Ausgabe 
13.10.1880
 
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Berlin, 10. October. Die Gutachten gegen die Aufhebung der all­gemeinen Wechsrlfähigkeit Seitens der Handelskammern und anderer Corpora- Honen sind keineswegs erschöpft, sondern gehen noch immer im Retchsamt des Innern ein, während Eingaben zu Gunsten der Aufhebung in kaum nennens- werther Zahl vorltegen. Nichts desto weniger war es noch bis vor kurzer Zett fraglich, ob nicht trotzdem die Frage vor den Reichstag gebracht werden sollte. Wie man hört, wäre man an entscheidender Stelle jedoch entschlossen, endgültig davon Abstand zu nehmen.

Die durch den Tod des Professors Harms erledigte Professur für Philosopie an der hiesigen Universität dürfte, wie man derVoss. Ztg." mtt- theilt, in nächster Zeit noch nicht wieder besetzt werden, weil Lotze in Göttingen die Berufung abgelehnt und die philosophische Fakultät über einen anderen geeigneten Ersatzmann für Harms sich bisher nicht geeinigt hat.

England.

London, 9. Octbr. DiePall Mall Gazette" glaubt zu wissen, England sei jetzt über die Ansichten aller Mächte in Betreff der Coercttio- Maßregeln gegen die Türket unterrichtet. Die Operationen im ägeischen Meere zum Zwecke eines wirksamen Drucks auf den Sultan würden von allen Mächten gebilligt und werden mit deren Zustimmung ausgeführj. Die Aus- führung werde den Flotten von mindestens drei Mächten anvertraut, welche als Mandatare Europas agtren.

Amerika.

Winnipeg, 8. Octbr. Zwischen amerikanischen und canadischen In­dianern, die auf Der Grenze der Büffeljagd oblagen, hat ein Kampf stattge­funden, der den ganzen Tag über dauerte. Ein amerikanischer und viele cana- dtsche Indianer, darunter Frauen und Kinder, wurden getödtet.

Telegraphische Depeschen.

Wagners telegr. Correspoudenz-Brrreau.

Stuttgart, 11. Octbr. Der preußische Generalauditeur Oehlschlä- ger ist derWürttemb. Landesztg." zufolge gestern von hier nach München abgereist zur Fortsetzung der Verhandlungen über die Milttär-Strafproceß- Ordnung.

Petersburg, 11. Octbr. Die russischePetersb. Ztg." gibt noch nicht verbürgte, nachträglich ermittelte Details über eine bereits vor einiger Zett entdeckte, schon vor einem Jahre unweit der Station Alexandrowsk an­gelegte Mine, um den kaiserlichen Zug in die Luft zu sprengen. Die Mine bestand darnach aus zwei mit Dynamit angefüllten Abtheilungen, wovon eine Drahtlettung seitwärts nach einem Fahrwege führte. Beim Annähern des kai­serlichen Zuges eilte auf dem Fahrwege ein mit drei Pferden bespannter Wagen herbei, welcher beim Zuge wieder davonjagte. Man vermuthet, der Wagen habe die electrtsche Batterie geführt und das Verbrechen sei mißlungen, weil der Draht beim Etngraben durchschnitten worden. Offictelle Nachrichten hier­über fehlen.

London, 11. Octbr. DasReuter'sche Bureau" meldet aus Teheran vom 11. ds.: Kurdische Horden, welche jüngst in Persien etnfielen, plünderten Miandoab und vier große Dörfer, deren Einwohner sie niedermetzelten. Die persische Regierung hat die Entsendung von 12 Bataillonen Infanterie, 2000 Mann Kavallerie und 12 Geschützen nach dem Schauplatze der Rebellion angeordnet.

Paris, 11. Octbr. DieAgence Havas" meldet aus Konstantinopel: Der Ministerrath beschloß die sofortige bedingungslose Uebergabe Dulctgnos.

Felix Pyat wird wegen Vertheidtgung des von Berezowski gegen den Kaiser von Rußland im Jahre 1867 verübten Attentates gerichtlich verfolgt.

Hamburg, 11. Octbr., Abends. Ein bet der Hamburger Vereins- bank iangestellt gewesener Commis Namens Haarburger ist unter Mitnahme von 165,000 flüchtig gegangen.

Paris, 11. October, Abends. Meldung derAgence Havas" aus Baosich. In Folge eines Mißverständnisses fand am 6. ds. Gewehrfeuer zwi­schen Türken und Albanesen bet Nuju statt; es gab mehrere Todte und Ver­wundete. Die Nachricht von Riza Paschas Reise nach Podgoritza hat sich nicht bestätigt.

Stuttgart, 11. October. DerStaatsanzeiger" meldet: Der König ist durch Gesundheitsrücksichten verhindert, der vom Kaiser ergangenen Ein- ladung nach Köln stattzugeben und an der Feier der Einsetzung des Schluß, ßetnrs zum Dome persönlich thetlzunehmen. Der König läßt sich dnrch den Prinzen Wilhelm vertreten.

New-Bork, 11. Octbr. In Indiana findet eine sehr heftige Wahl­agitation statt. In Shelbyville kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Demokraten und Republikanern, wobei der Shertf getödtet, ein Adjunkt und mehrere andere Personen verwundet wurden. Auch in Eoansvtlle wurden gelegentlich der Wahlagitation mehrere Personen durch Revolverschüsse ver­wundet.

Lokales.

Giepen, 12. October Wie unsere Leser aus dem Jnseratentheil ersehen, sind Vor- sckläge zur Stadtverordnetenwahl überreich vorhanden. Wenn wir uns hierbei einen Wunsch erlauben dürfen, so wäre es die freundliche Bitte: Prüfet Alle und wählet die Besten.

Allgemeine

Tanz-Unterricht.

6447) Ich bringe hiermit zur Kenntniß eines geehrten Publikums, daß mein Tanzunterricht Montag den 18. October wieder beginnt.

Diejenigen, welche daran Theil nehmen wollen, werden gebeten, sich wo möglich in Gesellschaften von 1216 Personen zu vereinigen. Anmeldungen wolle man bis dahin an mich gefälligst ergehen lassen.

Roese, Univ.-Tan?- u. Fechtmeister.

Gießen, 12. Oktober. Tagesordnung für die Stadtverordneten - Sitzung am Donnerstag, den 14. September 1880, Nachmittags 4 Uhr, im alten Neal; fchulgebäude:

1. Die Herstellung des linken Lahnufers an der Stadtwiese.

2. Das Entnehmen von Kies und Grund aus dem Lahnbett.

3. Das Lagern von gebaggertem Lahnkies.

4- Die Reparatur des Wehrs an der Obermühle.

5. Anlagen in der Stadtbach betr.

6. Die Grundzinsen betr.

7. Gesuch des Kaufmanns Emil Mühl wegen Errichtung eines Geländers auf der Böschung des Stadtgrabens.

8. Desgleichen des Bierbrauers Christian Lony.

9. Straßenanlagen zwischen Neustadt und Wallthor.

10. Straßenanlagen zwischen Neuenweg und Wallthor.

11. Der Weg von der neuen Anlage nach dem Steg über die Wieseck.

12. Der an der Hofraithe des Wilhelm Seipp beziehende Graben.

13. Die Rinne und der Canal am Wallthor vor dem Hanse des Metzgers Elias Schul;.

14. Klage gegen den Ortsarmenverband des Gutsbezirks Siedlemin.

15. Desgleichen gegen den Ortsarmenverband Frankfurt a. £).

16. Desgleichen gegen den Ortsarmenverband Steinbach.

17. Gesuch des Zimmermeisters Eberhard Feuster in Gießen um Bauerlaubntß.

18. Gesuch des Großh. Universitäts-Rentamtmanns Schmidt um Erlaubniß zur An­bringung zweier Abwetsstetne.

19. Gesuch des Wilhelm Reiber um Erlaubniß zur Anbringung zweier Schächte in dem Trottoir der Löwengasie.

20. Die Verpachtung des Steinbruchs in der Steinrutsche.

21. Pachtvertrag mit Oeconom Friedrich Simou von Gießen.

22. Die jährlichen Hebungen der Ersatz-Reserve I Klaffe.

23. Den Verkauf von Backwaaren uno das Gewicht.

24 Das Feuerlöschwesen betr.

25. Die Ergänzuygswahl zur Stadtverordnetenversammlung für die Periode 1881/89.

26. Gesuch des Turnvereins Gießen um Ueberlaffung eines städtischen Platzes zur Er­bauung einer Turnhalle.

27. Gesuch der Juliane Müller um käufliche Ueberlaffung städtischen Geländes.

28. Gesuch wegen Ueberlaffung der Hospttalkirche

29. Gesuch wegen Ueberlaffung eines Schulsaales.

30. Ueberlaffung von Räumlichkeiten an den Gewerbe-Verein.

31. Gesuch wegen käuflicher Ueberlaffung abgestorbener Obstbäume aus städtischen Pacht­grundstücken.

Vermischtes.

F r a n k f u r t, 9. Octbr. Der Opernhausplatz gleicht einem Ameisenhaufen. Hunderte von Arbeitern rennen geschäftig hin und her. um das Acußere dem Inneren entsprechend würdig auszustatten. Die Candelaber stehen im Unterbau fertig. Die Gerüste werden bereits abge­brochen. Neben dem Apollo wird Recha (aus Nathan) und die Braut von Messina, beide von Bildhauer Herold, aufgestellt. Die Steinmetzen sind fleißig mit Ausfügen beschäftigt, während die Stadtgärtnerei sich anschickt, die Corbeilles, welche dazu bestimmt sind, im nächsten Jahr einen großen Roscnflor aufzunehmen, den man an dieser Stelle zu erhalten hofft, mit Immer­grün zu schmücken. Prinz Carl von Preußen besuchte heute Mittag das Haus.

In der Hasengaffe fiel ein Arbeiter beim Eier-Transport in eine Mahne mit 300 Eiern. Die Catastrophe war jammervoll

(Ich bin's nur.] In Weißensee war Pferderennen und es ging hoch her mit Ein­sätzen und Wetten. Eben hatte ein Herr ein 20-Markstück gesetzt und die Hand vom Goldstück zurückgezogen, als sich eine andere schwere Hand darauf legte. Der Herr sah sich zornig nach dem Unverschämten um, schlug aber beschämt die Augen nieder, denn der Mann hinter ihm sagte:Entschuldigen Sie, ich bin's nur, der Gerichtsvollzieher."

Handel und Verkehr.

Gießen, 12 October. Auf dem heutigen Wochenmarktc kostete: Butter per Pfd. 1,0.« bis 0.00, Hühnereier 1 Stück 67H, 2 St. 13 Enteneier 1 Stück 7-8^. Käse per Stück 512 H, Kasematte per Stück 30 H, Erbsen 1 Liter 22 H, Linsen 1 Liter 27 H, Tauben das Paar 4560 Hühner p. St. JL 0.751.00, Hahnen p. St. Jt 0.500.70, Gänse pr. Pfd. 4352^,. Enten per Stück JL 1.25-1.60, Ochsenfleisch 68UO per Pfd., Kuh- und Rindfleisch 4850 Kalbfleisch 5056 H, Hammelfleisch 50-66 Schweinefleisch 6668 4, Kartoffeln per 100 Kilo Ju 3.70-5.50, Zwiebeln p. Ctr. JL 67, Milch per Stier 16 und 18 H, Weißkraut 100 Stück JL 4.505.0, Zwetschrn per Ctr. JL 4.505.

Frankfurt, 11. October. (Fruchtbericht.) Mehl Nr. 1 JL. 40, Nr.2 38, Nr. 3

32, Nr. 4 JL 2x, Nr. 5 23, Roggenmehl % (Berliner Marke) 28.5029, do.

I (Berliner Marke) JL 27.00 -27.50, do. 11 (Berliner Marke) 21.5000.00. Weizen effektiv hiesiger ab Bahnhof hier JL 22.25 22.5 », ab unserer Umgegend 21.7522.00, do. fremder je nach Qualität 00.0000.00, Roggen, je nach Qualität JL. 20.7521.00, Gerste JL. 18-1925, Hafer M. 1314.00, Kohlsamen 27.25-28, Erbsen JL 1927, Wicken JL 16-18, Linsen 20 -40, Bohnen, weiße, 2325, Roggenkleie , Weizenkleie, grobe und feine JL, Rüböl, detail, J4 63. Stimmung fest. Haupt­sächlich gefragt war:. Dringend off erbet:. (Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfund Zollgewicht 100 Kilo.)

Frankfurt, 11. Oktober. Der heutige Viehmarkt war gut befahren. Angetrieben waren ca. 230 Ochsen und Stiere, 160 Kühe und Rinder, 180 Kälber und 200 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. 6869, 2. Qual. J4 6466, Kühe und Rinder 1. Qual. JL- 56 -58, 2. Qual. 5052, Kälber 1 Qual. JL 5254, 2. Qual. 48-50, Hämmel 1. Qual. JL 5860, 2. Qual. 4050 per 100 Pfd. Schlacht­gewicht. Schweine je nach Qualität das Pfund

8cMir«herl@!ht. Mitgetheilt von dem Agenten deS norddeutschen Lloyt, C. W. Dietz in Gießen.

Bremen, 8. Oktober. sPer transatlantischen Telegraph.] Der Postdampfer Köln, Capt. Th. Jüngst, vom Norddeutschen Llopd in Bremen, welcher am 22. September von Bremen abgegangen war, ist gestern wohlbehalten in Baltimore angekommen.

Bremen, 8. Oktober. (Per transatlantischen Telegraph.] Der Postdampfer Neckar, Capt. W- Willigerod, vom Norodeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 26. September von Bremen und am 28. September von Southampton abgegangen war, ist heute 6 Uhr Morgens wohlbehalten in Newvork angekommen.

Bremen, 9. Oct. Der Postdampfer Mosel, Capt. H. A. F. Neynaber, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 25. September von Newyork abgegangen war, ist heute 12 Uhr Mittags wohlbehalten in Southampton angekommen und hat nach Landung der für dort be­stimmten Passagiere, Post und Ladung 5 Uhr Nachmittags die Reise nach hier fortgesetzt. Der­selbe überbringt 136 Passagiere und volle Ladung.

DieMosel" wurde während der ganzen Reife durch heftigen Oststurm zurückgehaltcn.

r Anzeiger.

Zur gefälligen Beachtung!

Einem verehrlichen Publikum die ergebenste Anzeige, daß ich mit dem Heutigen die Wirthschaft

Zur Ludwigshalle"

übernommen habe. Für gute Speisen und Getränke, sowie für freundliche Bedienung werde bestens besorgt sein und lade zu zahlreichem Besuche höflichst ein.

Gießen, den 8. October 1880.

Achtungsvoll

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