Ilhden erklärt sick für die Brausteuer und gegen die Anwendung von Surrogaten Schröder (Friedberg) erklärt: So lange das Gespenst des Tabaksmonopols umhergehe, habe man allen Grund, mit Bewilligung der Brausteuer zu warten. — Unter; ftaatssecretär Scholz sucht einzelne Bedenken der Vorredner zu widerlegen. — Meier (Schaumburg) bittet, die Vorlage an die Commission zu verweisen, und richtet die Aufmerksamkeit auf die zwei Punkte der Vorlage: Betr das Verbot aller Surrogate und die Vergütung beim Export; was der Entwurf bezüglich dieser beiden Punkte festsetze, erscheine verbesserungssähig. Witte (Rostock) spricht Namens der Mehrheit der National- Liberalen gegen den Entwllrs; derselbe sei nicht discutirbar ohne gleichzeitige Erhöhung der Branntweinsteuer, v. Schauß erklärt, er werde mit einem kleinen Theil seiner Freunde für commissarische Berathung eintreten. Die Diskussion wird geschlossen. Der Antrag des Fürsten Hatzfeld auf Ueberweisung an eine Commission wird abgc- lehnt. Die zwecke Berathung findet also im Plenum statt. — Nächste Sitzung Freitag.
Berlin, 11. März. Der Relcyscomuuffäc für Die Ausstellung In Melbourne macht die Uebersührung der deutschen Ausstellungsgüter nach Au- stralten mittelst Dampfschiffs bekannt und richtet an die Ausstellungs-Theil- nehmer die vorläufige Aufforderung, die bezüglichen Frachtstücke bis Ende Mat tn einem noch näher zu bezeichnenden Hasen bereit halten zu laffen.
London, 11. März. Schatzkanzler Nothcote richtete an die Wähler deS Wahlbezirks Norddevonshtre ein Schreiben, worin er erklärt, daß die auswärtige, Innere und Colontal-Polttik der Regierung stets von dem Gesichtspunkte aus geleitet worden sei, die Größe, Integrität und Constitution des Reiche- auftechtztrerhalten. Er weist ferner auf die Schwierigkeiten ytn, mit welchen die Regierung im Auslande zu kämpfen hatte, unterzieht die Gesetze der letzten 6 Jahre über innere Angelegenheiten einer eingehendenden Betrachtung und rechtfertigt die Finanzpolitik, indem er die Hoffnung ausspricht, daß die Zeit peinlicher Unruhe für England ihrem Ende entgegengehen und das nächste Parlament seine ganze Energie aus das Werk der Dosierung def socialen und inneren Verhältnisse werde richten können.
— Das Manifest der Liberalen in der Form eines Schreibens Lord Harttngton'S an deffen Wähler weist die von Lord Beaconsfie.d erhobene Beschuldigung zurück, daß die Liberalen die Colonien dem Reiche zu entfremden beabsichtigten, betont, daß die Agitation der Homeruler schädlich und aussichtslos sei und mißbilligt die zu scharse Sprache Beaconsfields hierüber. Beaconsfield behaupte, den Frieden Europas aufrechter halten zu haben, er habe aber nicht den Orientkrieg abgewendet. Die Regierung spreche tn einem Rundschreiben von der Suprematie Englands, habe aber die Suprematie zwecklos durch geheime Conventionen aufgegeben. In ihren besonderen Zielen habe die Politik der Regierung Niederlagen durch die Vergrößerung Rußlands und durch die Zerstörung der Unabhängigkeit und Integrität der Türket erlitten. Die Politik der Regierung habe Schiffbruch erlitten, während die ungeheuren Verantwortlichkeiten, welche England eingegangen, geblieben seien. Das Manifest weist auf die Nothwendigkeit von Reformen in der Volksvertretung und des Systems der Localrezierung, sowie der den Grund und Boden betr. Gesetze hin und schließt mit der Erklärung, die liberale Partei könne versprechen, daß sie sich, indem sie die Macht des Reiches vollkommen unterstütze, die Sicherheit des Vaterlandes befestige und seine Besitzungen behaupte, in keine Politik der Umwälzung oder des Annecttrens einlaffen werde.
Pari-, 11. März. Dem „Soir" zufolge erfolgt in diesen Tagen die Ernennung des Generals Gallifet zum Gouverneur von Parts, des Generals Davoust;um Commandeur des 14. Armee-Corps und des Generals-Iresley zum Commandanten des 5. Armee-Corps. General Grevy würde das Com- mando der Artillerie tn Paris erhalten und General Laval an der Spitze der höheren Kriegsschule verbleiben.
Lokales.
Gießen, 12. März. Eine heute Morgen vorgenommene Visitation der Milch lieferte das Resultat, daß 4 Lieferanten ihre Milchkannen so nahe an die Brunnen gestellt hatten, daß mehr Wasser wie Milch in denselben war Nach dem Gesetz über Fälschung von Lebensmitteln trifft die Läufer eine sehr empfindliche Strafe, abgesehen davon, daß deren Namen auch event. veröffentlicht wird.
Vermischtes.
Offenbach, 10. März. Gestern Abend gelang es der Polizei, einen schweren Verbrecher in hiesiger Stadt dingfest zu machen, der in verflossener Nacht in Frankfurt, woselbst er sick wegen einer Reihe von Dtebstäblen in Untersuchung und Haft befand, außbrach. Nur mit einem Hemd bekleidet, führte er seinen Fluchtplan aus, nahm zwei rothe Koltern mit, von denen er sich im Walde bei Offenbach Beinkleider, Sckuhe und Mütze, sowie eine Art Mantel herstellte, tn welchem Aufzuge er bei etngebrochener Dunkelheit den Wald verließ und durch Offenbach zu entkommen versuchte, was ihm aber nicht gelang — Der Verbrecker heißt Robert Frank und ist aus Vilbel; von seinen 56 Lebensjahren hat er nicht weniger als bereits 26 Jahre in den Gefängniffen und Zucktbäusern zugebracht.
Mainz, 9. März. Gestern Nachmittag wurde am Hellen Tag in der St. Jgnazkirche eine gestickte Altardeckc von dem Altar entwendet, ohne daß man biS jetzt eine Spur des Dirbes gefunden hätte
Viernheim, 10. März In der kiesigen Synagoge kam cs, wie der „Stärkend. Bote" meldet, seit einiger Zett wiederholt zu Störungen und Ungehörigkeiten, so daß sich auf geschehene Anzeige das Kretsamt veranlaßt sah, zur Verhütung weiterer Ausschreitungen eineu Polizeidiener mir der Aufrechterhaltung der Ordnung während der Gottesdienste zu beauftragen. Die israelitische Gemeinde hat die Kosten für diese gewiß außergewöhnliche Ueberwachung zu tragen und sollen in Folge der unliebsamen Vorgänge einzelne Israeliten die Synaaoae icBt gänzlich meiden. 0 ° ‘ 9
~7 [®i n neu entdeckter Stoff.) Ein ehrsamer Seifensieder in Hinterpommern ertnelt kürzlick von seinem hoffnungsvollen Sohn, welcher in Berlin Chemie stuvirt, folgende Karte: „Lieber Vater! Es freut mich zwar, daß Du selbst kommen willst, allein noch wäre es zu früh!!! Der Stoff, den ick mit meinem Freunde entdeckt habe, beschäftigt mich vorläufig noch die ganzen Nächte hindurch im Laboratorium. Alles hängt davon ab, daß ich die erbetene Summe schleunigst erhalte. — Beharrlichkeit, Verschwiegenheit, Eile! Dein Sohn." In der freudigsten Aufregung beschaffte sich der Alte das nöth.ge nicht unbeträchtliche Geld, konnte aber doch der Neugierde nicht widerstehen; auck glaubte er als praktischer Fachmann dem Sohn zu Rathe sein zu können — kurz er fuhr damit selbst nach Berlin. — Die dortige Wirthin theilbe ihm nut, daß der Herr Sohn sich ebcn von den häuslichen Studien ins Laboratorium begeben habe! Im Zimmer des jungen Mannes lagen denn auch e,ne Menge dickleibiger Bücher auf- geschlagen und aus verschiedenen Retorten verbreitete sich ein pestilenzialischer Geruch, daß der gerührte Vater völlig überzeugt war, Fleiß und Genie seines Sohnes würden der Wissenschaft einen großen Erfolg, ihm selbst aber eine glänzende Zukunft erkämpfen. Wo das Laboratorium sei , wußte man ihm indessen nickt anzugcbcn Auf der Treppe begegnete ihm ein Briefträger mit einer Karte: „An Dm stud. ehern. X. — In Eurem neuen Laboratorium bei P. in der Gipsstraße bekommt mir der „Stoff" nicht, erwartet mich daher im alten. — N. N " — Also ein Consumartckel!" dachte der Vater und begab sich nach der Gipsstraße, um das Laboratorium bet P. zu erforschen. Zu seinem Erstaunen sand er nur eme Kneipe. Nun ging dem Seifensieder ein Licht auf! — Er ließ sich mit dem Wirth in ein Gespräch ein: „Wie ist es ihnen möglich, in dieser rntlegcnen Straße nut ihrem Geschäft zu bestehen?" — „DaH lassen Sie gut sein! Gegen Abend verkehren hier die nobelsten jungen Leute!" — Das Lokal hatte sich inzwischen wirklich gefüllt. — „Sehen Sw," fuhr der junge Wirth fort, „dort in der Ecke derr runden Tisch, den nennen roh „das Laboratorium", da kneipen allnächtlich vier reiche Studenten? Vergangene Nacht haben sie über 50 Schoppen Löwenbräu getrunken, und der kleine Herr, der dort eben eintrttt, das ist — man sollte es nicht meinen — der größte Zecher von den Vieren!" — Der alte Herr sank sprachlos in einen Stuhl zurück, denn der Eintrctend« war sein Sohn, der angebliche Entdecker eines neuen Stoffes 1 Nock ehe der filius seiner ansichtig wurde, entfernte sick der traurige Seifensieder. — Anderen Tages erhielt der Studiosus X eine Karte: „Den „Stoff", den Du entdeckt hast, habe ich gekostet! Er schmeckt zwar ganz gut, aber ich glaube, er wird Dir schlecht bekommen! Darum packe schleunigst Deine Sachen und komme hierher, denn ich brauche gerade einen neuen Gesellen! Beharrlichkeit, Verschwiegenheit, Eile? — Dein Vater." —
Irischbiicker in Gießen.
Sonntag, den 14. März. Ludwig Schneider, Neustadt. Ludwig Kämmerer, Seltersweg. Christian Faß, Neue Baue.
I Kirchliche Anzeigen der evangelischenGemeinde suGiotzen.
Gottesdienst:
Sonntag, den 14. M ärz.
Morgens - Pfarrer Schlosser. — Nachmittags: Pfarrverwalter Schöner.
Mittwoch, den 17. März:
PasfionsgottrSdienst in der Stadtktrche.
Abends 6 Uhr: Gymnasiallehrer Stamm.
(Zur Entgegennahme von Beiträgen für die Beleuchtung sind Büchsen ausgestellt.)
Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 14. bis 20. März besorgt
Pfarrer Schlosser.
welche am Tage der Aufgabe erscheinen sollen, tll bitten wir bis längstens Vormittags 10 Uhr
’ an uns gelangen zu laffen. Im Interesse der
rechtzeitigen Fertigstellung unseres Blattes sind wir zu dieser wiederholte« Bekanntgabe genöthigt.
Die Expedition des „Gießener Anzeigers".
Allgemeine Mühlen Verkauf.
Donnerstag den 1. April, Nachmittags 2 Uhr, lassen die Erben des versterb. Müllermeifters Peter Bepler in Wetzlar die demselben gehörige f. g. Lahnmühle, bestehend aus 3 Mahlgängen, 1 Oelmühle, 1 Säuberer und Backkinrichtung. nebst Hofraum, Stallgebä >de und Wellenbad, tn der Mühle selbst auf 3 Terminzahlungen öffentlich meistbietend versteigern.
Die Wasserkraft ist das ganze Jahr hindurch zum Mühlenbetrib vorhanden und die Gebäude seit einigen Jahren neu hergestellt. Die vorhandenen Räume und die Wasserkraft gestatten auch jden anderen Geschäftsbetrieb. Einstcht von dem Etablissement kann, da das Geschäft noch im Betrieb steht, jeder Zett genommen werben.
Rädere Auskunft ertheilt aus frankirte Anfragen der Comissionair A«t. Fohrer in Wetzlar. (1640
Verein für Grflügrl und W-Muichl.
©Ordentliche Generalversammlung
Montag den 22. März d. I., Abends 8 Uhr, im Cale Klein»
Tagesordnung:
1. Berichterstattung.
2 Rechnungs-Ablage. ___ 3. Wahl des Vorstandes. (1664
1658) Prima Saat-Hafer verkauft j 1661) Eine Quantität Kuhmist verkauft Emil Lotz. 1 Ehr. Jungblut, Promenadehaus.
r Anzeiger.
Volksküche in Gießen.
Auf Grund eines Beschlusses des unterzeichneten Vorstandes bringen wir hierdurch zur Kenntnis der bctheiligten Kreise, daß
Freitag den 49» März in diesem Jahre zum letzten Male Suppe zur Der- theilung gelangt.
Gießen, am 11. März 1880.
1639) Per Vorstand.
Generalversammlung der Spar- und Mhkasse ?u Watzenborn-Steinberg, eingetr. Genossenschaft, findet den 18. März, Nachmittags 2 Uhr, im Saale des Gastwtrths Sommer statt, wozu sämmtliche Mitglieder etngeladen werden.
Tagesordnung:
1632) 1) Abhören der Rechnung pro 1879.
2) Ergänzungswahl des Vorstandes.
3) Voranschlag für 1880.
Watzenborn im März 1880.
___Kling. Vorsitzender deS Ausschusses.
1663) Mein Garten in der Nähe des I 1650) Circa 4 bis 5 Wagen Mist zu Wenzel'schen Gartens ist zu verkaufen. I verkaufen.
Sophie Fuhr, Sonnenstratze 104. | Heinrich Faß, Ludwigsplatz.
1643)
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