Lokales.
Gießen, 13. Februar. [® o n c e r t b e r c i n.J lieber das Künstlerpaar R a p p o l d i, welches kommenden Sonnlag die Besucher des Concerts jedenfalls erfreuen wird, berichtet das „Prager Tageblatt" vom 4. December v I.: „Das Künstlerpaar hat nach übereinstimmenden Berichten Der Mustkblätter in den letzten Jahren auf seinen Coneertrctsen in und außer Deutschland außerordentliche Erfolge errungen und nimmt gegenwärtig in Dresden eine hochgeachtete Stellung ein. Ein Aledcrauftreten Deiver auf dem hiesigen Coneertpodium war deßhalb für die Musikfreunde von hohem Interesse und wurden die Erwartungen derselben auch nach jeder Richtung mehr als befriedigt. Herrn R a p p o l d i muß nunmehr einer der ersten Plätze unter den Vtolionspiclern eingeräumt werden. Sein Vortrag trägt den Stempel künstlerischer Weihe, «r ist voll Geist und Empfindung, die vorherrschende Reinheit seines Styls verschmäht jede Virtuosen-Koketterie, die große Technik dient einem ernsten Zwecke — Frau R a p p o l d i be» sitzt herrliche Anschlagsmanieren, eine exeeüente Ausgeglichenheit und makellose Deutlichkeit. Aus der vortrefflichen Schule des Prof. Dachs in Wien hervorgegangen, hat die Künstlerin ihre höchste pianiftrsche Ausolildung durch die Meister Lrszt und Henselt erhalten. Hans von Bülow, unstreitig der eompetenteste Beurtheiler, schreibt über sie: „Ihre auf das Gründlichste ausgebildete Technik, verbund-n mit ihrer musik-wissenschaftlich entwickelten Intelligenz befähigt sie tote keine ihrer Eolleginnen der Gegenwart zur Lösung der schwierigsten und edelsten Aufgaben vorzugsweise der klassischen Tonkunst." — Der Beifall, welcher dem Künstlerpaare gespendet wurde, war ein außerordentlicher; der Besuch des Coneertes stand jedoch auffallender Weise mit dem bedeutenden Rufe desselben nicht in einem angemessenen Verhältnisse."
Wenn Angesichts der Opfer, welche das deutsche Volk schon jetzt für die Sicherstellung seiner Unabhängigkeit bringt, die verbündeten Regierungen nur mit Widerstreben eine Steigerung derselben in Aussicht nehmen, so hegt Sein» Majestät der Kaiser und König doch keinen Zweifel daran, daß der Schutz der höchsten nationalen Güter gegen jede Gefährdung von Außen her von dem gesummten deutschen Volke und seinen Vertretern mit gleicher Klarheit für nothwendig erkannt und mit gleicher Entschicdenhnt gefordert wird, wie von den verbündeten Regierungen.
Um die durch Umtriebe einer Umsturzpartei bedrohte innere Sicherheit des Reiches zu schützen, haben Sie in der ersten Session der' gegenwärtigen Legislaturperiode dem Gesetze gegen die gememgefährlichen Bestrebungen der Soctaldemokratie Ihre Zustimmung ertheilt Dies Gesetz hat damals nur bis zum 31. März 1881 Geltung erhalten.
Die Maßnahmen, welche zur Ausführung derselben ergriffen sind, haben den Erfolg gehabt, jene Bestrebungen in gewissen Schranken zu erhalten; sie völlig zu verhindern, ist in der seither verflossenen Zeit nicht gelungen und wird auch binnen Jahresfrist nicht zu ermöglichen sein. Es wird Ihnen deßhalb vorgffchlagen werden, die Geltung des erwähnten Gesetzes auf eine angemessene Zeit über den 31. März 1881 hinaus zu verlängern.
Der Einschleppung und Verbreitung von Viehseuchen haben die Landesgesetzgebungen bisher mit ungleichem Erfolge abzuhelfen gesucht. Nachdem von Reichswegen einheitliche Maßregeln zur Bekämpfung der Rinderpest festgestellt worden sind, haben die verbündeten Regierungen beschlossen, durch Vorlage des Entwurfs eines weiteren Gesetzes über die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen Ihnen Gelegenheit zu eingehender Erörterung der Fragen zu geben, welche sich an diesen Gegenstand knüpfen.
Aus Anlaß der Justizreform waren Ihnen in der letzten Session die Entwürfe eines Gesetzes über das Faustpfandrecht für Pfandbriefe und ähnliche Schuldverschreibungen, sowie eines Gesetzes über das Pfandrecht an Eisenbahnen und über die Zwangsvollstreckung in denselben vorgelegt worden, welche damals nicht zur Erledigung gelangten. Beide Entwürfe werden von Neuem Ihrer Beschlußfassung unterbreitet werden.
Das Reich ist fortgesetzt bemüht, dem Handel und der Schifffahrt Deutschlands Schutz und Förderung zu gewähren. Ein zu dem Ende tm vorigen Jahre mit Hawaii abgeschlossener und von dem Könige dieses Inselstaates bereits ratificirter Handelsvertrag wird Ihnen zur Beschlußfassung vorgelegt werden.
In gleichem Sinne werden Ihnen Vorschläge zu Gunsten der Aufrechterhaltung und Erweiterung der bestehenden und bisher blühenden deutschen Handelsbeziehungen mit Samoa und anderen Inselgruppen der Südsee zur Beschlußnahme zugehen.
Die Beziehungen des Deutschen Reiches zu allen auswärtigen Mächten sind friedlich und freundschaftlich. Das Vertrauen auf die Sicherheit des Friedens durch die Ergebnisse des Congresses, welchem Seine Majestät der Kaiser und König im vorigen Jahre Ausdruck gab, hat sich als ein berechtigtes bewährt.
Die Bestimmungen des Berliner Vertrages haben in nahezu allen Punkten ihre Ausführung bereits gefunden. An allen weiteren Bestrebungen, den Frieden Europas dauernd fieber zu stellen, bleibt das deutsche Reich nach wie vor eifrig bethetligt-
Mit der Herstellung unserer nationalen Einigung sind die friedlichen Neigungen -des deutschen Volkes in ihr volles Recht getreten. In Bethätigung desselben bleibt die Politik Seiner Majestät des Kaisers und Königs eine friedliche und erhaltende.
Mit der unbeirrten Stetigkeit, welche das Gefühl der eigenen Kraft verleiht, wird sie auch ferner bestrebt sein, in voller Uneigennützigkeit für die Erhaltung des Friedens nicht nur selbst einzutreten, sondern die Mitwirkung und die Bürgschaft der gleichgesinnten Mächte zu gewinnen und sicher zu stellen.
Breslau, 12» Februar. Karl v. Holtet ist gestern Abend gestorben.
Karlsruhe, 13. Februar. In der badischen zweiten Kammer erklärte der Staatsminister Jolly, daß er in Folge der Erklärung des Bischofs v. Kübel, betr. die Zurücknahme des Dispensverbotes für die katholische Theologie Studirenden, die Gesetzesvorlage über das Examen der Gastlichen zurückziehe. Ec bringt gleichzeitig eine neue Vorlage ein, deren Basis wesentlich die Motive des Lamey'schm Berichtes sind.
Gießen, 12. Februar. sHerberge zur Heimath.s Es wurden Wetter betoifligt:
a. Einmalige Beiträge: Von Ihrer König!. Hoheit der Prinzessin Elisabeth von Hoffen zu Darmstadt 100 Jt, L. S. 5 I Hanstcin 10 „4t, M. 10 Jt, Professor Dr. Zöppritz 5 JL E. W- B. Fernie 100 Jt, P. Wilson 20 Jt, Pfr. Dr. Haupt dahier 5 Jt, Johs. Schmitt, Maurermeister in Burkhardsfelden 3 Jt, von Sr. Erlaucht dem Grafen Görtz zu Schlitz 50 Jt
b. Unkündbare Darlehn: Bon IohS. Schmitt, Maurermstr. in Burkhardsfelden 50 Jt c. Jahresbeiträge: Von Geh. Kirchenrath Dr. Hesse 5 Jt
Zusammen mit den früher gezeichneten Beträgen 3573 Jt 50
Weitere Beiträge nimmt entgegen: Döring, Kreisamts^Gehülfc zu Gießen.
Berichtigung. H. M. Jughardt dahier hat nicht wie in Nr. 35 d. Bl. angegeben 10 Jt, sondern 100 Jt bargeltehcn.
— Die „Volksküche" vertheilte beute 1027 halbe Portionen. Verkauft wurden hiervon 72. 955 Portionen erhielten Arme, Kinder und Handwerksburschen.
Vermischte-.
Köln, 9. Februar. Der gestern Abend um 7 Uhr 10 Minuten fällige Mainzer Schnellzug erlitt in Folge Entgleisung zweier Wagen eine Verzögerung von einer Stunde. Der Unfall wurde durch einen Radreifenbruch auf der Strecke zwischen Coblenz und Rhense herbet- geführt. Außer genanntem Aufenthalte kamen die Paffagiere mit dem bloßen Schrecken davon. Von einem Passagier des Zuges geht uns die nachstehende Mittheilung zu: „Achtzig Passagiere sind durch die Umsicht und Geistesgegenwart des Schaffners Herrn Michael Erken aus Ehrrn- feld bei Köln von dem sicheren Tode gerettet worben. Er bemerkte zuerst, daß das Band an einem Rade geplatzt und der Zug von den Schienen war Er stieg auf den Zug und läutete die Glocke noch früh genug, daß alle Hemmvorkehrungen getroffen werben konnten. Wir stiegen aus und bemerkten zu unserem größten Schrecken, daß unser Wagen noch nicht eine Hand breit von einem 40 Meter tiefen, steilen Abhänge ruhig stand, eine Sekunde fehlte und wir lagen alle zerschmettert unten." (K Z )
Dortmund, 3 Februar. Ein neues Grubenunglück wird heute aus Eastrop gemeldet. Auf der Z'che „Mont Cenis" bei Castrop verunglückten heute Vormtttag gegen neun Uhr durch schlafende Weiter acht Bergleute. Wie bedeutend die Verletzungen sind und ob bei einigen der Tod eingetreten ist, konnten toir bisher noch nicht in Erfahrung bringen. Vier der Verletzten mußten ins Krankenhaus gebracht werden.
— Von der großen Ausdehnung des Zeitungswesens der Welt giebt nachfolgende statistische Zusammenstellung ein ziffermäßiges Bild: Es erscheinen jetzt in Deutschland 3778 Zeitungen und Zeitschriften, in Oesterreich 1200, in England 2509, in Frankreich 2000 in Italien 1226, in Rußland 500 u. s. w., in Europa zusammen 13,625. Dazu kommen in Asien 387, in Africa 50, in Amerika 9129 (von denen der größte Theil auf die Vereinigten Staaten von Nordamcrica entfällt), in Australien 100 Zeitungen und Zeitschriften, was für die ganze Erde eine Summe von 23,291 täglichen, wöchentlichen, bezw. monatlichen verschie- denen Blätttern ergieb.
— In Kopenhagen hat sich neuerdings eine Gesellschaft von Damen, aus allen Thetlen Dänemarks zusammengesetzt, gebildet, welche sich das edle Ziel gesetzt bat, einen Verein zur Fürsorge für jüngere, einzelnstehende Frauenzimmer, deren Verhältnisse sie leicht in Versuchung bringen könnten, zu bilden.
— Aus d e m Münsterlande. lieber einen eigentümlichen Unfall schreibt man der „Ess Volks-Zeitung": Ein Oeconom in Roxel hatte dieser Tage das sonderbare Unglück, beim Ueberspringen eines Grabens in eine von einem Wilderer an einem niebergcbcugten Baume befestigte Rehschlinge mit dem Kopfe hineinzugerathen, so daß er erdrosselt worden wäre, wenn er nicht vermöge seiner ©rohe noch eben mit den Füßen den Boden berührt hätte.
Irischbäcker in Gießen.
Sonntag, den 15. Februar. Georg Spiest Neustadt. Friedrich Henning-, Seltersweg. Ernst Wallenfels, Wallthor.
Kirchliche Anzeige«
der evangelischenGemeinde zuGießen.
Gottesdienst:
Sonntag den 15. Februar.
Morgens: Pfarrer Schlosser — Nachmittags: Pfarrverwalter Schöner.
Mittwoch, den 18. Februar:
PasfionSpotteSdtcnst in der Stadtktrche.
Abends 6 Uhr: Pfarrverwalter Schöner.
(Der Zugang ist nur zum Schiff der Kirche gestattet. Die Texte der Gesänge sind bei Herrn Buchhändler Ferber zu Haden. Für die Kosten der Beleuchtung wird am Ein- 1 gang der Kirche eine Coüeete erhoben.)
Die Pfarrgefchäfte für die Wocke vom 15. bis 21. Februar besorgt Pfarrer Schlosser.
Allgemeiner Anzeiger.
Külte.
Nächste» Montag den 16. d. Mts. treffen wir mit einem grasten Transport bester Friesen A Harzer Kühe im Rheinischen Hof in Giessen ein.
Von jetzt ab treffen wir M jedem folgenden Markt schon Montags daselbst mit solchen Kühen ein.
Gebrüder Meininger 884) aus Göttingen.
894) Durch Anlage einer Hobelmaschine empfiehlt deutsche und schwedische Hobelbretter in allen Dimensionen
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Hochachtungsvoll
893) €). Stückfatk.
921) Die alljährliche ordentliche Generalversammlung des KraukeniiDterstülzungs- u. Sterbekasse-Vereins (eingeschriebene Hülfskafse) findet
Montag den 16* Februar, Abends 8 Uhr, tm Lokale der Friedrich Führer Wwe. statt.
Tagesordnung: 1) Rechnunqsablage vro 1879.
2) Ausscheiden und Neuwahl des Vorstandes.
3) Vereinsangelegenheiten.
Es wird um zahlreiche Betheiligung ersucht.
Der Borstand.


