Ausgabe 
14.3.1880 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

S?r. G3

Erstes Blatr. Sonntag den 14. März 1880,

ebener HtnMgcr

K»M- uci AMtsdlstl ftr hta Kttis Gießt».

WtectteMInmtm r

| Schulstraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme deö Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Ringer lohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher TKeit.

Gefundene Gegen st ände:

Ein schwarzes Halstuch, ein weißes Körbchen, ein Taschenmesser, ein schwarzer Filzhut.

Die gefundenen Geaenstände sind auf der Polizeiwache (Schloßgasse 258) aufbewahrt.

Gießen, den 13. März 1880. Großherzogliche Poltzeiverwaltung Gießen.

Fresenius.

Das Großherzogliche Steuer-Kommissariat Gießen

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Bezirks.

Diejenigen von Ihnen, welche die Gewerbspatente noch nicht zurückgesendet haben, ersuchen wir um deren Wiedereinsendung bis längstens zum 15. L M. Gießen, 12. März 1880.S ü f f e r t.

Deutschland.

Darmstadt, 12. März. Das Großherzogl. Regierungsblatt (Beilage Nr. 7) enthält:

1. Verzeichniß der Vorlesungen, welche auf der Großherzoglich Hessischen Ludewigs-Universität zu Gießen im Sommerhalbjahre 1880 gehalten werden und am 15. April ihren Anfang nehmen.

2. Nachtrag zur Uebersicht der für das Jahr 1880 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse der israelitischen Religions-Gemeinden des Kreises Erbach.

3. Erhebung in den Adelstand.

4. Ermächtigung zur Annahme und zum Tragen eines fremden Ordens.

5. Dienstentlassung. Se. König!. Hoheit der Großherzog haben aller- pnädtgst geruht: am 4. März den Gerichtsvollzieher mit dem Amtssitze zu Pfeddersheim Karl Adam Gerstenmoyer seines Dienstes zu entlassen.

6. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: Die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrstelle an der Gemeindeschule zu Zeilhard mit einem Gehalt von 900 Jt. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemcindeschule zu Leihgestern mit einem Gehalt von 900 Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Pfeddersheim mit einem Gehalt von 900 jl. Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Gadernheim mit einem Gehalt von 900 Jl.; daS Präsentationsrecht zu dieser Stelle steht dem Herrn Grasen von Elbach-Schönberg zu.

Zsrarrkrelch.

Paris, 11. März. Die Aufregung über den Sieg der Jesuiten im Senat ist ungeheuer. DerRappel" bezeichnet das Tagesereigniß als einen Selbstmord des Senates und Freycinet's, bedauert die Consequenzen, nämlich das Wiedererstehen der clertcal-reaktionären Senatmehrheit und den Constict zwischen beiden Kammern, den Steg Roms und der Jesuiten. DerRappel" schließt mit der Aufforderung an das Ministerium, einem stärkeren den Platz einzuräumen, wenn es sich zu schwach fühle. DieRepublique francaise", das Organ Gambetta's, schreibt: Das Votum betrübt uns zunächst um des Senates willen. Man weiß, wie schwer es dem Lande fällt, die Nothwendig- feit eines Oberhauses und einer Control^ und Reoisions-Kammer einzusehen. Das gestrige Votum wird die Anhänger des Einkammersystems an Zahl ver­doppeln. Wenn eine Körperschaft so wenig Selbstachtung besitzt, Herrn Jules Simon zu ihrem anerkannten Vertreter zu machen, so begeht sie gewissermaßen einen Selbstmord. Artikel VII war selbst nur ein Compromtß, man weist ihn zurück? Desto bester! Man will nicht, daß die Jesuiten vom Unter­richt ausgeschlosten seien, so wird man sie kurz und bündig aus Frankreich ausschließen, dazu bedarf es keiner legislativen Maßregel. Ein administrativer Befehl genügt. Die Administration aber hängt vom Cabtnet und das Cabi- net hängt von der Deputirtenkammer ab. Was auch komme, der National- Wille wird triumphiren.

England.

London, 11. März. DerStandard", ein Blatt, welches der eng­lischen Regierung nahesteht, bringt in seiner Berliner Correspondenz eine Nach­richt, die nicht verfehlen wird, Aufsehen zu erregen. Danach hat die russische Regierung, als Deutschland sich weigerte, Oesterreich an der Besetzung von Bosnien zu hindern, der französischen Regierung einen Plan zu gemeinsamen Angriffen auf Deutschland vorgelegt. Gleichzeitig wurden russische Truppen gegen die deutsche Grenze vorgeschoben. Waddington und Grevy lehnten den russischen Vorschlag ab, obgleich einige französische Minister unternchmungs- lust'ger waren. Aebnltche Pläne gegen Oesterreich wurden der italienischen Regierung von russischer Sette vorgelegt Nur die Ablehnung dieser russischen, allerdings etwas fragwürdigen Anerbietungen Seitens der besonnenen franzö­sischen und italienischen Staatsmänner hätte die von Rußland geplante, gegen Deutschland gerichtete Tripel-Allianz vereitelt. Fürst Bismarck erfuhr diese russischen Zettelungen kurz vor seiner Abreise nach Gastein, und man kann sich, selbst wenn jene Nachrichten nur thetlwetse auf Thatsachen beruhen soll­ten, um so weniger wundern, daß er in Gastein die vollständige Wendung seiner Politik zu Oesterreich vollzog. Es wurde in Wien bekanntlich in Gegen­

wart des Kaisers Franz Joseph von den Ministern beider Reiche ein Protokoll vollzogen, welches am 15. October in irgend einer Art von beiden Kaisern genehmigt wurde. Der österreichische Minister Haymerle hat kürzlich Andeu­tungen gemacht, wonach fcafc Bündniß beider Staaten noch enger und bestimm­ter ist, als aus din bisherigen Mtttheilungen zu schließen war. Und in der That erfahren wir, daß das Bündniß zwischen Oesterreich und Deutschland sehr genau formulirt ist. Der Casus foederis tritt übrigens nur dann ein, wenn einer der beiden Staaten von zwei Seiten zugleich angegriffen wer­den sollte.

Amerika.

San Franci-eo, 11. März. Der Führer der den Chinesen feind­lichen Arbeiterpartei, Kearney, ist wegen neuerdings gehaltener aufrührerischer Rchen verhaftet, aber gegen Caution freigelassm worden. Die Stadt ist ruhig.

Telegraphische Depeschen.

Waguer'S telegr. Correspvrrveur Bure»«.

Berlin, 12. März. Der Bundesrath genehmigte heute das Wucher» gcfetz nach den Anträgen des Justizausschuffes mit einigen Abänderungen und nahm den Antrag an, die Zollaversin sür die Hansestädte von 3 auf 5 JL. per Kopf der Beeölkerung zu erhöhen.

Berlin, 12. März. Reichstag. Die Budget-Commission berichtet über die Positionen des Militär-Etats: 300,000 für den Neubau eines Casernements für das Garde-Schützrnbataillon in Lichterfelde und 110,000 JL für den Bau eines Casinos bei der Cadettenanstalt daselbst. Die Commission hält ihre Anträge auf Bewilligung aufrecht. Das Haus tritt dem Anträge bei. Es folgt die erste Lesung des Nach­trages zum Postetat. Staatsseeretär Stephan empfiehlt die Annahme der Vorlage, die im engsten Zusammenhang mit dem Postetat stehe, da die dez. Bedürfnisse sich erst zur Evidenz herausgestellt hätten, als der Etat bereits festgestellt gewesen sei. Richter er­klärt sich gegen die projectirte neue Ministerialdlrectorstelle, deren Nothwendigkeit er bestreitet. Auch Lingens vermag das Bedürsniß der neuen Organisation nicht anzu­erkennen. Staatsseeretär Stephan vertritt nochmals die Regierungsforderung. Der Nachtrags-Etat wird in zweiter Lesung mit 107 gegen 1U5 Summen angenommen. Hierauf folgen mündliche Berichte der Budget-Commission über Theile des Postetats. Auf Anfrage Nichter's theilt Bundes-Commrssar Kramm mir, daß allerdings die Ab­sicht bestehe, die Zahl der Postbestellungen an Sonntagen für Berlin zu beschränken. Stumm und Lingens sprechen sich für die projectirte Maßregel aus, welche den Wünschen des Hauses entspreche. Richter gönnt den Beamten die Sonntagsruhe, wünscht aber, daß Briefe, die in der Nacht zum Sonntag eintreffen, am Sonntag noch bestellt werden. Möring will bei aller Rücksicht auf die Ruhe der Beamten doch dar­unter die Interesse des Handels und Verkehrs mcht leiden lassen. Ober-Postrath Kramm constatirt, daß das Vorgehen der Regierung bezüglich der Resolutionen des Hauses seine Begründung habe. Stumm weift auf England hin, wo ohne Schaden für den Handel nur ein Mal Sonntags Briefe ausgetragen würden. Sonnemann gibt der Postverwaltung anheim, für den Briefoerkehr das sogenannte amerikanische System zu adoptiren Bundes-Commissar Micßner bezweifelt, daß Angesichts der verschiedenen Verkehrsgestaltung in Deutschland und Amerika das amerikanische System bei uns sich einbürgere. Windhorst meint, dasGebot", den Sonntag zu heiligen, sei der wichtigste Gesichtspunkt; ihm müßten alle anderen Erwägungen und Bedenken sich unterordnen. Nach weiteren Bemerkungen Frege's, Lasker's und von Maltzabn's wird die Diskussion geschlossen und das Kapitel der Einnahmen der Post- und Telegraphen-Verwaltung bewilligt. Zu dem Capitel der Ausgaben beantragt die Commission, die Titel 1 bis 55 unverändert zu bewilligen. Sämmtliche Titel werden nach kurzer Debatte bewilligt, worauf sich das Haus bis Sonnabend 1 Uhr vertagt

Konstantinopel, 12. März. Die russische Botschaft verlangte aus Grund der ihr von Gortschakoff zugegangeren Weisungen die exemplarische Bestrafung des Mörders des Obersten Komaroff. Der Großveztr hat in Folge dessen ongeordnet, daß die Untersuchung schleunigst zu Ende geführt werde.

Wien, 12. März. Die Abendblätter melden die Verbastung des pen- sionirten Feldmarschall-Lteutenants Baron Prohaska und die ^des Liquidators des Wiener Kaffenvereins Franz Krteghammer. Die Details über die Verhaf­tung liegen noch nicht vor.

London, 12. März. Das Reuter'sche Bureau meldet aus Shanghai von heute: Gerüchtweise verlautet, der chinesische Gesandte Chunghow, der den Kuldscha-Vertrag mit Rußland abschloß, sei enthauptet. In Peking ist ein Aufstand ausgebrochen.

Bukarest, 12. März. DasAmtsblatt" veröffentlicht das Gesetz, wonach den Städten Galatz und Braila sür 10 Jahre die Rechte der Privi­legien alS Freihäfen belassen, den Häfen Tultscha und Kustendsche die gleichen Rechte für dieselbe Zeit verliehen und die Freihäfenrechte Sulinas bestätigt