Dinge in Transvaal ist fortgesetzt eine sehr ernste. Die Boers rotten sich in großer Anzahl zusammen und drohen mit Gewaltmaßregeln. Man erließ eine Pro- clamation, worin die Boers auf die Folgen der fortgesetzten Agitation hin- gewiesen werden

Lokales.

Gießen, 13. December. Inder am 4. l. Mts. stattgefundenen Sitzung des Kreisaus- schusfes des Kreises Gießen kamen nach Erledigung einer Anzahl von Gegenständen in geheimer Verhandlung nachstehende Wahlreclamationen zur öffentlichen Verhandlung. Die Reclamations- gründe ergeben sich aus den Entscheidungsgründen.

In Betreff der Reclamatton des Nicolaus Eifer und Consorten von Muschenhetm ge­gen die Wahl des Bürgermeisters daselbst wurde in Erwägung

1. daß die Reklamation sich zunächst auf die Angabe stützt, die Wählerliste habe im Widerspruche mit der Vorschrift des Art. 21 der Landgcmeindeordnung im Gemeindehause überhaupt nicht, sondern nur in der Prtvatwohnung des Beigeordneten Roth zur Einsicht der Wähler offen gelegen,

2. daß diese Behauptung sich als unbegründeterweist, weil nach Inhalt von Anlage B. zum Wahlprotocolle unterm 8. September l. I. bekannt gemacht worden war, die Wählerliste liege auf dem Bürgermetstereibüreau zur Einsicht offen, weil ferner nach der auf Dienstpflicht genommenen und von dem Reklamanten Heinrich Becker V. nicht widerstrtttenen Angabe des Gr. Beigeordneten Roth die Wählerliste nicht in seiner Privatwohnung, sonoern auf seinem Bureau zur Einsicht offen gelegen hat,

3. daß diese Behauptung aber auch ganz irrelevant erscheint, weil der Umstand, daß die Liste der Stimmberechtigten nicht auf dem Gemeindehause, sondern in der Wohnung des Bürgermeisters offen gelegt wurde, als unerheblich zu erachten ist, wenn dieselbe in der Be­kanntmachung über die Offenlegung als Local, wo die Offenlegung stattfindet, genannt ist und eine Beeinträchtigung der Möglichkeit zur Einsicht der Listen nicht behauptet wird; vergl. Nr. 31 derMinistertal-Entschetdungen",

4. daß die Reclamatton weiter durch die Hinweisung auf die Thatsache zu begründen versucht wird, daß bet der Wahl nicht di« Liste der als ungültig erklärten Bürgermeisterwahl, sondern die Liste der, zwischen letztere Wahl und die dermalen beanstandete Wahl fallenden Gemeinderathswahl zu Grunde gelegt worden ist; und eine besondere Offenlegung derselben vor der beanstandeten Bürgermeisterwahl nicht stattgefunden hat;

5. daß auch dieser Reclamationsgrund keine Berücksichtigung verdient, weil nach der Bestimmung in $. 5 der Ausführungsverordnung vom 15. Juni 1874 (§. 40 der Wahlan- lettung) in dem Falle, wenn eine Gemeinderatbswahl vorher gegangen ist, bet der Wahl des Bürgermeisters und Beigeordneten dieselben Listen der Stimmberechtigten mit denselben Be­stimmungen zur Anwendung zu bringen sind, auf deren Grund vorher die Wahl des Gemeinde­raths stattgefunden hatte, und weil, da nur diejenigen bet der Wahl des Bürgermeisters stimmberechtigt sind, welche in die frühere Liste schon ausgenommen waren, deren nockmalige Offenlegung keinen ersichtlichen Zweck hätte, vergl. Ministertal-Entscheidung Nr. 110, zuR echt erkannt,

daß die erhobene Reclamatton als unbegründet zu verwerfen sei unter Verur- theilung des Reclamanten in die Kosten des Verfahrens uno zur Zahlung eines Aversionalbetragcs von 30 in die Kreiskaffe.

In Betreff der Reclamatton des Wilhelm Jockel von Hungen gegen die Gemeinderaths­wahl daselbst, entschied der Kreisausschuß mtt Rücksicht darauf,

1. daß sich die Reklamation zunächst auf die Tbatsacke stützt, daß der Großh. Bürger­meister in seiner Einladung zur Wahl dem kretsamtlichen Ausschreibcn vom 20. Juli 1880 entgegen die Namen der ausfallenden, aber wieder wählbaren Mitglieder des Gemeinderaths nicht angegeben habe;

2. daß aus dieser Nichtbeachtung einer solchen wohl ganz zweckmäßigen, aber doch nicht auf eine gesetzliche Bestimmung gegründete Instruction eine Ungültigkeit der Wahl unmöglich gefolgert werden kann;

3. daß die Reclamatton ferner darauf Bezug nimmt, in der fraglichen Einladung zur Wahl sei irrthümltch gesagt, daß drei Gemetnderathsmitglieder, aber keiner aus dem höchst be­steuerten Drtttheil der Wählbaren zu wählen sei;

4. daß aber dieser Reclamationsgrund nicht innerhalb der gesetzlichen Frist vorgebracht worden ist und deßhalb nicht einmal einer Prüfung zu unterwerfen ist, dahin,

daß die erhobene Reklamation alS unbegründet zu verwerfen und Reclamant in die Kosten des Verfahrens, sowie zur Zahlung eines Aversionalbetrages von 10 JL in die Kreiskaffe zu verurthetlen sei.

Gießen, 13. December. Größere Trupps Handwerksburschen, welche von Schutzleuten morgens nach dem Justizgebäude geleitet werden, erregen jetzt öfters das Aufsehen des Publi­kums. So wurden am Samstag Vormittag 9 dieser Leute, welche z. Th. 8 Tage bis 3 Wochen sich bettelnd in hiesiger Stabt Herumtrieben, vom Amtsgericht zu Haftstrafen ver- urtheilt. Heute morgen wurden wieder ca. 16, welche z. Th. gestern wegen Bettel verhaftet und auch in den Herbergen sich herumtrteben, vorgeführt und ebenfalls zu Haftstrafen verurtheilt.

Am Freitag Abend wurde einem Kaufmann in der Marktstraße ein Ballen Buckskin in diversen Sorten und im Werthe von 280 Mark aus dem Hausflur gestohlen.

Aus einem Zimmer im alten ArresthauS wurden im Laufe der vorigen Woche circa l/2 Centner Blei und 3 Felder eiserne Stacketen gestohlen. Einer der Bleidiebe wurde gestern Morgen verhaftet.

Gestern ist in Lang Göns eine freiwillige Feuerwehr ins Leben getreten. Als Pa- then waren der Gemetnderath und 11 Mann der F. St. F. zugegen. Die vorgelegten und allseitig genehmigten Satzungen weisen 73 Unterschriften auf, eine an sich schon zureichende Zahl, die aber durch den nachträglichen Beitritt solcher, die gestern zu erscheinen verhindert waren, noch erheblich vermehrt werden dürfte. Die vorbehaltlose Gewährung aller nöthigen

Mittel durch den Gcmcinberath verdient besonder: Anerkennung nach der Erfahrung, daß oer Geldpunkt anderweit fast immer die größten Schwierigkeiten bietet. Der jung.-n F-uerwehr wird die neue Saugspritze übergeben und auch hierin mag fick eine andere Gemeindevertretung die von Langgöns zum Vorvnld nehmen

Hoffen wir, daß die so in guten Sattel gesetzte Wehr nun auch tüchtig reiten lernen wird.

Verwischtes.

Mainz, 9. December. Gestern Mittag fand auf der Polizei das Verhör wegen des vorgestern im Heiliggrab durch einen Kohlenwagen verunglückten Kindes statt. Es wurde con- statirt, daß das Kind nicht von dem Troctoir abgerulscht ist, sondern daß daffelbe von zwei Buben unter die Räder des Wagens gestoßen wurde und so elend um'8 Leben kam. Nach­träglich wird uns gemeldet: In den hiesigen Volksschulen wurde heute Vormittag eine Unter­suchung nach jenen beiden Knaben angestellt, welche in so entsetzlicher Weise den Ted des armen K'Ndes in der Heiliggrabgass« verschuldet haben. Nach überemstimmenven Zeugenaussagen sind diese Knaben allein an dem Unglücke schuld. Im Wartesaal der H-isischen Ludwigsbahn war gestern Vormittag em Fremder damit beschäftigt, eine »mahl Zeitschriften gratis zu ver- theilen. Die Polizei wurde auf das Treiben aufmerksam, und alS man fand, daß die Zeit­schriften den TitelDer Staatssocialist" trugen, wurde der ganze Vorralh confiscirt. Nach genauerer Einsichtnahme in die Zeltschriften ersah man jedoch, daß die Schriften durchaus nichts Staatsgefährliches enthielten, sondern sogar in staatsfreundlichem Sinne abgefaßt waren. Die Schriften wurden sofort freigegeben und der Verbreiter derselben außer Verfolg gesetzt. ^M. Z.)

Köln, 7. Dec. In der vergangenen Nacht gegen 2 Uhr theilte ein Biückcnwärler dem auf der Brücke stationirten Nachtwächterposten mit, daß er ein Wimmern und Jammern gehört habe, von welchem er nicht wisse, ob es von einem Menschen oder einem Hunde herrühre. Dem Kölner Nachtwächter leuchtete sofort ein, daß er sich hierüber Gewißheit verschaffen rnüffe, um so mehr, als auf der Deutzer Seite noch immer ein Brückenpostcn nicht gestellt worden war. Dem Schalle des Hülferufs nachgehend, gelangten die beiden, nachdem sie zu Deutz die Brücke verlassen und rechts das Werftufer passirt hatten, tn die Nähe des dortigen Krahnens. Hier sahen sie einen Menschen, der, biS zur Brust im Wasser schwebend, sich m.t den Fingern in die Fugen der Werftmauer eingeklammert hatte und sich auf diese Weise, halb schwimmend, über Wasser zu halten suchte. Nachdem man dem Unglücklichen zugerufcn, er möge sich no^ eine kleine Weile festhalten, eilte man, einen Schiffer zu holen, dem es denn auch noch gelang, Den Mann in seinen Kahn aufzunehmen und so vor dem Ertrinken zu retten. Aus den wenigen Worten, die der Gerettete zu sprechen vermochte, ging hervor, daß er bcstohleu und dann in den Rhein geworfen worden sei. Der Aermste würde, weil seine Kräfte vollständig durch die Angst und den langen Aufenthalt im Wasser erlahmt waren, unzweifelhaft bald untergegangen fein, wenn der Kölner Nachtwächter nicht der Ursache des Geschrei's nackgeforscht und so feine Rettung bewirkt hätte.

<K»n gesandt.

DieSonntagsfe>er" hat in den letzten Wochen viel Staub aufgewirbelt unb wenn c8 mit Freuden begrüßt werden muß, daß von dem Herrn Provinzialdirector der frühere Zustand des Oeffnens der Kaufläden rc. wieder hcrgestelll wurde, fo glaubt Einsender diese» doch, daß man mit der gestern erlaubten Neuerung, die Läden um 11 Uhr öffnen zu dürfen, etwas zu wett gegangen ist. Der Sonntag ist für die beiden Haupteonfessionen gleichberechtigt und unsere katholi'chen Mitbürger haben das Recht, für ihren Nachmiltazs- Bottesdienst die Läden rc. geschlossen zu sehen. Man wende die übergroße Mehrheit der evangelischen Bürger, alS in diesem Falle bevorzugt, nicht ein, die Bevorzugung gilt blos für die Feiertage, welche in die Woche fallen. Im Weiteren ist noch zu bedenken, daß die Abend Gottesdienste wieder in Nachmittags-Gottesdienste (vielleicht schon bald) umgewandclt werden könnten und man würbe dann die erlaubte Neuerung wieder aufgeben und die Läden wieder schließen müssen. Bei allem Fortschritt ein klein wenig conservattv zu sein, scheint nichts zu schaden.______________________

Für Weihnachten.

Wir wollen nicht unterlassen, unsere Leser auf die prächtigen 3 Oelgemälde aufmerksam zu machen, welche aus der kunsigeübten Hand de» Herrn Zeichenlehrers Rösener hervor­gegangen und gegenwärtig die reich ausgestellten Erker der Fehs enfeld'schen Buchhandlung schmücken.

Sind die Motive Uferstädtchen an der Donau, Waldpartie, nordische Mondlandschaft unserer Heimath auch fern, so verräth ihre Wahl doch feinen künstlerischen Geschmack. Die Darstellungen lassen unverkennbar auf fortgesetzte aufmerksame Naturbeobachtung schließen und die technische Ausführung ist, um das Urthril des tn solchen Dingen besonders kompetenten Herrn Geh. Baurath Professor v. Ritgen anzuführen, einebesonders gewandte" und künstlerisch vollendete" zu nennen.

Die Hoffnung, eine dieser hübschen Zimmerzierden demnächst bescheert zu erhalten, kam, sich der freundliche Leser für JL 1 aneignen und darf diesem Unternehmen von Herzen der beste Erfolg gewünscht werden. O. B.

Unter der Mcnge von Fachzeitschriften, deren Existenz den Interessenten zu einem wich­tigen Hilfsmittel geworden, ist das in Frankfurt a. M wöchentlich erscheinende ,9lUflemetne Börsen« und VerloosungSblatt" besonders erwähnenswerth. In dem zweijährigen Bestehen hat es der Herausgeber verstanden, seine Leser durch den gediegenen und reichen In halt seines Blattes vor Verlusten zu schützen und ihnen ein zuverlässiger Führer in dem Laby­rinthe der Börse zu werden.

Die wahrheitsgetreuen Börsenberichte von allen Hauptbörsenplätzen, ebenso wie die un­geschminkten leitenden Artikel über wichtige finanzielle Tagesfragcn, boten stets die Handhabe zur richtigen Beurtheilung der herrschenden Strömung. Eine reiche Blumenlese von allgemei­nen Nachrichten über alle existirenden Werthgattungen ermöglicht dem Kapitalisten die Kennt- nißnahme von den Veränderungen, welche mit den in seinem Besitze befindlichen W-rthen vor­gehen, ausführliche und neueste Courstabellen von den bedeutenderen Börsenplätzen unterrichten den Besitzer von dem Coursstande seiner Werthe. Was aber insbesondere erwävnenswerth er­scheint, das ist die genaue, alle europäischen Serthgattungen und Loose umfassende Verloo- sungsbeilage, deren Reichhaltigkeit und Genauigkeit mtt den besten Verloosungslisten erfolgreich concurrirt. Zum Verdienste rechnen wir es dem Herausgeber an, daß er trotz Der Fülle des Inhalts den AbonnementspreiS auf nur Eine Mark vierteljährlich (bei allen Postan­stalten) festsetzte und wir können daher den Gegenstand unserer Besprechung den Interessenten angelegentlichst empfehlen.

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 11. December. (Marktbericht ) Der heutige Heu- und Strohmarkt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität der Str. JL 2.504.30, Stroh JL 2.003.00, Butter daS Pfd. tm Großen 1. Qual. JL 0.9000, 2. Qual. «4L 0.8000, im Detail daS Pfd. JL 1.1015, 2. Qual. JL. 1.0500. Eier das Hundert v4t 68. Ochsenflelsch per Pfund 6570 H, Kuh-, Rind und Farrenfleisch 4555 Kalbfleisch 4055 H, Hammelfleisch 4055 H, Schweinefleisch 7580 H, ein Hahn JL 1.201.80, ein Huhn JL 1.502, eine Ente Jt 2.40-3.00, eine Taube 50-00 H, Gans JL 5.009.00, Hafen das Stück v4L 2.503.00, Feldhuhn JL 1.00-2.00, Rehbock das Pfd. 7000 H, Kapaune» 0-0.00, Wälscher Hahn 6-8.0 Kartoffeln 100 Ko. X 5.000.00, Kohlrabi 6-8 Blumenkohl 1 St. 20-50 H, Wirsing 00-00 H, Gelberüben 1 Bund 1215 A Zwiebel» 1 Bund 0 H, Sellerie da« Stück 0-00 Meerrettig 1 Stück 00-00, Spargel daS Pfund 000 H, Romain-Salat 30 - 00 H, Endivien 100 H, Rothkraut 1525 H, Weiß­kraut 1525 H, Artifchoken 50 H, Erbsen da« Pfd. 00 H.

Allgemeiner Anzeiger.

Adressbuch für 1881.

Inserate, welche in dem zu Anfang Januar erscheinen­den Adressbuch Aufnahme finden sollen, bitte baldigst an mich gelangen zu lassen. Hochachtungsvoll

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