Ausgabe 
14.1.1880
 
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Mittwoch den 14. Januar

Nr. 11

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags

Vorstand

Aalten, Daker,

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Fürst Bismarck, ein Schüler Lists.

Vor vierzig Jahren fc^dcbnete Friedrich List den Zollverein als das wichtigste Attribut der deutschen Nationalität; er prophezeite, daß sich aus ihm eine politische Einigung Deutschlands entwickeln werde. Wenn mon zu« rückdenkt an die Territortalstrette in Deutschland, an den deutschen Bund seligen Angedenkens, an den österreichischen Einfluß, an den Mangel einheit­licher Ges- tzgebung und Hreresverfaffung, wie an die buntscheckige diplomatische Vertretung Deutschlands, wenn man sich der Zeiten erinnert, in denen das kleine Holland es wagen konnte, den deutschen Rhein für deutsche Schaffe zu sperren, als die Völker in Afrika und Asten noch der Meinung waren, daß Deutschland eine Provinz von Hamburg sei, dann treten die Ausführungen Ltst's in das rechte Licht. Wir besitzen aber noch andere Prophezeiungen des großen Volkswirthes, und diese sind um so merkwürdiger, weil die deutsche Staatslettung in neuerer Zeil demNationalen System" unbedingt sich zu­gewandt Hot und dasielbe mit der ihr eigenen Consequenz durchzuführen gedenkt.

Als Ziel der deutsch-nationalen Politik bezeichnete List: alle deutschen Lande mit Dänemark, Holland und der Schweiz zu einer kräftigen commer- ziellen und politischen E'nheit zu constituiren. Um die Uebcrlegenheit der eng­lischen Seemacht zu verringern, müffe Deutschland die genannten Staaten sich angltedern und die englische Suprematie zum Nutzen für Europa brechen. Zur Erklärung desien fügt Lst hinzu, daß die Erreichung dieses Zieles, sich in den Besitz natürlicher Grenzen gegen Süd und W^st, in den Besitz der Mm düngen der großen Flüffe, ausgedehnter Küsten und einer entsprechenden See- und Coloniolwacht zu setzen, nöthigenfallS mit Waffengewalt zu erzwin­gen sei. Gegen Dänemark und sogar gegen Frankreich bat Deutschland bereits von dem Eisen Gebrauch gemacht, um Vas Programm Llst's ^us^u^fterreich gegenüber hielt List eine andere Politik für angezeigt. Deutschland habe nämlich ein unermeßliches Jntereffe, daß in der Türkei und den unteren Donauländern einmal Sicherheit und Ordnung Bestand gewinne, um einen Theil der deutschen Auswanderer, so lange das Reich keine eigenen Colonien babe, nach jenen Ländern ableiten zu können. Zu diesem Zwecke müßten Gesellschaften zur B-förderung der Colonisation gegründet werden, Oesterreich selbst sollte in der Türkei festen Fuß saffen und mit dem Zollver­ein einen Vertrag abschließen, in welchem sich die beiden befreundeten Mächte wechselseitige Zugesiänduisie machten. Der direkte Handelsweg nach Indien dürste auf keinen Fall in den Besitz Englands gelangen, Deutschland und das übrige Europa sollten deshalb die Obbut über jenen wichtigen Verkehrsweg Oesterreich anvervauen. Auch auf Belgien kommt List zu sprechen. Er glaubt, daß die Vereinigung dieses Landes mit einer Nachbarnation nur eine Frage der Zeit sei, um die mit der Bkschrä-.kcktit des Territoriums und der Bevölkerung verknüpften Mängel zu heilen. Als ein vorzügliches Mittel, die Conlöderation" der klenen Staaten mit den großen zu befördern, hat List die Anlegung eines weitverzweigten Eisenbahnnetzes, die Ausdehnung der Schiff­fahrt und die Anknüpfung aller möglichen Beziehungen angerathen.

In allen diesen Dingen erscheint Fürst Bismarck als ein Schüler List's. Es ist ihm bereits gelungen, die Küsten zu erringen und die natürliche Sprach­grenze im Westen zu erobern; er hat Luxemburg an Deutschland gekettet, die Schweiz durch eine centrale Alpenbahn verpflichtet, die Hansestädte dem Reiche einverletbt und den Holländern die Frage über den Eintritt in den Zoüoer- band nahegelegt. Ein enger Handelsvertrag mit Oesterreich ist das Z'el seiner Wünsche, das allerdings noch nickt erreicht ist, und der Berliner Vertrag hat Oesterreich jene Stellung angewiesen, welche List ewpfuhl. Dies Alles, ob zufällig oder nickt, ftd-nfaNs überraschend.

Aeutschlaud.

Berlin, 10. Januar. Ueber den Fürsten Bismarck lesen wir in der Magd. Ztg." :Das Befinden des Fürsten ist nock kein so zufriedenstellen­des, daß aus seiner Rückreise nach Berlin der Schluß gezogen werden kann, daß sein Leiden vollständig gehoben sei. Im Gegentbeil ist das Nervensystem des Kanzlers so zerrüttet, daß ärztlicherseits zu Mitteln gear'ffen werden mußte, um dem Fürsten Schlaf und Ruhe zu verschaffen. * Nebenbei existirt der Rheumatismus noch in dem Maße, daß die strengsten innerlichen und äußerlichen Arzneien zur Anwendung gebracht werden mußten und noch ange- wendet werden. Dos Weihnackts- und Neujahrsfest war keineswegs ein hei­teres, welches dieses Mal in Varzin gefeiert wurde. Denn einmal waren bu Mitglieder der Familie an zwei Orten getrennt, in Berlin die gräflich

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Dem Metzger Siegfried in Grünberg ist untersagt worden, fremde Pferde einzustellen, da seine Stallungen gesperrt worden sind, weil Der dacht vorltegt, daß unter den Pferden des Genannten Rotz- und Wurmkrankbeit herrscht.

Gießen, den 12. Januar 1880. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

Dr. Boekmann. _____ _

Rantzau'sche Familie, bei der sich die Fürstin und Gras Wilhelm in den Feier- tagen aufhtelten und dann wurde auch Gras Wilhelm gleich nach seinem Ein­treffen in Varzin derartig von Gelenk-Rheumatismus, einem Erbleiden, geplagt, daß er bei seiner Abreise am 5. Januar nach Berlin auf der Station Ham- merwühle vom Wagen in den fürstlichen Salonwagen getragen werden mußte, in dem er, auf dem Schlassopha gebettet, die Reise bis Berlin unter heftigen Schmerzen zurücklegte. Der Zustand des Patienten war ein derartiger, daß der ältere Bruder Graf Herbert als Krankenwärter nach Berlin mitsuhr. Dadurch, daß am 3.., Abends, der Salonwagen des Fürsten wieder m Varzin anlangte, schloß man, daß der Fürst nun gleich selbst nach Berlin zu­rückkehren würde, was er auch am letzten Sonntage beabsichtigte. Der Zu- stand hatte sich aber leider noch nicht nach Wrmsch des Arztes, Dr. Struck, der während seiner Anwesenheit in Varzin in der Umgegend eine ausgedehnte Praxis bekommen hat, so gebessert, daß die Reise angetreten werden konnte, so daß noch Lo.har Bucher zur Aushülfe für Graf Herbert Bismarck nach Varzin citirt wurde, der auch am Sonntag Abend dort anlangte. Nebenbei braucht der Fürst, um sich curiren zu losten, noch sehr viele homöopathische Mittel. Ob aber Aüovatbie oder Homöopathie den Sieg davon tragen wird, muß erst die Folge lehren; wenigstens rst nichts Unterlasten worden, uni bem Fürsten toUber auf die Beine zu helfen. Allerdings können iym alle Med ca- mente nicht den Aerger vertreiben, der ihm dadurch verursacht wurde, daß von dem Nachbargute Wusteken ein Viertel Hundert wilde Schweine, die durch Füttern vom Varziner Gebiet herübergelockt waren, von dem Nachbar herun- t-rgeschossen sind. Bismarck schont bekanntlich seine Jagden sehr und nament- lich Sckweine. die ihm bester schmecken sollen, als seinem Nachbar.

Berlin, 10. Januar. Zwischen dem Reichskanzler und Kaiser Wilhelm findet in der auswärtigen Politik eine völlige Übereinstimmung statt. So schwer es auch damals dem Kaiser in Baden-Baden geworden ist, die Wen­dungen in der deutschen Politik zu Oesterreich zu machen, so hat sich doch der Kaiser völlig in diese neuen Verhältniste gesunden. An unseren friedlichen Beziehungen zu Rußland ist nicht zu zweifeln, wenn auch Wiener und Berliner Blätter aus's Neue Nachrichten über ungewöhnliche Truppenanhäufungen an der russischen Grenze bringen mit vielen Einzelheiten, die sich natürlich schwer controliren lafien. Indessen ist Rußland zu erschöpft, als daß man ihm kne- erische Absichten andeiswo als etwa in Central-Asien zutrauen könnte. Zu der Krankheit des Fürsten B smarck ist W erwähnen, daß, als vor Kurzem Graf Hatzfeld, der Boischafker in Konstantinopel, nach Varzm gererst war, dieser erst am dritten Tage eine Unterredung mit ihm erlangen konnte.

Dem Vernehmen nach ist am 18. v. Mts. gleichzeitig mit der Be­stätigung des den Grafen Monts freisprechenden Erkenntnisses ern kaiserlicher Erlaß erschienen, worin da- Marine-Osficier-Corps aufgefordert wird, den durch du Untergang der PanzerfrcgatieGroßer Kursürst" entstandenen Un- glückssall mittelst erhöhter Leistungen vergesien zu machen und im rüstigen Be- strebungen fortzusabren, wobei dem Chef der Admiralität das kalftrliche Lob gespendet wird. Wahrscheinlich wird auch dieser E.laß mit der Darstellung M Ganges der in der Angelegenbeit des Unterganges genannten Schiffes geführten Untersuchung veröffentlicht werben. Die E senbahn Commissionen der Staatsbahuen sollen, wie -s heißt, in E'senbahn>Be!riebsaatt«r umgewan- beit werden, mit einem Directionsmitgliede als Betriebsleiter. Die Aenderung würde mit dem 1. April 1880 eintreten.

Berlin, 10. Januar. Die erste Sitzung der Eisenbahn-Commission des Abgeordnetenhauses nach den Ferien war auf gestern Abend 7 Uhranbe- räumt und dauerle bis nach 10 Mr. Es wurde mttgetbeilt, daß der Abg. Miquel, welcher einen 1 tägigen Urlaub sich erbeten, aus der Eiseubahn- Comm'ssion ausgeschieden sei und daß an seiner Stelle von der b.Ab Heilung Herr Abg. R ckerl gewählt worden. Als Gegenstand der Tagesordnung lag der Eitwuif ewes Gesetzes, betr. den Bau voii zehn kleineren Bahnen, m ge- sammtem Kostenbeträge von 49 330,000 M., sowie Betheiltgung an drei klei­neren Eisenbahn Unternehmungen durch Uebernahwe von Äetien im Betrage von zusamwen 2,280,000 JC. vor. Referent für diese Vorlage Nr. 6 ist der Abg. v. Hammerstein, Correferent Abg. Kalle. Ersterer bezeichne e dieselbe als eine mittelbare Cons-qu-nz der Verstaatlichung; dem Staate seien neue, ausgedehnte Pflichten für den Bah,.bau erwachsen; es sei »unm,hr seine Aus. gäbe, die Landcsiheile, welche noch ohne Bahnverbindung seun anfzuschließeN und eine rubige, überlegte, planmäßige Entwicklung unseres Eisenbahnnetzes zum Ziele zu nehmen, dieses nach Fertigstellung der Haupt',nien besonder- durch den Ausbau von Bahnen minderer Ordnung. Der Correferent Ab«.

I Kalle b.richtete über die dem Gesetzentwürfe beigesügten Vorlagen, betr. »ie

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