llche Kosten für die körperliche und geistige Erziehung dieser Arbeiter getragen habe und durch deren steten Abgang einen fortdauernden Verlust an Arbeits- capttal erleide, falle das letztere in Form von ausgebildeten ArbettSkräfien den größeren Städten und Jndustrieb^zirken gleichsam als Geschenk zu- Diese Unbilligkeit werde durch bie vorgefchlaqene Herabsetzung der Altersgrenze und die Verkürzung der zum Erwerb eines Unterstützungswohnsitzes erforderlichen Frist einigermaßen ausgeglichen. Zur Begründung der zweiten Forderung wurde angeführt: Nach den jetzt geltenden Bestimmungen trete der Bundesstaat, bezw. der Landarmenverband nur dann für den aus dem Auslande übernommenen Hülfsbedürfttgen ein, wenn der letztere keinen Unterstützungswohnsitz habe, während andernfalls dem betreffenden Ortsarmenverbande die Uater- stützungspfltcht zufalle. In dieser Bestimmung liege eine große Härte, zumal für die wenig leistungsfähigen Ortsarmenverbände des platten Landes. Je größer der Verband sei, auf welchen diese Last gelegt werde, desto leichter werde dieselbe getragen werden können. Zur Begründung der dritten Forderung endlich wurde angeführt: Nach § 5 des Gesetzes vom 6. Juni 1870 gebe die Verpflichtung zur Unterstützung eines Hülfsbedürftigen auf den betreffenden Landarmenverband über, wenn kein Ortsarmenverband endgültig zur Unterstützung desselben verpflichtet sei. Nach § 28 sei jeder Ortsarmenverband vorbehaltlich seines Regresses an den eigentlich Verpflichteten zur vorläufigen Unterstützung und der Landarmenverband nur in dem Falle zum Ersatz dieser Kosten verpflichtet, wenn der Unterstützte keinen Unterftützungswohn- fitz habe. Dieser Nachweis, daß der Hülfrbedürstige eines Unterstützungswohnfitzes entbehre, habe bisher dem Ortsarmenverband obgelegen, sei aber insbesondere da, wo cs sich um Ermittelung des Unterstützungswohnsitzes plötzlich verstorbener Armen handle, fast niemals zu führen, und es entstehe dadurch eine unbillige Belastung des Ortsarmenverbandes. Die PetttionScommtssion hat diese Argumente im Ganzen für treffend erachtet und beantragt, die Petition dem Reichskanzler als Material zur Revision des Unterstützungswohn- sitzges-tzes zu überweisen.
Schweiz.
Bern, 8. Mai. In seiner heutigen Sitzung wurde vom Bundesrath folgender, die Gotthardbahn betreffender Beschluß gefaßt: „In Anbetracht der großen Rückstände in den Stollenarbeiten des Kehrtunnels der Südseite der Gotthardbahn gegenüber dem hierfür im October 1879 von der Bauunternehmung aufgestellten und von der Dtreclton gutgeheißenen Programm sowie mit Rücksicht darauf, daß keine besonderen äußeren Verhältnisse eine Abänderung der in diesem Programm aufgestellten Endtermine rechtfertigen, ladet der Bundesrath in seiner Stellung als oberste Aufsichtsbehörde für den Bau der Gotthardbahn deren Dtrection ein, bei der Bauunternehmung darauf zu dringen, daß sie den Stollenbetrieb in genanntem Tunnel unverzüglich in einer Weise umändere, daß die in dem Programm von 1879 vorgesehenen monatlichen Leistungen mit Rücksicht auf die heutigen Rückstände in den Stollen- arbeiten so gesteigert werden, daß die daselbst bedungenen Durchschlagstermine gesichert bleiben." Anläßlich sei mitgetheilt, daß gestern Morgen tn ungefähr 6000 Meter Entfernung vom Südcingange des Gotthardtunnels wieder drei Arbeiter in Folge eines Einsturzes der Decke getödtet und mehrere verwundet wurden.
Telegraphische Depeschen.
Wagner'» telegr. Eorrespoubenr ■ Brrrrearr.
London, 12. Mai. Die „Times" erfährt, das Rundschreiben der britischen Regierung specificire die montenegrinische, griechische und armenische Frage als solche Fragen, welche nach dem Ermessen des britischen Cabtnets die Aufmerksamkeit der Großmächte beschäftigen sollten.
Konstantinopel, 12. Mai. Ein Telegramm des britischen Con- suls aus Burgas an den britischen Botschafter Layard meldet, bulgarische Soldaten seien in den Bezirk Aldos eingedrungea, hätten mehrere türkische Dörfer geplündert, eine Anzahl Personen getödtet und viele Frauen mißhandelt.
New-Uork, 12. Mai. In einer Rede, welche Schatzsecretär Sherman gestern bet dem Banket der Handelskammer hielt, wies derselbe darauf hin, daß das Land tn eine Periode großen Wohlstandes aller Handels- und Industriezweige eingetreten sei. Der Umlauf des. Papiergeldes müsse auf die vorgesteckten Grenzen beschränkt, auch die Münzenreserve erhalten bleiben, damit das Papiergeld jederzeit tn Gold oder Silber umgewandelt werden könne. Redner betonte ferner die Nothwendtgkett, den Werth des Stlberdollars mit dem des Golddollars al pari zu erhalten. Er schätze den Ueberschuß der Einnahmen über die Ausgaben auf 100 Millionen Dollars.
Berlin, 12. Mai. Der „Retchsanzeiger" schreibt: In der VormittagS- sitzung des Reichstags vom 10. Mai hat der Fiuanzminister die Behauptung Vtrchow's, daß Seitens des Reichskanzlers die Frage an ihn gestellt worden sei, ob es nicht an der Zeit sei, die Frethafenstell mg Hamburgs zu beseitigen, und daß er (der Finanzmtnister) hierauf zustimmend geantwortet habe, dahin berichtigt, daß eine solche Frage ihm nicht gestellt worden, daher auch keine Antwort erfolgt sei. Virchow antwortete darauf tn persönlicher Bemerkung unter Hinweis auf ein Schreiben des Fürsten Bismarck vom 15. April an bcn Finanzminister, daß dieses Schreiben den von ihm behaupteten Inhalt wohl enthalte. Richtig ist, daß ein Schreiben des Auswärtigen Amtes an den Finanzministcr vom 15. April existirt und die Verhältnisse der U-ter- Elbe behandelt. Unrichtig aber ist, daß darin die von Virchow behauptete Frage gestellt ist. Die Berichtigung dieser Thatsache konnte im Reichstage nicht ftattfinden, weil die zur Sache bezüglichen Acten nicht zur Hand waren. Inzwischen erfolgte der Schluß des Reichstages. Die Ant- wort des Ftnanzministers auf die Bemerkung Vtrchow's muß aber tn vollem Umfange aufrechterhaltki» werden. Es kann Letzterem ja überlassen bleiben, durch Veröffentlichung des ihm, wie es den Anschein hat, genau b kannten Schriftstücks seine Behauptungen zu erweisen. Daß er von diesem Schriftstück überhaupt Kenntmß erhalten, kann nur durch Verletzung des Dte.-stge- hetmntsies geschehen sein und wird den Gegenstand einer eingehenden Untersuchung b Iden.
Bordeaux, 12. Mai. Abends. Im Entrepot der Handelskammer brach eine Feuersbrunst aus, durch welche ein auf 2 Mill. Frcs. geschätzter Schaden verursacht wurde.
Vermischtes.
Staufenberg (ÄreiS Gießen), 9. Mat. Heute wurde hier auf Anregung des Herrn Adolf von Nordeck Fretberrn zur Rabenau unv unter Mitwirkung des Srcretärs des Verbandes der Hessischen landwirthschaftlichen Consumvereine, Herrn Kulimann, für die Orte des Kirchspiels Kirchberg (Daubringen, Lollar, Mainzlar, Ruttershausen und Staufenberg mit Friedel- Hausen) ein Consumverein im Anschlusie an den genannten Verband in's Leben gerufen.
Es sicht zu erwarten, daß dies Beispiel zur Bildung weiterer Vereine dieser Art im Kreise Gießen Veranlassung geben wird. (D. Z.)
Frankfurt, 10. Mat. Das Schwurgericht hat heute den Taglöhner Burkhard Wagner aus Rückers, zuletzt tn Frankfurt wohnhaft, 33 Jahre alt, welcher seine Frau dadurch getödtet haben soü, daß er sie in den Main stieß, wegen Mordes zum Tode verurthetlt.
Worms, 7. Mat. Gestern war das Untersuckungsgertcht in Ober-Flörsheim, woselbst in der Kirche mit Petroleum getränktes Stroh vorgefunden worden sein soll.
— In Folge einer aus Amerika bei der Staatsbehörde in Mainz etngegangenen De- nuneiation wurde heute ein h.esiger Bürger verhaftet, gegen welchen die Untersuchung wegen vor einigen Jahren an der Neuhauser Straße stattgehabter Ermordung seines Schwiegervaters, Mühlenbesitzer Scheuer aus Neuhausen, eingeleitet wurde. lN. W. Z.)
Vom südlichen Vogelsberg, 6. Mat. Von Setten des landwirthschaftlichen Kreisveretns Gelnhausen ist der Bau einer Secundärbahn von Wächtersbach nach Bierstein angeregt worden.
Düsseldorf, 5. Mai. Ein entsetzliches Unglück ereignete sich gestern Nachmittag auf der Köln-Mindener Bahn. Der Stattonsajststent R. war auf einer Locomotive bis an den Uebergang der Pionierstraße gefahren, wollte dort, während die Maschine noch im Gange war, herabsprtngen und blieb mit seinem Mantel hängen. Er fiel, gerieth unter die Räder und wurde buchstäblich zermalmt. Der vom Rumpf getrennte Kopf war allein noch erkenntlich. Die Stücke der Leiche wurden in einem Korbe gesammelt. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau und zwei Kinder.
Schweins berg, 10. Mai. Unserem vielgeliebten Kaiser hat der Landwtrth Philipp Kräuter tn Mardorf die am diesjährigen hohen Geburtsfeste beim Goldberg gefundenen Münzen überreicht.
Bellinzona, 9. Mai. Abermals ist eine Dynamit Explosion an der Gotthardlinte zu verzeichnen. In Faido explodirte gestern das unter dem Gememdehause (I) angelegte Dynamitmagazin. Drei Personen wurden getödtet — unter ihnen zwei Angestellte der Unternehmung — fünfzehn verwundet. Unter letzteren sind ein Lehrer und mehrere Schüler einer höheren Lehranstalt.
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 12. Mat. (Marktbericht.) Der heutige Heu- und Strohmarkt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität der Centner JL 2—3.20, Stroh JC. 2.00—3.10. Butter das Pfd. im Großen 1. Qual. 1.25—30, 2. Qual. 1.15—00, tm Detail das Pfe. JL 1.50—00, 2. Qual. JL 1.30—40. Eier das Hundert ital. JL. 5.00, deutsche Eier 4.20 JL, Ochsenfielsch ver Pfund 66—70 Kuh, Rind- und Farrenfleisch 45—60 Kalbfleisch 45—55 Hammelfleisch 44—65 H, Schweinefleisch 65—70 ein Hahn 2.40—2.60, ein Huhn JL 2.00—2.50, eine Ente Jt, 2.70—3.20, eine Taube 50—00 H, Kapaunen JL 3—3.50. Wälscher Hahn JL. 5 — 12. Kartoffeln 100 Ko. JL 6—0.00, Weißkraut das Stück 25—30,3, Rothkraut, 1 St. 30—35 H, frische Kohlrabi 30 neuer Blumenkohl 1 St. JL 1.50—00, Wirsing 20—25 H, Zwiebeln 1 Bund 6 H, Meerretttg 1 Stück 15—20 H, Lattich per Portion 15—20 Kopfsalat 15—20 H, frische Spargel das Pfund 70—90 Radieschen 3—4 H, Artischoken 80 junge Erbsen das Pfund 60 Romain-Salat 60-70 H, neue Bohnen 100 Stück 3 J4, neue Gurken 60-70
Limburg, 12. Mat. (Fruchtmarkt.) Rother Weizen JL 19.90, Weißer Wetzen vtt 19.90, Korn 15.70, Gerste J4 11.90, Saatgerste JL 12.50, Hafer, JL 8.00, Erbsen vtL —• (Durchschnitts preis pro Malter.) Kartoffeln (50 Kilo) Jü 0.00.
Allgemeine
Am 3 Pfingsttage:
Missionsfest Waldgirmes bei Wetzlar.
3175) Beginn: 10 Uhr Vormittags.
Dampf-Apparat
M Reinigung vonBiersapfapparaten (stressioncu).
Wir bringen hierdurch zur Kenntniß unserer Abnehincr, daß wir einen Dampf-Apparat ^ur Reinigung von Bierprestronen ______
angeschafft haben und denselben gegen Vergütung des entfallenden Arbeitslohnes für die Ausführung der Reinigung ver Bierpresssonen zur Verfügung unserer Kundschaft stellen.
Anmeldungen bitten wir in unseren Geschäftsstuben abgeben zu wollen. (3230
ALctien-Brauerei Giessen,
r Anzeiger.
Lony s Bierkeller.
3151) Am 6. Mai IHimmelfahrttag) eröffnete ich wieder selbst meinen Blerkcller zu täglichem Besuch und bitte um geneigten Zuspruch. Achtungsvoll
___C/tr. Zotiy,
Die Adminillratiottscasse J. W. Günther
in Frankfurt a. M., große Eschenheimerstraße 39 übernimmt 1) Vermögens-Administrationen in allen Zweigen, insbesondere die Verwaltung und Verwahrung von Werthpapiercn und Hypotheken, Einlösung von Coupons. Einzug von Hypotheken-, Mieth- und Pachtzinsen, die Verzinsung von Geldern auf kürzere und längere Dauer rc. 2, Besorgung oder (Zession I. Frankfurter Hypotheken (kostenfrei). 3) Den börsenmäßigcn An- und Verkauf von Werthpapicren rc. 4) Die Eröffnung laufender Rechnungen für Private, Verwaltungen , herrschaftlichen Rentämter rc. ProvtsionSberechuung nach Vereinbarung_______________(2798
MM* Feinstes Blüthenmehl
la. und Ila. aus der Kunstmühle des Herrn Ferd. Burk, sowie Rofinen, Corinthen, Mandeln und Zirnmt
3352) empfehlen J. A. EUSCll 3011116.


