1880.
Freitag den 13. Februar
Nr. S7
üt>Ädieielbitrc<mt \ Schulstrahe B. 18.
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Die Haltung des Centrums.
Die Bereitwilligkeit des Staates, den Culiurfrteden mit Rom zu i schließen, ist bereits im Vatikan vor Kurzem falsch gedeutet worden. Papst Leo XIII., vorher selbst entgegenkommend und eifrig viplomatisch thätig, um überhaupt Fried-nsverhandlnng-n zu beginnen, schien bei den ersten Eoncessio- nen, zu welchen ter Staat stch bereit erklärte, plötzlich ein Anderer geworden au sein und erklärte, der moderne Staat, speciell Deutschland, müsse die Kirche so annehmen, wie fie sei. Die geringste Nachgiebigkeit genügte, um in Rom den Glauben zu erwecken, die Beendigung des Culturkampfes sei so sehr eine Nothwendigkeit für das deutsche Reich, daß man Seitens des letzteren schließlich xu allen Opfern bereit sein würde. u tl£.
Derselbe Gedankengang, welcher denselben Oberhirten der katholischen Kirche und die römische Diplomatie leitete, entstand in den Köpfen der Cen- rrumsführer. Windthorst bezeichnet zwar bescheiden genug den Werth des bultursriedens nicht höher als den eines Armee-Corps, aber andere Centtums- männer leben in dem Wahne, daß die ganz- Entwicklung des deutschen R- che« in Stockung gerathen werde, wenn das Centrum dem Fürsten Bismarck seine Unterstützung entziehen würde. Der Reichskanzler hat allerdings die Ultra» wontanen in diesen schönen Traum ihrer Macht und Herrlichkeit cingewiegt, aber der politisch- Jupiter ist weit davon entfernt, sich von dem Centrum den Blitz entreißen zu laffen. Es wäre in der Thal eine göttliche Comödie, trenn kit Ultramontanen in ihrer Ueberhebung sich zu weiteren Unvorsichtigkeiten, wie st- die err-gt- preußische Landtagssttzung bei der Verlesung eines königlichen Erlasses zeigte, hinreißen ließen, so daß Bismarck, wenn er ihnen abermals als Feinden der staallichen Autorität den Lauspaß gäbe,dami t zugle ch die g-sammt- öffentliche Meinung für sich gewinnen wurde. Nicht der Reichskanzler würde dann als unzuverlässiger Bundesgenoffe des Centrums hmgestevt werden können, sondern das Odium der gescheiterten Verhandlungen fiele voll auf die Ultiamontanen und auf die hinter ihnen stehende päpstliche Diplomatie, welche, um es gelinde auszudrücken, zu wett gehende Ansprüche erhoben haben würde. Dann wäre Windthorst nicht nur zu spät aufgestanden, sondern er könnte überhaupt auf lange Zeit schlafen gehen.
c,n gewisser Beziehung deutet das Vorspiel im preußischen Landtage bereits eine Aeneerung der Parteien gegenüber den neuen und großen Mn» ,prüchen der römischen Curie an. Das Abgeordneienhaus trennte sich ziemlich streng nach zwei Seiten. Aber wunderbar genug ging diese Trennung des Äausts nicht dahin: Hie galt, hi- Puitkamer. Es maßen sich nicht das alte >?nd das neue System. Der ehemalige Minister des Cultus konnte die Rede des gegenwärtigen, und Herr v. Putlkamer die Red- seines Vorgängers unter- schreiben, wenn auch daö -in- Mal der Applaus von rechts das andere Mal eon linker Seite kam. Beide Minister halten an der Staatsschutzwehr s st und erkennen nicht an, was Windthorst verlangte: die Unterw-isuug unter das Kreuz von Golgatha. Beide Männer sind tiefrel gios, aber auch deutsch genug, um di- Zumuthung, zu Kreuze zu kriechen zurückzuweffeu. So sanden wir denn auf einmal Herrn v. Puttkamer an der ®ett«t ®r. Fa»s, und, was die Hauptsache war, die Ultramontanen erblickten sich aus einmal von ten Conservativen verlaffen. Allerdings bleibt trotzdem der himmelweite Un- i.rschied zwischen den Systemen Puttkamer und Falk bestehen, aber in der patriotischen Erhaltung der Staatsautorität den zu weit gehenden An- wrüchen der römischen Kirche gegenüber sind sie einig.
Wir sind nicht der Meinung, daß der Culturfrieden nunmehr erschwert oder aar unmöglich sei. Nur wird nunmehr die Kirche Concessionen zu machen daben und wenn letztere auch dem Centrum wenig schmackhaft erscheinen werden io ist eS doch, wie Windthorst hervorhob, gehorsam dem Vatikan, und selbst wenn die vom heiligen Stuhl bewilligten Concessionen von einzelnen «kminmsmännern subiecttv nicht gebilligt werden würden, so gilt für die SS»Sei für die gesammte deutsche Curie das klare Wort der kleinen Excellenz: „Sind die Concessionen vom heiligen Stuhle gemacht, so beugen wir uns in Ehrfurcht!" t
Kculjchland.
11 Februar. Zweite Kammer der Stände. 43. Sitzung . m- fnrt in der Berathung des Gesetzentwurfes, die allgemeine Bau«
Die Kammer fahrt Antrag Kugler's eine zweite Lesung be-
ordnung betreffend, zu welcher yeme be§ Ausschusses zur
'chlofsen wird. Zu.Art. 48 des rsniwu^v b burd) 25 bide Backsteinwand !kC' nrnD50 Meter statt der im Entwurf enthaltenen 25 Meter
wonach bei einer geringeren Entfernung als 3 Meter
——-------- «teil vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit K tngerlohn.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Montag». die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.
von der Eig-nthumsgr-nze die Errichtung einer Brandmauer erlassen Eden. kann
soll die Scheidewand in ausgemauertem Machwerk ^-ustbllett lem, d T, . t
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we d n müssen, wird nicht deanstandet, ebenso Art. Ü9, welcher and
feteftÄÄ’ÄÄÄÄ ffinriAti gehörig n Luftwechsels erhalten Absatz 2, welcher
MenT^nIafleflDO^UffioSnun9^l%änJli<^ unter die Erdoberfläche sKeUerwohnungen °-r- bietC*' De'vierte MA ^handel, von.der Zuständigkeit d-r Behörden und dem Vmahren L.^!ge1e"D-batte63 Äf((t
Über^H-ndhabung de?BanpM-/nn Kreis- stihrt Die Maiontä ^ Aus^u ^ hi>nntrnat die Ausübung der Baupolizei IN den Städten, aus weicye me ^rnore Ordnung Anwendung erleidet, dem Bürgermeister zu übertragen , ^bUtltch . d r. Oberaufsicht d-s Kreisamtes, vorausgesetzt, daß in d'-sin Städten e,n ®tabWaumet)t angestellt ist welcher die Staatsprüfung im Bausach bestanden hat. 5ur Sieben An traa der Majorität treten namentlich die Abgg. Kugler Osann, Diehl Betz und Schröder ein, wahrend Regierungsrath Freiherr v. Lagern, soime der B-ncht. erftatter Aba Ki'lchler, sich entschieden dagegen cmviprechen. ^on Setten der ^e-
ruckter Zeit nicht zu Ende geführt werden. - Fortsetzung der Berathung nwrsem
Mainz, 11. F-bruar. Das Rhemeis hat stch >°"en IN Bewegung gesetzt; der Rachenoerkehr ist aufgenommen, morgen werden di- Dampfboote wieder^Tbastg gebruar. Die Einberufung des Reichstages auf den 12. Febivar hat wieder die Frage der Aufeinanderfolge von Landtag und Reichstag in den Vordergrund gerückt. Die Eröffnung des Reichstages konnte nicht länger hinausgeschoben werden, wenn der Ekat bis zu den: verfaffungs- mäßigen Termine durckberathen sein soll. Andererseits stnddi- einzelnen Landtage in Preußen, Bayern, Hessen rc. noch weit davon entfernt, ihr Pen- (um aufgearbeitet ju haben. Der preußische Landtag hat nicht einmaldw Lälste der Arbeiten beendet und muß nun überstürzt seine Thätigkeit abbr-chen. Das sind jedenfalls unheilvolle Zustände, di- noch dadurch erhöht w-rd-n, daß ein großer Theil der Landtagsmitglieder auch im Reichstage sitzt.
Die Folge davon wird wieder fein, daß eine nicht unerheblich-Zahl non Landtagsmitgliedern, die zugleich R-ichstagsmitglteder sind, nicht . Reichstage erscheinen werden, so daß dieser dadurch viell-icht besch «ßunfah iedensalls aber sehr beeinträchtigt wird. Auch die Wahlkreise letven un r diesem Zustande, der jedenfalls auf die Dauer nicht b^b-h°1teu werden kann. Die A-nd'rung muß eintreten; -s fragt sich nur, welch e art Je feto foU.
Verschiedene Vorschläge find diesbezüglich gemach mord n Man hat von liberaler Seite beantragt, den Reichstag v°ransg-hen zu lasi-n, und den Landtagen, di- mehr Zeit in Anspruch nehmen.wie• b„ »riJMafl, b« 8« na^ dem Reichstage zu <>^uar, 'spätestens bis Ende F-bruar been>
^uglelch^ Körverschaften zusammen tagten. Endlich beab-
stchtigt bekanntlich die Reichsregierung, die Einrichtung zweijähriger Budget- J L n? in einem olahre immer eine kurze Reichstagssession emtreren
1 p r.rbc ^reukisckk Regierung wünscht, daß in einem Jabre der Reichstag,
vlCiuliu vuu y«
D-r Gefreite Georg Zoller der 8. Compagnie 1. Großh. H-ff. 3nfanterie<^bgarbe»)^ ,u ®le6en' ***
am 17. Januar 1857, gegen welchen das kriegsgerichtliche
im hi-fig-n Militär-Gerlchtslveal (Riedeselstraße Nr"60) anstehenden Termin unter dem Bedrohen vorgeladen, daß er bei euerem Ausbleiben für Deserteur in contumaciam erklärt und mit einer Geldbuße von 150 bis 3000 X b°>-g^ELen wird.^ @ro^ (25.) Division.
Darm stadt, den 5. Februar ivvri.
ießener 'Mmeiger
KnM- 11b Amtsblatt für bei Kreis Gießei.


